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Full text of "Die heteropoden der Siboga-expedition"

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BERRSREHHRURE 


EX LIBRIS 


William Healey Dall 


Division of Mollusks 
Sectional Library 


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RESULTATS DES EXPLORATIONS 
zOOLOEINUES, BOTANIQUES, OCEANOGRAPHIQUES ET BEOLOGIQUES 


ENTREPRISES AUX 
INDES NEERLANDAISES ORIENTALES en 1899—1900, 


a bord du SIBOGA 
SOUS LE COMMANDEMENT DE 
G. F. TYDEMAN 
PUBLIES PAR 
MAX WEBER 
Chef de l’expedition. 


. Introduetion et deseription de l’expelition, Max Weber. 


. Resultats re G. F. Tydeman. 

. Foramiunifera, T. er 

is. Xenophyophora, RG E. Sehulze. 

. Radiolaria, M. Hartmann. 

. Porifera, I. E. Schulze, G. ©. J. Vosmaer et 

. Hydropolypi, Ch. Julin. [Y. H. Vernhout''), 
. Stylasterina, S. J. Hickson et Milo H. M. England. 
. Siphonophora, Mlles Lens et van Riemsdijk. 

. Hydromedusae, ©. Maas. 

. Scyphomedusae, OÖ. Maas. 

Ctenophora, Mlle F, Moser. 


. Pennatulidae, S. J. Hickson. 

. Actiniaria, P. Me Murrich. 

. Madreporaria, A. Aleock ') et L. Döderlein. 
. Antipatharia, P. N. van Kampen. 

. Turbellaria, L, von Graff et R. R. von Stummer. 
. Cestodes, J. W. Spengel. 

. Nematodes, H. F. Nierstrasz. 

. Chaetognatha, &. H. Fowler. 

. Nemertini, A. A. W. Hubrecht. 

. Myzostomidae, R. R. von Stummer. 

. Polychaeta errantia, R. Horst. 

2. Polychaeta sedentaria, M. Caullery et F. Mesnil. 
. Gephyrea, C. Ph. Sluiter. 

. Enteropneusta, J. W. Spengel. 

is. Pterobranchia, S. F. Harmer. 

. Brachiopoda, J. F. van Bemmelen. 

. Polyzoa, S. F. Harmer. 

- Copepoda, A. Scott. 

. Ostracoda, G. W. Müller. 

. Cirrhipedia, P. P, C. Hoek. 

. Isopoda, H. J. Hansen. 

. Amphipoda, Ch. Perez. 

. Caprellidae, P. Mayer. 

. Stomatopoda, H.’J. Hansen. 

. Cumacea, W. T. Calman. 

. Sehizopoda, H. J. Hansen. 

. Sergestidae, H. J. Hansen. 

. Decapoda, J. G. de Man. 

. Pantopoda, J. C. C. Loman. 

. Halobatidae, J. Th. Oudemans. 

. Crinoidea, L. Döderlein et ©. Vaney. 

. Echinoidea, J. €. H. de Meijere, 

. Holothurioidea, C. Ph. Sluiter. 

. Ophiuroidea, R. Köhler. 

. Asteroidea, L, Döderlein. 

. Solenogastres, H. P. Nierstrasz. 

- Chitonidae, H. F. Nierstrasz. 

. Prosobranchia, M. M. Schepman. 

. Prosobranchia parasitica, H. F. Nierstrasz. 

. Opisthobranchia, R. Bergh. 

. Heteropoda, J. J. Tesch. 

. Pteropoda, J. J. Tesch. 

. Lamellibranchiata, P. Daidsniene et Ph. Dautzenberg. 
. Scaphopoda, Mille M. Boissevain. 

. Cephalopoda, L. Joubin. 

. Tunicata, C. Ph. Sluiter?). - 
. Pisces, Max Weber. 

. Cetacea, Max Weber. 

. Liste des algues, Mme A. Weber. 

. Halimeda, Mlle E. S. Barton. (Mwe FE, S. san); 
. Corallinaceae, Mme A. Weber et M. Foslie. 

. Codiaceae, A. et Mme RB, S, Gepp. 

. Dinoflagellata. Coccosphaeridae, J. P. Tvtsy. 

£ Diatomaceae, J. P. Lotsy. 

. Deposita marina, O. B. Böggild. 

. Resultats geologiques, A. Wichmann. 


. Le bateau et son Equipement seientifique, G. F. Tydeman. 


. Gorgonidae, ande, J. Versluys et 8.J. Hiekson!). 


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DIE 


HETEROPODEN DER SIROGA-BAPEDITION 


VON 


19: TESCH 


Helder 


Mit ı4 Tafeln 


Monographie LI aus: 


UITKOMSTEN OP ZO0LOGISCH, 


BOTANISCH, OGEANOGRAPHISCH EN GEOLOGISCH GEBIED 


verzameld in Nederlandsch Oost-Indi& 1899— 1900 


aan boord H. M. Siboga onder commando van 


Luitenant ter zee ıe kl. G F. TYDEMAN 
UITGEGEVEN DOOR 


Dr. MAX WEBER 


Prof. in Amsterdam, Leider der Expeditie 


(met medewerking van de Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig 


onderzoek der Nederlandsche Kolonien) 


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BOEKHANDEL EN DRUKKERIJ 


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E. J. BRILL 
LEIDEN 


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‘. Publie Aoüt 1906 


# Les numeros avec un asterique ont d&ja paru; ceux marques I) seulement en partie 


Voor de uitgave van de resultaten der Siboga-Expeditie hebben 
bijdragen beschikbaar gesteld: | 


De Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig Onderzoek der Nederlandsche 
Kolonien. i 

Het Ministerie van Kolonien. 

Het Ministerie van Binnenlandsche Zaken. 

Het Koninklijk Zoologisch Genootschap »Natura Artis Magistra te Amsterdam. 

De »Oostersche Handel en Reederij’' te Amsterdam. 

De Heer B. H pe Waar Oud-Consul-Generaal der Nederlanden te Kaapstad. 


M. B. te Amsterdam. 


SIBOGA-EXPEDIIIE. 


Siboga-Expeditie 


UITKOMSIEN 


OP 


III, DUTINSCH, OLEANIMAARIDEN EN GEULIDEN Geht) 


VERZAMELD IN 


NEDERLANDSCH OOST-INDIE 1899— 1900 


AAN BOORD H. M. SIBOGA ONDER COMMANDO VAN 


Luitenant ter Zee IK GC REIT YDENMAN 
UITGEGEVEN DOOR 


Dr. MAX WEBER 


Prof. in Amsterdam, Leider der Expeditie 


(met medewerking van de Maatschappij ter bevordering van het Natuurkundig 
onderzoek der Nederlandsche Kolonien) 


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BOEKHANDE u nn DRUKKERIJ 


I, BR JSTEraTE; 
LEIDEN 


Siboga-Expeditie 
LI 


DIE 


HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION 


VON: 


DE] [PTESCH 


Helder 


Mit ı4 Tafeln 


BUCHHANDLUNG UND DRUCKEREI 
E.J. BRILL 
LEIDEN — 1906 


98— 106 


107—IIo 


DIE HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION 


VON 


JSOILLESCH, 


Utrecht. 


MintsndeBateln. 


VORWORT. 


Bei der Bearbeitung der Heteropoden der Siboga-Expedition musste natürlich die Systematik 
im Vordergrund der Interessen stehen. Hier stellten sich mir aber die grössten Schwierigkeiten 
entgegen; denn die grosse Mehrzahl der Beschreibungen und Abbildungen stammt aus der 
älteren Litteratur und wurde offenbar ohne die nöthige Berücksichtigung der spezifischen Unter- 
schiede veröffentlicht. 

So gestaltete sich meine Aufgabe zu einer durchaus undankbaren; meistens erhielt ich bei 
meinen wiederholten Versuchen nur negative Resultate. Und doch hat die gründliche Bearbeitung 
der älteren Litteratur mich zu einer ausführlichen systematischen Darstellung aller bekannten 
Arten angeregt, welche zweifellos ihren Nutzen haben kann. 

Es zerfällt diese Arbeit in drei Abschnitte. 

Der erste Abschnitt ist eine Zusammenstellung aller bis jetzt bekannten Arten, wozu 
die ursprünglichen Abbildungen wiedergegeben wurden. Als ich, dank sei dem freundlichen 
Entgegenkommen seitens des Herrn Prof. Max WEBER, im October des vorigen Jahres das 
„British Museum” in London besuchte, war ich in der glücklichen Lage, viele Originalexemplare, 
namentlich SoULEYET’'s, untersuchen zu können, wodurch meine Bearbeitung der Atlantiden 
sehr wesentlich gefördert wurde. Damals kam ich auf den Gedanken alle bis jetzt bekannten 
Arten zusammenzufassen und dadurch eine systematische Monographie der Heteropoden zu 
liefern. Meinen verbindlichsten Dank sei hier den Herren Prof. JErrrev BErL und Eng. A. Smitn 


gebracht, welche mir in freundlichster Weise die Untersuchung des Materiales gestatteten. 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. I 


2; 


Der zweite Abschnitt behandelt das Material der Siboga-Expedition. Zunächst sei hervor- 
gehoben, dass die Conservirung im Allgemeinen sehr gut war. Die Aufbewahrung in Formol 
(nach Fixirung in schwacher Chromsäure und gründlicher Auswaschung) ist für die sehr wasser- 
reichen Tiere entschieden die günstigste Conservirung. Nur muss die Behandlung sehr sorg- 
fältig geschehen, sonst ist die Schrumpfung, durch schnelle Wasserentziehung, zu stark. 

Mit Ausnahme der Gattung Perosoma waren sämtliche Genera vertreten. Bezüglich der 


Anzahl Arten gebe ich die folgende Liste: 


Arten ! Neu 

(OBEN Re 
Baar ee 2 MO 
Barmen 
Conrckaßode. 2 >. :.0002.00@ Sr: 
\Subg. Pterotrachea S.S. &. a ee 3 

Pterotrachea | _ 

j (Sube. Zuryops. 2 2 Se 3 
Firoloida I : (6) 
2 12 


Von den 24 Arten, welche gefunden wurden, musste die Hälfte mit neuen Namen belegt 
werden. Ein grosses Gewicht ist aber diesem Umstande nicht beizulegen, weil die Systematik, 
namentlich die der Gattung /erotrachea, höchst unsicher ist. 

Bei meinen Diagnosen habe ich oft auch anatomische Tatsachen berücksichtigen müssen, 
weil auch die Anatomie nicht selten wertvolle Artunterschiede beibringen kann. 

Der dritte Abschnitt behandelt die morphologische Bedeutung der Heteropodenflosse 
und die Umbildung des Fusses. Wenn ich mich in dieser Hinsicht der Ansicht GROBBEN's am 
meisten nähere, so weiche ich doch in einigen Punkten von ihm ab; und so habe ich im 
letzten Abschnitt dieser vorwiegend systematischen Arbeit meine eigene Meinung über die 
Morphologie von Flosse, Saugnapf, Schwanz und Deckelträger bei den Heteropoden näher zu 


begründen versucht. 


Utrecht, März 1906. 


IPSECEINKETZT 


ÜBERSICHT DER BIS JETZT BESCHRIEBENEN ARTEN UND GATTUNGEN. 


Es hat sich im Laufe der Zeit, seit FoRSKÄL zum ersten Male die Pierotrachea beschrieben 
hat, eine ziemlich beträchtliche Litteratur angehäuft, die in mehr oder weniger vollkommenen 
Weise die verschiedenen, bis jetzt bekannten Arten der Heteropoden zu characterisiren versuchte. 
Allein in der Mehrzahl der Fälle sind leider die betreffenden Beschreibungen und Abbildungen 
so ungenügend, dass der spätere Forscher, auch beim besten Willen, es einfach aufgeben muss, 
jemals die beschriebene Form aus den Angaben des Autoren zu erkennen. Die systematische 
Litteratur der Heteropoden ist ein enormer Chaos geworden, aus dem Keiner sich herausarbeiten 
kann. Die ursprünglichen Beschreibungen sind entweder ganz kurz, oder verlieren sich in Allge- 
meinheiten, die nur für die Gattung, nicht für die Art, kennzeichnend sind. Bis vor wenigen 
Jahren waren, trotz der bewunderungswürdigen Arbeit SouLEvET's, eigentlich nur drei oder vier 
Formen der Mittelmeeres hinreichend bekannt; in neuester Zeit ist freilich die Wissenschaft, 
dank dem Bestreben VavssıkrE’s, um die Kenntniss einiger neuen Arten bereichert worden, aber 
dieser Autor hat sich, wie es scheint, oft gescheut, das überaus gefährliche Gebiet der früheren 
Forschung zu betreten. 

Mir scheint es aber die unumgängliche Pflicht eines jeden Forschers zu sein, die 
Leistungen seiner Vorgänger, soviel wie möglich, richtig zu würdigen, und aus ihren Angaben 
alles das herauszufinden, was vielleicht zum Wiederauffinden der betreffenden Form behülflich 
sein kann. 

Zweck der vorliegenden Arbeit wird es nun sein, sämtliche Arten, die je beschrieben 
und meist auch abgebildet wurden übersichtlich, in einer Monographie darzustellen und Copieen 
der Figuren beizugeben. Zwar geschieht dies meistens nur zur Beruhigung des (wissenschaftlichen) 
Gewissens, aber doch hege ich einige Hoffnung, dass es auf diese Weise gelingen dürfte, 
vielleicht einige Formen später wiederzuerkennen, indem derjenige, der späterhin irgendwelches 
Material von Heteropoden zu bearbeiten wünscht, hier alles zusammen findet, was in systema- 
tischer Hinsicht über diese Molluskengruppe bekannt ist. Meine Bemühungen auf diesem Gebiete 
werden dann, wie ich hoffe, von einigem Werte sein. 


Einige Bemerkungen möchte ich noch vorausschicken. 


(05) 


4 


Die Abbildungen geben oft nur die Umrisse der Art wieder; die Einzelheiten in den 
ursprünglichen Figuren sind meistens nicht angegeben worden; da aber, wo solche zur 
Characterisirung der Art nützlich schienen, habe ich sie eingezeichnet. 

Wenn eine Art öfter, wenn auch bisweilen unter verschiedenen Namen, beschrieben wurde, 
kam es mir überflüssig vor, sie jedesmal wiederzugeben; dies gilt z.B. von Atlanta peroni, 
Carinarıa lamarcki u.e.a. 

Eine gewisse Zahl der Arten werden noch im zweiten Abschnitt dieses Werkes ausführlich 
besprochen, weil die Siboga-Expedition einige Formen erbeutete, die ich glücklicherweise mit 
früher Beschriebenen identifizieren konnte. Ich war in der Gelegenheit, die Originalexemplare 
der Sammlung SourEever's, welche sich in London befinden, studieren zu können, und 
hatte bisweilen die Genugthuung, die Identität einiger durch letztgenannten Autor bekannt 
gewordenen Arten festzustellen. Freilich war das Material nach der fast siebzigjährigen 
Aufbewahrung oft recht unkenntlich geworden. 

Ich verzichte vollständig auf eine Synonymie der verschiedenen Arten, da eine solche schon 
in trefflicher Weise von Eng. A. Smitn in seiner Challenger-Publication geliefert wurde, und 
sich seitdem die systematische Litteratur über Heteropoden nur wenig gemehrt hat. Aller- 
dings werde ich bisweilen Gelegenheit haben, eine, wie mir scheint, irrtümliche Auffassung 


SMITH'sS zu rectifizieren. 


Familie I. ATLANTIDAE. 


Die ursprünglichste Familie der Kielfüsser bildet eine scharf umschriebene Gruppe, welche 


sämtliche Arten enthält mit Spiralschale, in welche das Tier sich ganz zurückziehen kann, in 


welchem Falle die Öffnung durch das am Schwanze befindliche Operculum geschlossen wird. 


Eine nähere Beschreibung wird erst im zweiten Abschnitt gegeben werden. 


Die Gruppe zerfällt in die beiden Gattungen Oxygyras und Atlanta, die leicht an der 


Beschaffenheit der Schale unterschieden werden können. 


Oxygyrus Benson 1835. 


Die Schale ist merkwürdig durch ihre hornige Consistenz; nur an den ersten Windungen 


ist Kalk eingelagert. Der hohe Kiel, der auch an der Mundöffnung der Schale noch steil aufragt, 


ist ebenfalls hornig. Die Schale selbst ist nautiloid, d.h. der letzte Umgang hat sich um die 


vorhergehenden gelagert; die Spira ragt nicht hervor, da die Umgänge alle in einer Ebene 


aufgerollt sind, eine Nabel ist also an beiden Seiten der flachen Schale sichtbar. 


Das Operculum ist dreieckig, ohne spiraligen Teil, nur mit parallelen Linien versehen. 
Die Gattung zählt drei Arten: 


1. ©. keraudreni (Rang non Lesueur). 


D 


O. rangi (Souleyet). 
3. O. inflatus Benson. 
Eine vierte Art wurde von MacponaLD beschrieben, aber ohne besonderen Namen. 


1. Oxygyrus keraudreni (Rang). (Taf. I 


Diese Form ist leicht kenntlich an der grossen, grösstenteils hornigen Schale, ohne 
besondere Sculptur, nur mit Zuwachsstreifen versehen. Der hohe, hornige Kiel setzt sich auf 
die erste Hälfte der letzten Windung noch fort. 

Im Jugendzustande kommt eine Dellerophina-Form vor, die eine mit spiraligen Linien 
versehene Schale besitzt. Ein Kiel ist noch nicht vorhanden. Genaue Abbildungen dieser 
Bellerophina sowie der erwachsenen Schale finden sich bei OÖBERWIMMER. 

Der Mittelzahn der Radula trägt drei Fortsätze, von denen der Mitteldorn viel grösser 
ist als die beiden anderen. 

Die Reibplatte wird ausführlicher im zweiten Abschnitt besprochen werden. 

Obwohl diese Art schon sehr oft beschrieben wurde, sind nur sehr wenige Abbildungen 
wirklich gewissenhaft angefertigt worden. Auch VAvssIERE iirt sich, wenn er einen Einschnitt 
am Mundrande, nahe der Innenlippe, einzeichnet; der Verfasser muss sich durch den durch- 
schimmernden Mantelrand geirrt haben, der gerade an dieser Stelle eine Einbuchtung zeigt. 

Die hier gegebene Abbildung ist nach OBERWIMMER. 

Durchm. bis zu 10 mm. 

Verbreitung: Westliches Mittelmeer: Lo Bianco, CANTRAINE, GEGENBAUR, LEUCKART, 
Pırajxo, PriLıprı, Veranv. Östliches Mittelmeer und Adria: OBERWIMMER. Azoren und Canarische 
Inseln: VavssıEre. Atlantischer und Indischer Ozean: SOULEYET. 


2. Oxygyrus rangi (Souleyet). (Taf. I, Fig. 3, 4). 


Kleiner als ©. keraudreni; der Kiel setzt sich auf die erste Hälfte der letzten Windung 
nicht fort (SOULEYET). 

Nähere Beschreibung im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Pazif. und Atl. Oz.: SOULEYET. 


2a. Oxygyrus n. sp. Macdonald (Taf. I, Fig. 5). 


Ganz mit spiraligen Wellenlinien versehen, Radula mit drei gleich langen Fortsätzen 
(MAcDONALD). 

Diese Art ist mit ©. rang? identisch, wie ich durch eigene Untersuchung feststellen konnte. 

Nähere Beschreibung im zweiten Abschnitt. 

Copie nach MACDONALD. 

Verbreitung: ?: MACDONALD. 


3. Oxygyrus inflatus Benson. 


„lesta tumida, anfractibus transverse confertim striolatis; suturis profunde excavatis’ 
(Benson). Weiter ist von dieser Art nichts bekannt. Eine Abbildung besteht nicht. 
Verbreitung: Süd-Atl. Oz., Süd-Indischer Oz. bis zu 17° N.: Benson. 


6 


Anhang: „/Zeliophlegma candei' d'Orbigny ist eine Embryonalschale von Zchinospira. 
Beschreibung im zweiten Abschnitt. 


Atlanta Lesueur 1817. 


Die Schale ist flach, kalkig, sehr dünn und leicht zerbrechlich, nur lose aufgerollt, d.h. 
die Windungen schliessen oft nicht fest aneinander, eine Spira ist vorhanden, ganz flach oder 
vorragend; der Nabel also nur von der einen Seite sichtbar. Der Kiel ist kalkig, nicht hornig. 
Das Operculum besitzt einen spiraligen Teil. 

Seit dem Jahre 1797, als Lamanon eine Aflanta unter den Namen „corne d’Ammon’” 
abbildete, ist die Zahl der Arten beträchtlich zugenommen, namentlich durch die Beschreibungen 
SOULEYET'S. Es ist die stattliche Zahl von 25 Arten zu verzeichnen, aber es muss gleich erwähnt 
werden, dass diese Zahl wegen ungenügender Unterscheidung noch zu vermehren wäre. 


Die Liste würde also lauten: 


1. Atlanta peroni Lesueur. ı 15. Allanta gaudichaudi Souleyet. 

2. Atlanta lamanoni (Eschscholtz). ı 16. Atlanta fusca Souleyet. 

3. Atlanta. helicialis Sowerby. 17. Atlanta depressa Souleyet. 

4. Atlanta sp. Gray. 18. Atlanta rosea Souleyet. 

5. Atlanta sp. Gray, 19. Allanta guoyana Souleyet non Vayssiere. 
6. Atlanta planorboides (Forbes). 20. Atlanta guoyana \ayssiere non Souleyet. 
7. Atlanta turriculata A'Orbigny. 21. Atlanta mediterranea Costa. 

8. Atlanta lesueuri Souleyet non d’Orbigny. 22. Atlanta violacea Gould. 

9. Atlanta involuta Souleyet. 23. Atlanta tessellata Gould. 

10. Atlanta inflata Souleyet non d’Orbigny. 24. Atlanta primitia Gould. 

11. Atlanta gibbosa Souleyet. 25. Allanta cunicula Gould. 

12. Atlanta helicinordes Souleyet. 26. Atlanta souleyeti Smith. 

3. Allanta inchnata Souleyet zor Vayssiere. 27. Atlanta steindachneri Oberwimmer. 


14. Atlanta inclinata N\ayssiere non Souleyet. 


Zwei neue Arten werden noch im zweiten Abschnitt besprochen werden. 
Wenn man die verschiedenen Abbildungen vergleicht, wird man ersehen, dass die Arten 


sich zu bestimmten Gruppen zusammenbringen lassen. 


A. Arten, bei welchen die Schale sehr flach ist und die Spira gar nicht hervorragt, oder doch, 
von der Seite betrachtet, kaum sichtbar ist. Hierher gehören: A. peroni, steindachneri, 
lesueuri, und überhaupt, wie es scheint, die grosse Mehrzahl der hier aufgezählten Arten. 

BD. Arten, bei welchen die Schale etwas höher scheint, weil die Windungen fest aneinander 
schliessen, und im Querschnitt mehr rundlich sind; die Spira ragt mehr oder weniger hervor. 


Hierher gehören einige leicht kenntliche Arten, wie A. furriculata, fusca, gibbosa. 


1. Atlanta peroni Rang. (Taf. 147107670, 7). 


Diese Form, die schon wiederholt beschrieben wurde, ist leicht kenntlich durch die Schale, 


- 


/ 


die fast ı cm. gross werden kann, sehr flach ist, mit nur lose aufgerollten Windungen, 4 oder 
5 an der Zahl; die Spira ragt gar nicht hervor; der Kiel dringt ziemlich tief zwischen den 
Umgängen ein und verstreicht ganz vor der Mundöffnung; der Schlitz in der Aussenlippe ist 
sehr tief. Nur Zuwachsstreifen sind auf der Schale sichtbar. 

Eine sehr gute Abbildung findet sich bei Vavssıere, wo auch die Radula genau 
beschrieben worden ist. 

Copie nach SOULEYET. 

S. übrigens den zweiten Abschnitt. 

Verbreitung: Die Art ist kosmopolitisch, in allen wärmeren Meeren verbreitet. Mittelmeer: 
Actros, Mac Anprew, Lo Bıanco, CANTRAINE, CHUn, CoSTA, FORBES, GEGENBAUR, GRAEFFE, 
DE GREGORIO, HoPpE, JEFFREYS, KROHN, LEUCKART, MONTEROSATO, ÖBERWIMMER, PHILIPPI, TIBERT, 
VAVSSIERE, VERANY. Östl. Atl. Oz.: Vavssıere, Nord- und Süd-Atl. Oz.: Surru, SouLEvEr. 


Pazif. Oz.: SmitH, D’ORrBIGnY. Neu-Guinea: SMITH. 


2. Atlanta lamanoni (Eschscholtz). (Taf. I, Fig. 8). 


Die Abbildung von EschscHorLtz gibt keine Aufklärung über die von ihm aufgestellte 


Art. Vielleicht ist sie mit A. mediterranea Costa identisch. Der Kiel scheint bis zur Mundöffnung 


sich zu erstrecken. 
Copie nach ESCHSCHOLTZ. 
Verbreitung: Pazif. Oz.: EscHscHoLTz. 


3. Allanta heltcialis Sowerby. 


Die ganz flüchtige Zeichnung!) SOwErBY’s lässt nichts mit Sicherheit erschliessen. Vielleicht 


ist die Art mit A. lesweuri Souleyet identisch. 


Verbreitung : ?: SOWERBY. 


4. u. 5. Atlanta sp. Gray. (Taf. I, Fig. 9—ıo). 


Nach Zeichnungen von HookeEr sind von Gray zwei Allanta-Arten abgebildet worden, 
von welchen die eine (Fig. 9) O. keraudreni, die andere A. feroni sein kann. 

Copie nach Gray. 

Verbreitung: ?: Gray. 


6. Atlanta planorboides (Forbes). 


„Iesta pellucida, alba, laevis, compressa, carinata, exalata, anfractibus 4. Diam. o'/,." 
Weiter wissen wir gar nichts. Die Beschreibung ist gänzlich ungenügend. 


Verbreitung: Ägäisch. Meerbusen : FoRBEs. 


ı) Leider habe ich die Abbildung SowErpy’s nicht einsehen können, und muss mich hier auf die Angaben SmitH's verlassen. 


5 
7. Atlanta turriculata d’Orbigny. (Taf. I, Fig. 11— 12). 


Die leicht kenntliche Art hat eine zierliche Schale mit dünner, deutlich hervorragender 
Spira. Die ursprüngliche Beschreibung d’Orsıcny’s wurde später von SOULEYET wesentlich ergänzt. 
Durchm. 2 mm. 

Näheres s. im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 


Pazif. Oz.: p’Orzıcny, SouLzvEr. Ind. Oz.: SOULEYET. 


8. Atlanta lesueuri Souleyet. (Taf. I, Fig. 13—16). 


Spira klein, nur wenig Umgänge. Letzte Windung sehr gross. Kiel sich bis zum Mund- 
rande erstreckend, mehr oder weniger tief zwischen den Umgängen eindringend. Leicht kenntlich 
an den queren Rippen auf der Schale. Durchm. 6 mm. Bei der Varietät (SouLEYET) verstreicht 
der Kiel allmählich am Mundrande (Fig. 15). 

Copie nach SOULEYET und VAYSSIERE. 

Verbreitung: Atl. Oz.: Sourever. Nord-Atl. Oz.: Surru. Monaco und Gibraltar: VAvsSSIERE. 


9. Atlanta involuta Souleyet. (Taf. I, Fig. 17— 13). 


Schale flach, 6 Umgänge, Spira sehr wenig nach hinten geneigt; Schlitz in der Aussen- 
lippe nicht tief; vorletzte Windung ein wenig nach links gedreht. Durchm. 3 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET. 


10. Atlanta inflata Souleyet. (Taf. I, Fig. 19—20). 


Spira hervorragend, 7 Umgänge. Kiel niedrig. Schlitz in der Aussenlippe wenig tief. 
Durchm. 5—ıo mm. 


Näheres s. im zweiten Abschnitt. 
Copie nach SOULEYET. 
Verbreitung: China: SovLevEr. Nord-Atl. Oz.: SMITH. 


ı1. Atlanta gibbosa Souleyet. (Taf. I, Fig. 21—.22). 


Characterisiert durch ihre dicke, kreiselförmige Schale, bei welcher eine Misverhältniss 
zwischen Spira und letzter Windung weniger sichtbar ist. Durchm. „microscopisch” (SOULEYET). 

Näheres s. im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Atl. Oz.: SOULEYET. 


ı2. Allanta helicinoides Souleyet. (Taf. I, Fig. 23—24). 


Diese Art sieht A. inflata sehr ähnlich, ist aber verschieden durch grössere Spira, die 
etwas mehr hervorragt; der letzte Umgang ist verhältnissmässig etwas kleiner. Durchm. 2 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET. 


9 
13. Atlanta inclinata Souleyet »on Vayssiere. (Taf. I, Fig. 


Eine gut characterisierte Form mit grosser, deutlich nach hinten geneigter Spira, 7 
Windungen. Durchm. 5—6 mm. 

Näheres s. im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Pazif. u. Atl. Oz.: Sourever. Nord- und Süd-Atl. Oz.: Smitu. Nord-Pazif. 


Oz.: SmitH. Torres-Strasse: SMITH. 


14. Atlanta inclinata Vayssiere won Souleyet. (Taf. I, Fig. 27— 27a). 


Die von VAYSSIERE unter diesen Namen beschriebene Form weicht in mancher Hinsicht 
von der Darstellung SouLEvErT's ab, weshalb ich die beiden Arten nicht für identisch halten 
kann. Die Spira zeigt vor Allem weniger Windungen, und ist gar nicht nach hinten geneigt, 
der Kiel erstreckt sich bis zum Mundrande. Ausserdem bildet Vayssıere eigentümliche, quer- 
verlaufende Knotenreihen (Fig. 12a) auf der Schale ab. Ich habe im Londoner Museum, als 


ich die Originalexemplare SOULEYET’'s untersuchte, bei starker Vergrösserung nichts von solcher 


” 
- 
Sculptur wahrgenommen. Auch ist die Radula ganz anders gebaut. 

Copie nach VAYSSIERE. 


Verbreitung: Azoren und Canar. Inseln: VAvssıErE. 


15. Allanta gaudichaudi Souleyet. (Taf. I, Fig. 28—29). 


Schale sehr flach, mit niedriger Spira, die nur aus 3'/), Windungen besteht. Kiel niedrig, 


vor der Mundöffnung verstreichend, mit einer rötlichen Linie an der Basis. Durchm. 5—6 mm. 
Die Art ist nicht sehr kenntlich, im zweiten Abschnitt wird eine nähere Beschreibung 
gegeben werden. 
Copie nach SOULEYET. 
Verbreitung: Pazif. Oz.: SouULEYET. Westl. Pazif. Oz.: Smith. Torres-Strasse: SMITH. 


16. Atlanta fusca Souleyet. (Taf. I, Fig. 30°—33). 


Schale mit 5 oder 6 Windungen. Spira etwas hervorragend, schlank; Kiel, obwohl 
allmählich verstreichend, sich bis zur Mundöffnung erstreckend, Schlitz in der Aussenlippe also 
kaum merkbar. Schalen, wo der Kiel gar nicht die Innenlippe von der vorletzten Windung 
abhebt (Fig. 32— 33), wurden von SOULEYET als Varietät betrachtet. 

Wie Smith hervorhebt, ist ein sehr gutes Merkmal in den spiraligen Linien gelegen, 
die an beiden Seiten der Schale sichtbar sind. Durchm. 2 mm. 

Näheres s. im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Kosmopolitisch: SouL£vEer. Nord- und Süd-Atl. Oz.: Smirn. Fidschi-Ins., 


Torres-Strasse: SmitH. Nord. Pazif. Oz.: Smitu. Mittelmeer: MONTEROSATO, OBERWIMMER. 


> 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 2 


10 
17. Atlanta depressa Souleyet. (Taf. I, Fig, 34—35). 


Spira mit 5 Windungen, flach, nur wenig hervorragend. Kiel hoch, Schlitz in der Aussen- 
lippe ziemlich tief, keilförmig. Durchm. 2 mm. 
Copie nach SOULEYET. 


Verbreitung: Pazif. Oz.: SOULEYET. 


18. Atlanta rosea Souleyet. (Taf. I, Fig. 36—37). 


Diese Art hat viel Ähnlichkeit mit A. feroni; die Schale ist aber nicht so ganz flach, 
die Windungen schliessen fest aneinander, die Spira ragt ein wenig hervor, und der Kiel, der 
vor der Mundöffnung verstreicht, hat an der Basis eine rötliche Linie, wie A. gaudichaudi. 
Durchm. 40,5 mm. 

Näheres s. im zweiten Abschnitt. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Atl. Oz.: SouLever. Mittelmeer: Acron, ide MONTEROSATO, JEFFREYS, 
ÖBERWIMMER. 


19. Atlanta guoyana Souleyet zo” Vayssiere. (Taf. I, Fig. 33—39). 


Spira flach, mit 4'/, Windungen, alle aneinander schliessend, Spira etwas hervorragend, 
Mundrand stark eingebuchtet (Fig. 21). Zuwachsstreifen auf der letzten Windung. Durchm. 
kaum 2 mm. 

Copie nach SOULEVYET. 


Verbreitung: Paz. Oz.: SouLevEr. Mittelmeer: Lo Bianco, CHun, fide SCHIEMENZ, ÜBERWIMMER. 


20. Atlanta guoyana Vayssiere non Souleyet. (Taf. I, Fig. 40). 


Ich kann Vavssıere in der Identifizierung dieser Form mit der vorhergehenden nicht 
beistimmen. Namentlich ist die Spira viel grösser, und zeigt regelmässig an Grösse zunehmende 
Windungen. Auch der Kiel ist anders gebaut, sehr hoch und, ohne zu verstreichen, bis zur 
Mundöffnung reichend. Durchm. ',—ı'/, mm. 


Copie nach VAvssIERE. 


Verbreitung: Santa Cruz, Azoren: VAYSSIERE. 


21. Atlanta mediterranea Costa. (Taf. I, Fig. 41). 


Diese sehr ungenügend bekannte Art ist merkwürdig dadurch, dass der Kiel am Mund- 
rande nicht verstreicht, sondern hoch bleibt; die Windungen schliessen alle aneinander, und die 
Innenlippe ist nicht abgehoben. Am ehesten möchte sie mit A. Zeszeurz: identisch sein, obwohl 
von Querrippen nichts erwähnt wird, und auch die Form der Spira etwas anders ist. Durchm. ? 

Copie nach Cosra. 


Verbreitung: Neapel: Costa. 


I1 
22. Atlanta violacea Gould. (Taf. I, Fig. 42—43). 


„Shell violaceous, nautiloid, whorls four, the last volution not rapidly enlarging, and unusually 
distended; keel nearly as broad as the whorl at the aperture, which is elliptical, about twice as 
long as broad, rounded at the extremities. Colour violaceous, deeper at the spire. Diam. °®/; inch”. 

Copie nach Drayron (in Gourp's Atlas). 

Verbreitung: Lat. 3° S.,.Long. 20° W.: GouL». 


23. Atlanta tessellata Gould. (Taf. I, Fig. 44). 


„Shell nautiloid, compressed, the last whorl somewhat rapidly enlarging; whorls four, with 
a very narrow keel around the angle; aperture narrow, oval, rounded at the inner extremity, 
acute at the outer angle; colour yellowish, with a series of square, violaceous spots following 
around the middle of the spire. Diam. '/, inch”. 

Eine so deutliche Zeichnung von quadratischen, violetten Tüpfeln, wie sie hier angegeben 
wird, scheint diese Art wohl zu den am meisten markirten zu machen. 

Copie nach GouL». 

Merbreitunen lat 275, Long. 20o2W.: Goutn. 


24. Allanta primitia Gould. (Taf. II, Fig. 45). 


„Shell nautiloid, ovate, very faintly umbilicate on the left side, of about three whorls; the 
lip of the aperture convex in profile, the aperture itself narrow, elliptical, acute at extremities. 
It has a thin, broad, membranous carina at the angle of the shell. Colour violaceous, especially 
on the spire'. Durchm. ? 

Wenn auch von Querrippen gar nicht die Rede ist, so glaube ich doch, dass wir hier 
wieder A. Zesxeuri vor uns haben. 

Copie nach Dana (in Govıp's Atlas). 

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: GouL». 


25. Atlanta cunicula Gould. (Taf. II, Fig. 46). 


„Shell very delicate, with a keel, nearly as broad as the shell itself, nearly circular, 
compressed, quite simple, merely exhibiting very faint lines of growth”. Durchm. 4 mm. 

Man möchte fragen, ob diese Art mit A. guoyana Vayssiere identisch sei. Der sehr hohe 
Kiel gibt dafür einige Wahrscheinlichkeit, wenn auch die Fundorte weit auseinander liegen. 

Copie nach Dana (in GouLp's Atlas). 

Verbreitung: Westl. Sandwich-Ins.: GouLD. 


26. Atlanta souleyeti Smith. (Taf. II, Fig. 47—49). 


Diese Art wurde erst von SoULEYET unter den Namen A. /amanoni beschrieben, später 
von SMITH in A. sowleyeti umgetauft, weil der frühere Namen schon von EscHscHoLtz gebraucht 


worden war. 


12 


Die Schale zeigt bei oberflächlicher Betrachtung viel Ähnlichkeit mit O. keraudren!; 
die Art wurde denn auch von MacponaLD zu Oxygyrus gezählt. Die Mundöffnung ist rundlich, 
gar nicht so flach wie bei den meisten AZlanta-Arten. Auch der Kiel sieht dem von Oxygyrus 
sehr ähnlich, und ist, ebenso wie diese, von horniger Consistenz. Die Schale ist aber überall 
kalkig, und besitzt zudem eine deutlich nach rechts hervorragende Spira; auch das Operculum 
(Fig. 40) ist ganz Aflanta-ähnlich. Immerhin haben wir hier eine sehr kenntliche Art vor uns, 
die ein Bindeglied zwischen Oxygyrus und Alanta darzustellen scheint. Durchm. 2 mm. 

Copie nach SOULEYET. 


Verbreitung: Atl. Oz.: SoULEYET, SMITH. 


27. Atlanta steindachneri Oberwimmer. (Taf. II, Fig. 50—-51). 


„Die ersten Umgänge sind sehr klein, und bilden ein kleines, stumfkegelförmiges Gebilde, 
welches vom letzten, sehr vergrösserten, und nach rechts vorgezogenen Umgange umgeben wird. 
Der letzte Umgang ist bis zu seinem halben inneren Umfang von den übrigen losgelöst, so dass 
der vordere Abschnitt desselben mit seinem Innenrande den vorletzten Umgang nicht berührt. 
Er ist mit einem breiten Kiele versehen, welcher etwas oberhalb der Mündung beginnt, den 
ganzen letzten Umgang umgibt, und bis an den vorletzten Umgang reicht, wobei er allmählich 
schmäler und zarter wird, bis er am vorletzten Umgange verschwindet. .... Der letzte, sehr glän- 
zende Umgang ist radial mit bald stärkeren, bald schwächeren, schwach S-förmig gekrümmten 
Linien gestreift‘. Durchm. 2,8—3,5 mm. 

Diese kleine Art ist also durch den sehr tief zwischen den Windungen eindringenden 
Kiel, den die Innenlippe der Mundöffnung nicht berührt, zur Genüge gekennzeichnet. 

Copie nach OBERWIMMER. 


Verbreitung: Östl. Mittelmeer: OBERWIMMER. 


Das hier besprochene zusammenfassend, möchte ich noch bemerken, dass, so viel ich 
sehe, synonym sind: 

4A. lamanoni (Eschscholtz). 

A. mediterranea Costa. 

A. lesueuri Souleyet. 

A. primitia Gould. 
Weiter: 

A. quoyana \ayssiere. 

A. cunicula Gould. 
Gänzlich unbestimmbare Arten sind: 

A. helicialis Sowerby. 

A. sp. (a .02 2) Gray: 

A. planorboides (Forbes). 


Im zweiten Abschnitte werden die folgenden Arten noch einer näheren Besprechung 
unterzogen werden: 


2 
fo) 


O. keraudreni (Rang). A. inclinata Souleyet. 


O. rangi (Souleyet). A. gaudichaudi Souleyet. 
„Heliophlegma candei' d’Orbigny. A. fusca Souleyet. 

A. peroni Lesueur. A. rosea Souleyet. 

A. turriculata d’Orbigny. A. gibbosa Souleyet. 


A. inflata Souleyet. 
Dorthin verweise ich noch für die Beschreibung zweier neuen Arten. 


Familie II. CARINARUDAE. 


Diese Familie enthält die Arten, welche zwar eine Schale besitzen, sich aber darin nicht 
zurückziehen können. Diese ist kalkig, sehr dünn und spröde, und bedeckt entweder den ganzen 
Eingeweidesack, den Nucleus, oder nur einen sehr kleinen Teil desselben. Am Tiere ist die oft 
sehr stark entwickelte Cutis bemerkenswert, so dass der ganze Körper wie aufgebläht erscheint, 
wenigstens am Rumpfe. Tentakel, sowie ein Saugnapf, kommen beiden Geschlechtern zu. 

Innerhalb der Gruppe sind drei Gattungen unterschieden worden: Carinaria, Plerosoma 
und Cardiapoda. 


Carinaria Lamarck ıS8oı. 


Diese Gattung hat die folgenden Merkmale. Die Schale hat eine Capz/us-ähnliche Gestalt: 
sie ist am ehesten mit einer Afanta-Schale zu vergleichen, bei welcher die letzte Windung 
sich nicht um die vorhergehenden aufrollt, sondern gerade gestreckt ist, und dabei, im Vergleiche 
mit der Spira, enorm vergrössert. An diesen geraden Teile setzt sich ein sagittaler Kiel an. Am 
freien Vorderrande der Schale ragen die Kiemen hervor; der Eingeweidenucleus wird durch 
die Schale umfasst, und ist mit einem kurzen Stiele mit dem übrigen Korper verbunden. Der 
Rumpf ist sehr umfangreich, der enorm entwickelten Cutis wegen; der Rüssel ist etwas schmäler. 
Der Schwanz trägt oft mediane oder laterale Flossen. Die Schwimmflosse, mit grossem Saug- 
napfe, ist stark entwickelt, und zeigt eine sehr deutliche Musculatur; im conservirtem Zustande 
ist freilich die Flosse, wie auch der ganze Körper, stark zusammengeschrumpft, und ihre Form 
oft unkenntlich. 

Die Gattung Carinaria hat in früheren Zeiten das grösste Interesse der Conchyliologen 
erregt, weil ihre zierliche, milchweisse Schale für äusserst wertvoll gehalten wurde. Wenigstens 
war dies mit C. cristata der Fall, deren Schale mit fabelhaften Summen bezahlt wurde. Im 
achtzehnten Jahrhundert, als die Gruppe der Heteropoden überhaupt wissenschaftlich noch 
unbekannt war, wurde die Carinaria-Schale mit dem Namen Patella, Nautilus, Argonauta 
von Linn£, MARTINI, SCHROETER belegt. Das Exemplar nach welchem Marrını seinen „Nautilus 
exiguus vitreus dictus” beschrieb (1769), wurde 1824 in Amsterdam für mehr als 1000 Mark 
verkauft. Später galt es unter den Conchyliologen als ein grosses Ereigniss, als REEvE zum 
ersten Male die „C. graczilis” aus der Sammlung Rvper's, des damaligen Residenten der 


Molukken, aus Holland nach England brachte. 


14 


Ein wissenschaftliches Studium des Tieres wurde von Cuvier begonnen, und in mancher 
Hinsicht von Porı, Quov und GAIMARD, DELLE CHIAJE, SOULEYET und GEGENBAUR ergänzt. 
Trotzdem ist es eine auffallende Tatsache, dass die Art des Mittelmeeres, die den Forschern 
fast ausschliesslich zum Untersuchungsobject diente, fast ohne Ausnahme, ungenau beschrieben 
wurde, und sogar bis jetzt noch keine Abbildung besteht, die ganz genau den Habitus des 
Tieres darstellt. Auch die Schale ist oft nur mangelhaft dargestellt worden. 

Die Arten sind die folgenden: 

ı. Carinaria cristata (Linne). | 8. Carinaria punctata d'Orbigny. 
ıa. Carinaria cristata var. gracılis (Reeve). 9. Carinaria atlantica Adams et Reeve. 
2. Carinaria lamarcki Peron et Lesueur. 10. Carinaria gaudichaudi Souleyet. 


2a. Carinaria lamarcki var. oceanica Vayssiere. ı1. Carinaria cornucopia Gould. 


3. Carinaria fragilis Bory de Saint-Vincent. | 12. Carinaria sp. Smith. 

4. Carinaria depressa Rang. 13. Carinaria elata Sowerby. 

5. Carinaria australis Quoy et Gaimard. 14. Carinaria grimaldi \ayssiere. 

6. Carinaria cithara Benson. 15. Carıinaria pseudo-rugosa N ayssiere. 
7. Carinaria galea Benson. | 16. Carinaria sp. Warlomont. 


Ausserdem wird noch im zweiten Abschnitt eine neue Art hinzugefügt werden. 
Zwar wurde neuerdings (1893) eine kritische Revision von SOwERBY gegeben, eine erneute 


Besprechung der Arten wird hier aber am Platze sein. 


1. Carinaria cristata (Linne). (Taf. Il, Fig. 52—52«). 


Schale hoch, nur schwach gekrümmt, ventrale Kante fast gerade, die dorsale schwach 
convex, mit einem doppeltblättrigen Kiel versehen, der, ebenso wie die Schale, deutlich quer- 
gerippt ist. Schale an der Spitze umgebogen und hier mit einer kleinen Spira versehen, die 
also gleichsam an der Schale „aufgehängt'' ist. 

Das Tier wurde bis jetzt, freilich nach einem verstümmelten Exemplar, nur von SMITH 
beschrieben. Die Flosse ist rund, der Schwanz zeigt einen gleich am Nucleus anfangenden, 
dorsalen Kamm. Der Rumpfteil ist mächtig entwickelt. Wie verschiedene Forscher (SmITH, 
SowErBY) vermuten, wird das Tier, nach den Schalen zu urteilen, bedeutende Dimensionen 
erreichen können. 

Diese wenigen Worte müssen vorläufig hier genügen; ich werde im zweiten Abschnitt 
noch ausführlich über die Art zu sprechen haben. 

Copie nach SMITH. 


Verbreitung: Nur von den Molukken bekannt: FAvannE, SMITH '), SOWERBY. 


ıa. Carinaria cristata var. gracilis (Reeve). (Taf. II, Fig. 53—54). 


Diese, von REEvE ursprünglich als besondere Art aufgefasste Varietät unterscheidet sich 


1) Ich muss hier freilich bemerken, dass SMITH noch drei junge Exemplare dieser Art erwähnt, als zwischen den Admiralitäts- 
Inseln und Japan erbeutet. Wie ich mich aber durch eigene Untersuchung überzeugen konnte, ist ihre Zugehörigkeit zu C. cristata 
wenigstens sehr zweifelhaft. Ein Exemplar ist sogar ein P/erosoma. 


15 


nur durch die im Allgemeinen schlankere Gestalt, noch geringere Convexität der Dorsalkante der 
Schale, und durch eine, im Verhältniss zu dieser, noch kleinere Spira. Länge wie C. cristata. 
Copie nach ReEve. 
Verbreitung: Molukken?: Reeve. Ein Exemplar im „British Museum’, das ich sah, hatte 


als Eundort: „Eastern Seas”. 


2. Carinaria lamarcki Peron et Lesueur (Taf. II, Fig. 55—53). 


Diese, fast immer unter den Namen (. mediterranea erwähnte Form, ist die allbekannte 
Art des Mittelmeers. Sie wurde von früheren Forschern eingehend beschrieben; aber trotzdem 
dass gewiss mehr als ein Dutzend Abbildungen der Art bestehen, sind leider noch immer einige 
Lücken in der Diagnose geblieben. Oft wurde nicht zwischen Tuberkeln, auf der aufgequollenen 
Cutis, und zwischen Hautflecken unterschieden. Beide kommen nämlich vor, und sie wurden 
offenbar, auch bei anderen Arten, oft verwechselt, weil die kleinen, scharf umschriebenen Flecken 
irrtümlich für Tuberkel gehalten wurden. Diese sind ziemlich gross, und kommen ebenso vor 
den Augen als auf dem Rumpfe und am Schwanze vor. Die Hautflecken sind kleiner und viel 
zahlreicher, überall zwischen den Tuberkeln zerstreut. Die Tentakeln sind gewöhnlich lang, oft 
aber stark zusammengezogen und kaum sichtbar. Auf der Höhe der Tentakel und Augen 
scheidet eine ziemlich tiefe Furche einen Kopf vom viel mächtigeren Rumpfteil ab. Die Flosse 
ist gross, rundlich, mit einem grossen Saugnapfe am Hinterrande. Eigentümlich ist der Schwanz 
gebildet. Wie es vielen Beobachtern, mit Ausnahme von GEGENBAUR und KALiDE, entgangen zu 
sein scheint, findet sich an der Unterseite, nahe der Spitze des Schwanzes, eine eigentümliche, 
paarige, horizontale Ausbreitung der Cutis, die, indem die Ränder der rechten und linken Flosse 
sich verbinden, hier einen nach unten offenen, im Querschnitt ovalen Becher bildet, in dessen 
dünner Wandung isolierte Muskelbündel zu sehen sind. Ein derartiges Gebilde kommt fast in 
gleicher Form, oft aber dunkel pigmentirt, bei Cardiapoda vor, und ist dort schon öfter erwähnt 
worden. Der Schwanz endet in einer Spitze, die einen mehr oder weniger langen Faden trägt, 
der aber fast immer abgerissen ist. Eine Rückenflosse, die eine bestimmte Strecke hinter dem 
Nucleus plötzlich als steil aufsteigende Firste anfängt und bis zur Spitze des Schwanzes ver- 
läuft, ist wohl ausgebildet, und zeigt zarte, vertikale oder etwas nach hinten geneigte Muskeln. 
Dickere Muskelbündel sind an beiden Seiten des Schwanzes deutlich sichtbar; nach vorn gehen 
sie in die allgemeine Körpermusculatur über. Merkwürdig ist, dass die oben erwähnte paarige 
Ausbreitung an der Unterseite des Schwanzes nur bei kleineren Exemplaren (bis zu 75 mm.) 
deutlich entwickelt ist; bei grösseren ist sie sehr klein und winzig. Die Schale ist stark gekrümmt, 
mit stark niedergedrückter Spira; die Mündung ist ziemlich weit, ungefähr eiförmig; der Kiel 
auf der dorsalen Kante ist nicht sehr hoch, und besitzt, ebenso wie die Schale, Querrippen. 

Länge des Tieres bis zu 220 mm.; Höhe der Schale bis zu 41 mm. 

Copie des Tieres nach Costa (Fig. 58 nach Reezve), der Schale nach REEvE. 

Verbreitung: Mittelmeer, auch in der Adria: Arapas und Benort, Lo Branco, CAVOLINT, 
DELLE CHIAJE, CoSTA, DÖDERLEIN, DOUBLIER, FAHRINGER, FOL, FORBES, GEGENBAUR, GEMELLARO, 
JErFREvS, Leuckart, Macrı, MICHAUD, OBERWIMMER, PANETH, PAYRAUDEAU, PETIT, PnıLıpps, PoLr, 
REEvE, REQUIEN, Rısso, TARGIONI-TOZZETTI, VAYSSIERE, VERANY. Atl. Oz. (38°N., 28° W.): VAvSSIERE. 


16 
2a. Carinaria lamarcki var. oceanica \Vayssiere. 


Diese neuerdings von VAYsSIERE abgetrennte Varietät unterscheidet sich durch eine vier- 
eckige Schwimmflosse und längere Tentakeln. Die Radula ist etwas abweichend gebaut, die 
drei Dornen an der Mittelplatte haben eine schlankere Gestalt, der Kamm an der Innenseite der 
Zwischenplatte ist etwas weniger kräftig entwickelt. Das Tier wurde nicht abgebildet. Länge 8ı mm. 

Verbreitung: Östl. Atl. Oz. (42°N., 14° W.): Vayssıkre. Zweimal wurde ein Exemplar, 
jedesmal im Magen eines Thunfisches, gefunden, sodass aus den Fundorten, wie mir scheint, 


nichts Genaues ersehen werden kann. 


3. Carinaria fragilis Bory de Saint-Vincent. (Taf. II, Fig. 59). 


Die Schale ist deshalb merkwürdig, weil Bory DE SAInT-VIncENT ihr, statt Querrippen, 
radiale Linien zuschreibt, die also sämtlich nach der Spitze verlaufen. Eine solche Structur ist 
niemals bei Carinaria beobachtet worden. SOWERBY sprach neuerdings die Vermutung aus, dass 
der Forscher sich mit durchschimmernden Kiemen getäuscht haben könnte. 

Wie dem auch sei, die Abbildung zeigt so grosse Ähnlichkeit mit C. /amarcki, dass 
wir wohl die beiden Arten für identisch halten können. 

Verbreitung: Süd-Afrikanische Küste: BORY DE SAINT-VINCENT. 


4. Carinaria depressa Rang. (Taf. Il, Fig. 60—61). 


Diese früher von Rang ungenügend angedeutete Art, wurde neuerdings von SOWERBY 
wieder beschrieben. Ein ausgezeichnetes Exemplar findet sich im „British Museum’. Die ganze 
Schale ist äusserst flach, die ventrale Kante ist kaum ausgebildet, sehr kurz, die dorsale aber 
deutlich convex, und ziemlich lang. Von oben gesehen, sind die Querrippen auf der Schale 
sichtbar, von dem medianen, kaum hervorragenden Kiel ausgehend. Die sehr kleine Spira ist 
stark nach rechts gebogen. 

Länge des Tieres (nach Rang) ııo mm.; Länge der Schale 10 mm. (RanG), 5—1o mm. 
(SOWERBY). 

Die hier gegebene Abbildung ist nach einer Skizze von mir, nach dem Londoner 
Exemplar, angefertigt worden. 

Verbreitung: Madagascar: RaxG. Ind. Oz.: SowErey. Die von mir studierte Schale 


stammte ebenfalls aus dem Indischen Ozean. 


5. Carinaria australis Quoy et Gaimard. (Taf. Il, Fig. 62—63). 


Diese Art zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: der Körper ist ganz glatt und 
langgestrekt, vorn in einen ziemlich dünnen und kurzen Rüssel, hinten in einen hohen Schwanz 
übergehend, der, wie es scheint, in zwei horizontale Flossen endet, zwischen welchen ein Schwanz- 
faden sich anheftet, ganz wie bei Pferotrachea. Ein Kamm auf der Dorsalseite des Schwanzes, ganz 
nah am Nucleus anfangend, scheint deutlich vorhanden zu sein. Die Flosse ist scharf viereckig, mit 
einem Saugnapfe an der hinteren, freien Ecke. Die Schale is niedrig, fast ganz wie bei C. /amarckt. 

Copie (Fıg. 62) nach Ovov und GAIMARD. 


- 


17 


Die Beschreibung in der Voyage de l’Astrolabe wurde in neuester Zeit von VAvssIErk 
ergänzt; wenn er aber, wie er vermutet, die Originalexemplare vor sich hatte, so zeigen doch 
die verschiedenen Abbildungen gar nicht denselben Habitus (vergl. Fig. 62 u. 63). In der 
Abbildung Vavssıere's (Fig. 63) sind die Tentakel länger, der Rüssel ist bei weitem nicht so 
dünn, an der Dorsalseite des Schwanzes ist gar kein deutlicher Kamm entwickelt, der Schwanz 
endet einfach spitz, ohne horizontale Flossen. Der Eingeweidenucleus ist mit einem langen 
Stiele der Schwimmflosse gegenüber angeheftet. Letztere ist zwar deutlich viereckig, zeigt 
aber nicht zwei, sondern drei freie Ecken. Die Radula hat eine Mittelplatte mit drei ungleich 
langen, sehr schmalen Dornen. Der ganze Körper ist glatt, ohne Tuberkel, zeigt aber, überall 
zerstreut, die kleinen, runden Hautflecken, wie sie überall bei Carinaria vorzukommen scheinen. 
Länge des Tieres 32—35 mm., Höhe der Schale 6—7 mm. 

Ob die zwei hier gegebenen Beschreibungen sich auf dieselben Exemplare beziehen, 
steht dahin. 

Verbreitung: Süd-Pazif. Oz. (zwischen Australien und Neu-Seeland): Ovoy und GaIMmaRD. 


6. Carinaria cithara Benson. (Taf. II, Fig. 64). 


„lesta dextra, ultimo anfractu recto, compresso-conico, versus spiram gradatim et eleganter 
attenuato, spiram terminalem fere amplectente, rugis obliquis ornato; apertura obliqua, oblongo- 
ovata, versus carinam coarctata, carına mediocri, striis sub-rectis signata’. 

Aus der undeutlichen Beschreibung Bexson’s geht so viel hervor, dass die Schale ganz 
gerade ist, ohne jegliche Krümmung, unten schräg abgestutzt, mit niedrigem Kiele. Neuerdings 
wurde diese Art wieder von SowErky beschrieben und zum ersten Male auch abgebildet. Ein 
ganz tadelloses Exemplar findet sich im „British Museum’, und die hier gegebene Abbildung 
ist nach dieser Schale gemacht worden. Die Schale ist gerade, die kleine, elegante Spira oben 
aufgesetzt; die Hinterseite ist länger als die Vorderseite, weil die Schale unten wie schräg 
abgestutzt erscheint. Ouerrippen laufen parallel dem Mundrande und setzen sich in derselben 
Richtung auf den niedrigen Kiel fort. Höhe der Schale 9—ı0o mm. 

Verbreitung: Trop. Ind. Oz.: BENSoNn, SOWERBY. Das von mir untersuchte Exemplar 


stammte ebenfalls dorther. 


7. Carinaria galea Benson. (Taf. II, Fig. 65). 


„lesta dextra, ultimo anfractu incurvo, compresso-conico, spiram terminalem fere am- 
plectente, rugis transversis ornato, late carinato, carinae rugis perobliquis recurvatis; apertura 
transversa, ovata, versus carinam coarctata'. 

Die Schale ist an der Spitze gekrümmt, und hier heftet sich die kleine Spira an. 

Es wurde auch diese Art von SowErgy wieder beschrieben, und eine Abbildung beige- 
geben. Da auch ein ganz schönes Exemplar sich im „British Museum’ fand, so habe ich die 
nach dieser Schale angefertigte Skizze hier wiedergegeben. Die Schale ist ganz gerade, nur an 
der Spitze leicht gebogen, und hier findet sich die elegante Spira. Auch fängt schon dort der 


Kiel an, der weiter der ganzen Vorderseite der Schale entlang zieht, ziemlich hoch und mit 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 3 


18 


Ouerstreifen versehen ist, die mit den Querrippen auf der Schale einen bestimmten Winkel. 
bilden. Der Mund ist nicht schräg abgestutzt, wie bei der vorhergehenden Art. 

Nähere Besprechung im zweiten Abschnitt. 

Verbreitung: Trop. Ind. Oz.: Benson, SowErBY. Auch das von mir gesehene Exemplar 


stammte dorther. Östl. Pazif. Oz. (bei den Galapagos-Inseln): Bexsox. 


3. Carinaria punctata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 66—66a, 2). 


„Corps allonge, subfusiforme, acumine A ses extremites, diaphane, gelatineux, couvert 
partout de petits points @leves, qui rendent toute sa superficie rugueuse, excepte la trompe qui 
est lisse”’. Die Flosse ist viereckig mit grossem Saugnapfe. Schwanz spitz zulaufend ohne laterale 
Flossen, ohne Kamm an der Rückenseite. Schale der von C. /amarcki sehr ähnlich, nur, wie 
es scheint, etwas mehr zusammengedrückt (Fig. 686) und mit grösserer Spira. Wie D’ÖRBIGNY 
hervorhebt, ist diese Art durch die überall auf dem Körper zerstreuten kleinen Dornen von 
C. australis verschieden. Ich möchte noch hinzufügen, dass auch die Form des Schwanzes und 
der Schwimmflosse die Art D'’Orsıcnv's von.C. australis trennen. Länge des Tieres 9o— 100 mm. 

Copie nach D’ÖRBIGNY. 

Verbreitung: Östl. Pazif. Oz. (bei Juan-Fernandez): D’ORBIGNY. 


9. Carinaria atlantica Adams et Reeve. (Taf. III, Fig. 67). 


Die Beschreibung und Abbildung dieser Art ist so eigentümlich, dass, vorausgesetzt 
dass die Angaben richtig sind, die Aufstellung eines neuen Genus gerechtfertigt wäre. Erstens 
sind Eingeweidenucleus und Flosse einander nicht gegenübergestellt, wie sonst ganz allgemein 
bei Carinaria vorkommt, sondern die Flosse ist noch dazu „sharply triangular'', was sonst 
nie bei Heteropoden überhaupt der Fall ist. Am ehesten wäre aber ungenaue Beobachtung 
anzunehmen. Der Körper ist langgereckt und schlank, mit stumpfem Schwanze; eine deutliche 
Einschnürung, gleich vor den spitzen Tentakeln, trennt den kurzen Rüssel vom übrigen Körper. 
Schale klein, zusammengedrückt, mit hohem Kiele. Grösse des Tieres wird nicht angegeben. 


Copie nach Avans. 
Nord-Atl. Oz.: Apans. 


10. Carinaria gaudichaudi Souleyet. (Taf. Ill, Fig. 68—69). 


„La coquille est tres elevee, en forme de bonnet phrygien, comprimee lateralement et 
marqude de sillons transverses comme dans les autres especes, tres fragile et d'une grande 
transparence; son sommet represente une petite coquille discoide, munie de trois tours, faisant 
une legere saillie A droite et ombiliquee du cöt€e gauche; le dernier tour, qui forme presque 
toute la coquille, est munie anterieurement d’une tres large carene qui se retr&cit progressive- 
ment vers sa partie superieure et qui se termine au sommet. L’animal se rapproche beaucoup 
des Carinaroides par la disposition du pedoncule nucleal qui est situe plus en arriere que dans 


les autres especes, et par le developpement moins considerable de son extremite posterieure ou 


19 


caudale; sa surface est recouverte, dans toute l’Etendue du corps, de petites dminences ou 
asperites, comme dans les autres Carinaires’. 

Die hier gegebene Beschreibung wurde später von MacDonaLD in so weit ergänzt, dass 
er nachwies, dass die kleinen Tuberkel auf dem Körper in Wirklichkeit subcutane Hautflecken 
vorstellten, wie sie allgemein bei Carinaria vorkommen. Die Abbildung Macponarp’s (Fig. 69) 
zeigt merkwürdigerweise den Saugnapf nahe an der Basis der Schwimmflosse. Der Schwanz ist 
etwas stumpfer. 

Trotzdem wird es leicht sein, in C. gaudichaudi dieselbe Art zu erblicken wie C. galea. 
Die Schalen, mit der leicht gebogenen Spitze und dem breiten Kiele, kommen ganz überein. 
Die Priorität gehört also dem Namen Benson’s. Auch SowErgY sprach sich für die Identität 
der beiden Arten aus. 

Länge des Tieres 25 mm.; Höhe der Schale 6 mm. (SouLEvEr). 

Copie nach SouULEYET (Fig. 68) und Macponarn (Fig. 69). 

Verbreitung: Philippinen: SouLeEvET. Trop. Pazif. und Atl. Oz.: Macnonauo. 


11. Cerinaria cornucopia Gould. 


„lesta parva, hyalina, elongata, subtriangularis, compressa, plicis angulatis reclivibus ad 
cristam retrorsum inclinatis ornata; apice spirali anfractus 4 dextrorsum, unicum sinistrorsum 
volventes monstrante; crista elevata, lunata, spiram haud attingente. Apertura angusta, ovata. 

The unusual length of the shell, the very elevated crest, equalling half the major 
diameter, and the waved, almost plicate surface make this a strongly marked species’. 

Trotz der letzten Bemerkung möchte ich an den Schluss der Beschreibung, durch keine 
Abbildung verdeutlicht, ein Fragezeichen stellen. SOwErBYy vermutet, dass ebenfalls C. cornzcopia 
mit C. galea identisch sei. 

Höhe der Schale 10 mm. 

Verbreitung: Süd-Rarolinen-Inseln : GouLD. 


122 @4%1n1920, 593 Smith. (Taf III, Fıg. 70). 


Der Körper ist überall mit kleinen Hautflecken bedeckt, auch am Schwanze und auf 
dem Rüssel; dazwischen kommen Höcker vor. An die Rückenseite des Schwanzes heftet sich, 
eine bestimmte Strecke hinter dem Eingeweidenucleus anfangend, ein Kamm an, der bis zur 
Spitze reicht. Die Flosse ist abgerundet; der Nucleus niedrig, mit Kiemen am freien Rande, 
besonders an der linken Seite. 

Nach meiner Überzeugung muss diese Form zu C. /amarcki gestellt werden, besonders 
mit Rücksicht auf den Schwanz, die Flosse und den Nucleus. Ich hatte im „British Museum’ 
Gelegenheit das Originalexemplar zu studieren, und fand meine Vermutung nur bestätigt. Die 
kleinen Hautflecken und Tuberkel sind, ganz wie bei der Art des Mittelmeers, überall zerstreut. 
Als ich die Radula untersuchte, fand sich, dass die Zwischen- und Seitenzähne ganz mit denen 
von C. /amarcki übereinstimmten, in der Mittelplatte zeigten sich aber die drei Dornen viel 


schlanker und langgestreckt, während sie bei C. /amarcki dicker und kürzer sind. 


20 


Höchstens kann man es hier mit einer Varietät der mediterranen Art zu tun haben 
lediglich mit Rücksicht auf die Radula. Die Varietät oceanzca ist jedenfalls eine andere. 

Von Sımirn und SowErBy wurde vermutet, dass diese Form mit C. Zunctata identisch 
sein könnte. 

Länge des Tieres 35 mm. 

Copie nach SMITH. 


Verbreitung: Westl. Ausgang der Strasse von Gibraltar: SmirH. 


13. Carinarıa elata Sowerby. (Taf. III, Fig. 71). 


Die Schale ist sehr hoch, höher noch als bei C. cztkara, zugleich auch schlanker, unten 
schräg abgestutzt, stark zusammengedrückt. Die Spira war abgebrochen, aber sehr wahrscheinlich 
der Spitze der Schale aufgesetzt, ganz wie bei C. crthara. Auch der Verlauf der Querrippen 
auf der Schale und der Streifen auf dem niedrigen Kiel ist in beiden Arten ähnlich. 

Höhe der Schale 16 mm.; Breite 6 mm.; Querdurehmesser der Mundöffnung 3 mm. 

Copie nach SOWERBY. 


Verbreitung: West-Pazif. Oz.: SOWERBY. 


14. Carinaria grimaldı Vayssiere. (Taf. III, Fig. 72). 


Körper langgestreckt und überall. mit kleinen Stacheln besäet, welche das Tier, wie mit 
einem sammetähnlichen Rleide, überziehen. Rüssel mächtig entwickelt, fast ebenso dick wie der 
Rumpf; Augen sehr gross; Tentakeln klein, kaum sichtbar. Flösse klein, fast viereckig, mit 
einem Saugnapfe in der hinteren, freien Ecke. Die Schale fehlte, ist aber, nach der Form des 
Eingeweidenucleus zu urteilen, sehr niedrig; die Spira ganz dem Körper des Tieres anliegend, 
mit nur zwei Windungen, die aber schon zusammen einen beträchtlichen Teil der ganzen Schale 
bilden. Schwanz einfach, in eine Spitze auslaufend. Radula der von C. /amarcki sehr ähnlich; 
der Kamm an der Innenseite des Zwischenzahnes ist aber etwas abweichend gebaut. Wie sonst 
bei Carinaria kommen auch hier kleine, rundliche Hautflecken vor, subcutan gelegen; sie sind 
aber meist gänzlich verdeckt unter den vielen kleinen Stacheln an der Oberfläche des Körpers. 

Wenn auch das Vorkommen von Stacheln von vorne herein zugegeben werden muss, 
so möchte ich doch die Vermutung äussern, dass es sich hier um ein Artefact handeln kann. 
Bei der Fixierung mit Pikrin-Schwefelsäure wird die Kalkschale aufgelöst und es kann nachher, 
in Alkohol, ein Niederschlag von ganz kleinen Gypskrystallen entstehen, welche sich überall 
festheften, und so ein stachliges Kleid vortauschen. Wie das Tier conserviert wurde, ist aber 
nicht angegeben worden. 

Wenn immerhin die kleinen Nadeln sich auch beim lebenden Tiere zeigten, würden wir 
darin ein ganz schönes Merkmal dieser Art zu erblicken haben. 

Länge des Tieres 12 mm. 

Copie nach VAYSSIERE. 


Verbreitung: Azoren: VAVSSIERE. 


2 


15. Carinaria pseudo-rugosa Vayssiere. (Taf. III, Fig. 73). 


Diese kleine Art erinnert in ihrem Habitus sehr an C. /amarcki; der ganze Körper 
scheint mit kleinen Tuberkeln übersäet zu sein, aber bei genauer Betrachtung erweisen sich die 
vermeintlichen Tuberkel als von drüsiger Natur; sie sind einfach rundliche, subeutane Haut- 
flecken, und echte Höcker kommen gar nicht vor. Der Körper ist schwach rötlich angehaucht. 
Augen sehr gross, hervorragend; Rüssel in der Mitte stark eingeschnürt. Der Schwanz ist klein 
und entbehrt ganz irgendwelcher vertikalen oder horizontalen Kämme, nur an der Oberseite, 
da wo der Schwanz in einen langen Faden endet, ist eine schwarzpigmentierte Stelle. Die 
Schwimmflosse ist verhaltnissmässig sehr klein, abgerundet, mit kleinem Saugnapfe am Unter- 
rande, etwas nach hinten verschoben. Der Eingeweidenucleus mitsamt der Schale fehlten gänzlich. 
In der Radula sind die drei Dornen der Mittelplatte gleich lang, die Äusseren sehr leicht nach 
aussen gekrümmt an der Spitze, und alle von schlanker Gestalt. 

Länge des Tieres 14 mm. 

Copie nach VAvSsSIERE. 

Verbreitung: Azoren: VAVvSSIERE. 


16. Carinarıia sp. Warlomont. (Taf. III, Fig. 74). 


Diese Form zeichnet sich aus durch ihren ausserordentlich kräftigen Rüssel, und über- 
haupt durch die mächtige Entwicklung des vorderen Rumpfabschnittes. Die Augen sind sehr 
gross. Der Nucleus und der Schwanz sind nur ganz unbestimmt angegeben worden, der letzte 
endet in zwei sehr grosse laterale, horizontale Ausbreitungen; die Flosse ist rundlich und trägt 
einen Saugnapf am Hinterrande. Möglich ist es allerdings, dass wir in dieser Form nur ein 
Jugendstadium irgendeiner schon bekannten Carinaria zu erblicken haben. 

Die Länge des Tieres beträgt nur 7 mm. 

Copie nach WARLOMONT. 

Verbreitung: Villefranche: WARLomoNT. 


Pterosoma Lesson 1830. 


Die Gattung Pierosoma wurde zuerst von Lessox errichtet, freilich ohne irgendwelche 
Andeutung, wo ihr systematischer Platz wäre; sie wurde, man möchte sagen, zufällig, in die Nähe 
von Pferotrachea gestellt. Ihre systematische Stellung blieb lange Zeit zweifelhaft; Fischer hielt 
sie für eine pelagische Nemertine. Erst in neuerer Zeit gelang es Moszrev, namentlich aber 
Heprey den Nachweis zu liefern, dass die Gattung Pierosoma zu den Heteropoden zu stellen 
wäre. Von Cross wurde diese Behauptung näher begründet. Das Originalexemplar Lesson’s 
war offenbar verstümmelt, sonst wäre ihm die Ähnlichkeit mit Carizaria wohl nicht entgangen. 
Eine nähere, freilich nur kurze, Diagnose verdanken wir Heprev. 

Ich selbst hatte das Glück, ein /ierosoma untersuchen zu können, und zwar aus der 


Sammlung der Challenger. In seinem Rapport über die Heteropoden des Challenger werden 


22 


von Sumıtn drei sehr kleine Exemplare erwähnt, die von ihm zu €. crzsiata gestellt wurden. 
Als ich jüngst diese drei kleinen Formen untersuchte, stellte es sich heraus, dass zwei derselben 
wirklich zu Carinarıa gehören, die dritte aber ein Vertreter der Gattung Plerosoma ist. 

Man kann Pferosoma auffassen als eine Carinarıa, deren Flanken, am Rumpfe wie 
am Schwanze, sich stark horizontal ausgebreitet haben, so dass das ganze Tier eine flache 
Scheibe darstellt, welche vorn eingekerbt ist, und an dieser Stelle den Rüssel frei herabhängen 
lässt, hinten aber sich allmählich verschmälert und in einen langen, dünnen Schwanzfaden endet. 
Der Nucleus ist etwas weiter nach vorn verschoben, und nicht der Flosse gegenüber, wie 
bei Carınarıa. 

Eine Skizze, von mir, während meines Aufenthaltes zu London, angefertigt, ist auf 
Taf. III, Fig. 75 wiedergegeben. Man sieht, dass der ganze Körper sich zu einer dünnen, flachen 
Scheibe abgeflacht hat, die überall mit kleinen Hautflecken bedeckt ist. Heprey erwähnt ausser- 
dem noch kleine Höcker. Die Scheibe ist ganz durchsichtig, ganz wie die Cutis bei Carzinaria, 
am Rande nicht dünner, oder doch nur sehr wenig, als in der Mitte, und im Ganzen gestreckt- 
herzförmig, also vorn, zwischen den Augen, eingekerbt, hinten sich verjüngend, hier mit deut- 
lichen schwach convergierenden Muskelbündeln versehen, und in einen langen Faden auslaufend. 
Der cylindrische, kräftige Rüssel, mit grosser Buccalmasse, hängt frei herab; da, wo er sich 
an die Scheibe heftet, finden sich die Tentakel (von welchen ich nur den linke sah) und die 
Augen, welche ganz wie die Sehorgane von Carinarıa gebaut sind, und ebenfalls eine breite 
Basis und eine im Ganzen dreieckige Gestalt besitzen. Mitten auf der Scheibe ruht ein sehr 
flacher Nucleus, der allerdings stark beschädigt war, und dessen Schale fehlte. Kiemen sind 
am Vorderrande und an der linken Seite entwickelt; sie sind sämtlich von gleicher Gestalt 
und sehr kurz. Heprey beschreibt einen viel höheren Nucleus, der, gerade der Flosse gegenüber, 
in der Mitte der Scheibe gelagert war; von der Schale sagt er noch: „the shell is carried 
with its spiral end posteriorly; it is 4,5 mm. long, ı,5 mm. broad and high, apically consisting 
of a spiral, smooth, purple shell of 2'/, whorls, at right angles to which extends the adult, 
boat-shaped shell, white, glassy, shining, most brittle, ornamented by a double, lamellar keel 
running from the embryonic shell along its periphery; from keel to margin curved growth-lines 
undulate the side of the shell”. Es geht daraus hervor, dass die Schale im Ganzen der von 
Carinarıa ähnlich ist. 

Etwas weiter nach hinten verschoben, also nicht dem Nucleus gegenüber, findet sich die 
grosse, dünne Flosse, deren Basis eingeschnürt ist und welche am Hinterrande einen deutlichen 
Saugnapf trägt. Zwei deutlich gesonderte Muskelsysteme, wie sie auch bei Carznaria vorkommen, 
und die sich fast rechtwinklig kreuzen, geben der Flosse ein gegittertes Aussehen, lassen aber 
den sehr dünnen, membranösen Unterrand fast gänzlich frei. 

Die Radula ist fast ganz wie bei Carinarıa gebildet. Die Mittelplatte trägt drei fast 
gleich lange, schlanke Dornen; der Zwischenzahn hat an der Innenseite einen deutlichen Kamm, 
ganz Carinaria-ähnlich, und die beiden Seitenzähne sind stark gekrümmt. F 

In der phylogenetischen Reihe erscheint also Pferosoma als einseitig entwickelter Zweig 
des Carinaria-Stammes, der sich besonders dadurch kennzeichnet, dass der Rumpf sich zu einer 


Scheibe abgeflacht hat. 


EB 


Da die Ehre des Wiederauffindens dieser Gattung der Challenger-Expedition gehört, so 
schlage ich für die hier beschriebene Form den Namen Pferosoma challengeri') vor. 

Lesson giebt als Länge des Tieres So mm. an, Heprey fand nur 30 mm. (von den 
Augen bis zum Schwanze), der Rumpf selbst war 13 mm. lang, 13 mm. breit. Das von mir 
untersuchte Exemplar war kleiner, die Scheibe hatte eine Länge von 9 mm. 

Verbreitung: Zwischen den Molukken und Neu-Guinea: Lxssox. Zwischen Australien und 
Neu-Seeland: Hrprev. Das Exemplar der Challenger-Expedition wurde auf dem Traject Admira- 


litäts-Inseln-Japan erbeutet. Die Siboga-Expedition hat keinen Vertreter der Gattung gefunden. 


Cardiapoda d’Orbigny 1336. 


Eine zu dieser Gattung gehörige Art wurde zwar 1830 von Lesson aufgefunden, ihr 
abweichender Habitus aber nicht erkannt, weshalb sie einfach zu Pierotrachea gezogen wurde. 
D’ORBIGNY aber wies nach, welche grosse Unterschiede zwischen Pierotrachea und der betreffen- 
den Form von Lxsson tatsächlich bestehen, und stellte deshalb die Gattung Cardiapoda auf, 
welchen Namen Sourzryer dann wieder in Carznarorda umzutauschen versuchte. Zwar wurde 
unsre Kenntniss der Gruppe durch die Beschreibungen D’OÖrBısnv's, Sourever's und MAcDonaLp's 
wesentlich erweitert, aber doch ist noch jetzt von den verschiedenen Gattungen der Heteropoden, 
Pterosoma ausgenommen, das Genus Cardiapoda am wenigsten bekannt. Es rührt dies wohl 
daher, dass Cardiapoda im Mittelmeer gar nicht vorkommt, und deshalb auch nur sehr selten 
zur Untersuchung gelangte. 

Ich werde im zweiten Abschnitt noch Gelegenheit haben, auf viele Eigentümlichkeiten 
der Gattung zurückzukommen; da es sich hier nur um rein systematische Interessen handelt, 
so genügt eine Diagnose von Cardiapoda mit ihren bis jetzt bekannten Arten. 

Der allgemeine Habitus ist wie bei Carinarıa, die Cutis ist etwas weniger dick auf dem 
Rumpfe, der Rüssel ist kräftig ausgebildet, vorn rechtwinklig abgestutzt; eine Einschnürung, die 
den Kopf vom übrigen Körper trennt, kommt nicht vor. Die Augen sind sehr gross, ganz wie 
bei Carinaria ausgebildet, Tentakel kommen ebenfalls vor und zwar bei beiden Geschlechtern. 
Der Nucleus ist nach hinten verschoben und wird auf einem mehr oder weniger langen Stiele 
getragen; die Schale ist sehr klein, spiralig aufgewunden, und bedeckt nur einen verschwindend 
kleinen Teil der Leber, sonst ist der Nucleus ganz nackt, und entweder auf dem ganzen freien 
Rande, oder nur an der Vorderseite mit Kiemen versehen. Der Stelle gegenüber, wo der Stiel 
des Nucleus aus dem Körper entspringt, heftet sich die sehr grosse Flosse an; bisweilen ist sie 
aber etwas nach vorn verschoben. Die Muskelbündel in der Flosse sind hier weniger deutlich 
als bei Carinaria, der Saugnapf ist entweder an der Unterseite oder aber am Hinterrande 
befestigt, ist für gewohnlich ziemlich klein und kommt beiden Geschlechtern zu. Der wenig 
entwickelte Schwanz, ohne deutlichen Kamm, verjüngt sich allmählich (wenigstens oft) in einen 
Schwanzfaden und trägt bisweilen an der Unterseite ein ovales, sehr dünnwandiges, becher- 
föormiges Gebilde; da wo der Schwanzfaden sich am Schwanze festheftet, findet sich bei einigen 


Arten eine kleine, horizontale Ausbreitung der Spitze, mit eingebuchteten Rändern. 


1) Diese unterscheidet sich also von der Art HEDLEY’s dadurch, dass der Nucleus niedriger ist und nicht der Flosse gegenüber steht 
r) - o’- 


24 


Die Arten von Cardiapoda sind sehr ungenügend beschrieben worden; MacponarD glaubte 
sogar, die beschriebenen Formen wären alle in einer Art zu vereinigen, und SmitnH hält diese 
Ansicht für gerechtfertigt. Der letztgenannte Autor war der Meinung, dass die Geschlechter 
nur durch die Kiemen angedeutet würden, so dass Arten wie C. /lacenta das Weibchen, 
C. carinata das Männchen einer und derselben Art vorstellten. Die Untersuchung des Siboga- 
Materiales und auch der Sammlung des „British Museums’, hat mich aber gelehrt, dass diese 
Auffassung aufgegeben werden muss. VavssıErE schreibt nur den Männchen einen Saugnapf zu, 
aber auch diese Behauptung betrachte ich als einen Irrtum. 

Am bequemsten wird es wohl sein, die Arten in zwei Gruppen zu verteilen, 4: mit Kiemen 
am ganzen freien Rande des Nucleus, 5: mit Kiemen nur am Vorderrande. 


Zus gehören: 
ı. Cardiapoda placenta (Lesson). 


2. Cardiapoda placenta (Souleyet). 
3. Cardiapoda placenta Smith. 
4. Cardiapoda pedunculata d’Orbigny. 
5. Cardiapoda sp. Gray. 
Zu BD gehören: 
6. Cardiapoda carıinata d’Orbigny. 
7. Cardıapoda caudına Rang. 
3. Cardiapoda caudına (Souleyet). 
9. Cardiapoda sp. Macdonald. 
oO 


Cardiapoda richardi N ayssiere. 


1. Cardiapoda placent« (Lesson). (Taf. III, Fig. 76). 


Die sehr unvollständige Beschreibung Lessox’s giebt nur wenig Aufschluss; der Körper ' 
ist cylindrisch, vorn in einen ziemlich langen Rüssel, hinten in einen spitzen Schwanz übergehend, 
der, wie es scheint, keine Anhänge trägt. Mit dem Schwanze von gleicher Länge ist der Stiel, 
an dessen Ende sich der Eingeweidenucleus findet, der am ganzen Hinterrande mit Kiemen 
besetzt ist. Gerade dem Stiele gegenüber heftet sich an der Unterseite die Flosse an, die von 
abgerundeter Gestalt ist und an der Wurzel sich nur wenig verschmälert. Ein Saugnapf, sowie 
Augen und Tentakel, sind nicht angegeben, aber sehr wahrscheinlich übersehen worden. 

Länge des Tieres 50 mm. 

Copie nach Lesson. 


Verbreitung: Neu-Guinea: Lexssox. 


2. Cardiapoda placenta (Souleyet). (Taf. Ill, Fig. 77). 


Diese von SOULEYET mit der vorhergehenden Art identifizierte Form unterscheidet sich 
namentlich dadurch, dass der Nucleusstiel viel kürzer ist als der Schwanz. Weiter ist der Nucleus 
selbst viel umfangreicher, mit Kiemen am ganzen freien Rande. Der Schwanz endet in ein 
schwarzpigmentiertes, lappenförmiges Gebilde; die Flosse ist etwas mehr nach vorn gelegen als 


der Nucleusstiel, sehr gross, abgerundet, an der Basis eingeschnürt, mit sehr kleinem Saugnapfe 


25 
an der Unterseite, etwas nach hinten verschoben. Der Rüssel ist kräftig, ebenso wie bei 
Carinaria, Augen und Tentakeln (diese sehr lang) sind vorhanden. 
Länge des Tieres 35 mm. 
Copie nach SOULEYET. 
Verbreitung: Sandwich-Inseln u. trop. Atl. Oz.: SovLkver. 


3. Cardiapoda placenta Smith. (Taf. Ill, Fig. 78). 


Die von der Challenger-Expedition gefundene Form hat wirklich mit der Art SourkveEr's 
die grösste Ähnlichkeit, jedoch möchte ich sie lieber getrennt beschreiben, da immerhin gewisse 
Unterschiede bestehen. Der Rüssel ist kürzer, ziemlich spitz zulaufend, der Rumpf dagegen 
mächtig entwickelt und in einen kleinen Schwanz übergehend, der an den Seiten deutliche, 
longitudinale Muskeln zeigt und, nach einer geringen Einschnürung, bandförmig wird, um 
schliesslich in ein sehr kleines eingekerbtes Gebilde zu enden. Letzteres, sowie der Nucleusstiel, 
der Nucleus selbst mit den Kiemen und die grosse, breit angeheftete Flosse, stimmen mit den 
entsprechenden Teilen der vorhergehenden Art fast ganz überein. Ein kleiner Saugnapf kommt 
auch hier vor und zwar ebenfalls ein wenig nach hinten gerückt. 

Ich hatte im „Britisch Museum” die Gelegenheit, das Originalexemplar zu studiren, und 
damit die Angaben Smit#'s zu bestätigen. Nur muss ich noch hinzufügen, dass die Mittelplatte 
der Radula drei gleich lange, ziemlich weit von einander abstehende Dornen trägt. 

Länge des Tieres 77 mm. 

Copie nach SMITH. 

Verbreitung: Aru-Inseln: SımitH. 


4. Cardiapoda pedunculata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 79). 


Rüssel kurz, wahrscheinlich stark zusammengezogen; Rumpf nur wenig dicker, Tentakeln 
lang, Schwanz schlank, allmählich sich verdünnend, ohne membranöse Ausbreitungen. Nucleus- 
stiel sehr lang und dünn; Nucleus selbst sehr umfangreich mit einer Reihe Kiemen am ganzen 
Hinterrande. Die Flosse ist nicht gerade der Ansatzstelle des Stieles gegenüber gestellt, sondern 
etwas nach vorn gerückt, klein, an der Wurzel stark eingeschnürt, mit grossem Saugnapfe, 
gerade in der Mitte der Unterseite. 

Nach SouL£evEr wäre diese Art dieselbe wie seine C. Z/acenta, der Nucleus ist aber 
grösser, der Stiel länger, der Schwanz einfach und ohne flossenartige Bildungen, und besonders 
die Flosse ist kleiner, deutlich eingeschnürt, indem der Saugnapf nicht am Hinterrande liegt, 
sondern nach vorn gerückt ist. 

Länge des Tieres 30—4o mm. 

Copie nach D’ÖRBIGNY. 

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: D’ORBIGNY. 


5. Cardiapoda sp. Gray. (Taf. III, Fig. 80). 


Die Abbildung, von Grav nach einer Zeichnung von HookER angefertigt, zeigt nur 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 4 


26 


Weniges deutlich, wenn auch der allgemeine Typus von C. Slacenta, im weiteren Sinne, unver- 
kennbar ist. Der Schwanz geht hier merkwürdigerweise in ein langes, plattes Band über. 

Die Länge des Tieres wird nicht angegeben. 

Copie nach Grav. 

Verbreitung: Unbekannt: Gray. 


Die Arten, welche die Kiemen nur am Vorderrande des Nucleus tragen, nähern sich 
dadurch im äusseren Habitus sehr dem Carznaria-Typus, und diese Ähnlichkeit wird noch erhöht 


durch die Beschreibungen der Schale, wenigstens in einigen Fällen. 


6. Cardiapoda carinata d’Orbigny. (Taf. III, Fig. 8ı—81a). 


Rüssel kräftig, ohne Einschnürung vor den Augen, Tentakeln sehr lang; Rumpf cylin- 
drisch, mit einem ganz kurzen Stiele, der den kleinen Nucleus trägt. Dieser Nucleus ist von einer 
membranösen Hülle umgeben (vom Verfasser als Schale betrachtet, da er die kleine, spiralige 
Kalkschale noch nicht kannte) „de la forme d'une nacelle, et car&nee en dessous comme la 
Carinaire’. Am Vorderrande dieser Hülle ragen die Kiemen hervor. Wahrscheinlich ist hier 
eine mantelähnliche Hautduplicatur gemeint. Der Schwanz läuft allmählich spitz zu und hat an 
der Unterseite zwei schwarze Linien. Die grosse Flosse ist deutlich nach vorn gerückt, abge- 
rundet, an der Basis stark eingeschnürt, am Hinterrande mit einem grossen (im Texte klein 
genannten) Saugnapfe. 

Länge des Tieres 25 mm. 

Copie nach D’ÖRBIGNY. 

Verbreitung: Süd-Atl. Oz.: D’ÖRBIGNY. 


7. Cardıiapoda caudina (Rang). (Taf. III, Fig. 82). 


Diese Art zeigt im Allgemeinen denselben Habitus, aber die Flosse ist noch weiter nach 
vorn verschoben, und gerade in der Mitte zwischen dem kurzen Nucleusstiele und den Augen 
gelagert; an der breiten Basis finden sich kleine rötliche Flecke, die auch am Schwanze vorkommen. 
Der Nucleus ist klein, wird auf kurzem Stiele getragen, und ist an der Oberseite mit Kiemen 
versehen. Die Flosse besitzt noch einen winzigen, etwas hinterwärts verschobenen Saugnapf. 

Länge des Tieres So mm. 

Copie nach Ranc. 

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: Ranc. 


3. Cardiapoda caudina (Souleyet). (Taf. III, Fig. 83—84). 


Trotz unleugbarer Ähnlichkeit mit der vorhergehenden Form, hat doch die Art SouLkvEr's 
gewisse Merkmale, welche nach meiner Meinung, eine gesonderte Besprechung rechtfertigen. 
Der Nucleus ist verhältnissmässig viel umfangreicher, die Flosse ist hinterwärts gerückt, mit 
grossem Saugnapfe am freien Hinterrande. Der Schwanz endet in ein sternförmiges, eingekerbtes 


Gebilde und trägt an der Unterseite einen ovalen, dünnwandigen, schwarz pigmentirten Becher. 


27 


Ein junges Exemplar von Cardiapoda, von Sourkyer zu der hier besprochenen Art gerechnet, 
unterscheidet sich nur durch den spitz zulaufenden Schwanz und einen grossen, schwarzen Fleck, 
statt des Bechers, an dessen Unterseite. 

Das Originalexemplar war im „British Museum”, leider aber ganz eingetrocknet, weshalb 
ich keine weiteren Untersuchungen anstellen konnte. 

Nach SouLEvET wäre diese Art dieselbe wie C. carinata:; letztere unterscheidet sich 
aber, abgesehen von der Schale, durch die Form der Flosse, und durch den grösseren, zudem 
noch anders gestalteten Schwanz. Eine Identität wäre freilich möglich. 

Länge des (erwachsenen) Tieres 35 mm. 

Copie nach SOULEYET. 


Verbreitung: Atl. und Pazif. Oz.: SOULEYET. 


9. Cardiapoda sp. Macdonald. (Taf. III, Fig. 85). 


Diese Art zeigt im Allgemeinen denselben Habitus wie die vorhergenannte, aber doch 
sind deutliche Unterschiede vorhanden. Die breit angeheftete, niedrige Flosse, ist dem Nucleus- 
stiele gegenüber gelegen, und besitzt, ganz hoch am Hinterrande, einen grossen Saugnapf, der 
sich sogar von dem übrigen Teil der Flosse deutlich abhebt. Der Schwanz trägt einen ovalen 
Becher an der Unterseite, setzt sich hinter diesen, mit ziemlich plötzlichem Übergang in ein schmales 
Band fort, ohne eingekerbtes. Gebilde an der Spitze. Die Schale ist, nach der Beschreibung, 
sehr merkwürdig. MacponaLD sagt wörtlich: „numerous branches, with a plain external surface 
and a zig-zag internal fold, protruded from beneath the dorsal lip of the shell which was semi- 
cartilaginous, shallow, or scoop-shaped, with an involute nucleus, and a deep but very thin and 
delicate keel’’. Man möchte hier fast an Carinarıa denken, wenn nicht die Radula, deren 
Mittelplatte drei ungleiche Dornen besitzt, und deren Zwischenzahn an der Innenseite einen 
distal nicht zugespitzten Kamm trägt, ganz Cardiapoda-ähnlich wäre. Erwähnenswert ist weiter 
noch der stark entwickelte Penis, der sonst bei Cardiapoda klein bleibt. 

Länge des Tieres 18 mm. 

Copie nach MAcDoNALD. 

Verbreitung: S.W. Pazif. Oz.: Macponarn. 


10. Cardiapoda richardi Vayssiere. (Taf. Ill, Fig. 86). 


Rüssel sehr gross, mit dem Rumpfe ohne Einschnürung verbunden, zusammen einen 
eylindrischen Körper darstellend, an dessen Ende sich der Nucleusstiel und der Schwanz finden. 
Der Nucleus wird auf kurzem Stiele getragen, ist sehr umfangreich, und besitzt am Vorderrande 
acht lange, dünne Kiemen. (Was der merkwürdige, konische Zapfen an der rechten Seite des 
Nucleus bedeutet, wird nicht angegeben. Ein Penis wäre an anderer Stelle zu suchen). Der 
Schwanz ist anfangs sehr hoch, verschmälert sich dann plötzlich, in ein langes Band übergehend; 
an der Übergangsstelle findet sich, was der Verfasser nennt: „une grande expansion membra- 
neuse ä bords sinueux et noirätres’”’ von schwerlich definirbarer Gestalt. Die sehr grosse, breit 


angeheftete, rundliche Flosse, die deutliche Muskelbündel zeigen soll, ist dem Nucleusstiele 


28 


gegenüber gestellt, und entbehrt merkwürdigerweise des Saugnapfes; wenigstens wird seine 
Existenz geleugnet; mehr wahrscheinlich aber ist er, seiner Kleinheit wegen, übersehen worden. 
Die Augen sind weit auseinander, lateralwärts, gerückt, und jedes trägt einen starken Tentakel 
an der Vorderseite. Der ganze Körper ist allseitig mit kleinen, ovalen, länglichen oder birn- 
förmigen Hautflecken bedeckt. Die Mittelplatte der Radula zeigt drei Dornen, von denen der 
mittlere länger ist als die beiden anderen; der Kamm auf der Innenseite des Zwischenzahns ist 
distal nicht so scharf zugespitzt wie bei Carınarıa. 

Länge des Tieres 17 mm. 

Copie nach VAavssIEre. 

Verbreitung: Westl. von den Azoren: VAvSSIERE. 


Am Schlusse der systematischen Besprechung der Carinariidae, möchte ich noch einige 
Formen ganz kurz erwähnen, deren Beschreibungen und Abbildungen entweder nach verstümmelten 
Exemplaren angefertigt wurden oder welche doch auf anderer Weise ganz unkenntlich sind. 
Von älteren Autoren sind hier CuviEer, und Qvoy und GAIMARD zu erwähnen. Die 
„Pterotrachea von Cuvier (Taf. III, Fig. 87) ist eine verstümmelte Carzinaria. Ebenso sind 
Monophora cylindracea und Timorienna firoloides, beide von Quvoy und GaImarD beschrieben, 
nur abgerissene Schwanzteile irgendeiner Carınarza. 
Später wurden noch von Rarrray einige Formen beschrieben. Erstens eine Carzinarıa 
(Taf. IV, Fig. 88) deren Nucleus abgerissen war, mit auffallend langem Schwanze. Weiter noch 
zwei zu Cardiapoda gehörige Formen, von denen die erste (Taf. IV, Fig. 89) mit ziemlich langem 
Nucleusstiele. Kiemen am Vorderrande des Nucleus, breit angehefteter Flosse, mit etwas nach 
hinten gerücktem Saugnapf, zu C. Pedunculat« gerechnet wurde (wie mir vorkommt, aber mit 
Unrecht), indem die zweite (Taf. IV, Fig. 90) deren Schwanzteil an den von C. cristata erinnert, 
einfach als „Carinaroides' bezeichnet wird. Die hier gegebenen Copien stellen die natürliche 
Grösse dar. Alle stammen aus dem östl. Pazif. Ozean. 
Im zweiten Abschnitt werden die folgenden Arten noch ausführlicher besprochen werden: 
Carinaria lamarcki Peron et Lesueur. 
Carinaria cristata Linne. 
Carınaria galea Benson. 

Ich habe dort noch eine neue Art hinzufügen müssen. 


Die zu Cardiapoda gehörigen Tiere habe ich als drei neue Arten bezeichnet. 


Familie III. PTEROTRACHEIDAE. 


Solche Arten, bei welchen gar keine Schale nachweisbar ist, werden zu der Familie der 
Pterotracheidae vereinigt. 

Die älteste Beschreibung einer zu dieser Gruppe gehörigen Art und einer Heteropode 
überhaupt, stammt von ForskÄr, der 1775 zum ersten Male kurze Diagnosen gab von vier 


sogenannten „Arten. Diese Beschreibungen sind aber ausserordentlich mangelhaft, und dasselbe 


29 


gilt in mehr oder wenig hohem Grade von fast allen seinen Nachfolgern. Sehr oft wurden einfach 
die secundären Geschlechtscharactere (die natürlich noch nicht als solche erkannt waren) als Art- 
merkmale verwendet, in anderen Fällen hat man das Fehlen des Kopfes oder des Schwanz- 
fadens benutzt, um neue Arten oder sogar neue Gattungen aufzustellen. Die systematische 
Litteratur ist aber noch ganz besonders complizirt dadurch, dass viele Formen vier- oder fünfmal 
mit demselben Namen belegt wurden, ohne die Identität mit den ursprünglichen Beschreibungen 
genügend festzustellen. Die Verwirrung, welche in der Systematik der Heteropoden überhaupt 
herrscht, ist in dieser Gruppe am grössten und der Forscher, der sich die Aufgabe gestellt 
hat, die bisher beschriebenen Arten zu besprechen, findet hier gewiss die schwierigste Arbeit. 

Es nützt nichts, hier wieder die Klagen zu wiederholen, welche schon öfter von ver- 
schiedenen Seiten angehoben wurden; wir haben nur die ganze Bürde der ungenügenden 
Beschreibungen hinzunehmen und zu versuchen, /an? sozt peu einige Lichtstrahlen in die Finsternis 
unsrer systematischen Kenntnis zu senden. 

Wie ich nach eigenen Beobachtungen nur bestätigen kann, zeigt die ganze Familie eine 
höchst einförmige Gestalt. Mit grosser Zähigkeit behalten die Arten immer und immer wieder 
die Grundzüge ihres Baues bei. Überall derselbe cylindrische Körper, ganz durchsichtig und 
vollkommen an die pelagische Lebensweise angepasst; dieselbe Flosse, derselbe Schwanz, ja, 
sogar die vier Muskelstreifen, zu beiden Seiten des Schwanzes von /ferotrachea, wiederholen 
unveränderlich den gleichen Verlauf. Bei solcher Sachlage ist es begreiflich, dass nur bei ganz 
genauer Betrachtung Unterschiede gefunden werden können — eine Aufgabe die offenbar den 
meisten Beschreibern, wenigstens hier, zu beschwerlich war. 

Die Pterotracheidae wiederholen im Allgemeinen den Habitus, wie sie die vorhergehende 
Familie zeigt; der Körper ist aber schlanker, vollkommen durchsichtig, Tuberkeln kommen 
zwar vor, aber sie sind klein, und bleiben vereinzelt; Hautflecken sind grösser, rundlich, immer, 
wenn vorhanden, an der Ventralseite, besonders in der Nähe der Flosse, gelagert. Der Rumpf 
geht vorn ohne Einschnürung in den cylindrischen Rüssel über, hinten in einen Schwanz, in 
dessen Gestalt hauptsächlich die Unterschiede zwischen den beiden Gattungen gelegen sind. 
An der Grenze zwischen Rumpf und Schwanz findet sich der Eingeweidenucleus, von birn- 
förmiger Gestalt, eingebettet in die hyaline Körperbedeckung. Die rundliche Flosse, mit etwas 
eingeschnürter Basis, ist etwa auf halber Länge zwischen den Augen und dem Nucleus angebracht. 


Die Familie zerfällt in zwei Gattungen, /Pierotrachea und Frrolorda. 


Pterotrachea Forskäl 1775: 


Die Gattung unterscheidet sich durch folgende Merkmale: der Rüssel ist kräftig, vor 
den Augen kommen keine Tentakeln vor, welche ganz fehlen, aber statt dieser, finden sich 
bisweilen, an ihrer Stelle, einige kleine, nach vorn gerichtete Dornen auf der Stirn. Die Cutis 
ist ganz hell und durchsichtig, die Flosse gross, rundlich, und fast genau in der Mitte des 
convexen Unterrandes mit einem Saugnapfe versehen, der nur den Männchen zukommt, bei den 
Weibchen aber ganz fehlt. Der Eingeweidenucleus ist fast ganz in der durchsichtigen Körper- 


substanz eingebettet, nur der spitze, obere Teil ragt hervor, und ist hier am Vorderrande und 


30 


an der linken Seite mit Kiemen versehen, welche vorn sehr klein sind, nach links aber allmählich 
an Grösse zunehmen. Der Schwanz ist beiderseits zusammengedrückt und überall fast ganz 
hyalin, mit Ausnahme der schon oben erwähnten, ganz constanten, longitudinalen Muskelbündel, 
von denen das zweite, namentlich aber das dritte (von der Dorsalseite aus gerechnet) die grössten 
sind. Eine ausführliche Beschreibung dieser Bündel und ihrer schliesslichen Verschmelzung ist 
hier nicht am Platze. Sie ist ausserdem schon von Anderen (LeuckArT, KALıpE u. A.) gegeben 
worden; es genügt hier zu constatiren, dass die Muskelstreifen zusammenstossen und schliesslich 
ganz am Ende des Schwanzes sich vereinen. Hier sind noch zwei, rechts und links gelegene, 
kleine horizontale Ausbreitungen der Cutis zu beachten, welche zusammen eine herzförmige nach 
hinten also eingekerbte Figur bilden; in der Einkerbung ist der lange, bewegliche, sehr zarte, 
perlschnürförmige Schwanzfaden angebracht („/aenza” Forskäl). 

Die Schlundmasse ist im Grossen und Ganzen nach dem allgemeinen Typus bei den 
Heteropoden gebaut und besitzt eine kräftige Reibeplatte; was aber diese Gattung von den 
übrigen noch unterscheidet, sind die merkwürdigen Chitinzähne am Dache der Mundhöhle. Sie 
wurden zuerst von MuacponALD beschrieben, dann in neuerer Zeit wieder von VAvSSIERE. Es 
handelt sich um zwei longitudinale Reihen, jederseits von der Medianlinie gelegen, am Rande 
einer dorsalen Grube in der Mundhöhle, und von vorn nach hinten an Grösse zunehmend. Die 
Zähne sind zäpfenförmig, leicht nach hinten gerichtet; ihre Zahl ist in beiden Reihen nicht 
immer die gleiche, gewöhnlich sind deren sechs oder sieben vorhanden. Zudem kommen noch 
nach VAvSSIERE, wenigstens bei einigen Arten, Peribuccalzähne vor, welche im Kreise den 
Eingang der Mundöffnung an der Innenseite umgeben. Es sind kleine, stark gekrümmte Häkchen, 
welche sämtlich nach innen gerichtet sind. Alles dies weist auf die äusserst räuberische Lebens- 
weise der Pferotrachea-Arten hin. 

Wenn man die verschiedenen, bereits sehr zahlreichen, Abbildungen betrachtet, die sich 
auf Pierotrachea beziehen, kommt man leicht zu der Vermutung, dass Fehler in der Beobachtung 
sich oft eingeschlichen haben müssen. Besonders die Lage der Kiemen um dem Nucleus herum, 
und auch der Schwanz, sind in den Figuren oft abenteuerlich gestaltet, und man möchte meinen, 
dass in dieser Hinsicht eine grosse Mannigfaltigkeit besteht. Dem ist aber nicht so. Wie schon 
oben gesagt wurde, ist der Körper bei /lerotrachea immer nach demselben Typus gebaut. Wer 
genügendes Vergleichsmaterial zu seiner Verfügung hat, wird sich von dieser Tatsache leicht 
überzeugen können. Ich habe, während fünf Monaten, an der zoologischen Station zu Neapel, eine 
grosse Menge Exemplare zu studiren Gelegenheit gehabt, aber bei diesen, ebenso wie bei dem 
reichen Material der Siboga-Expedition, habe ich immer nur bestätigt gefunden, dass die Kiemen, 
der Schwanz, überhaupt der ganze Körper höchst einförmig sich gestaltet. W orin, meiner Ansicht 
nach, eigentlich die (freilich geringen) Unterschiede bestehen, hoffe ich im zweiten Abschnitt noch 
ausführlich zu erörtern, hier habe ich nur die Einförmigkeit constatiren wollen, um es von vorn- 
herein verständlich zu machen, dass ich die eigentümlichen Gestaltungen in den Abbildungen auf 
Beobachtungsfehler zurückführen muss und nicht als spezifische Merkmale berücksichtigen kann. 

Es ist aus der Litteratur die stattliche Zahl von 37 Arten zu verzeichnen, von denen 
ıo gänzlich unkenntlich sind, die übrigen aber, wie ich glaube, auf fünf oder sechs Formen zu 


reduziren wären. 


Diese Arten sind: 


1. Pterotrachea coronalta Forskäl. 20. Pterotrachea edwardsi (Deshayes). 

2. Pterotrachea cuviera (Lesueur). ı 21. Plerotrachea umbilicata delle Chiaje. 

3. Pterotrachea peronia (Lesueur). 22. Pterotrachea keraudreni Souleyet. 

4. Pterotrachea gibbosa (Lesueur). 23. Pterotrachea scutata Gegenbaur. 

5. Pterotrachea frederica (Lesueur). 24. Pterotrachea sp. Smith. 

6. Pterotrachea frederici (Blainville). 25. Pterotrachea souleyeti (V ayssiere). 

7. Pterotrachea friderici(ana) delle Chiaje. 26. Pierotrachea gegenbauri (N ayssiere). 

8. Pterotrachea fredericia Cantraine, Gegen- 27. Pterotrachea talismani (Vayssiere). 
baur, Carus. ı 28. Pterotrachea hyalına Forskäl. 

9 Pterotrachea forskalia (Lesueur). | 29. Pterotrachea hyalina (cristallina) delle 

10. Pterotrachea mutica (Lesueur). | Chiaje. 

11. Pterotrachea mutica Cantraine, Gegenbaur, | 30. Pterotrachea aculeata Forskäl. 
Keferstein, Carus. | 31. Pterotrachea pulmonata Forskäl. 

12. Plerotrachea mutica (Vayssiere). 32. Plerotrachea (Anops) peroni d'Orbigny. 

13. Pterotrachea rufa Quoy et Gaimard. | 33. Pterotrachea (Anops) sp. Rattray. 

14. Pterotrachea lesueuri Risso. ı 34. Pterotrachea keraudreni Rattray. 

15. Pterotrachea lesueur! (Macdonald). | 35. Pferotrachea sp. Gray. 

16. Pterotrachea adamastor Lesson. 36. Aypterus appendiculatus Rafınesque- 

17. Pterotrachea hippocampus Philippi. Schmaltz. 

18. Pterotrachea hippocampus (NV ayssiere). 37. Aypterus erythrogaster Rafınesque- 

19. Plerotrachea guoyana (d’ Orbigny). | Schmaltz. 


1. Pterotrachea coronata Forskäl. (Taf. IV, Fig. 91). 


Diese sehr oft beschriebene Art ist leider bis jetzt nur mangelhaft bekannt. Dass sie 
von späteren Forschern, trotz der rohen Abbildung Forskär's erkannt werden konnte, liegt 
eigentlich nur daran, dass die Art auffallend gross werden kann, sogar bis 250 mm. Hinter 
solchen Dimensionen bleiben die übrigen Pierotrachea-Arten weit zurück. 

Der kräftige Rüssel zeigt vor den Augen 6—8 starke, nach vorn gerichtete Dornen, 
gewöhnlich in zwei distal divergirenden Reihen gestellt. Die Cutis ist glatt, fast ganz ohne 
Dornen, an der Bauchseite finden sich, wie bei ?ierofrachea überhaupt, grosse, rundliche Haut- 
flecken, wie sie schon zu wiederholten Malen, so von GEGENBAUR und VAYvSsSIERE, besprochen 
wurden. Die Flosse ist sehr gross, rundlich, etwas mehr dem Nucleus als den Augen genähert. 
Der Nucleus selbst zeigt eine langgestreckte Gestalt, die Kiemen wechseln stark in Zahl; der 
Schwanz zeigt nichts besonderes. 

Panern machte die merkwürdige Entdeckung, dass bei dieser Art Saugnapf und Penis, 
sonst nur Zeichen des männlichen Geschlechtes, gelegentlich auch beim Weibchen vorkommen. 
Besonders ist der Saugnapf an der Flosse des Weibchens sogar ziemlich häufig '). Pan£rH meinte, 
dass die secundären Geschlechtsunterschiede des Männchen gelegentlich auch auf das Weibchen 


1) CANTRAINE sagt von dieser Art: „disco pedis nullo aut subnullo”; wahrscheinlich hat er dann nur normale Weibchen, oder 
solche mit männlichen Merkmalen gesehen, denn der Saugnapf ist beim Männchen sehr gross. 


32 


übertragen werden konnten; GROBBEN aber, und, wie ich meine, mit Recht, vermutet, dass bei 
Pt. coronata das secundäre Geschlechtsmerkmal, der Saugnapf, noch nicht in dem Masse nur 
dem Männchen eigentümlich sei wie sonst bei P/erotrachea, dass also die hier besprochene Art 
eine Anfangsstufe sei, wo sich das betreffende Merkmal noch in statu nascendi befinde. Diese 
freilich anregende Tatsache sei hier nur kurz erwähnt. 

Wenngleich die Art öfter als irgend eine andere abgebildet wurde, hat noch kein 
Forscher auf die wesentlichen spezifischen Merkmale hingewiesen. Keinem scheint es aufgefallen 
zu sein, dass die Augen (wenn auch oft, von LEUCKART, GEGENBAUR, GRENACHER, HESSE beschrieben) 
sich in ganz besonderer Weise von denen der anderen mediterranen Arten unterscheiden. Das 
Auge ist nämlich mehr oder weniger cylindrisch, weil die schmale Retina nur kurz ist, nicht 
lang ausgezogen, wie sonst. Zwar ist diese Tatsache vielen Forschern nicht entgangen, nie aber, 
wie es scheint, als Artmerkmal hervorgehoben worden. Ich betrachte diese Form der Augen 
als einen wesentlichen Unterschied von den übrigen Arten des Mittelmeeres; ja, diese Eigen- 
schaft kommt, nach meiner Erfahrung, immer combinirt vor mit einer schlanken, langgestreckten 
Gestalt des Nucleus, weshalb in der Gattung zwei distincte Gruppen unterschieden werden 
können. Im zweiten Abschnitt werde ich alles dies ausführlicher begründen. 

Am Dache der Mundhöhle stehen jederseits 7—8 Buccalzähne, von denen die drei 
vorderen sehr klein sind, distal aber an Grösse zunehmen. Die Mittelplatte der Radula ist 
deshalb merkwürdig weil in der Mitte drei Dornen auf gemeinschaftlicher Basis angebracht sind. - 

Die hier gegebene Copie ist nach VAYSSIERE. 

Verbreitung: Mittelmeer: Lo Bianco, CANTRAINE, DELLE CHIAJE, FOL, FORBES, GEGENBAUR, 
KROHN, LEUCKART, ÖBERWIMMER, PANETH, Rısso, VAYSSIERE, VERANY. 


2. Pterotrachea cuviera (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 92). 


„Body destitute of the vermiform organ ') and cup. Tail with an appendage. 

Body subequal, larger and transversely wrinkled before, with a dorsal groove °). Colour 
pale violaceous, tubercles rosaceous, irregularly disposed; one on each side of the dorsal fin 
larger and transverse, with two longitudinal ones placed upon the tail. Gelatinous points °) eight, 
four in a transverse line, surmounted by four others in two transverse lines”. 

Copie nach LesvEur. 

Verbreitung: Mittelmeer: LEsUEUR. 


3. Pterotrachea peronia (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 93). 


„A vermiform organ, cup on the dorsal fin, and caudal appendage. Gelatinous points none. 
Body cylindrical, diaphanous, spotted with white at the base of the dorsal fin, tubercles none’. 
Copie nach LEsuEuURr. 

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR. 


ı) Es ist damit der Penis gemeint. 

2) In den Beschreibungen LESUEUR’s wird stets die beim Schwimmen nach oben gekehrte Seite (also in Wirklichkeit die 
ventrale) als dorsale bezeichnet. 

3) Dornen vor den Augen. 


jo 20} 


4. Pterotrachea gibbosa (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 94). 


oO 


„Body furnished with a vermiform organ, no cup!) or caudal appendage. 

Body gibbose above the nucleus, narrowed behind the eyes, and emarginate at the base 
of the dorsal fin. Gelatinous points disposed in a single semi-circular row. Colour pale blue, 
with two lateral fillets of rosaceous tubercles, base of the dorsal fin yellow". 

Diese Art wäre, nach VAvSSIERE, dieselbe wie seine „/zrola mutica”. 

Copie nach LEsuEur. 

Verbreitung: Mittelmeer: LEsvEur. 


5. Pterotrachea frederica (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 95). 


„A cup on the dorsal fin, a caudal appendage. Vermiform organ none’ ’). 
Die Form wurde von VAYSSIERE mit seiner „Zzrola hippocampus' identifiziert. 
Copie nach LESUEUR. 

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR. 


6. Pterotrachea frederici Blainville. (Taf. IV, Fig. 96). 


Über die hier gegebene Form lässt sich nichts mit Sicherheit entscheiden. Es finden sich 
deutliche Dornen vor den Augen, der Schwanz ist gross, die Horizontalflossen sind wahrscheinlich 
übersehen worden. 

Copie nach DE BLAINVILLE. 


Verbreitung: Mittelmeer: DE BLAINVILLE. 


7. Pterotrachea fridericifana) delle Chiaje°). (Taf. IV, Fig. 97). 


Nach der Abbildung wäre diese Art, wenigstens auf der vorderen Hälfte des Rumpfes, 
ganz regelmässig mit Tuberkeln bedeckt. Die Flosse ist dem Nucleus ganz nahe gerückt und 
besitzt einen Saugnapf in einer leichten Einbuchtung des Randes. Der Penis ist klein. 

Copie nach DELLE CHIAJE. 


Verbreitung: Mittelmeer: DELLE CHIAJE. 


8. Pterotrachea fredericia Cantraine, Gegenbaur, Carus. 


„Corpore hyalino, verrucoso, dilute violaceo-purpureo ‘), tuberculis frontalibus usque ad 
sex’ (CANTRAINE, GEGENBAUR). 

Länge des Tieres bis zu 95 mm. 

Verbreitung: Mittelmeer: CAnTRAINE, FORBES, GEGENBAUR, LEUCKART, ÖBERWIMMER, 
Rısso, VERANY. 


ı) Da ein Penis vorhanden ist, scheint das Fehlen des Saugnapfes bemerkenswert. 
2) Hier scheint wieder ein Saugnapf, aber kein Penis vorzukommen. 

3) Von PHıLıppr, auch von SMITH, ganz unrichtig zu ?/. hippocampus Ph. gestellt. 
4) Dies bildet einen kleinen Unterschied mit der Art CHIAJE’s. 

SIBOGA-EXPEDITIE LI. 


in 


34 
9. Pterotrachea forskalia (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 98). 


„Body with a vermiform organ, and a cup on the dorsal fin. No caudal appendage. 

Body cylindrical, subequal, with a dorsal groove. Colour pale violaceous, a lateral row 
of rosaceous tubercles, double before. Cup resembling a small basket, with four radical threads, 
passing between the muscles of the fin. Fin somewhat elongated behind. Gelatinous points six, 
disposed by opposite pairs in two longitudinal rows’. 

Diese Art wäre nach VavssıErE identisch mit der soeben besprochenen Form ?/. gibbosa. 
Diese aber besitzt einen Penis, aber keinen Saugnapf, während letzteres Organ gerade bei 
Pt. forskalia sehr gross ist. 

Copie nach LesuEur. 

Verbreitung: Mittelmeer: LESUEUR. 


10. Pterotrachea mutica (Lesueur). (Taf. IV, Fig. 99). 


„No vermiform organ, no cup on the dorsal fin, no caudal appendage. 

Substance firm, diaphanous, tuberculated, rosaceous; tubercles irregularly placed, and of 
a deeper colour. Dorsal fin nearer the nucleus, placed in a groove. Trunk wrinkled, and with 
the region of the dorsal fin spotted with white. Gelatinous point six, disposed as in the fore- 
going species”. 

Copie nach LEsvEur. 

Verbreitung: Mittelmeer: LEsvEUR. 


ı1. Plerotrachea mutica Cantraine, Gegenbaur, Keferstein, Carus. (Taf. IV, Fig. 100). 


„Corpore laevi, hyalino, purpureo-maculato, fronte laevigata’”’ (CANTRAINE, GEGENBAUR). 

Diese Art zeichnet sich also von der vorhergehenden dadurch aus, dass, abgesehen von 
den purpurnen Flecken, der Stirn glatt, ohne Dornen, ist. Sie ist also nicht mit der gleich- 
namigen Art Lesurur’s identisch. Es besteht, beim Fehlen der Dornen vor den Augen, ein 
gewisser Anklang mit ?/. deronia. 

Länge des Tieres 90 mm. 

Copie nach KErErsTein. 

Verbreitung: Mittelmeer: CANTRAINE, CHUN, GEGENBAUR, KROHN, LEUCKART, PANETH, VERANY. 


12. Pterotrachea mutica (Vayssiere). (Taf. IV, Fig. 101). 


An der Rückenseite des Körpers hat das Tier etwa zwölf rötliche Ouerbänder, seitlich 
und ventral finden sich grosse Flecken von derselben Farbe; grössere und kleinere Dornen 
sind namentlich an den Flanken und am Rüssel zerstreut; vor den Augen sind deren 4 oder 
6 vorhanden; der Nucleus hat etwa ein Dutzend Kiemen; Schwanz wie gewöhnlich gestaltet, 
also mit Horizontalflosse und Schwanzfaden versehen. 

Die Querbänder auf dem Rücken würden schon ausreichen, diese Art vor den anderen 


auszuzeichnen. Soviel ich weiss, hat man eine derartige, regelmässige Zeichnung noch nie bei 


33 

Pterotrachea, und bei Heteropoden überhaupt, beobachtet. Die Farbe hatte sich, trotz mehr- 
jähriger Aufbewahrung in Formol, nur wenig verwischt, beim lebenden Tiere würde sie also 
ganz besonders deutlich sein. Trotzdem ist sie von den vielen Forschern, welche Pterotrachea 
lebend studiren konnten, nie erwähnt worden. 

Nach VavssıErE wäre die Art identisch mit den beiden Arten Lesurur’s ?/. gibbosa und 
Pt. forskalia. Diese sind aber nicht nur unter einander verschieden (man vergl. Fig. 94 und 98), 
sondern zeigen auch keineswegs irgendwelche Ähnlichkeit mit dem hier besprochenen Tiere. 

Länge des Tieres bis zu go mm. 

Copie nach VAYSSIERE. 

Verbreitung: Mittelmeer (Monaco): VAYSSIERE. 


13. Pierotrachea rufa Quoy et Gaimard. (Taf. IV, Fig. 102) 


Die sehr unvollständig beschriebene Form zeigt einen ausserordentlich langen Schwanz, 
die Flosse ist den Augen ganz nahe gerückt. Ein Nucleus ist nicht einmal angegeben worden, 
oder ist der kleine Körper in der Mitte des Schwanzes als ein solches Organ zu betrachten? 
In diesem Falle würde allerdings die von Ovoy und GAImarD beschriebene Form einen höchst 
aberranten Typus darstellen. Gewiss aber handelt es sich um einen Beobachtungsfehler. 

Copie nach Quoy und GAIMARD. 

Verbreitung: Ind. Oz.: Ovoy und GAIMARD. 


14. Pterotrachea lesueuri Risso. (Taf. IV, Fig. 103). 


Auch von dieser Form lässt sich nichts mit Gewissheit sagen. Flosse und Schwanz sind 
freilich abenteuerlich genug gestaltet, die Abbildung zeigt aber so deutlich die Folgen unge- 
nauer Beobachtung, dass weitere Besprechung ganz nutzlos ist. 

Copie nach Rısso. 


Verbreitung: Mittelmeer: Rısso. 


15. Pterotrachea lesueur! Macdonald. (Taf. IV, Fig. 104). 


Macponarp hat sich nur zweifelnd über die Identität seiner Art geäussert. Die Flosse 
ist in der Mitte zwischen Augen und Nucleus gestellt und trägt einen sehr grossen Saugnapf, 
ganz an der Unterseite. Der Nucleus ist rundlich, der Schwanz endet in eine Spitze; möglich ist 
es freilich, dass keine Horizontalflosse vorhanden war; einem so guten Beobachter wie MACDONALD 
würde sie sonst wohl schwerlich entgangen sein. 

Länge des Tieres etwa 100 mm. 

Copie nach MAcDoNALD. 

Verbreitung: 


16. Pterotrachea adamastor Lesson. (Taf. V, Fig. 105). 


Der Rumpf dieser Art ist massig, der Rüssel dagegen nur schwach entwickelt und, nach 


36 


der Abbildung, dorsal mit kleinen Dornen besetzt, welche sich auch in stärkerer Ausbildung 
vor den Augen finden. Die Flosse, dem Nucleus gegenüber, ist niedrig, breit angeheftet. Der 
Schwanz ist mit einer Horizontalflosse ausgestattet. Wahrscheinlich ist die Art mit ?Z. coronata 
identisch, wie Lessox selbst zugibt. 

Länge des Tieres etwa 200 mm. 

Copie nach Lesson. 

Verbreitung: Kap der Guten Hoffnung: Lessox. 


17. Pterotrachea hippocampus Philippi. (Taf. V, Fig. 106. 


„Pt. capite elongato, porrecto, pinnula centrali, ventre et cauda seriebus duabus tuber- 
culorum, coronula frontis aculeis sex, asperis’’. Es geht daraus hervor, dass zwei Reihen Haut- 
flecken (denn als solche sind die „Tuberkel”’ wohl zu betrachten) existiren an der Ventralseite 
des Tieres; wenn Phiırıprı, und in gleicher Weise SımitH, die Art mit ?Z. friderici delle Chiaje 
identifiziren, so ist, meiner Meinung nach, der Unterschied darin gelegen, dass die letztgenannte 
Art über den ganzen Rumpf mit Dornen bedeckt ist. 

Länge des Tieres etwa go mm. 

Copie nach PniLıpp1. 

Verbreitung: Mittelmeer: PniLıppi. 


18. Pterotrachea hippocampus Vayssiere. (Taf. V, Fig. 107). 


Diese Art besitzt vor den Augen 6—8 Dornen, in zwei Reihen gestellt; an beiden 
Seiten finden sich 4 oder 5 Reihen rundlicher „Tuberkel”’, besonders in der Nähe der Flossen- 
insertion; letztere ist deutlich etwas mehr den Augen als dem Nucleus genähert; der Nucleus 
trägt 12— 14 ziemlich lange Kiemen; der Schwanz ist niedrig, mit sehr grossen Horizontalflossen, 
zwischen welchen ein langes, segmentirtes Filament anfängt. Jeder der Knoten dieses Fadens 
zeigt distal eine schleierartige Verlängerung. Der Penis (natürlich nur bei den Männchen) ist 
ceylindrisch, an seiner Basis inseriren sich drei Hautlappen. 

Nach der Ansicht VavssıErE's ist diese Art dieselbe wie 7. lesueuri Risso und Pf. 
frederica Lesueur, ohne aber irgendwelchen Grund für seine Meinung anzuführen. 

Länge des Tieres 120 mm. 

Copie nach VAvSSIERE. 

Verbreitung: Mittelmeer (Monaco): VAYSSIERE. 


19. Pterotrachea quoyana d’Orbigny. (Taf. V, Fig. 108— 109). 


Vor den Augen ragt bei dieser Art, wenigstens nach der Abbildung, ein ganzes Bündel 
dichtgedrängter Dornen hervor. Die Flosse ist stark eingeschnürt und der Saugnapf nach hinten 
gerückt, was sonst nicht bei P/erotrachea der Fall zu sein pflegt. Merkwürdig ist noch der 


Nucleus, welche ziemlich frei aus der Cutis hervorragt, mit Kiemen an der Vorderseite, als wäre 


4 


nn 


u 


hier eine Annäherung an Cardiapoda gegeben. Der Schwanz endet spitz. In wie weit wir hier 
wirklich eine aberrante Form vor uns haben, lassen Beschreibung und Abbildung D’Orsıcnv's ganz 
unentschieden. Ungenaue Beobachtung möchte auch in diesem Falle ihren Einfluss geübt haben. 

Länge des Tieres 50—60 mm. 

Copie nach D’ÖRBIGNY. 

Verbreitung: Süd-Atl. Oz.: D’Orsıcnv. Mittelmeer: ÖBERWIMMER. 


20. Pterotrachea edwardsi (Deshayes). (Taf. V, Fig. 110). 


Die Abbildung zeigt offenbar viele Ungenauigkeiten, und eine Beschreibung wurde nicht 
beigegeben. Der allgemeine Habitus, besonders die Dornen vor den Augen, und der lang- 
gestreckte Nucleus, auch die Grösse des Tieres, weisen auf die im Mittelmeere gar nicht seltene 
Pt. coronata hin. 

Länge des Tieres etwa 200 mm. 

Copie nach DesHaves. 


Verbreitung: Mittelmeer: DEsHavEs. 


21. Pterotrachea umbilicata delle Chiaje. (Taf. V, Fig. ıı1). 


Diese Form zeigt, schon der Grösse wegen, grosse Ähnlichkeit mit ?/. coronata. Besonders 
aber fällt die sehr grosse Flosse auf, die einen kräftigen Saugnapf besitzt. An der ventralen 
Seite sind hier und da rundliche Hautdrüsen zerstreut. Bemerkenswert ist die sehr regelmässige 
Reihenfolge der Kiemen, welche ganz symmetrisch gelagert zu sein scheinen, auf einem gemein- 
schaftlichen Stiele getragen, einer Kiemenvene, die das Blut zum Herzen leitet. Ob eine derartige 
Symmetrie der Kiemen wirklich bei P/erotrachea möglich wäre, lasse ich dahingestellt; von 
vornherein scheint es mir, auf Grund eigener Wahrnehmung sehr unwahrscheinlich. Der Schwanz 
endet in zwei Horizontalflossen. Nach DELLE CruajJE ist der ganze Körper schwach violett 
angehaucht „come la ulva porfiria’”. 

Länge des Tieres etwa 350 mm. 

Copie nach DELLE CHIAJE. 

Verbreitung: Mittelmeer: DELLE CHIAJE. 


22. Pterotrachea keraudreni (Souleyet). (Taf. V, Fig. 112). 


In mancher Hinsicht zeichnet sich diese Form vor anderen aus. Die ganze Oberfläche 
ist rauh, die Cutis ist auf dem Rumpfe und dem Rüssel stark entwickelt, so dass das Tier wie 
in einer Gallertmasse eingehüllt erscheint. Der Rüssel selbst ist kurz und gerade gestreckt, die 
Stelle vor den Augen ist ganz glatt. Flosse sehr gross, rundlich, dem Nucleus nahe gerückt. 
Der zur Hälfte frei hervorragende Nucleus trägt etwa 14 Kiemen, sämtlich, wie es scheint, von 
gleicher Länge. Am merkwürdigsten ist der Schwanz gestaltet, der eine derartige Abweichung 
vom gewöhnlichen Typus aufweist, dass man, wenn es sich nicht um einen sehr sorgfältigen 
Wahrnehmer handelte, wie SOULEYET, fast an die Wahrheit seiner Angaben zweifeln möchte. 


38 


Der Körperteil hinter dem Nucleus zeigt eine deutliche Cutis, die sich von der unterliegenden 
Körpermuskulatur scharf abhebt. Die subcutane Muskelwand ist dorsal und ventral fein quer- 
gestreift. Eine Horizontalflosse oder ähnliche Bildung besteht nicht; der Schwanz geht mit 
deutlicher Übergangsstelle in ein plattes Band über. 

Nach MacpvonarD wäre die Art das Männchen von /7roloida desmaresti Lesueur. Erstens 
aber ist sie gar keine /7rolorda, des deutlichen Schwanzes wegen, zweitens ist sie ein unzweifel- 
haftes Weibchen, weil weder Penis noch Saugnapf zu bemerken sind. 

Länge des Tieres 50 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: SOULEYET. 


23. Pterotrachea scutata Gegenbaur. (Taf. V, Fig. 113— 114). 


„Pt. hyalina, parte anteriore scutiformi tuberculis serialibus asperis; fronte laevigata’’. 

Die Abbildung lässt leider an Genauigkeit viel zu wünschen übrig. Die örtliche Ver- 
dickung der ganz durchsichtigen Cutis, welche besonders bei Ventralansicht des Tieres auf dem 
vorderen Drittel des Rumpfes mächtig entwickelt ist, scheint nach hintenzu plötzlich aufzuhören ; 
es sind distal gar keine Details eingezeichnet worden. Nur so viel geht hervor, dass der Nucleus 
ganz in der Cutis eingebettet ist und etwa acht sehr lange Kiemen trägt. Penis und Saugnapf 
sind beide verhältnismässig klein. Der Schwanz endet in Horizontalflossen. 

Länge des Tieres 105— 120 mm. 

Copie nach GEGENBAUR. 

Verbreitung: Mittelmeer: Chun, GEGENBAUR, ÖBERWIMMER 


24. Pterotrachea sp. Smith. (Taf. V, Fig. 115—ıı;a, d). 


r 


Körper langgestreckt, glatt, an der Basis der Flosse einige rundliche Drüsenkörper. Die 
Flosse ist dem Nucleus mehr genähert als den Augen, klein, und ganz von der gewöhnlichen 
Form, mit einem Saugnapfe in der Mitte der Unterseite. Nucleus nach den Angaben Sumitm's 
langgestreckt, mit etwa zwölf Kiemen. Der Schwanz zeigt hier nichts besonderes. Rüssel ziemlich 
lang; vor den Augen nur zwei symmetrisch gelagerte Dornen. Was Smith sonst noch von 
dieser Form beschreibt, ist ganz allgemein für alle Pierotrachea-Arten zutreffend. Als ich das 
Originalexemplar im „Britisch Museum’ untersuchte, stellte sich noch heraus, dass die Augen 
ganz wie diejenige von //. coronata gestaltet sind, dass nur sechs Kiemen, an der linken Seite 
des Nucleus, ziemlich lang sind, dass weiter ein Penis vorhanden ist, der von SmitH weder 
beschrieben noch abgebildet wurde. Die Conservirung war übrigens ziemlich schlecht. Der Mittel- 
dorn in der Mittelplatte der Radula hatte eine breite Basis. Mit diesen verschiedenen Angaben 
als Stütze, habe ich mit der von Smith beschriebene Form eine andere der Siboga-Expedition 
identifiziren können, ich werde daher darüber noch im zweiten Abschnitt zu sprechen haben. 

Länge des Tieres etwa 170 mm. 

Copie nach SaitH. 

Verbreitung: Banda: SmitH. 


39 
25. Pterotrachea souleyeti (Vayssiere). (Taf. V, Fig. 116). 


Körper langgestreckt, Rüssel ziemlich lang, kleine Dornen, nicht nur an der Unterseite des 
Rüssels, sondern auch an der vorderen Rumpfhälfte, meist ventral gelagert, einzelne Hautflecken 
nahe der Basis der Flosse, Cutis vor dem Nucleus verdickt, und hier einige Kiemen tragend, 
meist sehr kurz und etwa 6 oder 7 an der Zahl. Nucleus aufgeschwollen, kurz. Schwanz mit 
sehr grossen Horizontalflossen, zwischen welchen sich ein Schwanzfaden inserirt, der nur als 
Fragment erhalten war und eine längliche, manchettenartig den Faden umfassende Anschwellung 
zeigte. Dornen vor den Augen sind nicht vorhanden. Saugnapf (selbstverständlich nur beim 
Männchen) sehr gross. Penis distal gerichtet, mit lappenförmigen Gebilden an der Basis, in 
einen Knopf (wahrscheinlich umgekrempelte Ränder) endend. Am Dache der Mundhöhle kommen 
links 6, rechts 4 Buccalzähne vor. Die Radula wiederholt im Allgemeinen den gewöhnlichen 
Typus bei Pierotrachea. 

Länge des Tieres 49 mm. 

Copie nach VAvSSIERE. 

Verbreitung: Zwischen Madeira und den Azoren: VAYSSIERE. 


26. Pterotrachea gegenbaur! Vayssiere. (Taf. V, Fig. 117). 


Diese Art scheint deshalb merkwürdig, weil sie sehr reichlich mit Dornen besetzt ist. 
Diese sind über den ganzen Rumpf zerstreut, kleiner und zahlreicher sind sie auf den jederseits 
herabhängenden Falten der Cutis, welche sich ventral an der vorderen Rumpfhälfte, also zwischen 
Rüssel und Flosse vorfinden. Wenn VavssıkrE diese Falten als Artmerkmal gelten lassen will, so 
muss ich doch bemerken, dass ein solcher Kehlsack schon von ForskÄL („gzla”) erwähnt wurde, 
und dass ein derartiges Gebilde ganz allgemein bei P/erotrachea vorkommt, ja, nach meiner 
Erfahrung, bei keiner Art vollständig fehlt. Wirkliche Stirndornen sind nicht vorhanden. Vor 
dem Nucleus bildet die Cutis dorsal zwei longitudinale, fein gezähnelte Kämme. Der Nucleus 
ragt nicht hervor, die Zahl der Kiemen beträgt mehr als 20, sämtlich klein und sehr kurz. Die 
Horizontalflossen des Schwanzes sind sehr klein, ein Schwanzfaden war nicht mehr nachweisbar. 
Die Flosse ist ganz klein, beim Männchen mit einem deutlichen Saugnapf ausgestattet, der 
noch vor der Medianlinie der Unterseite gerückt ist. Es bestehen jederseits in der Mundhöhle 
5 Buccalzähne, ausserdem kommen noch um die Mundöffnung herum zwei oder drei unregel- 
mässige Kränze von kleinen Zähnchen vor, welche besonders lateral und dorsal zahlreich sind. 
In der Radula ist noch erwähnenswert, dass die Mittelplatte, jederseits vom Mitteldorne, nur 
zwei oder drei kleinere Dornen trägt; sonst ist diese Zahl bei Plerotrachea fast immer grösser. 

Länge des Tieres etwa 100 mm. 

Copie nach VavssıEre. 

Verbreitung: Östl. Atl. Oz.: Vavssıkre. 


27. Pterotrachea talismani \Vayssiere. 


Körper mit Dornen besetzt, etwa ı5 Kiemen in der Nähe des Nucleus, Flosse ziemlich 
gross, rundlich. Wie bei der vorhergehenden Art bestehen hier zahlreiche Peribuccalzähne, am 


40 


Eingang der Mundhöhle, sämtlich nach innen gerichtet und an der Spitze gekrümmt. Eine 
Horizontalflosse konnte am Schwanze nicht aufgefunden werden; möglich scheint es allerdings, 
da keine Spur von Verstümmelung sichtbar war, dass dieses Gebilde wirklich fehlt. 


Länge des Tieres 5ı mm. 


Die jetzt folgenden, noch in der Litteratur erwähnten Formen sind nur wenig bekannt, 
und es wird wohl niemals gelingen ihre Selbstständigkeit oder Zugehörigkeit zu anderen Arten zu 
begründen. Mehrere sind allerdings nach verstümmelten Exemplaren beschrieben wurden. Nur 
der Vollständigkeit halber sollen sie hier noch erwähnt werden. 

Erstens eine Art ?7. hyalina Forskal (Taf. V, Fig. 118), die nach der Abbildung, wie 
schon von SMITH vermutet wurde, eine kleine /7rolorda darstellt, wenngleich auch die Stelle des 
Nucleus nicht angegeben ist. Zweitens ?/. hyalina (cristallina) (delle Chiaje) (Taf. V, Fig. 119), 
welche vor den Augen „con coppia di sottili tentacoli’'(?) ausgestattet ist und dadurch wieder 
an Frroloida erinnert, durch die unterständige Lage des Saugnapfes, die deutlichen Kiemen, und 
den Schwanz, übrigens den Typus von Perotrachea zeigt. Pt. pulmonata Forskaäl (Taf. V, Fig. 120) 
weicht besonders dadurch ab, dass der Rüssel ganz kurz, nicht cylindrisch, sondern von stumpf- 
kegelförmiger Gestalt ist. /7. deroni (d’Orbigny) (Taf. VI, Fig. 121—ı22) entbehrt der Augen 
und des ganzen Rüssels und wurde, weil das Tier beim Fange sich lebhaft bewegte, von 
D’Orgıcny als Vertreter einer besonderen Untergattung Azops betrachtet. Offenbar handelt es 
sich hier um eine verstümmelte /ferotrachea, über die sich sicheres nicht sagen lässt. Auch 
Pt. sp. Rattray (Taf. VI, Fig. 123), als eine Form von Axops bezeichnet, ist nur der Rumpfteil 
irgendeiner grossen Pierotrachea, welche Augen und Rüssel, auch Nucleus und Schwanz, verloren 
hat. Jeder, der Perotrachea lebend beobachten konnte, weiss, dass derartige verstümmelte 
Tiere trotzdem sich lebhaft bewegen können, und durchaus den Eindruck lebensfähiger Wesen 
machen. Mir sind solche Exemplare in Neapel ziemlich oft vorgekommen. Pf. aculeata Forskäl 
ist ebenfalls nur ein abgerissenes Schwanzstück einer /’/erotrachea, wahrscheinlich der grossen 
Pt. coronata. „Firoloides keraudren!' Rattray (Taf. VI, Fig. 124) hat einen walzenförmigen 
Körper, Tentakeln vor den Augen, einen sehr kurzen Schwanz; wenn dadurch Anklänge an 
Firoloida bestehen, weisen die deutlichen Kiemen wieder auf Pferotrachea hin, während die Lage 
des Saugnapfes, am Hinterrande der Flosse, Cardiapoda-ähnlich ist. Die „/zrola sp.” von GRAY 
(Taf. VI, Fig. 125) ist eine verunstaltete /rrolorda, ebenso die „/rrola sp. jun.’ Quoy und 
Gaimard (Taf. VI, Fig. 126). Schliesslich sind noch zwei Arten zu erwähnen: 

ı" Hypterus appendiculatus Rafınesque-Schmaltz, nach DELLE CHIAJE mit seiner Pf. friderici, 


nach VAvSSIERE mit seiner /f. hippocampus synonym; 


D 


" Hypterus erythrogaster desselben Autors, welche von DELLE CHIAJE und VAYvSSIERE als iden- 


tisch mit Pf. coronata betrachtet wird. 


Firoloida Lesueur 1817. 


Die hierher gehörigen Arten wurden unter verschiedenen Gattungsnamen, namentlich 
Firoloida, Cerophora und Fürolella beschrieben. Die Ursache des Irrtums liegt darin, dass die 
secundären Geschlechtsmerkmale, die Tentakeln, Lesurur unbekannt blieben; und, als D’ORBIGNY 


41 


später Formen mit Tentakeln fand, glaubte er zu der Aufstellung einer Untergattung Cerophora 
berechtigt zu sein. Später übersah Troscher wieder die ursprüngliche Diagnose Lesurur’s und 
errichtete für zwei tentakellose Formen das Genus Zrrolella. 

Firolorda unterscheidet sich von Plerotrachea hauptsächlich darin, dass der Schwanz sehr 
klein bleibt, der Rumpf sich also, distal vom Nucleus, nur eine ganz kleine Strecke fortsetzt 
und dann in einen Schwanzfaden übergeht (der allerdings sehr oft abgerissen und also ver- 
schwunden ist). Der Rumpf ist langgestreckt und cylindrisch, ganz glatt, nach vorn allmählich 
ohne Einschnürung in den schwachen, ziemlich kurzen Rüssel übergehend. Die Flosse ist rundlich. 
Am Ende des Rumpfes findet sich der kurze Nucleus. 

Nur dem Männchen kommen Tentakeln und Saugnapf zu, und begreiflicherweise hat man 
lange Zeit solche Tiere, welche mit Tentakeln ausgestattet waren, für besondere Arten gehalten. 
Eine Erörterung dieser Verhältnisse wurde von Suırm gegeben, der, nach sorgfältiger Studirung 
der in der Litteratur bestehenden Abbildungen zu dem Resultat kam, dass die Anwesenheit 
von Tentakeln ein secundäres Geschlechtsmerkmal der Männchen darstelle und nicht als Art- 
unterschied verwendet werden könne. Das gleiche gilt von dem Saugnapf, der lange Zeit 
unbekannt blieb, erst von MacponaLp entdeckt (nach der Abbildung wäre er bei seiner Art 
ausserordentlich gross), dann noch mehrere Male erwähnt wurde; merkwürdig ist aber, dass der 
wirkliche Sitz des Saugnapfes an der Flosse sogar einem Beobachter wie GEGENBAUR nicht 
auffiel '). Dieser Forscher sagt: „disco suctorio pinnae marium ad marginem posteriorem''. Erst 
RarTTray zeichnete den Saugnapf, freilich nur als dünne Linie, an richtiger Stelle, am Vorder- 
rande der Flosse. 

Tentakeln, ebenso wie Saugnapf, sind also, um es noch einmal hervorzuheben, secundäre 
Geschlechtscharactere des Männchens; sie gehen also dem Weibchen ab. Freilich ist von FEwkes 
angegeben worden, dass bei den Weibchen von Zrroloida lesueuri ein Saugnapf vorkommt. 
Diese Behauptung scheint mir näherer Begründung zu bedürfen. Die oben erwähnte, schon von 
SMITH ausgesprochene, Meinung habe ich bei meinen eigenen Untersuchungen immer, ohne 
Ausnahme, bestätigt gefunden. Ich habe aus dem Material der Siboga-Expedition mehr als 
hundert Exemplare studiren können, auch im „British Museum’ untersuchte ich eine Menge 
Tiere, zu /rroloıda gehörig; stets aber fand sich die Behauptung Smıth’s bestätigt. 

Kiemen sind von einigen Forschern angegeben worden; so haben LEsUEUR, D’ÖRBIGNY 
und SouLEYET sogar sehr grosse Kiemen abgebildet, kaum kleiner als die nämlichen Gebilde 
bei Pierotrachea. Diese Angabe ist aber gänzlich verfehlt; Forscher wie GEGENBAUR und Huxrev 
haben, trotz ihrer genauen Untersuchung, besondere Respirationsorgane bei FZrolorda gar nicht 
wahrnehmen können; nur MacvonarD giebt, vor dem Nucleus, eigentümliche, winzige Läppchen 
an, welche als Kiemen gedeutet werden können; und in neuerer Zeit sagt VAYSSIERE in seiner 
Diagnose der Gattung: „des digitations branchiales tres petites, peu visibles”, ohne indessen dies 
durch irgendwelche Tatsache näher zu begründen. Ich werde über die Atmungsorgane von 
Firoloida noch im zweiten Abschnitt zu sprechen haben, und constatire hier nur, dass Kiemen, 


sehr klein und wenig zahlreich, wirklich bisweilen vorkommen. 


ı) In seinen Untersuchungen über Pteropoden und Heteropoden behauptet GEGENBAUR aber (S. 156), der Saugnapf bei Firoloida 
finde sich am Vorderrande der Flosse. 


SIBOGA-EXPEDITIE LI, 6 


42 


Die Unterscheidung der bisher bekannten Arten ist ausserordentlich schwierig, und in 
den meisten Fällen wird wohl die Frage nach der Existenzberechtigung irgendwelcher Form 
unentschieden bleiben. Männchen und Weibchen sind als verschiedene Arten beschrieben worden, 
wie schon oben erörtert wurde, und mit den undeutlichen Beschreibungen ist meist nur wenig 
anzufangen. So weit meine Erfahrung reicht, sind die zu der Gattung /rroloida gehörigen Tiere 
sehr einförmig gebaut, und gruppiren sich, ebenso wie in der Gattung Pferotrachea, mit unbe- 
deutenden Abweichungen alle um denselben Typus herum. Mit Smitn möchte ich annehmen, 
dass nur zwei oder drei etwas variirende Formen bestehen; hier aber wird es meine Aufgabe 
sein, das uns bisher bekannt gewordene zusammenzufassen. 


Wir können dann unterscheiden : 


1. Firoloida demarestia Lesueur. 8. Frroloida gaimardı (d’Orbigny). 
2. Firoloida desmarestia Souleyet. 9. Frrolorda lesueuri (Souleyet). 

3. Firoloida desmarestili Huxley. 10. /rroloida gracilis (Troschel). 

4. Firoloida desmaresti \ ayssiere. 11. Frroloida vigilans Troschel. 

5. Flroloida blainvilleana Lesueur. 12. Frroloida sp. Macdonald. 

6. Firoloida aculeata Lesueur. ı 13. Frroloida kowalewskyi \ayssiere. 
7. Firoloida lesueuri (d’Orbigny). 


1. Frroloida demarestia Lesueur. (Taf. VI, Fig. 127). 


„Body long, glabrous, hyaline, acuminated at each extremity; no gelatinous points’. 

Die langgestreckte Form des ganzen Tieres fällt besonders auf. Wie LesvEur selbst 
erwähnt, ist noch beachtenswert, dass die nach vorn verlängerte Flosse den Augen viel näher 
gerückt ist, als in Pferotrachea, wo der Abstand zwischen Flossenbasis und Nucleus immer 
kleiner als der zwischen Flossenbasis und Augen ist, oder doch die beiden Abstände höchstens 
einander nahezu gleich sind. Das abgebildete Exemplar ist ein Weibchen, also ohne Saugnapf 
und Tentakeln, mit einer sehr langen Eierschnur; wie aber der kurze Schwanz gestaltet ist, 
wird nicht angegeben. Die von LEsuEuUR angegebenen Kiemen müssen wohl nur in seiner 
Fantasie bestanden haben. 

Länge des Tieres 50 mm. 

Copie nach LEsuEUR. 

Verbreitung: Martinique: LESUVEUR. Mittelmeer: Chun, FOL, GEGENBAUR, LEUCKART, Rısso, 
TROSCHEL, VERANY. 


2. Firoloida desmarestia Souleyet. (Taf. VI, Fig. 128). 


„Cette Firoloide a le corps fusiforme, lisse dans toute son Etendue, termine posterieurement, 
en dessous du nucl&eus, par un petit prolongement, qui se retrecit en un appendice filiforme 
plus ou moins long. La tete n’offre aucune trace de tentacules en avant des yeux, ni de pointes 
cartilagineuses entre ces organes. La nageoire est plac&ee au milieu du corps, a egale distance 
de ses deux extremites’”, 


Ein grosser Unterschied mit der vorhergehenden Art besteht in der viel gedrungeneren 


45 


Körpergestalt; der Rumpf geht nach vorn in den kurzen Rüssel über und ist mit diesem ganz 
in der dicken, gallertigen Cutis eingehüllt. Wichtig ist noch der Umstand, dass die sehr grosse, 
rundliche Flosse sich in der Mitte zwischen Augen und Nucleus inserirt. Der Schwanz ist in 
seiner Form deutlich angegeben worden. Eine lange Eierschnur hängt aus dem Nucleus des 
abgebildeten Tieres (selbstverständlich ein Weibchen) hervor. Nur des Fehlens der Tentakel 
wegen hat SouL£vEr seine Art mit der Lesuvrur’s identifizirt; eine Ähnlichkeit besteht sonst nicht. 

Länge des Tieres 30 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Sandwich-Inseln und trop. Atl. Oz.: Sourever. 


3. Firoloida desmarestii Huxley. (Taf. VI, Fig. 129). 


Die von Huxrev mit diesem Namen belegte Form hat Tentakeln und gehört also gewiss 
nicht hierher. Der Körper ist cylindrisch, die Flosse zeigt eine stark eingeschnürte Basis und 
ist sehr gross, ganz symmetrisch gestaltet, der Abstand zu den Augen ist kleiner als zu dem 
Nucleus. Letzterer hat keine Kiemen; unter dem Nucleus ragt ein dünner Schwanz hervor, der 
nach kurzem Verlauf in ein plattes Band, ohne Knoten oder Einschnürungen, übergeht. Ein 
Penis ist vorhanden; dies, zusammen mit dem Besitz von Tentakeln weist auf ein Männchen hin. 

Länge des Tieres 25 mm. 

Copie nach Huxre£v. 

Verbreitung: ?: HuxLey. 


4. Firoloida desmaresti Vayssiere. (Taf. VI, Fig. 130—130«). 


Körper langgestreckt, cylindrisch, ganz glatt; Flosse nahezu in der Mitte zwischen Augen 
und Nucleus, aber ein wenig nach hinten gerückt, mit eingeschnürter Basis; Nucleus klein, am 
Ende des Rumpfes; Rüssel kurz, gerade gestreckt, in der Axe des Körpers. Weiter werden die 
Tentakeln beim Männchen beschrieben, im weiblichen Geschlecht sind sie: „a peu pres atrophies’”; 
ich muss bekennen, dass ich niemals bei /Zrolorda-Weibchen Tentakeln, auch nicht eine Spur 
derselben, habe beobachten können. Ein kleiner Saugnapf findet sich am Vorderrande der 
männlichen Flosse. Der Schwanz soll bei den Männchen einen kleinen stumpfen Fortsatz bilden, 
der in einen von Abstand zu Abstand verdickten Faden übergeht. Im weiblichen Geschlecht 
dagegen bestehen sehr eigentümliche Verhältnisse. Der Schwanz setzt sich hier nur aus zwei 
kleinen, lanzettförmigen Läppchen zusammen, der Schwanzfaden dagegen heftet sich direkt, 
proximal von diesem Schwanze, dem Nucleus an und ist deutlich gegliedert, ganz wie die 
Tarsalglieder eines Insektes. Ein derartiges Verhalten scheint mir dem Körperbau bei Zr7rolorda 
ganz zuwider; abgesehen von der Gliederung des Anhanges, ist die Trennnng von Schwanz- 
anhang und Schwanz selbst, und die Teilung dieses letzteren Organes in zwei isolirte Stückchen 
so etwas abweichendes, dass man wirklich die Richtigkeit der Beobachtung anzweifeln möchte. 
Bemerkenswert ist noch der Umstand, dass Schwanz und Faden sich nicht wie sonst an der 
Hinterseite, sondern am proximalen Rande des Nucleus inseriren, und beide nach vorn gerichtet 


sind. Die Mittelplatte der Radula hat grosse, schwach nach innen gekrümmte Seitenhörner und 


44 


trägt 6—7 symmetrisch gestellte Dornen am distalen Rande. Einen ernsten Fehler macht VAvssıEr£, 
wenn er in seiner Abbildung den Herzventrikel (oder vielleicht die Niere?) als Anhang des 
männlichen Genitalapparates bezeichnet. 

Länge des Tieres bis zu ı5 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Azoren: VAYSSIERE. 


5. Firoloida blainvilleana Lesueur. (Taf. VI, Fig. ı3r). 


„Body short, glabrous, posterior extremity thicker and truncated; dorsal') fin equidistant 
between the eyes and the nucleus”. 

Das Tier unterscheidet sich von / demarestia desselben Autors durch mehr gedrungene 
Gestalt; der Rüssel ist dünn, der Schwanz ist als kleiner Fortsatz distal vom Nucleus bemerklich, 
eine. Eierschnur ist vorhanden. Kleine Kiemen sind auch hier angegeben worden. 

Länge des Tieres 35 mm. 

Copie nach LEsuEur. 


Verbreitung: Martinique: LESUEUR. 


6. Firoloida aculeata Lesueur. (Taf. VI, Fig. 132). 


„Body subequal, glabrous, hyaline, wrinkled above the eyes. Dorsal fin equidistant from 
the extremities, longer behind..... One elongated, gelatinous point beneath the eyes, and 
another, much shorter, before them’. 

Offenbar hatte Lesveur ein männliches Tier vor sich; denn der Fortsatz vor den Augen 
ist ohne Zweifel ein Tentakel; freilich spricht er von zwei Hervorragungen in der Nähe 
jedes Auges, auch sind männliche Geschlechtsorgane nicht abgebildet worden. Dagegen kommen 
hier wieder ziemlich grosse Kiemen vor, aber, wie schon gesagt, scheint mir ihre wirkliche 
Existenz sehr zweifelhaft. 

Die Länge des Tieres wird nicht angegeben; wenn aber die Figur die natürliche Grösse 
darstellt, so erreicht die Art eine Grösse, wie sie sonst bei /zrolorda nicht vorkommt. 

Copie nach LEsuEUR. 

Verbreitung: Martinique: LESUEUR. 


7: Firoloida lesueuri (d’Orbigny). (Taf. VI, Fig. 133—133«). 


ER: deux tentacules coniques, contractiles, aigus, en avant des yeux, sur les cötes du 
corps; trompe buccale tres mince, diminuant tout-ä-coup en partant de la tete; nucleus presque 
terminal, de forme acuminee, munie en avant de nombreux lobes branchiaux; en arriere du 
nucleus, pour toute queue, une partie &largie, A deux lobes arrondis, au milieu desquels est 
une saillie aigu@ tres courte; aile petite, sans aucune ventouse apparente; intestins A peine 
visibles par la transparence de l’animal’. 


I) LESUEUR war der Meinung, dass die beim Schwimmen nach oben gekehrte Seite die dorsale vorstellte, weshalb er auch in 
sämmtlichen Figuren das Tier mit nach oben gekehrter Flosse abbildete, 


4 


nn 


Die Form des Schwanzes, wie sie hier beschrieben worden, und wie sie besonders deutlich 
in Fig. 133@ zu sehen ist, ist diejenige, welche wirklich ganz allgemein bei Frroloida vorkommt, 
nur sind die Verhältnisse der Teile unter einander etwas anders. Zu beachten ist noch der dünne, 
schmächtige Rüssel; wenn Sour£vEr dies auf Zusammenschrumpfung in Alkohol zurückführt, so 
scheint mir doch, nach der Beschreibung d’Orsıcnv's, die Beobachtung an lebenden, frisch 
gefangenen Tieren gemacht worden zu sein. Das Vorkommen von Tentakeln weist auf männ- 
liche Merkmale hin. Auch bei dieser Art sollen Kiemen vorhanden sein. 

Länge des Tieres 25—30 mm. 

Copie nach d’ÖRBIGNY. 


Verbreitung: Süd-östl. Pazif. Oz.: D’ÖRrBIGNY. 


8. Firoloida gaimardi d’Orbigny. (Taf. VI, Fig. 134—134a). 


partie cephalique un peu moins large que le milieu du corps, munie d’yeux non 
saillans, et, de chaque cöte en avant de ces derniers, d’un tentacule conique et aigu; trompe 
buccale presque conique, tres mince a son extremite, fortement contractile; nucl&us presque 
terminal, sessile, ovale; et, en arriere du nucleus, il n’y a, pour queue proprement dite, qu’une 
partie conique, £troite, aigue, sans lobes, ni appendices; l’aile est me&diocre, pedonculee, sans 
ventouse apparente; l’intestin est tres visible, se renfle un peu en arriere des yeux, se retreeit 
ensuite pour se renfler de nouveau en arriere de l’aile, avant de se diriger vers le nucleus”. 

Der Schwanz ist also etwas einfacher gestaltet als bei der vorhergehenden Art, und 
nicht lappig ausgebildet, sondern nur einen kleinen, konischen Zapfen darstellend. Merkwürdiger- 
weise wird hier von Kiemen nichts erwähnt. Sonst ist die Übereinstimmung der beiden Arten 
D’OrBIGNY's sehr gross. Die Meinung SouLevEr’s dass wir in / garimardı das Weibchen von 
F. lesueuri zu erblicken hätten, muss, der deutlichen Tentakeln wegen, bestritten werden. 

Länge des. Tieres 25—30 mm. 

Copie nach D’ÖRBIGNY. 

Verbreitung: Trop. Atl. Oz.: D’OrBıcnv. 


9. Flroloida lesueuri Souleyet. (Taf. VI, Fig. 135). 


Der Körper dieser Art zeigt dieselbe gedrungene Gestalt wie /. desmarestia desselben 
Autors. Die Flosse ist sehr gross, rundlich, ohne Saugnapf; zwei lange Tentakeln stehen vor 
den Augen, dieser von SOULEYET als Artmerkmal benutzte Umstand ist natürlich nur ein Zeichen 
des Männchens. Äussere primäre Sexualcharactere sind ausserdem angegeben worden. Der 
Schwanz geht in einen gegliederten Faden über, der einige Ähnlichkeit besitzt mit dem gleich- 
namigen Organe des Weibchens von /. desmaresti, wie oben geschildert wurde. Auch hier sollen 
wieder ziemlich deutliche Kiemen vorkommen. SourEvEr hat die hier beschriebene Art mit den 
beiden Formen p’Orsısny’s identifizirt; ob mit Recht, lässt sich nicht entscheiden. 

Länge des Tieres 20 mm. 

Copie nach SOULEYET. 

Verbreitung: Süd-Atl, und Süd-Ind. Oz.: SouLEYvET. 


46 
10. Firoloida gracilis Troschel. (Taf. VI, Fig. 136). 


Rüssel kurz, vorn abgestumpft, gerade gestreckt, Augen nicht hervorragend; Flosse ein 
wenig vor der Körpermitte, klein und, wie es scheint, mit ziemlich gerader Unterseite. Rumpf 
cylindrisch, nicht lang ausgezogen, sondern ziemlich gedrungen. Schwanz nicht angegeben. Eine 
lange Eierschnur, als Zeichen des weiblichen Geschlechtes, hängt aus dem Nucleus heraus. 

Diese kleine Art zeigt nichts besonderes, was zur näheren Beschreibung dienlich sein 
könnte. Namentlich wird die Form des Schwanzes leider nicht beschrieben. Vielleicht könnte die 
nach vorn gerückte Lage der Flosse, so wie die eckige Gestalt derselben, als Merkmal dienen. 

Länge des Tieres 16 mm. 

Copie nach TROSCHEL. 

Verbreitung: Messina: TTROSCHEL. 


ı1. Firoloida vigilans Troschel. (Taf. VI, Fig. 137). 


Bei dieser Form fallen in erster Linie die grossen Augen auf, welche wie auf kurzen 
Stielen getragen, aus dem Körper hervorragen; es scheint mir aber dieses Merkmal auf 
Schrumpfung der gallertigen Cutis zu schieben zu sein. Der Rüssel ist kurz, vorn abgestumpft, 
gerade gestreckt. Die Flosse, in der Rumpfmitte gelegen, ist verhältnissmässig gross. Der 
Rumpf selbst ist etwas bauchig, distal dünner werdend. Unter dem Nucleus ragt der männliche 
Begattungsapparat hervor; Tentakeln, welche man im männlichen Tiere erwarten sollte, sind 
aber nicht verzeichnet worden; es ist dies wohl der Jugend des Tieres zuzuschreiben. Weiter 
sagt TroscHeL noch: „vorn und über dem Nucleus liegt ein einfacher, flacher, abgerundeter, 
ganzrandiger Lappen, welcher flimmert. Er muss wohl, da er ganz dieselbe Lage hat, wie die 
Kiemen bei /ferotrachea, gleichfalls als eine solche betrachtet werden. Eine solche einzelne 
Kieme steht freilich in der Familie der Firolaceen ganz ohne Beispiel da. Ob vielleicht, da 
Firolella gracilis kiemenlos zu sein scheint, dieser einzelne Kiemenlappen später bei vortschrei- 
tendem Wachstum verkümmert, oder ob er eine Eigentümlichkeit dieser Species bildet, muss 
vorläufig unentschieden bleiben”. Die erste Vermutung scheint mir wahrscheinlicher. 

Das Tier misst nur 3,5 mm. 

Copie nach TROSCHEL. 

Verbreitung: Messina: 'TROSCHEL. 


ı2. Firoloida sp. Macdonald. (Taf. VI, Fig. 133). 


Rüssel schwach gekrümmt; Tentakeln vor den Augen; Flosse gross, den Augen genähert, 
mit convexer Unterseite; Saugnapf am Vorderrande, sehr gross (im Texte aber klein genannt); 
Rumpf cylindrisch; Penis auf langem Stiele; Schwanz allmählich in einen langen, fadenförmigen 
Anhang übergehend, welcher von Abstand zu Abstand Verdickungen zeigt. 

Länge des Tieres etwa 100 mm. 

Copie nach MacponarD. 

Verbreitung: Ind. Oz.: MAcDoNALD. 


47 
13. Flroloida kowalewskyi Vayssiere. (Taf. VI, Fig. 139—139a). 


Körper ziemlich gedrungen, nach vorn in einen dünnen Rüssel übergehend; Flosse in 
der Mitte des Rumpfes, der immer schwach nach unten gekrümmt erscheint. Schwanz aus drei 
Lappen bestehend (Fig. 1390), von denen der mediane länger ist als die beiden seitlichen ; 
diese letzteren inseriren sich ein wenig dorsal am Schwanze und sind mit ihren spitzigen 
Enden nach hinten gerichtet. Aus der Unterseite des Nucleus tritt eine Eierschnur hervor, die, 
am Anfang zart und dünn, sich allmählich erweitert, und eine grosse Menge Eier birgt. Die 
Oberfläche der Schnur zeigt eine schwache Ringelung. Weiter erwähnt Vavssıkre noch (beim 
weiblichen Tiere!) Tentakeln, welche allerdings undeutlich sind. Dies würde ein höchst wichtiges 
Merkmal sein, wenn wirklich Tentakeln bei beiden Geschiechtern dieser Art vorkommen '). Die 
Form des Schwanzes ist sehr characteristisch, und ich werde darüber im zweiten Abschnitt noch 
näher zu sprechen haben. 

Länge des Tieres 22 mm. 

Copie nach VAYsSSIERE. 

Verbreitung: Westl. Canar. Inseln: VAvsSIERE. 


Zum Schlusse möchte ich noch ganz kurz eine Form erwähnen (Fig. 140), welche von 
RaTTRAY verzeichnet wurde. Das Fehlen des Schwanzes weist allerdings auf /T7roloida hin; die 
Flosse zeigt aber eine abenteuerliche Gestalt, wie sie nie bei Heteropoden vorkommt; sie ist 
äusserst stark eingeschnürt an der Basis, und zeigt einen Saugnapf auf besonderem Stiele! 


Ungenaue Beobachtung wäre hier wohl am ehesten anzunehmen. 


Beim Rückblick am Ende dieser systematischen Übersicht, zeigt sich die Untersuchung 
der Litteratur über die Pterotracheiden bei weitem am unfruchtbarsten. Irgendwelchen festen 
Anhaltspunkt bieten nur die wenigsten Abbildungen. Mit einiger Gewissheit habe ich nur die 
Pterotrachea sp. Smith unter den Heteropoden der Siboga-Expedition wiederzuerkennen geglaubt, 
während Zrroloıda kowalewskyi Vayssiere, wenigstens in einigen Punkten, mit den zu dieser 
Gattung gehörigen Tiere meines Untersuchungsmateriales übereinstimmte. Sonst aber habe ich 
bei der systematischen Bearbeitung der Pterotracheidae fast nie in der früheren einschlägigen 


Litteratur einen Lichtpunkt finden können. 


ı) Leider ist diese Beobachtung nur mit grösster Reserve aufzunehmen; ich habe bei den Weibchen derselben Art (s. den 
zweiten Abschnitt) nie Tentakeln gesehen. 


ABSCHNITT 


DIE HETEROPODEN DER SIBOGA-EXPEDITION. 


Das von der Siboga gesammelte Heteropodenmaterial umfasst die drei Familien, welche 
innerhalb dieser Molluskengruppe sich begrenzen lassen. Mit Ausnahme der sehr seltenen 
Gattung Pierosoma sind sämtliche Genera in der Sammlung vertreten, also: Oxygyrus, Atlanta, 
Carinaria, Cardiapoda, Pterotrachea und Ftrolorda. 


Familie I. ATLANTIDAE. 


Die Untersuchung der kleinen, zu dieser Gattung gehörigen Arten gab mir Gelegenheit 
hier eine Bemerkung zu machen über eine Angabe VavssıEre's, der neuerdings den Atlantiden 
„mächoires lamelleuses laterales et rudimentaires’’ zuschreibt. Eine solche Entdeckung hätte 
allerdings mehr verdient als eine nur flüchtige Constatirung der Tatsache; denn weder von 
LEUCKART, noch von HUXLEv, GEGENBAUR, SOULEYET oder TROSCHEL sind je Kiefer bei Hetero- 
poden beobachtet worden. Die Abbildung der Kiefer von Oxygyras, welche VAvsSIERE seiner 
Beschreibung zufügt, lässt aber stark vermuten, dass der Zungenknorpel, wie er sehr allgemein 
bei Prosobranchiern vorkommt, mit Kiefern verwechselt wurde. Der Knorpel unterhalb der 
Reibplatte kommt in ähnlicher Ausbildung auch bei Afanta vor (Taf. VI, Fig. ı). Es handelt 
sich um zwei birnförmige, distal sich etwas erweiternde Gebilde, die zu beiden Seiten der Radula 
gelagert sind, und sich aus einem Gewebe von blasigen Bindegewebszellen zusammensetzen, die 
wie Pflanzenparenchym aussehen. An der Unterseite jedes Stückes setzt sich eine Muskel an 
mit einer langen, schmalen, longitudinalen Insertion; diese Muskeln sind nach vorn und nach 
der Medianlinie gerichtet und in der Nähe dieser letzteren finden sie an der Leibeswand ihr 
Ende. Offenbar dienen sie der Retraction des Rüssels. 

Kiefer muss ich also den Atlantiden entschieden absprechen. Das Vorhandensein von 
Zungenknorpel wurde von TROSCHEL bei Carinaria, von Huxırv bei Fzrolorda constatirt. 

Die Radula der Atlantidae ist besonders kräftig entwickelt, mehr als in den anderen 
Familien, man zählt bisweilen 70 und mehr OQuerreihen. Die Gestaltung der einzelnen Glieder 
einer Querreihe ist nicht nur in den beiden Gattungen Oxygyras und Atlanta verschieden, 
sondern zwischen den einzelnen Arten bestehen in dieser Hinsicht oft noch erhebliche Differenzen, 


weshalb solche auch vorteilhaft systematisch verwertet werden können. 


49 


Oxygyrus Benson 1835. 
Die unzweifelhaft ursprünglichste Gattung der Heteropoden ist in der Sammlung der 
Siboga durch eine einzige Art vertreten. 
Oxygyrus rangi (Souleyet). (Taf. VII, Fig. 2—4, 6 B). 
Stat. 98—99. 6°7.5 N., 120° 260. ı Ex. 


Stat. 136. Ternate. DIES 
Stat. 138. Insel Kajoa. ex 
Stat. 144. Insel Damar. Tax 
Stat. 215%. Insel Kabia. 2 Ex 
Stat22172 0240.05, 1232 74%7.02 1 Ex. 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. 3. Ex 
Ste21R 130.215. 272042540) ) Ids:< 
Sta@r8292. 82750235, 127218.4 0-17 Ex. 


Die Schale besitzt einen hohen Kiel, der nur bei den grössten Exemplaren (4 mm.) sich 
auch bis auf die erste Hälfte der letzten Windung erstrekt. Die sehr kleine Schale von Stat. 243 
hat noch gar keinen Kiel. Dieser Kiel und die zweite Hälfte des letzten Umganges sind hornig, 
die übrigen Windungen aber kalkig, und mit sehr eigentümlichen, spiraligen Wel- 


lenlinien versehen. Die ganze Schale ist fast farblos, ganz durchsichtig, 


im kalkigen Teile 
schwach bräunlich angehaucht. Mundöffnung ein gleichseitiges Dreieck bildend, wie bei O. 
keraudreni, mit einem kleinen Schlitz, der sich in den Kiel hinein erstrekt. 

Operculum mehr abgerundet als bei O. keraudreni (Fig. 6A u. 6B), mit breiterer Rachis. 

Radula stark entwickelt, mehr als 70 OQuerreihen. Die Mittelplatte (Fig. 3) hat drei, 
fast gleich lange Dornen; an der convexen Aussenseite des Zwischenzahnes findet sich 
ein wohl ausgebildeter Kamm, der sich mit einem Dorne gegen die Hauptspitze des Zwischen- 
zahnes abgrenzt; ein Aussendorn an dem concaven Innenrande der intermediären Platte, wie 
er oft bei Atlanta sichtbar ist, kommt bei Oxygyrus nicht vor. Die Seitenzähne sind schwert- 
förmig gestaltet, fast gleich lang, besonders an der Spitze gekrümmt. 

Wenn wir nun Fig. 3 mit Fig. 5 (die Radula von O. keraudreni) vergleichen, so fällt 
gleich der Unterschied in den Mittelplatten auf. Während die seitlichen Dornen der Mittelplatte 


bei der letzten Art kurz bleiben und an der Spitze durch eine kleine Einkerbung gespalten 


erscheinen), sind alle drei Dornen bei O. rang? gleich gross. Durchmesser der Schale 1’; —4 mm. 
Ich hatte im „British Museum’ Gelegenheit die Originalexemplare SOULEYET's zu unter- 
suchen. Auch hier zeigten sich die spiraligen Wellenlinien auf der Schale, und die Radula stimmte 
ebenfalls ganz im Bau mit der der Siboga-Exemplare überein. Die Art ist durch die beiden 
hier erwähnten Merkmale ‚scharf von ©. keraudreni unterscheiden. 
Es wurde von Macpvonarn eine Art Oxygyrus beschrieben, die, wie schon im ersten 


Abschnitt erwähnt wurde, mit der hier genannten identisch ist. Auch hier findet man die 


1) Die Abbildung der Radula von O. keraudreni durch VAYSSIERE, weicht in einigen Punkten, namentlich im Bau der seitlichen 
Dornen der Mittelplatte, und des Kammes am medianen Rande der Zwischenplatte, von. der meinigen ab, welche mehr der Darstellung 
TROSCHEL’s entspricht. Die Beschreibung, welche LovEn von der Reibplatte von „Aflanta lesueuri” gab, bezieht sich ganz gewiss auf 
Atlanta, nicht auf Oxygyrus, wie von TROSCHEL und SMITH vermutet wurde. 


I 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 


50 


spiraligen Wellenlinien auf der Schale (vergl. Fig. 5 im ersten Abschnitt), der Kiel ist hoch, 
setzt sich auf der letzten Windung eine kleine Strecke fort und hört dann ziemlich plötzlich 
auf. Mit dieser Abbildung stimmt das kleine Exemplar der Siboga fast ganz überein, nur ist 
hier kein Kiel vorhanden. Bekanntlich kommt aber bei Oxygyrus ein Bellerophina-Stadium vor. 
In der Jugend haben wir dann: eine in ihrer ganzen Ausdehnung kalkige Schale, mit Wellen- 
linien, ohne Kiel (Ex. von Stat. 243); später tritt ein Kiel auf, zuerst ganz nahe der Mündung; 
es bildet sich zugleich der hornige Teil, der beim ausgewachsenen Tiere die zweite Hälfte des 
letzten Umganges ausmacht (Stadium von MacponarLp beobachtet). Zuletzt wird dann der Zustand 
erreicht, wie er auf Taf. VII, Fig. 2 abgebildet worden ist: eine teils kalkige, teils hornige 
Schale, mit einem hornigen Kiele, der sich allmählich auf die erste Hälfte des letzten Umganges 
ausdehnt. Die Abbildung der Radula, welche MacponaLn gab und welche ebenfalls drei fast 
gleich lange Dornen an der Mittelplatte zeigt, schliesst jeden Zweifel über die Identität seiner 


Art und ©. rangi aus. 


Anhang: Unter dem Namen „Zeltcophlegma candeı’ wurde von D’OrzIGcNnY eine kleine, 
nautiloide Schale beschrieben, die zu der hier besprochenen Gattung gehören sollte. Die Schale 
zeigte aber einige Eigentümlichkeiten, welche D’OrzIGny dazu veranlassten, ein Genus Drownia 
für die Aufnahme dieser Form vorzustellen. 

In der Siboga-Sammlung sind einige Schalen vorhanden, welche in den meisten Punkten 
mit der Beschreibung p’OrsısGnY's übereinstimmen. Die Schale ist in einer Ebene aufgerollt, 
involut, und in ihrer ganzen Ausdehnung hornig, biegsam und weich, ohne die geringste Spur 
kalkiger Substanz. Die Mundöffnung ist niedrig aber breit, viereckig; auf der Aussenseite, wie 
auf den Flanken sind drei Doppelreihen vorspringender, gezähnelter Leisten sichtbar. In dieser 
Schale steckt ein sehr kleines Tier, das gar nicht an der Wandung befestigt ist; man kann 
einen quergefalteten Fuss unterscheiden, distal in einen lang ausgezogenen Schwanz übergehend, 
einen Kopf mit kurzem Rüssel, zwei kleine Tentakeln, an deren Basis sich die winzigen Augen 
finden, weiter eine dorsale Mantelhöhle mit Ctenidium. Auf dem Kopfe sieht man ganz deutlich 
ein in vier Lappen geteiltes, tief eingeschnittenes Velum. 

Wir haben hier offenbar eine Embryonalschale vor uns, welche wahrscheinlich zu der 
von Kronun beschriebenen Zechinospira gehört. Diese Form scheidet innerhalb ihres hornigen 
(Gehäuses eine definitive Kalkschale ab, und die ursprüngliche Umhüllung wird dann abgestreift. 


Echinospira wurde übrigens neuerdings von Lo Branco aus dem Mittelmeer verzeichnet. 


Atlanta Lesueur 1817. 


Zu der im ersten Abschnitt gegebene Diagnose fügen sich noch einige Merkmale hinzu, 
welche dem Tiere eigentümlich sind. Im Unterschiede mit Oxygyrus, ist der Saugnapf verhält- 
nissmässig klein, und ist bedeutend reducirt, zu Gunsten der, übrigens ebenso wie bei Oxygyrus 
vom Saugnapf gesonderten Flosse. In dieser Ausbildung macht sich also schon ein Fortschritt 
kenntlich in der Richtung, wie sie die höheren, mehr specialisirten Heteropoden eingeschlagen 
haben. Aber noch in anderer Hinsicht bestehen Unterschiede. Der Rüssel ist schwächer entwickelt, 


51 


und oft kürzer, als bei Oxygyras, die Tentakeln dagegen sind länger, die Augen sind, abgesehen 
von ihrer allgemeinen Gestalt, noch dadurch merkwürdig, dass sich an ihrem medianen Rande, 
vorn an der Cornea, eine kurze, tentakelförmige Papille findet (Fig. 7), deren Bedeutung 
unbekannt ist, und welche sonst an den Augen der Heteropoden gar nicht vorkommt. Von 
den die Augenkapsel umspinnenden Muskelfasern, treten einige in den konischen Fortsatz ein, 
sodass er wahrscheinlich contractil ist und als innerer Tentakel aufgefasst werden könnte, den 
morphologischen Wert eines wirklichen Tentakels hat er aber gewiss nicht. Die hier erwähnte 
Papille ist schon von Rang beschrieben, später auch von SOULEYET, GEGENBAUR und MACDONALD 
angezeigt worden, von den beiden letzteren Autoren wurde sie auch abgebildet, eine Meinung 
über ihre mögliche phylogenetische Bedeutung aber nicht ausgesprochen. 

Die Radula hat mit dem gleichnamigen Organ von Oxygyras die sehr hohe Zahl der 
Querreihen gemein (es kommen bis zu 75—8o Reihen vor), sonst aber zeigt sie deutliche 
Unterschiede. Während bei Oxygyrus die Grösse der einzelnen Glieder in der Transversalreihe, 
von vorn nach hinten, allmählich beträchtlich zunimmt, ist eine solche Differenz bei Allanta 
viel weniger bemerkbar, die ganze Radula hat die Gestalt eines langen, platten Bandes, welches 
sich nach hinten zu kaum wahrnehmbar verbreitert. Die Mittelplatte der Radula besitzt nicht 
drei Dornen, sondern immer nur einen einzigen, die Seitenhörner der Platte, welche bei Oxygyras 
stark nach innen gekrümmt sind, sind hier fast gerade, und viel schwächer entwickelt; der Kamm 
am convexen, medianen Rande der Zwischenplatte endet nicht mit einer distal gerichteten Spitze. 

Beachtenswert ist weiter ein vorderes Paar Speicheldrüsen, welche, wie es scheint, nur 
der Gattung Allanta zukommen, und ganz vorn in der Mundhöhle ausmünden (Fig. 8). Ich 
habe diese Speicheldrüsen, oder vielleicht besser: Lippendrüsen, wenigstens bei A. Zeron? auf- 
gefunden. Bei Betrachtung des Rüssels von der ventralen Seite fallen hier zwei lange, cylindrische 
Schläuche auf, die sich proximal mittels eines dünnen Ausführungsganges in die Mundhöhle öffnen ; 
die Wandung der Drüsen ist aus sehr kleinen Zellen zusammengesetzt, welche sich mit Carmalaun 
sehr tief färben; einen besonderen Inhalt konnte ich freilich in den Schläuchen nicht nachweisen. 
Die Drüsen sind auch hier schon von RanG beschrieben worden, seitdem wurden sie aber nie 
wieder erwähnt, und SOULEYET sprach die Meinung aus, dass RanG sich mit den Buccalganglien 
geirrt haben möchte. 

Die eigentlichen Speicheldrüsen, wie sie allen Heteropoden zukommen, liegen ganz hinten, 
und münden, etwa auf der Höhe der Radulascheide, aber ein wenig dorsal von dieser, also an 
der nämlichen Stelle wie bei Prosobranchiern überhaupt, in die Buccalhöhle aus. Sie haben 
keulenförmige Gestalt, so dass der Ausführungsgang (der bei Aflanta etwas kürzer ist als bei 
Oxygyrus) ziemlich deutlich vom eigentlichen Drüsenkörper gesondert ist. Die Zellen, welche die 
Wandung der Drüsen bilden, sind hier etwas grösser als bei dem vorderen, oben erwähnten Paare. 

Näheres ist hier, wo hauptsächlich die systematischen Zwecke im Vordergrunde stehen, 
nicht am Platze. 

Bei der Bestimmung der Afanta-Schalen, welche in namhafter Zahl von der Siboga 
heimgebracht wurden, war ich in der Gelegenheit, die Sammlung SouL£vEr's im „British Museum” 
untersuchen zu können, und seine Originalexemplare mit den meinigen zu vergleichen. Freilich 


sind nicht alle von SoutevEr beschriebene Arten im „British Museum’ vorhanden — eine grosse 


52 


Zahl findet sich, wie mir Prof. L. Jousın freundlichst mitteilte, in Paris; aber doch war es mir 
möglich fast alle Arten der Siboga-Expedition mit Hilfe der genannten Sammlung zu bestimmen. 
Hier fühle ich mich also auf sicherem Boden. Die von SOULEYET vor fast 70 Jahren gesammelten 
Schalen waren trocken aufbewahrt und aufgeklebt worden; etwaige Färbung war allerdings 
nirgends mehr vorhanden, und viele Exemplare zeigten sich stark zerstückelt. Jedoch habe ich 
8 Arten des Siboga-Materiales wieder erkannt; es blieben nur zwei Arten übrig, welche sich 
in keiner Hinsicht mit denjenigen SouLEvET's vereinigen liessen und auch mit den sonst aus der 
Litteratur bekannten Formen keine Ähnlichkeit zeigten. 


Die Sammlung im „British Museum’ umfasste: 


A. souleyeti Smith. A. lesueuri Souleyet. 
A. peroni Lesueur. | A. helicinoides Souleyet. 
A. rosea Souleyet. | A. inclinata 'Souleyet. 
A. inflata Souleyet. | A. turriculata d’Orbigny. 
A. gaudichaudi Souleyet. A. fusca Souleyet. 

Im Siboga-Material fanden sich: 
A. peroni Lesueur. A. inclinata Souleyet. 
A. rosea Souleyet. A. turriculata d’Orbigny. 
A. inflata Souleyet. A. fusca Souleyet. 
A. gaudichaudi! Souleyet. A. gibbosa Souleyet. 


Ausserdem als neue Arten: 
A. afhınıs n. sp. 
A 


1. oligogyra n. sp. 


Atlanta peroni Lesueur. (Taf. VII, Fig. ı, 7, 8). 


Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. 
Stat. 136. Ternate. 3 1855 
Stat. TAT. 1.0.4.8, 1272257.310) 1 dx 
Stat. 144. Insel Damar. 105% 
Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea. I Jese 
Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. ale 
Stat. 184. Kampong Kelang, Insel Manipa. 4 Ex. 
Stat. 185. Manipa-Strasse. no) 18% 
Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse. TaBx? 
Stat 22m2052010%725.,1720245..5,®. ID. IESE 
Stat. 215°. Insel Kabia. SB 
Stat. 220. Pasir-Pandjang, Binongka. SE: 
Stat.s227.109244S,112423940: I Ex. (leere Schale). 
Stat.W224.0 523125 PE12 0: U da 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. 2DaE=: 


Über diese allbekannte Art ist nichts Besonderes zu erwähnen; sie ist durch das tiefe 
Eindringen des Kieles zwischen die Umgänge und durch die kleine, flache Spira kenntlich 
genug. Die leere Schale zeigt kaum sichtbare Querstreifung auf der letzten Windung; diese ist 


aber, wie auch VayssıErE hervorhebt, nie, wie bei A. lZesueuri, wellig. 


SR) 

Die Schalen sind sämtlich klein, nur wenige erreichen die Grösse von 5 mm.; D’ÖRBIGNY 
machte übrigens schon die Bemerkung, dass die Art im Atlantischen Ozean zu bedeutenderer 
Grösse heranzuwachsen scheint. Exemplare im Utrechter Museum, welche aus dem Atlantischen 
Ozean stammen, erreichen die für Atlanta ganz ansehnliche Dimension von 10 mm. 

Die Art ist im ostindischen Gebiet überall häufig, ob sie aber, wie andere von der 
Siboga erbeutete Arten, in Schwärmen auftreten kann, würde man aus obiger Liste nicht 


schliessen können. 


Atlanta afinis n. sp: (Taf. VII, Fig. o—-ı0). 


Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. 


State 13 12.4%.5,9.,,1272521.010: SB 
Stat 1789224085, 1282275 0! 3 Ex. (leere Schalen). 
Sim 202 3° 3255 So, 12a a5 (0% 8 Ex. 
Star 2107-052 100.254.1202415.5,0: ı Ex. (leere Schale). 


Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. aRxs 


Die hier beschriebene neue Art zeigt grosse Ähnlichkeit mit A. Zeroni; auch hier findet 
man einen Kiel, der bis zum Schlitz in der Aussenlippe reicht und vor der Mundöffnung 
also verstreicht; ebenso wie bei der vorhergehenden Art, dringt der Kiel hier zwischen die 
Windungen ein, und zwar ziemlich tief, sodass mehr als die Hälfte der vorletzten Windung 
von der letzten geschieden ist. Die Schale ist ganz flach und besteht aus 6 Windungen, von 
denen die letzte weitaus die grösste ist; die Spira zeigt dieselbe Form wie bei A. Zeroni, steht 
aber nicht aufrecht, sondern ist stark nach vorn geneigt; hierin liegt das wesentliche Merkmal 
der hier besprochenen Art. Weiter zeigt der letzte Umgang, besonders deutlich bei den leeren 
Schalen, regelmässige Querstreifen, welche bisweilen den Eindruck von Furchen machen, wenn 
sie in Wirklichkeit auch dünnere Stellen der Schale vorstellen, zwischen denen breite, undurch- 
sichtige Streifen gelegen sind. Die Mundöffnung ist niedrig, eiförmig, ganz wie bei A. Zeroni, 
mit tiefem Schlitz in der Aussenlippe, dessen Ränder nach aussen zu nicht divergiren. 

Die Art stellt gewissermassen ein Bindeglied dar zwischen A. Zeroni, mit der sie die 
flache Schale und den tief zwischen die Windungen hineinreichenden Kiel gemein hat, und 
A. lesueuri, deren Ouerstreifen auf der Schale (man vergleiche besonders Fig. 16 im ersten 
Abschnitt) in derselben Weise auftreten, allerdings sich auch auf die Spira selbst fortsetzen. 
Von beiden Arten ist sie aber genügend verschieden. 

Die Radula (Fig. ı0) zeigt im Ganzen die grösste Ähnlichkeit mit der von A. feroni. 
In der Form der Mittelplatten ist kein wesentlicher Unterschied zu bemerken. Auch die 
Zwischenplatten sind ganz ähnlich gestaltet, nur kommt der Aussendorn, wie er sich bei A. 
deroni an der concaven Aussenseite der Platte findet, bei A. afinis nicht vor. Die Seitenzähne, 
welche in Grösse untereinander gleich sind, erreichen gar nicht die Länge der Zwischenplatte; 
ein derartiges Verhalten ist allerdings in der Gattung Afanta ganz allgemein. 

Der grösste Durchmesser der Schale betrug bei einem Exemplare (leere Schale) 7 mm.; 
in den meisten Fällen aber wird 2—4 mm. erreicht. 


Die Art scheint, etwa in gleicher Zahl wie A. Zeroni, überall im Archipel vorzukommen. 


54 
Atlanta gaudichaudi Souleyet. (Taf. VII, Fig. 11— 13). 


Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 43 Ex. 
Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı8 Ex. 
Stat. 7ı. Makassar. 2 185 
Stat. 89. Pulu Kaniungan ketjil. I 1 
Stat. 96. Sulu-Archipel. 5 Ex. 
Stat. 98—99. Nord-Ubian. DI Erxe 
Stat. 106. Insel Kapul, Sulu-Archipel. Au 
Stat. 109. Pulu Tongkil, Sulu-Archipel. 24 Ex. (darunter sind 17 leere Schalen). 
Stat. 136. Ternate. a BR 
Stat. 138. Kajoa-Insel. TorEx. 


Sen, zit, EOS 
Stats 173 45.55 1278 
Stat. 144. Insel Damar. I 
Stat“ 148% 02117.:0.5,8129,14%5,.0: 

Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea. 

Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. 

Stat. 185. Manipa-Strasse. 
Stat-189-92222557112044630. 

Stat. 194— 197. Zwischen Sula Besi und Obi Major. 
Stat22032 323225 5, 27275510: 

Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse. 

Stat. 215°. Insel Kabia. 

Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor. 

Stat. 315. Sailus Besar, Paternoster-Inseln. 


> HB HW HN H Pu OD 
ey) 
r 


- 


Die Form der Schale entspricht fast ganz der von A. Zeroni, nur schliessen die Win- 
dungen in den meisten Fällen fest aneinander; bei den grössten Schalen (4,5 mm.) aber ist 
die Innenlippe ein wenig abgehoben und dringt der Kiel in den Zwischenraum zwischen Innen- 
lippe und Schale ein. Die Windungen sind 4'/; an der Zahl und bilden zusammen eine sehr 
flache Schale, mit rundlicher Mundöffnung (Fig. 12), tiefem Schlitz in der Aussenlippe und 
einer braunen Linie an der Ansatzstelle des Kieles; diese Linie setzt sich noch ein wenig weiter 
nach innen auf die Sutur fort, ist also, bei Betrachtung der Schale von der Mundöffnung aus, 
durch die dünne Innenlippe hindurch, sichtbar. Diese Linie, welche ich nirgends vermisste, war 
schon SouLEvET aufgefallen. 

Das Tier besitzt einen langen Rüssel; demgemäss ist auch die Radula ziemlich stark 
entwickelt. Die Mittelplatte ist fast ganz wie bei Ä. Zeroni gestaltet, nur ist der Dorn etwas 
kleiner, und etwa von gleicher Länge wie die seitlichen Fortsätze der Platte. Die Zwischenplatte 
zeichnet sich noch durch das Fehlen des kleinen Aussendorns aus; die Seitenplatten sind stark 
gekrümmt, die zweite steht der andere ein wenig an Grösse nach. 

Diese Art scheint ganz häufig im Inselreich vorzukommen, und wurde an einigen Stationen 


sogar in grosser Menge gefunden. Bisher war sie nur aus dem Pazifischen Ozean bekannt. 


Atlanta oligogyra n. sp. (Taf. VIII, Fig. 14—18). 


Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 44 Ex. 
Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. 2 Ex. 
Stat. 96. Sulu-Archipel. N De 


oa 
a 


Stat. 106. Insel Kapul, Sulu-Archipel. 


IBx 
Stat. 136. Ternate. 3. Ex. 
Stat. 138. Insel Kajoa. Ex: 
Stat. 144. Insel Damar. 6 Ex 
Stat. 165. Insel Daram. 4 Ex 
Stat. 169. Atjatuning, Neu-Guinea. 2 Ex 
Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. 7 Ex. 
Sta 205.83, 322508,8124215,.5.0. 2 BD 
Stat. 205. Lohio-Bai, Buton-Strasse. 3, Ex. 
Stat 224 02.34. 5, 12724. 0. Au Rx: 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. it ldsg 
Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor. 3 Ex 


Die meistens sehr kleine Schale ist durch eine sehr kleine Spira ausgezeichnet: es sind 
im Ganzen nur 3',; Windungen vorhanden, die letzte ist weitaus die grösste und bildet allein 
schon fast die ganze Schale; diese ist ganz flach, mit ovaler Mundöffnung, in deren Aussenlippe 
sich ein Schlitz findet, der zwar untief ist, aber nach aussen zu stark divergirende Ränder hat. 
Der ziemlich hohe Kiel dringt, je nach dem Alter der Schale, mehr oder weniger tief zwischen 
den Umgängen ein (man vergleiche Fig. 14 und Fig. ı7, welche bei derselben Vergrösserung 
gezeichnet sind). Die Ansatzstelle des Kieles ist auch hier durch eine braune Linie markirt, 
weniger deutlich aber als bei 4. gaudichaud!. 

Die Schale ist gänzlich ohne Skulptur, sehr feine Zuwachsstreifen sind auf dem letzten 
Umgange sichtbar. Ebensowenig ist irgend eine Farbe zu bemerken, das Ganze ist glashell und 
durchsichtig. Grösster Durchmesser der Schale 2 mm., die meisten Exemplare sind aber kleiner. 

Das Tier, mit kräftigem Rüssel und wohlausgebildeten Tentakeln ausgerüstet, besitzt eine 
lange, bandförmige Radula, an der ich 65 Querreihen zählen konnte. Der Dorn der Mittelplatte 
(Fig. 16) ist sehr kurz, kleiner als die seitlichen Fortsätze dieser Platte; dem Zwischenzahn 
fehlt der Aussendorn, die Seitenzähne von nahezu gleicher Grösse sind an der Spitze haken- 
förmig gekrümmt. 

Ich habe mich wohl entschliessen müssen, hier eine neue Art aufzustellen, da ich weder 
mit den im „British Museum’ aufbewahrten Typen SoureveEr’s, noch mit anderen in der 
Litteratur beschriebenen Formen genügende Übereinstimmung fand. Nur mit der von SouLEvET 
als Varietät seiner A. lesueur! (Fig. ı5 im ersten Abschnitt) bezeichneten Form besteht eine 
gewisse Ähnlichkeit, aber, abgesehen von den bei letztgenannter Art sehr deutlichen Ouerstreifen, 
ist hier die letzte Windung, mit den übrigen verglichen, verhältnissmässig noch grösser als bei 
A. oligogyra. Auch in der Grösse bestehen beträchtliche Unterschiede, da A. /esweuri einen 
Durchmesser von 6 mm. erreicht. 

Die Art ist im ganzen Gebiet häufig und tritt bisweilen (wohl passiv von Seeströmungen 


verschleppt) schwarmweise auf. 


Atlanta inflata Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 19—21). 


Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 6 Ex. 
Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. 
Stat. 98—99. Nord-Ubian, Sulu-Archipel. 200 Bx- 


56 


Stat. 136. Ternate. Zu Be 
Stat. 138. Insel Kajoa. ABS: 
Stat. 148. 02172.0,9,, 129, 14-5,0. 2 
Stat. 165. Insel Daram. TaBz: 
Stat. 1180.9222205,4126246.0. IE: 
Stat. 194— 197. Zwischen Sula Besi und Obi-Major. ı Ex 
Sfate203395232#5,,5, 124.115..5.0: er 
Stat. 215°. Insel Kabia. 4 Ex 
StabW2238 E244.7S., 1262.27%3,0: dx 
Stat209 5234. 5, 1272 4080! au Ex. 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. AS 
StAR2462 42. 30.2 S., 1200250: 7 102 
Statg24r. 4°. 16.5 S., 150215480. 4 Ex. 
Stat. 282. Zwischen Nusa Besi und Timor. 5.Ex. 


Mit dieser Art verlassen wir den Formenkreis der A. Zeroni, d.h. die ganz niedrigen, 
flachen Schalen, bei denen die Spira gar nicht hervorragt, und der Kiel mehr oder weniger 
weit zwischen den Umgängen eindringen kann. Zwar ist damit nicht eine deutliche Gruppe 
bezeichnet, welche etwa als Untergattung aufzufassen wäre; denn in dieser Hinsicht zeigen sich 
die Zungenbewaffnungen der Ailanta-Arten unter einander so sehr verschieden, dass z.B. bei 
so nahe verwandten Formen wie A. Zeroni! und A. gaudichaudi! an der Zwischenplatte der 
Radula der Aussendorn vorkommen kann oder fehlen. 

Die Schale der A. inflata zeigt zunächst nicht die Disproportion zwischen Spira und 
letzter Windung; die Umgänge nehmen von der Spitze nach abwärts ganz regelmässig an 
Grösse zu; es sind im Ganzen 5 Umgänge vorhanden; die ersten vier sind gewöhnlich durch eine 
dunkelbraune oder violette Farbe unterschieden, was als deutliches Artmerkmal gelten könnte, 
wenn nicht bei einigen Schalen diese Farbe ausnahmsweise fehlte. Von der Seite betrachtet, 
zeigt sich die rundliche Mundöffnung, in deren Aussenlippe sich ein Schlitz findet mit stark 
auseinander weichenden Rändern; die Innenlippe, welche nie von der Schale abgehoben ist, da 
ein Eindringen des niedrigen Kieles zwischen die Windungen nicht vorkommt, ist bräunlich 
angehaucht. Ein sehr schönes Merkmal der Art, das sie freilich mit anderen gemein hat, ist 
in den feinen Spirallinien gegeben, welche bei starker Vergrösserung parallel der Sutur auf den 
ersten Windungen sichtbar sind (in Fig. ı9 sind sie nicht abgebildet worden). Auf der letzten 
Windung kommt eine solche Skulptur nicht vor, ebenso wenig an der Nabelseite der Schale. 
Die bei Seitenansicht ziemlich stumpf erscheinende Spira ist schwach nach hinten geneigt. 

Als ich die Originalexemplare SovurevEr's im „British Museum’ untersuchte, konnte ich 
auch hier die oben erwähnte Skulptur feststellen. 

Grösster Durchmesser der Schale kaum ı'/); mm. 

Das Tier besitzt einen ziemlich langen Rüssel, aber bei der Kleinheit dieser Art sind 
die einzelnen Glieder der Radula schwierig zu sehen. Ich habe einige Querreihen der Reibplatte 
herauspräparirt, hierbei erwies sich dann (Fig. 21) die Mittelplatte als ganz klein, mit kleinem Dorn 
und kaum entwickelten seitlichen Fortsätzen. Die Zwischenplatte weist hier merkwürdigerweise 
wieder den allerdings kaum sichtbaren Aussendorn auf, wie er bei A. eroni vorkommt; die 
hakenförmig gebogenen Seitenzähne sind deutlich kürzer als die Zwischenplatte. 


Erwähnenswert ist weiter der Umstand, dass der männliche Begattungsapparat mit 


54 
seinem Anhang ganz dunkel, fast schwarz pigmentirt ist, wie durch die dünne, durchsichtige 
Schale hindurch direct sichtbar ist. Diese Eigrentümlichkeit war übrigens auch schon SouLEvET 
nicht entgangen. 
A. inflata gehört im ost-indischen Inselreich gewiss zu den häufigsten Arten. Namentlich 
im Norden des Gebietes, in dem Sulu-Archipel, wurde sie, gemeinschaftlich mit A. rosea, in 


grosser Menge erbeutet. 


Atlanta rosea Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 22—.24). 


Stat. 37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. 

Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. 
Stat. 98—99. Nord-Ubian. 

Stat. 136. Ternate. 

Stat. 138. Insel Kajoa. 

Stat. 144. Insel Damar. 

Stat. 194—197. Zwischen Sula Besi und Obi-Major. 
Stat. 215%. Insel Kabia. 


Sy 


- 
HH HW@N na HH ww 
al 
169) 
Dr 


Stats223 52447153 12068.274:3. 0: Ex 
Stat2224 52344, 9.,1272.41 0. 15x 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. Ex. 
Stat-s2A,2 4106659. 13 0215.80. 2ı Ex 
Stat-9282.382 25.215 127418.4,0. Ex. 


Bei erster Betrachtung ist die Ähnlichkeit der Schale mit der von A. inflata eine ausser- 
ordentlich grosse (vergl. Fig. 19 und 22); jedoch sind einige Unterschiede zu verzeichnen, welche 
A. rosea als gesonderte Art abtrennen. Die Grössenzunahme der verschiedenen Windungen (3";) 
ist nicht ganz regelmässig; die vorletzte und die drittletzte Windung zeigen in dieser Hinsicht 
einige Eigentümlichkeiten, welche am besten aus der Abbildung selbst zu ersehen sind. Besser 
noch als von oben betrachtet, tritt der Unterschied hervor bei Seitenansicht der Schale (vergl. 
Fig. 20 und 23). Die Spira der A. rosea ist etwas dünner und schlanker und ragt nur ganz 
wenig hervor. Das ganze Gehäuse ist farblos, und ein Farbenunterschied wie bei A. inflata, 
wo die Spira dunkler gefärbt ist als der letzte Umgang, kommt hier nicht vor. Die Mundöffnung 
ist etwas mehr niedergedrückt, die Innenlippe ist glashell, wie die ganze Schale, die Aussenlippe 
ist tief eingeschlitzt, mehr noch als bei A. inflata. Der Kiel ist sehr niedrig; ein Eindringen 
zwischen den Umgängen wurde nirgends beobachtet. Ein schönes Merkmal, allerdings auch bei 
A. inflata vorkommend, sind die äusserst feinen Spirallinien, welche auf den ersten drei Win- 
dungen sichtbar sind, ganz in derselben Weise, wie. es oben für A. inflata erwähnt wurde. 
Auch bei A. rosea ist von diesen Linien an der Nabelseite der Schale nichts zu erblicken, 

Grösster Durchmesser der Schale kaum 1'), mm. Nach Sovr£ver erreicht diese Art eine 
Grösse von 4—5 mm. 

Da der Rüssel des Tieres sehr kurz ist, ist die Radula ausserordentlich winzig, und nur 
bei sehr starker Vergrösserung sind-an den Platten (Fig. 24) Einzelheiten wahrzunehmen. Die 
Mittelplatte ist wie bei A. znflata gebildet, also auch hier mit einem kurzen Dorn ausgestattet, 


der nur etwa ebenso lang ist als die beiden seitlichen Fortsätze der Platte. Die Zwischenplatte 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 8 


58 


trägt einen kleinen Aussendorn an der convexen Seite. Die beiden säbelartig gekrümmten 
Seitenzähne stehen an Grösse ziemlich weit hinter der Zwischenplatte zurück. 
Wie schon bei der Besprechung von A. inflata erwähnt wurde, ist A. zosea im ganzen 


von der Siboga durchforschten Gebiete eine überaus häufige Erscheinung. 


Atlanta turriculata d’Orbigny. (Taf. VIII, Fig. 25). 


Stat. 66. Zwischen Bahuluwang und Tambolungan. ı Ex. 
Stat. 89. Pulu Kaniungan ketjil. 1 102< 
Stat. 96. Sulu-Archipel. 105 
Stat. 98—99. Nord-Ubian. IDEE 
Stat. 136. Ternate. Sex 
Stat. 144. Insel Damar. 2 185% 
Stat. 215°. Insel Kabia. u Tore 
Stat. 220. Pasir Pandjang. 108 
Stat. 243. 4230.25, 91292250! ı Ex. 
Stat. 245. 242105059513 02158840: 2AESE 
Stat. 304. Lamararap, Insel Lomblen. j I 10 


A. turriculata ist sehr leicht kenntlich an der eigentümlichen Spira, welche sehr schlank 
und hoch ist und sich besonders deutlich von der letzten Windung abhebt, nicht nur durch 
die Farbe, da die Spira dunkelgelb oder braun gefärbt ist, sondern auch dadurch, dass der 
letzte Umgang, während die vorhergehenden Windungen schraubenförmig abwärts steigen, sich 
fast in einer Ebene aufrollt, so dass die Spira wie ein Kegel aus einem niedrigen Talkessel 
hervorragt. Aus den Abbildungen p’Orsıcnv’s, besser aber noch aus denjenigen SOULEYET'S 
(Fig. 11—ı2 im ersten Abschnitt), ist die Art ohne Weiteres zu erkennen und gehört, mit 
den hier folgenden A. grbbosa, A. inchnata und A. fusca zu den am besten characterisirten 
Formen der Gattung; ich habe deshalb eine nochmalige Abbildung der Schale hier unterlassen. 
Der Beschreibung SOULEvETs möchte ich nur hinzufügen, dass die Spira nicht ganz aufrecht 
steht, sondern sehr schwach nach hinten geneigt ist, weiter, dass die Aussenlippe der Schale 
tief gespalten ist. 

Das Tier besitzt einen sehr kurzen Rüssel und dementsprechend ist, bei der Kleinheit 
des ganzen Tieres (der grösste Durchmesser der Schale beträgt kaum ı'/, mm.), die Radula 
ausserordentlich schwierig zu untersuchen. Nur so viel lässt sich sehen dass die Zwischenplatte 
(Fig. 25) einen bedeutenden Aussendorn trägt, der fast dieselbe Länge erreicht wie die Haupt- 
spitze der Platte; in so weit besteht ein Unterschied mit allen von mir untersuchten Arten. 
Von den beiden Seitenzähnen ist die erste grösser als die zweite. 

Diese Art scheint zwar im ganzen Archipel vorzukommen, ist aber nirgends in solcher 
Menge erbeutet worden, wie z.B. A. inflata oder A. rosea. Vielmehr tritt sie zwar überall, fast 
immer aber nur vereinzelt auf. 


Atlanta inclinata Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 26). 
37. Sailus ketjil, Paternoster-Inseln. ı 
Stat. 138. Insel Kajoa. 0 
85322045712, 22.010: 2 


Stat. 220. Pasir Pandjang. ES 
Stat. 225. Süd-Lucipara-Inseln. DaR® 
Stat. 304. Lamararap, Insel Lomblen. 11 10 


Die Schale hat eine kreiselförmige Spira, welche sehr deutlich nach hinten geneigt ist, 
von schwach rötlicher Farbe, während die letzte Windung farblos ist. Die characteristische 
Form der Spira, deren Windungen allmählich an Grösse zunehmen, ist dieser Art eigentümlich, 
weshalb sie unmöglich mit anderen verwechselt werden kann. Die mir vorliegenden Schalen 
zeigen genau das Bild wie es von SOULEYET gegeben wurde (Fig. 25—26 im ersten Abschnitt). 
Die Innenlippe der Schale ist bräunlich angehaucht, die Aussenlippe zeigt einen tiefen Schlitz: 
dementsprechend verstreicht der Kiel schon in ziemlicher Entfernung vor dem Mundrande. Die 
Innenlippe ist infolge des Eindringens des Kieles zwischen den Umgängen, von der Schale ein 
wenig abgehoben. 

Im ersten Abschnitt wurde schon auseinandergesetzt, weshalb ich die von VavssıErE mit 
dem Namen 4. zxclinata bezeichnete Art nicht als dieselbe Form wie die von SovLEYET 
halten kann. Ausserdem habe ich die von der Siboga-Expedition gesammelten Schalen mit den 
Originalexemplaren SouLEvET's vergleichen können. 

Wenn auch keine Skulptur der Schale bemerkbar ist, so ist doch die Art durch die 
umfangreiche, auf den letzten Umgang nach hinten zurückgeschlagene Spira kenntlich genug. 

Der grösste Durchmesser der von mir untersuchten Schalen war 3 mm., während SouLEvEr 
eine Grösse bis 6 mm. angibt. 

Im sehr kleinen, schwachen Rüssel, der von den langen Tentakeln von oben ganz 
bedeckt ist, ist die Radula verborgen, welche sich von den bis jetzt Beschriebenen nicht wesentlich 
unterscheidet. Am meisten gleicht sie der Reibplatte von A. oligogyra (vergl. Fig. 26 und 16). 
Die Seitenhörner der Mittelplatte sind ziemlich stark entwickelt und schwach nach innen 
gekrümmt; der einzige Dorn der Mittelplatte steht hinter den beiden seitlichen Fortsätzen an 
Grösse nicht zurück. Einen Aussendorn an der hohlen Seite der Zwischenplatte kommt hier 
nicht vor. Die Lateralzähne haben die allgemein bei Afanta vorkommende Gestalt; ein Unter- 
schied in der Grösse besteht zwischen ihnen kaum. 

A. inchinata ist zwar an verschiedenen Stationen erbeutet worden, tritt aber nur vereinzelt 
auf, und von solchen Scharen, wie sie z.B. A. oligogyra, A. inflata und A. rosea bisweilen 
aufweisen, ist hier gar nicht die Rede. Dies gilt übrigens noch mehr von den beiden nach- 


folgenden Arten. 


Atlanta gibbosa Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 27). 


“ 


Stat. 220. Pasir Pandjang. Bu 
Sta-8245.27210).59:,,1302 15.8.0. 7 Ex. 

Diese Art steht in gewissem Gegensatz zu den anderen, weil die Spira sehr dick und 
kreiselförmig ist und diese nicht, wie sonst, im Vergleich mit der letzten Windung, einen ver- 
schwindend kleinen Teil der Schale ausmacht, sondern sämtliche Umgänge ganz regelmässig 
an Grösse zunehmen. Man vergleiche übrigens Fig. 21 und 22 im ersten Abschnitt. Die Spira 


ist stark nach vorn geneigt, und ganz farblos; die Schale ist glashell, durchsichtig, und besteht 


60 


aus 7 Umgängen, welche sämtlich fest aneinander schliessen. Der Kiel ist ziemlich hoch; ein 
deutlicher Spalt ist in der Aussenlippe des Mundrandes vorhanden. 

Grösster Durchmesser der Schale ı'/, mm. 

SouLEYET hat gezweifelt, ob er unter dem Namen A. gzöbosa wirklich eine existenz- 
berechtigte Form beschrieb; denn er nennt die Schale „presque mieroscopique, und dazu kommt, 
dass bekanntlich die Aanta-Arten in der ersten Jugend eine regelmässig aufgewundene, turm- 
förmige Schale besitzen, welche erst später jenen fast allgemeinen Gegensatz zwischen Spira 
und letzter Windung aufweist. Allein die Art besitzt einen ausgebildeten Penis, und zudem ist 
die Schale nicht ganz regelmässig kreiselförmig, sondern die Spira ist ein wenig auf die letzte 
Windung herabgebogen. 

Die Radula gleicht fast ganz der von A. inclinata. Nur ist die Mittelplatte (Fig. 27) 
insoweit verschieden, dass ihr Dorn kürzer und breiter ist, auch sind die seitlichen Fortsätze 
der Platte kleiner und nicht gekrümmt. Die Zwischenplatte weist einen kleinen Aussendorn auf, 
während die Seitenzähne von etwa gleicher Grösse sind. 

A. gibbosa war bis jetzt nur aus dem Atlantischen Ozean bekannt. Im ost-indischen 


Inselreich kommt sie zwar vor, scheint aber sehr selten zu sein. 


Atlanta fusca Souleyet. (Taf. VIII, Fig. 23—30). 
Stat. 215°. Insel Kabia. 2 Ex. 


Die Art hat einige Ähnlichkeit mit A. giöbosa, die Spira ist aber sehr viel dünner und 
kleiner, im Vergleich mit der letzten Windung, und auch gar nicht so stark nach vorn gebogen. 
Dies ist auch bei Betrachtung der Schale von oben ganz deutlich sichtbar (Fig. 28). Der Kiel 
ist niedrig und setzt sich, den sehr engen Spalt in der Aussenlippe des Mundrandes zwischen 
die beiden niedrigen Lamellen fassend aus welchen er sich hier zusammensetzt, bis zur Mund- 
öffnung fort. Die Schale ist ganz farblos und durchsichtig. Sehr characteristisch sind die feinen, 
der Sutur parallel gehenden Spirallinien auf der Spira, welche sich auf die letzte Windung nicht 
fortsetzen; hier aber zeigt die Schale mehr oder weniger deutliche Querbänder. Eine solche 
Skulptur kommt, wie oben erwähnt, auch bei A. inflata und A. rosea vor; ein Unterschied 
mit der hier besprochenen Art besteht aber darin, dass bei A. fzsca diese Linien auch an der 
Nabelseite der Schale sichtbar sind. Es wurde diese Schalenzeichnung schon von SımIitH erwähnt, 
und ich hatte im „British Museum” nur Gelegenheit seine Angaben zu bestätigen. 

Als Varietät deutete SOULEYET ein Exemplar, (Fig. 30 und 3ı im ersten Abschnitt), an 
welchem der Kiel eine Strecke weit zwischen den Umgängen eingedrungen ist, und wo der Spalt 
in der Aussenlippe etwas weniger tief erscheint. Die von der Siboga-Expedition gesammelten 
Schalen nehmen beide eine Mittelstellung ein, weil die Windungen alle fest aneinander schliessen, 
und der betreffende Spalt sehr seicht ist. 

Grösster Durchmesser der Schale kaum ı!/, mm. 

SOULEYET fand die Art in allen Meeren und bezeichnet sie als häufig, auch wurde sie 
von der Challenger-Expedition in ziemlicher Menge erbeutet. Dagegen scheint sie nach den 


Befunden der Siboga-Expedition im ost-indischen Archipel sehr selten zu sein. 


61 


Da von den beiden mir zur Verfügung stehenden Exemplaren, nur eines ganz gut 
erhalten war, das andere aber deutliche Spuren von früherer Eintrocknung zeigte, habe ich 


die Radula nicht untersuchen können. 


Notizen über Lebensweise und Verbreitung der ATLanTipar. 


Die‘ Heteropoden bieten in ihrer phylogenetischen Anfangsstufe: den Atlantiden, den 
ersten Beginn der Entwicklung dar, welche allmählich auf die vollkommene Anpassung an das 
durchweg pelagische Leben hinausläuft, wie sie sich besonders bei den Pterotracheiden kundsgiebt. 
Sowie Oxygyrus und Atlanta in ihrem Körperbau, besonders hinsichtlich der hohen Ausbildung 
des Saugnapfes, im Vergleich mit der Flosse, nur wenig specializirt erscheinen, so zeigen auch 
ihre Bewegungen noch nicht die ganze Erfüllung der Bedingungen, welche das treibende Leben 
auf hohem Meere, ohne irgendwelchen Anhalt, den pelagischen Wesen stellt. Eine lebende 
Atlanta, in einem Gefässe beobachtet, schwimmt ziemlich schnell, die Schale nach unten gekehrt, 
mit kurzen, stossweisen Bewegungen, und macht durch das lebhafte Hin- und Herschlagen ihrer 
Flosse einen bei Mollusken sonst ungewöhnlichen Eindruck. Bei dem Vorwärtskommen zeigt sie 
aber wenig Ausdauer. Bald werden die Bewegungen eingestellt, das Tier zieht sich ganz in die 
Schale zurück, schliesst die Öffnung mit dem Deckel, und sinkt zu Boden. Hier bleibt es oft 
lang unbeweglich, um sich dann wieder hervorzustrecken und die Bewegungen von neuem 
anzufangen. Im Freien scheint den Tieren eine gewisse Ruhe dadurch ermöglicht zu sein, dass 
sie sich mittels ihres Saugnapfes an Fremdkörpern anheften können, ja, sie sind sogar im Stande 
eine gewisse Strecke fortzukriechen, nach Art der Platypoden, wie es von SoULEYET beobachtet 
wurde. Ich selbst konnte (in Neapel) etwas derartiges nie wahrnehmen. 

Die Atlantidae scheinen von den Heteropoden nicht nur am weitesten verbreitet zu 
sein, sondern auch dann und wann scharenweise aufzutreten; letzteres geht nicht nur aus den 
Angaben SouLevEr's und den Erfahrungen in Neapel, sondern auch aus den Befunden der 
Siboga-Expedition hervor. Die Heteropoden sind durchaus Bewohner der wärmeren Meereszonen, 
und können, durch Strömungen in kühlere Gewässer verschleppt, wahrscheinlich ihr Leben nicht 
lange fristen. Doch wurde Afanta von M'Intosu noch aus den englischen Meeren verzeichnet. 

Wie überall, so nimmt auch im ost-indischen Gebiet, die Gattung Atlanta, sowohl an 
Arten- wie an Individuenzahl den ersten Rang ein. Oxygyrus kommt zwar an vielen Stellen, 
fast immer aber nur vereinzelt vor. Im Mittelmeer dagegen halten beide Gattungen einander 
ziemlich das Gleichgewicht, und hier kann, wenigstens an einigen Stellen, Oxygyrus, wie Atlanta, 


in grossen Schwärmen angetroffen werden. 


Familie Il. CARINARIDAE. 


Da die Carinariidae eine Mittelstellung zwischen den beiden anderen Familien der 
Heteropoden einnehmen, bieten sie ein besonderes Interesse. Angesichts der Tatsache, dass die 


Vertreter der hier genannten Gruppen, im Vergleich mit anderen Heteropoden, weitaus seltener 


62 


sind, kann man die Ausbeute der Siboga-Expedition auch in dieser Hinsicht als ein befriedi- 
gendes Resultat betrachten. Allerdings wurde die nur wenig bekannte Gattung Perosoma nicht 
gefangen, wenngleich sie auch im ost-indischen Gebiet wohl vorkommen mag, Carinaria aber 
und Cardiapoda sind beide vorhanden, und ihre vorzügliche Erhaltung gestattete eine eingehende 


Untersuchung, welche hier freilich hauptsächlich systematischen Zwecken diente. 


Carinaria Lamarck 1801. N 


Die Diagnose der Gattung ist schon öfter gegeben worden, nur möchte ich einige 
anatomische Befunde, welche teils mit denjenigen meiner Vorgänger nicht übereinstimmen, teils 
auch neu sind, hier wenigstens kurz erwähnen. 

Carinaria unterscheidet sich durch die beträchtliche Entwicklung, welche die gallertige 
Bindesubstanzmasse genommen hat; namentlich der Rumpf erscheint deshalb wie aufgequollen, 
aber auch der Kopfteil ist von einer Gallerthülle umgeben, welche sich durch eine tief ein- 
schneidende Furche von der des Rumpfes trennt. Der Schwanz ist, besonders am Anfang, 
rundlich im Durchschnitt, und läuft nach hinten spitz zu. Bei näherer Betrachtung zeigt sich, 
dass die durchsichtige Hülle überall mit grossen Höckern besetzt ist, die hauptsächlich durch 
eine örtliche Emporhebung der Haut entstehen, da wo sich die Gallertmasse reichlicher entwickelt 
hat. Die Haut selbst, welche aus kleinen, zackig in einander greifenden Zellen besteht, deren 
Grenzen sehr undeutlich sind, ist an der Spitze der Höcker etwas dicker und die Zellen stehen 
mehr gedrängt (Taf. IX, Fig. 31). Die Tuberkeln ragen, wie bei Seitenansicht deutlich ist, oft 
wie Vulkankegel hervor; der Gipfel ist sehr stumpf. Dass die Höcker gewissermassen als Tast- 
organe betrachtet werden können, dürfte ein sehr zarter Nervenfaden erweisen, der in jeden 
von ihnen eintritt und von einem der grossen Nerven abstammt, welche den Körper namentlich 
in der Längsrichtung durchziehen. 

Bei anderer Einstellung erblickt man unterhalb der Haut die Elemente des Bindegewebes: 
kleine, sternförmige Zellen, mit oft enorm langen Ausläufern, welche zwischen sich die glashelle, 
durchsichtige Bindegewebsmasse ausscheiden, wie sie bei so vielen pelagischen Tieren vorkommt. 

Zwei Gebilde sind in der Grundsubstanz noch bemerkenswert. Erstens Anhäufungen von 
Pigment, die, bald kleiner, bald grösser, allerlei fremdartige Gestalt annehmen können, mehr oder 
weniger tief unter der Haut liegen, und sich aus kleinen, dunkeln Körnchen und helleren Bläschen 
zusammensetzen. Sie sind besonders am Schwanze verbreitet. Beim lebenden Tiere ist das Pigment 
meist leicht rosa-rot, beim Tode aber schwächen sich die Farben ab und verschwinden bei längerer 
Aufbewahrung des Tieres meist ganz. Zweitens kommen in überaus grosser Menge Zellagglomerate 
vor, ein Zusammendrängen äusserst kleiner Zellen, die einen deutlichen Kern erblicken lassen. 
Solche Flecken sind überall am ganzen Körper zerstreut (Fig. 32), sie sind viel zahlreicher als 
die Höcker; meist rundlich und regelmässig, zeigen einige eckige oder langgestreckte Gestalt. 

Unterhalb des gallertigen Bindegewebes findet sich die Körpermusculatur. Diese wurde 
schon früher von LEUCKART, GEGENBAUR und namentlich KarıpE eingehend beschrieben. Ohne 
mich hier auf eine ausführliche Besprechung meiner Befunde, mit Berücksichtigung des schon 
bekannten, einzulassen, muss ich mich auf einige kurze Angaben beschränken, welche sich 


besonders auf die Behauptungen KarıpeE's beziehen. 


63 


Kurz zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Körpermusculatur bei Carinaria aus 
einzelnen Muskelbändern besteht. Ringsum der Buccalmasse verlaufen platte Muskelstreifen in 
der Längsrichtung; die dorsal gelegenen weichen distalwärts bald auseinander, um sich bei den 
Augen wieder zu nähern und hier '), einen schmalen Rückenstreifen zwischen sich frei lassend, 
im Zwischenraum der Augen nach hinten zu ziehen, wo sie sich von Abstand zu Abstand in platte 
Bänder auflösen, welche im flachen Bogen nach hinten und nach der Bauchseite gerichtet sind, 
wobei sie häufig Anastomosen bilden. Die Muskelstreifen an den Seiten des Rüssels und an 
der Unterseite treten zwar oft mit den dorsalen in Verbindung, nehmen aber einen anderen 
Verlauf wie diese. An der Ventralseite des Rüssels lassen sie eine longitudinale Linie frei, die 
aber distalwärts bald aufhört. Die Muskeln selbst setzen sich teils an der Unterseite des Rumpfes 
fort, geben aber in regelmässigen Abständen Bänder ab, die schräg aufsteigen und nach oben 
und nach hinten gerichtet sind; diese Bänder, welche häufig mit einander anastomosiren, verlaufen 
unterhalb der Muskelschicht, die, wie oben erwähnt, von der Rückenmusculatur abstammt 
und schräg nach hinten und nach unten gerichtet ist. So ergiebt sich das Bild zwei einander 
kreuzender Systeme auf dem Rumpfe, von denen das untere weitaus stärker und dicker ist. 
Auf der Höhe des Nucleus und der Flosse, also dort wo der Schwanz anfängt, vereinigen sich 
die isolirten Muskelbündel zu einer einheitlichen Schicht, welche nach hinten zu längsverlaufende 
Lücken zwischen sich lässt und dann in gesonderten Muskelstreifen auf den Schwanz übergeht, 
die häufig mit einander in Verbindung treten durch schräge Anastomosen und in einzelnen zarten 
Fäden enden; da, wo der Schwanz nach hinten zu mehr seitlich zusammengedrückt ist, ver- 
einigen sich die Muskeln der rechten und linken Seite allmählich. Vom dorsalen Muskel im 
Schwanze spalten sich zarte Fäden ab, welche, häufig sich verästelnd und sich verbindend, erst 
fast senkrecht, später in immer mehr geneigtem Verlauf in die Schwanzflosse emporsteigen. 

Mit der Erwähnung, dass dem männlichen Begattungsapparat ein Teil der Längsmusculatur 
zugeteilt ist, und dass diese Musculatur sich auch auf dem Nucleusstiel bis in den Eingeweidesack 
hinein fortsetzt, wäre die längsverlaufende Musculatur bei Carinaria genügend besprochen, in 
deren Schilderung ich mich Karıpe anschliesse. Anders verhält es sich freilich mit den Ring- 
muskeln. Ich fand solche als einen kräftigen Sphinceter um der Mundöffnung herum ausgebildet, 
die Längsmuskeln bedeckend, und sich noch eine kleine Strecke nach hinten fortsetzend. Die 
eirculären Muskelbänder, von KarıpEe ausdrücklich beschrieben und abgebildet, und nach ihm 
den ganzen Körper in regelmässigen Abständen, wie die Reifen ein Fass, umspannend, habe 
ich aber, trotz aller Bemühung, an ausgezeichnet erhaltenen Exemplaren von Carinaria, nicht 
auffinden können. Sie wurden übrigens weder von Lruckart noch von GEGENBAUR erwähnt. 
Eine merkwürdige Quermusculatur besteht im Schwanze. .Hier spannen sich zwischen den Längs- 
muskeln diagonal sich kreuzende Muskelfasern ?) aus (Fig. 33). Nach der Spitze des Schwanzes 
bleiben nur die Muskelchen, welche die Richtung von oben schräg nach unten und nach hinten 


innehalten, bewahrt, stehen hier aber meist senkrecht; auf der Horizontalausbreitung an der 


ı) Es ist an dieser Stelle, dass die Muskeln einzelne Fasern hineintreten lassen in die vor den Augen an ihrer medianen 
Seite gelagerten Tentakel. Es konnte diese Muskulatur von KALIDE nicht untersucht werden. 

2) Es wurde diese diagonale Felderung von LEUCKART erwähnt, von GEGENBAUR leider übersehen. Die Schilderung KALIDE's 
ist mir in dieser Hinsicht nicht deutlich; nach ihm sollen einzelne Querfasern auftreten, welche nach hinten zu sich verdicken und zu 


Bändern werden. 


64 


Unterseite des Schwanzes von Carinaria sind sie in besonderer Zahl vorhanden. Der hier 
erwähnte Becher, wie er im ersten Abschnitt besprochen, früher auch von GEGENBAUR und 
Kae beschrieben wurde, erhält übrigens auch einzelne Streifen der an der Unterseite des 
Schwanzes nach hinten ziehenden Muskelbänder. 

Sehr bemerkenswert ist der Umstand, dass die aus dem Nucleusstiele hinabsteigenden 
Muskeln, sich nur in die Flosse hinein fortsetzen, deren ganze Musculatur sie ausmachen. Diese 
ist also ein Derivat des Spindelmuskels und ist von der Körpermusculatur streng geschieden, 
eine Tatsache die auch von Karıpe mit Frucht verwertet wurde zur Stütze seiner Behauptung, 
die Heteropoden-Flosse sei ein Organ sui generis und habe mit dem Kriechfuss der Gastro- 
poden nichts zu schaffen. Ich kann darauf aber hier nicht näher eingehen '). 

Der Penis ist an der rechten Seite des Körpers gelegen, unterhalb des Nucleusstieles; 
wie schon von MıLnE EDWARDS, DELLE CHIAJE und namentlich GEGENBAUR, hervorgehoben wurde, 
besteht sie aus zwei Teilen, welche frei hervorragen, von einem gemeinschaftlichen Stamme. 
Dorsal findet sich der eigentliche Begattungsapparat (Fig. 34), der an der Oberseite eine Samen- 
rinne zeigt, die Fortsetzung der beinahe geschlossenen Furche, welche aus dem Hoden heraus- 
kommend an der rechten Seite des Nucleusstieles und dann auf den Körper sich fortsetzt; in 
ihrer Nähe ist die gallertige Bindesubstanz beträchtlich verdünnt und zu einer dünnen Beklei- 
dung reduzirt, welche der Körpermusculatur aufliegt. Die Furche (Sf) setzt sich also auf den 
Penis in die Samenrinne fort, die auf ihrem Boden einen Längswulst besitzt. Die Rinne ist an 
den Wänden rot-violett pigmentirt und zeigt hier Längsfalten; am Ende teilt sie den knopfförmig 
verdickten Kopf des Penis in zwei Hälften. Der untere Abschnitt des Begattungsapparates ist 
länger, meist etwas gekrümmt, schwillt erst langsam an, um dann wieder dünner zu werden (7a) 
und am Ende wieder knopfförmig anzuschwellen. Hier ist eine kleine Öffnung, welche in einen 
Blindsack hineinführt, dessen Wandungen von grossen Follikelzellen gebildet werden; diese 
scheiden ein klebriges Sekret ab, das durch die Öffnung am Ende des Organes nach aussen 
entleert wird. Die Ränder dieser Öffnung fand ich leicht umgestülpt. Das schlauchförmige Organ 
ist mit grosser Wahrscheinlichkeit, mit GEGENBAUR, als ein Haftapparat zu bezeichnen, der bei 
der Copulation der Geschlechter mit in die weiblichen Genitalien hineingeführt wird. 

Der Schlundkopf bei Carinaria ist sehr umfangreich und wird, wie erwähnt, aussen durch 
einen kräftigen Sphincter, wenigstens an den Lippen, umgeben, während unterhalb desselben die 
Längsmuskelbänder anfangen, welche sich teils zwischen den Augen hindurch nach hinten richten, 
teils, wie die lateralen und ventralen Muskeln, namentlich schräg nach oben und nach hinten 
aufsteigen. Die eigentliche Schlundkopfmusculatur ist von den Längsmuskeln bedeckt. Die Mund- 
höhle selbst ist sehr geräumig und ganz von einem schwarz-violetten Pigmentepithel ausgekleidet. 
Am Dache der Mundhöhle findet sich eine tiefe Furche, welche sich nach aussen zu allmählich 
erweitert. Eine derartige Bildung kommt auch bei //erotrachea vor, trägt aber hier kleine Zähne 
auf dem Rande, was bei Carzinaria nicht der Fall ist; denn hier ist die Radula die einzige 
Bewaffnung in der Mundhöhle; Kiefer kommen hier also ebenso wenig vor wie bei den Atlantiden. 


Der Zungenknorpel ist sehr gross, die Form sowie der Bau dieser Stücke wurde schon von 


ı) Man vergleiche hierzu den dritten Abschnitt. 


6 


on 


Troscner beschrieben. Die Radula auf deren Schilderung ich hier nicht näher eingehe, ist zwar 
gut entwickelt, die Zahl der Ouerreihen ist aber bei weitem nicht so gross wie bei den Atlantiden. 
Es sind deren etwa 40 vorhanden. 

Carinarıa besitzt nur ein einziges Paar Speicheldrüsen, von cylindrischer Gestalt, am 
Hinterende immer ein wenig nach unten gebogen, vorn sich verdünnend und mit einem kurzem 
Ausführungsgang in die Mundhöhle, und zwar dorso-lateral, einmündend. In gleicher Ausbildung 
kommen diese Speicheldrüsen bei Pterotracheiden vor; sie sind mit dem hinteren Paar bei den 
Atlantiden homolog, obwohl sie hier dicker sind und einen längeren, scharf vom Drüsenkörper 


gesonderten Ausführungsgang aufweisen. 


Die vorstehende Beschreibung bezieht sich ausschliesslich auf Carinaria lamarckı des 
Mittelmeeres. Wenn vieles nur fragmentarisch erscheint, so will ich bemerken, dass ich nur das- 
jenige erwähnt habe, was mir für C. /amarcki von systematischem Wert erschien, also dasjenige 
was dieser Art eigentümlich ist; wie wir gleich sehen werden, können die obigen Bemerkungen 
bei Besprechung der Formen der Siboga-Expedition ihren Nutzen haben. 

Was von der Siboga gesammelt wurde, bestand fast nur aus Fragmenten : zerbrochenen 
Schalen, zerrissenen Schwanzstücken, oder verstümmelten Tieren. Trotzdem bietet die Untersuchung 
zahlreiche Aufschlüsse, die eine deutliche Begrenzung verschiedener Arten ermöglichen. Es wurde 
die früher so hoch geschätzte C. crzstata wiedergefunden, und zwar in Schalen ebenso wie in 
Tieren selbst, ausserdem die kleinere C. galca, und eine neue, ganz kleine Art, die allerdings 


nur durch ein einziges Exemplar vertreten war. 


Carinaria cristata (Linne). (Taf. IX, Fig. 35—42. Taf. X, Fig. 43). 


Leere Schalen: 
Stars208. 52,309, 
Stats 21080020) 


[i 


Tiere, ohne Schalen: 


SER 227 IS Re Or 
Stats200%85270:5,9511322477,. 027, Ex 
Sat 271 59467 8, na oe Od 
StE78298210250.5.5,,123210, O2 aRx. 


Ich fange mit der Beschreibung der Schale an. 

Das Exemplar von Stat. 208 war 45 mm. hoch, an der Basis 52 mm. breit, (in sagittaler 
Richtung). Die Spitze war leider abgebrochen und der Kiel nur in Resten vorhanden. 

Das zweite Exemplar von Stat. 210% war 32 mm. hoch, und die sagittale Breite an der 
Basis betrug 35 mm. Die Schale war gut erhalten (Fig. 39), nur der Mundrand zeigte sich 
zerstückelt, und auch hier war der Kiel nicht ganz intact erhalten. 

Es fand sich. im Leydener Museum eine grosse Schale, zu dieser Art gehörig; von 
Dr. Horst wurde mir eine nach diesem Exemplare angefertigte Photographie freundlichst 
geschickt, und in Fig. 38 wiedergegeben. Die Breite an der Basis betrug 70 mm.; da die Spitze 
abgebrochen war, konnte als grösste Höhe nur 55 mm. gemessen werden. 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 9 


66 


Wie man aus den Abbildungen (Fig. 33—40) ersieht (siehe auch Taf. II, Fig. 52a, 
53—54), ist die Schale hoch aufgerichtet, und zeigt sich dadurch scharf von der von €. /Zamarcki 
unterschieden. Die vordere Kante ist oben schwach convex, die Hinterseite etwas concav, nach 
unten aber ist die Schale vorn fast gerade und langgestreckt, weshalb auch die Mundöffnung, 
allmählich schmaler werdend sich weit nach vorn erstreckt. Das Gehäuse ist, wie überall bei 
Carınaria, mit deutlichen Querrippen versehen, welche oben, an der Spitze, sehr wenig tief 
sind, nach unten aber allmählich an Tiefe zunehmen, einen etwas welligen Lauf haben, und 
weiter auseinander liegen (in Fig. 38 scheint die Zahl der Querrippen, infolge von Lichtreflexen, 
höher als deren in Wirklichkeit vorhanden sind). Auf dem Kiele finden sich ebenfalls, besonders 
an der Basis, kurze, regelmässig einander folgende Querrippen, die einen schrägen Verlauf 
haben, und mit denen der Schale einen Winkel von etwa 60° bilden. 

Die Schale ist an der oberen Spitze leicht nach hinten gebogen, und hier setzt sich die 
sehr kleine, zarte Spira an, von der Schale selbst scharf geschieden. Die Spira ist ohne jegliche 
Zeichnung, besteht aus 4 Umgängen, die sämtlich fast in einer Ebene aufgerollt sind, und 
diese Ebene fällt mit der Symmetrie Ebene der Schale zusammen Angder 
Unterseite der Spira, also von links betrachtet, ist ein deutlicher Nabel sichtbar. Dort wo die 
Spira sich an der Schale anhängt, ist wie gesagt die letztere scharf geschieden, und zwar nicht 
nur dadurch, dass die Rippen, wenn auch ganz undeutlich, hier schon anfangen, sondern auch 
durch einen deutlichen Übergang auf die hier scharf gebogene Oberseite der Schale. An dieser 
Oberseite, welche sich nach unten zu in die Vorderkante umwandelt, erhebt sich, eine gewisse 
Strecke weiter, der Kiel, der, erst niedrig, nach unten zu höher wird; nach dem Exemplar 
von Stat. 210% zu urteilen (Fig. 39), wo der Kiel fast nicht zerbröckelt ist, erreicht er keine 
beträchtliche Höhe. 

Sämtliche Schalen zeigen am meisten Ähnlichkeit mit der Varietät graczlis (siehe den 


ersten Abschnitt); die Unterschiede mit der Hauptform sind aber unbedeutend. 


Wenn ich jetzt zur Beschreibung des Tieres schreite, so muss ich eine kurze Bemerkung 
vorangehen lassen. Die oben beschriebenen Schalen gehören zwar gewiss zu C. crisiata, da 
aber Tiere mitsammt Schale auf der Expedition nicht gefangen wurden, vielmehr mir nur 
Fragmente vorlagen, so konnte ich nur durch einen glücklichen Zufall die Zusammengehörigkeit 
von Schale und Tier ermitteln; denn das Tier von C. cristata war, abgesehen von einer kurzen 
Angabe Smıru's (Taf. II, Fig. 532) gänzlich unbekannt. Es wurde mir nämlich von Prof. WEBER 
freundlichst eine alte Abbildung zur Hand gestellt, welche hier Taf. IX, Fig. 37 reproduzirt 
ist, und, laut der sich darauf beziehenden schriftlichen Erörterung '), nach einem lebenden Tiere 
von „C. vitrea” in den natürlichen Farben angefertigt wurde. Diese Farben scheinen zwar etwas 


phantastisch, von grossem Nutzen war mir die Abbildung aber deshalb, weil ich mit der Schale, 


ı) Die Handschrift lautete, in's Deutsche übersetzt, folgendermassen: 

Ein Exemplar Carinaria vitrea oder der Mönchshut, mit dem Tiere, auf Liquor. 

Diese Schale, in der Bai von Amboina gefunden, ist eine grosse Seltenheit, und es wird das Tier auf Liquor besonders dadurch 
für die Wissenschaft von hohem Interesse sein, weil es, so weit bekannt, in keiner der wissenschaftlichen Arbeiten über Conchylien und 
Schalen beschrieben und abgebildet worden ist. 

Eine Zeichnung des Tieres und der Schale, nach dem Leben, wird hierbei angeboten an die Königl. Zool. Gesellschaft Natura 
Artis Magistra zu Amsterdam, von D. S. HOEDT, Secretär des Districtes der Molukken. Amboina, 26 Oktober 1860. 


67 


auch das Tier in seinem Habitus kennen lernte, und ich so die Carinaria-Fragmente der Siboga als 
C. cristata bezeichnen konnte. Später wurde mir noch das Originalexemplar, das sich in Amsterdam 
fand, geschickt, und die nähere Untersuchung ergab eine Bestätigung meiner Vermutung. 

Was nun die Exemplare der Siboga betrifft, so muss ich allererst das riesenhafte Tier 
erwähnen (Taf. IX, Fig. 35) das auf Stat. 227 erbeutet wurde. Die ganze Länge betrug 420 mm. 
Der Eingeweidenucleus, mitsammt der Schale, war leider abgerissen, schon als das Tier pelagisch, 
an der Oberfläche, gefangen wurde. Weiter zwei Schwanzstücke von Stat. 271 und Stat. 298. 
Das erste mass 130 mm., und gehört sehr wahrscheinlich zu einem Tiere von etwa 400 mm., 
die Länge des zweiten Fragmentes betrug ıgo mm., und das dazu gehörige Tier schätze ich 
auf 500 mm. 

Die häufige Verstümmelung bei Carinaria war schon bekannt; sie scheint oft die Tiere, 
bis zu gewissen Grenzen, nicht am Leben zu hindern, wenn auch ein Tier, dem der Eingeweide- 
nucleus fehlt, wohl schwerlich lange sein Dasein fristen kann. Der abgerissene Kopf von Stat. 
266, dessen Länge 70 mm. betrug, übertrifft aber alles, was man sich von der Zählebigkeit dieser 
Tiere vorstellen kann. Diesem Kopfe, oder vielmehr diesem Fragmente, (Taf. IX, Fig. 36) fehlte 
der vordere Teil, also die vordere Hälfte des Rüssels, ebenso war der ganze Körper etwa auf 
halber Höhe des Rumpfes abgetrennt worden. Doch zeigte das aufgefischte Überbleibsel des 
Tieres nirgends eine Öffnung. Vorn war die ganze Buccalmasse verschwunden aber nicht nur 
die Muskelschicht des Körpers, sondern auch die darauf gelagerte Gallertbekleidung, hatte die 
vordere Verwundung continuirlich abgeschlossen. Distal setzte sich die Cutis einfach in eine 
nach vorn und ventral eingekrümmte Spitze fort, und die Körpermusculatur setzte sich als ein 
geschlossener Sack, am Ende spitz auslaufend, eine Strecke weit darin fort. Das Tier bestand 
also: aussen aus der beträchtlichen Gallertmasse, allseitig geschlossen, dann aus der Körper- 
muskelschicht, ebenfalls eine zusammenhängende Wandung darstellend. Im Innern fanden sich gar 
keine Organe der Verdauung, der Darm war ganz verschwunden; nur waren noch die Augen 
sichtbar, mit Tentakeln, und die zwischen den Augen gelagerten, kleinen Cerebralganglien, mit 
abgerissenen Connectiven. 

Es fragt sich nun, wie ein solches Tier hätte leben können, dem alle Gemeinschaft mit 
der Aussenwelt abgeschlossen ist, und dem auch der Darmkanal fehlt! Und trotzdem muss das 
Tier nach der starken Verletzung, welche es zerriss, doch einige Zeit gelebt haben, um die 
oben beschriebenen, höchst eigenartigen Verhältnisse ausbilden zu können! 

Wenden wir uns jetzt zu der Betrachtung des grossen Exemplares von Stat. 227 (Taf. IX, 
Fig. 35), so können wir den allgemeinen Habitus folgendermassen beschreiben: Kopf stumpf, 
vorn wie abgestutzt, durch eine Einschnürung vor den Augen vom Rumpfe getrennt. Rumpf sehr 
dick, nach hinten noch etwas an Grösse zunehmend, dann an der Rückenseite niedriger werdend. 
Am Ende des Rumpfes, gerade der Flosse gegenüber, setzt sich der Nucleusstiel an. Da der 
Nucleus samt dem Stiele abgerissen war, kann ich weiter darüber nichts sagen !). Die Flosse 
ist sehr gross, rundlich, mit kräftigen Muskeln; ein grosser Saugnapf findet sich am Hinterrande. 


Der Körperteil zwischen Nucleus und Flosse ist seitlich zusammengedrückt, und dieses Verhalten 


ı) Nzch der Form der Schale wäre der Nucleus hoch aufgerichtet, ziemlich umfangreich, an der Spitze leicht umgebogen. 


68 


geht auch auf den Schwanz über. Gleich hinter der Ansatzstelle des Nucleus steigt die dorsale 
Kante des Schwanzes ziemlich steil empor, um dann, nach einem Höhepunkt, der etwa auf gleichem 
Niveau mit der Höhe des Rumpfes liegt, in sanft gebogener Linie nach hinten auszulaufen. 
Der Durchschnitt des Schwanzes ist vorn dreieckig; der dorsale Teil ist zwar dünn, geht aber 
ohne Übergang in die Flanken des Schwanzes über, und es kommt hier nicht zu einer scharfen 
Trennung einer Rückenflosse vom Schwanze, wie bei C. /amarcki. Der Schwanz wird, nach 
hinten zu, allmählich niedriger, und behält dann die gleiche Höhe bei; der Querschnitt ist hier 
ein fast gleichseitiges Dreieck, am Ende fast rund. 

Wenn die Schilderung der allgemeinen Leibesform in vieler Hinsicht einen deutlichen 
Unterschied von C. /amarcki ermöglicht, so weisen auch die Einzelheiten des Körpers manche 
Abweichungen auf. 

Es finden sich überall kleine Höcker, kleiner als bei C. /amarckt; sie sind namentlich an 
der Dorsalseite häufig, vereinzelt kommen sie an den Flanken vor, sind aber auf dem Schwanze 
zahlreicher, an der Unterseite sieht man sie fast gar nicht. Wenn man die Höcker mit starker 
Vergrösserung betrachtet, zeigt sich das Folgende (Taf. IX, Fig. 38). Wie überall, deckt den 
Körper ein einschichtiges Plattenepithel von kleinen, polygonalen Zellen, die an der Oberfläche 
der Höcker selbst ein wenig dicker und mehrschichtig erscheinen. Hier finden sich, unterhalb der 
Epithelschicht, eigentümliche sehr grosse, bräunliche Protoplasma-Schollen, welche einen helleren 
Kern durchscheinen lassen, und in einer mehr durchsichtigen Grundsubstanz eingebettet sind. Sie 
haben meist abgerundete Gestalt, oft liegen deren zwei aneinander, als ob sie aus einer Zelle 
durch Teilung hervorgegangen wären. Ob es sich hier um Knorpelzellen handelt, vermag ich 
nicht zu sagen. Weiter kann ich erwähnen, dass man, unterhalb des oberflächlichen Epithels, 
stark verästelte, dann und wann örtlich verdickte Fäden (Nerven) wahrnehmen kann, von denen 
einer immer in den Höcker eintritt. Eine mehr eingehende Untersuchung habe ich nicht vor- 
nehmen können. Unterhalb des Epithels lassen sich überall die Formelemente der Gallertmasse 
erkennen: mehrfach verästelte, oft spindelförmig gestaltete Zellen, welche mittels ihrer Ausläufer 
in Verbindung treten; in der Nähe der Höcker sah ich aber auch andersartige, rundliche Gebilde 
(Fig. 35, @), Bläschen mit dunkleren Körpern im Innern, von rätselhafter Bedeutung. Ob sie durch 
Conservierung entstandene Kunstproducte oder irgendwie degenerirte Zellen, oder vielleicht auch 
einzellige Hautdrüsen darstellen, weiss ich leider nicht '); einen Ausführungsgang habe ich 
jedenfalls nicht wahrnehmen können. 

Wenn auch das hier Gesagte einen fragmentarischen Character trägt, so geht doch so 
viel daraus hervor, um es noch einmal hervorzuheben: dass die Höcker beträchtlich kleiner 
sind als bei C. /amarcki und zahlreich nur an der Rückenseite des Tieres sich finden. Auch 
haben sie eine andere Gestalt; sind namentlich nicht kegelförmig (siehe Taf. IX, Fig. 3r), 
sondern erheben sich auf dem Körper als rundliche Hervorwölbungen. Die Anhäufungen kleiner 
Zellen, wie sie bei C. /amarcki in Form grosser Tüpfel auftreten, sah ich bei C. eristata gar 
nicht. Noch ein anderer Unterschied ist erwähnenswert. Das Pigment kommt bei C. cristata 


nämlich nicht in der gallertigen Bindesubstanz vor, sondern zerteilt sich in grosser Masse im 


1) Am wahrscheinlichsten sind sie Knorpelelemente, von ähnlicher Natur wie die oben erwähnten bräunlichen Zellen im 
Innern der Höcker, 


69 


Plattenepithel der Haut, und zwar nur auf dem Schwanze, nicht am übrigen 
Körper. Der Schwanz ist (Fig. 35) an der Dorsalseite dunkelbraun, fast schwarz; diese Farbe 
setzt sich etwas abgeschwächt, in mehreren hintereinander gelegenen, fingerförmigen Fortsätzen, 
welche schräg nach unten und nach vorn gerichtet sind, fort; nach hinten zu wird der allmählich 
niedriger werdende Schwanz ganz durch die dunkelbraune Farbe eingenommen. Da das Flächen- 
epithel leicht abgerissen wird, so erklärt es sich, dass die Schwanzstücke von Stat. 271 und 298 
fast farblos sind und eine durchsichtige, hyaline Beschaffenheit aufweisen. 

Da, wie gesagt, die Höcker dorsal überaus zahlreich sind, so kommen sie auf dem 
Schwanze, innerhalb des Gebietes von Pigment, häufig vor. Dass die winzigen Höcker sich 
aber gerade hier scharf von der Umgebung abheben, ist dem Umstand zu verdanken, dass eine 
kreisförmige Stelle um den Höcker herum pigmentfrei und also hell bleibt. Innerhalb dieses 
Kreises, gerade in der Mitte, zeigt sich der Höcker dadurch besonders deutlich, dass er selbst 
wieder, der bräunlichen Masse wegen in dem Innern, dunkler erscheint. Die Höcker auf dem 
Rumpfe zeigen nur in einigen Fällen diese braune Anhäufung, meistens sind sie ganz farblos, 
und sind deshalb nur dann gut zu sehen (wie bei so vielen durchsichügen, pelagischen Tieren), 
wenn man den entsprechenden Körperteil aus der Flüssigkeit heraushebt. 

Die Musculatur von C. cristata stimmt in ihren Lagerungsverhältnissen in den Haupt- 
punkten mit der von C. /amarcki überein, nur sind einige geringfügige Unterschiede zu erwähnen. 
Jenachdem die Muskeln im Rüssel, wo sie die Längsrichtung mehr oder weniger innehalten, 
entweder dorsal oder seitlich und ventral gelagert sind, ändern sie nach hinten zu ihren Lauf. Die 
dorsalen lassen ein breites Feld zu beiden Seiten der Rückenlinie des Rüssels frei, behalten aber, 
anders wie bei C. /amarcki, die gleiche Entfernung zwischen linken und rechten Muskeln, zwischen 
den Augen, und noch eine gewisse Strecke weiter rückwärts; hinter den Augen geben sie von 
Abstand zu Abstand ziemlich schmale, nur wenig miteinander in Verbindung tretende Muskel- 
bänder ab, welche schräg nach unten hinabsteigen. Die seitlichen und ventralen Muskeln aber 
steigen im Rumpfe in Gestalt breiter, vielfach anastomosirender Streifen, unterhalb der von 
oben kommenden Muskelschicht, schwach empor. Auf der Höhe des Nucleusstieles vereinigen 
sich die beiden Schichten; im Schwanze läuft die Musculatur, in einige sich distal zuspitzende 
Bänder aus, von denen der obere Streifen einzelne Verzweigungen in den dünnen, dorsalen Teil 
des Schwanzes abgiebt; diese Verästelungen richten sich distal immer mehr nach hinten. Das 
Ende des Schwanzes ist nicht seitlich comprimirt, sondern fast rundlich und jegliche Andeutung 
eines Schwanzfadens oder einer membranösen Ausbreitung der Flanken fehlt durchaus. Eine 
Ringmusculatur kommt im Rüssel vor und bildet hier einen kräftigen, unmittelbar der Buccal- 
masse aufgelagerten Sphincter; weiter zeigen sich im Schwanze einige querverlaufende Muskel- 
fasern (Fig. 39), welche die Längsmusculatur kreuzen und hauptsächlich in der Richtung von 
oben nach unten und nach hinten gehen, wenn auch einzelne Verzweigungen gerade einen 
entgegengesetzten Verlauf haben und, wie aus der Abbildung ersichtlich, mehrfache Anastomosen 
mit den erstgenannten Muskeln bilden. Man sieht diese Quermuskeln, wenn auch von oben 
betrachtet, von den longitudinalen Muskeln bedeckt, deutlich unterhalb dieser ihren Weg nehmen 
(die dunklen Stellen in der Abbildung rühren von Faltungen her). 


Die Flossenmuskeln stehen mit denen im Innern des Nucleusstieles in directer Verbindung; 


70 


ebensowenig wie bei C. /amarcki ist ein directer Zusammenhang mit der Körpermusculatur 
nachzuweisen, und das Ganze weist von dem schon von KarıpE dargestellten Verhältniss bei 
der uns als Vorbild dienenden Art des Mittelmeeres keine besondere Abweichungen auf. 

Da das Exemplar von Stat. 227 weiblich war, habe ich hier keinen Penis untersuchen 
können, das von Amboina stammende Tier, in Fig. 37 dargestellt, war zwar ein Männchen, die 
Erhaltung war aber sehr schlecht, und die genaue Form des Penis konnte ich nicht ermitteln. 
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass hier das nämliche wie bei C. /amarcki vorkommt, das 
männliche Begattungsorgan ist aber verhältnissmässig kleiner und besteht aus zwei Teilen; der 
obere ist der eigentliche Penis, mit einer Samenrinne versehen und am Ende ein wenig ange- 
schwollen,; der andere Teil ist der bei der Begattung dienende Haftapparat, dessen drüsenartig 
ausgebildeter Endabschnitt etwas dünner ist als die Wurzel des Organes, jedoch ohne Anschwel- 
lung, wie bei C. /amarcki; die Follikelzellen selbst schimmern schwärzlich hindurch. 

Die Buccalmasse ist sehr umfangreich und zeigt die allgemeinen Charactere von Carinarra, 
nicht nur in den Speicheldrüsen und den Muskeln, welche zur Bewegung des Schlundkopfes 
dienen, sondern auch in der Furche am Dache der Mundhöhle. Auch die Radula entspricht, 
wenigstens in der allgemeinen Gestalt, der von C. /Zamarcki. Sie hatte bei dem Exemplar von 
Stat. 227 (420 mm. lang) eine Länge von 45 mm., während die Breite in den unteren Reihen 
>20 mm. betrug (Taf. X, Fig. 43); sie nimmt von vorn nach hinten allmählich an Grösse zu, 
um im letzten Drittel dieselbe Breite beizubehalten. Im Ganzen zählte ich 47 Transversalreihen. 
Die Mittelplatte (Fig. 43@) ist lang und schmal, leicht durchgebogen und trägt drei Dornen 
von annähernd gleicher Länge, ihr Basis ist breiter, und die Dornen selbst sind kürzer als bei 
C. lamarcki. Im Allgemeinen ist die mediane Seite der Seitendornen kürzer als die laterale; 
in den ersten Querreihen aber sind diese Seiten gleich. Die Zwischenplatte besitzt eine kräftige 
Spitze (Fig. 430), welche nach unten, d.h. nach der Radulamembran hingebogen ist, also mit 
dem Körper der Platte nicht in derselben Ebene liegt. Ein Kamm ist auch hier vorhanden ; 
er fängt oben (Fig. 436, a) mit einem kleinen Höcker an, nach unten zu ist er durch einen 
deutlichen Dorn (6) von der Spitze der Platte geschieden. So verhält es sich in den meisten 
Ouerreihen der Reibplatte, nach vorn aber (Fig. 43c) ist die Zwischenplatte, und namentlich 
der Kamm, andersartig gestaltet, die beiden Stellen @ und ö sind hier weniger scharf ausgeprägt. 
Die Seitenplatten endlich sind beide ebenso gross wie die von ihnen überlagerte Zwischenplatte; 
sie sind stark gebogen, aber nur etwa in der Mitte ihrer Länge. Erwähnenswert ist weiter noch, 
dass die verschiedenen Platten, jenachdem sie an einzelnen Stellen mehr oder weniger dick 
sind, eine dunklere oder hellere Farbe aufweisen. Die Basis ist überall schwarz, ausgenommen 
in der Mittelplatte; wie übrigens diese Farbe in horngelb übergeht und schliesslich verschwindet, 
ist in den Abbildungen (Taf. X, Fig. 43@—d) durch verschiedene Schattierungen angegeben 
worden. Die Dornen der Mittelplatte sind sehr dünn und deshalb farblos. Dasselbe kommt 
allerdings bei C. /amarcki vor. 

Was nun die Verbreitung von C. cristata betrifft, so zeigt sich, dass sie in der Banda-See, 


aus der sie auch schon früher bekannt war 'j, von der Siboga-Expedition, wenn auch ziemlich 


ı) Exemplare, aus dem Leydener Museum, welche ich sah, stammten von Amboina her. 


7ı 


vereinzelt, gefunden wurde. Smitu erwähnt sie von den Aru-Inseln. Dass sie aber über weitere 
Strecken ihr Gebiet ausgedehnt hat, dürfte eine Angabe Ciux’s in der Beschreibung der Reise 
der Valdivia') erweisen, während welcher Expedition ein Riesenexemplar von Carinaria bei 
Ceylon gefangen wurde, das eine Länge von 530 mm. erreichte; wahrscheinlich wird sich das 


Tier als C. crzstata herausstellen, und damit das grösste bekannte Exemplar dieser Art sein. 


Carinarıa galea Benson. (Taf. X, Fig. 44—45). 


Leere Schalen: 
STATE 107251202450 5102 226%: 
Stae2221.0224254 1242301 Or. Ex 


Es wurden von dieser Art nur leere Schalen gefunden, leider alle mehr oder weniger 
zerbrochen. Die erste Schale von Stat. 2ıı mass an der Basis 6'/, mm., die Höhe war ı2 mm., 
der Kiel war 2'/;, mm. breit. Bei der zweiten Schale derselben Station waren die Dimensionen 
resp. 9’, ıı und 2 mm. Da das erste Exemplar im Allgemeinen besser erhalten war, und 
namentlich der Kiel offenbar nur wenig gelitten hatte, auch die Spira keine Schädigung zeigte, 
ist nur diese Schale abgebildet worden (Fig. 44—45). 

Das Exemplar von Stat. 221 zeigte resp. die Dimensionen: 9, ı0o und ı mm. 

Selbstverständlich haben diese Messungen nur deshalb relativen Wert, weil sie an ver- 
stümmelten Exemplaren vorgenommen wurden. 

Wie Fig. 44 zeigt, ist die Schale hoch aufgerichtet, an der Spitze leicht nach hinten 
gebogen, wo die kleine, zierliche Spira aufgehängt ist. Dieselbe besteht aus 4 Windungen 
(Fig. 45) und besitzt keine Skulptur, nur auf dem vorletzten Umgange, sowie um dem Nabel 
herum, verlaufen einige deutliche Querstreifen. Da wo die Spira in die Schale übergeht, ist die 
Übergangsstelle ganz deutlich sichtbar durch eine plötzliche Erhöhung der dorsalen Kante 
(Fig. 45, a); auch fangen auf der Schale, erst noch unscheinbar, nach unten zu deutlicher, die 
Ouerrippen an, welche, ebenso wie bei der vorhergehenden Art, sanft gewellt sind und mit den 
deutlichen Ouerstreifen auf dem auffallend breiten Kiele, nicht in gleicher Richtung verlaufen. 

Man möchte, bei erster Betrachtung, geneigt sein, die Unterschiede der hier besprochenen 
Art mit C. cristata nur darauf zurückzuführen, dass die Schale, wie sie in Fig. 44 dargestellt 
wurde, als das abgebrochene obere Fragment einer crzstata-Schale aufzufassen sei. Dem ist 
aber nicht so, wenn auch die Ähnlichkeit beider Arten sehr gross ist. Während bei C. cristata 
die Spira in derselben Ebene wie die Symmetrie-Ebene der Schale liegt, ist die Spira bei 
C. galea, stark nach links gebogen, weshalb das ganze Gehäuse eine merkwürdige Asymmetrie 
zeigt. Erwähnenswert ist weiter noch, dass bei letzterer Art der Kiel nicht nur viel höher ist, 
sondern auch ganz oben an der Vorderseite anfängt (Fig. 45), während die zackigen Vorsprünge 
des Kieles bei C. cristata erst viel weiter nach unten beobachtet werden. Der Kiel besteht 
übrigens, wie überall bei Carinaria, aus zwei feinen Lamellen; ist also doppeltblättrig. 


Das Tier von C. galea habe ich zwar nicht zu sehen bekommen, aus den Beschreibungen 


ı) Aus den Tiefen des Weltmeeres. Erste Auflage, S. 302. 


72 


Benson’s, SoULEvET's und Macponarp's (siehe den ersten Abschnitt, auch unter dem Namen 
C. gaudichaudi) geht aber hervor dass keine Tuberkeln vorkommen und die, Haut überall 
mit rundlichen Flecken überdeckt ist. Die Flosse besitzt eine abgerundete Gestalt. 

Die kleine Art, die eine Länge von 40 mm. wohl kaum erreichen wird, tritt nur ganz 


vereinzelt im ost-indischen Gebiete auf. 


Carinarıa macrorhynchus n. sp. (Taf. X, Fig. 46—51). 
Sfa60202,3° 32.5 5., 1242776.5 O-2abr- 


Diese kleine Art besitzt in ihrer ganzen Gestalt soviel Eigentümliches, dass sie von mir 
als neue Form aufgefasst wird. 

Die Schale hat eine Höhe von 3'/; mm. und zeigt schwach angedeutete Querrippen, welche 
sich in derselben Richtung auf den Kiel fortsetzen. Dieser ist ziemlich hoch und zeichnet sich, 
wie aus Fig. 47 u. 48 ersichtlich, besonders dadurch aus, dass er nicht mit kleinen Erhebungen, 
wie sonst bei Carinaria, anfängt, sondern an der Stelle, wo die Spira sich an die Schale ansetzt, 
sich geradezu plötzlich, sogar mit scharf zurückgebogener Firste erhebt, und dann, annähernd 
die gleiche Höhe beibehaltend bis zur Mundöffnung verläuft, um hier mit abgerundeter Kante 
zu enden. Die Schale ist ganz gerade, Vorder- und Hinterseite also ohne jegliche Krümmung. 
Die Spira, welche im Verhältniss zur Schale ziemlich umfangreich ist, setzt sich oben an; der 
Übergang in die Schale ist auch hier scharf ausgeprägt. Man findet (Fig. 47, 48) 3"); Umgänge, 
und die Ebene in welcher sie sämtlich aufgerollt sind, kommt mit der Symmetrie-Ebene der 
Schale überein. Eine Sutur ist tief eingeschnitten. Von unten gesehen ist ein deutlicher Nabel 
sichtbar, von welchem einige Querlinien ausgehen. 

Das ganze farblose, ausserordentlich zarte Gehäuse zeigt einige Ähnlichkeit mit der Sahae 
von C. cithara (Taf. II, Fig. 64). Auch hier ist die Schale ganz gerade, ohne irgendwelche 
ee der beiden Seiten, und die Spira ist oben aufgesetzt. Erstens aber ist die Spira 
hier verhältnissmässig kleiner, und zweitens ist die Mundöffnung schräg abgestutzt, sodass die 
Vorderseite der Hinterseite an Länge nachsteht, während etwas derartiges bei C. macrorhynchus 
nicht vorkommt. 

Wenn ich jetzt zur Beschreibung des Tieres übergehe, so fällt zunächst die ausser- 
ordentlich starke Entwicklung des Rüssels auf. Während das ganze Tier ıı mm. misst, kommen 
davon etwas mehr als 4 mm. auf den Rüssel. Die Augen erreichen ebenfalls eine beträchtliche 
Grösse. Hinter ihnen setzt sich die cylindrische Gestalt des Rumpfes ziemlich gleichmässig bis 
zum Nucleus fort. Der Eingeweidesack ist natürlich ganz in der Schale eingeschlossen, lässt 
aber nach vorn zu Platz für die Mantelhöhle mit den dazu gehörigen Organen. Vom Mantel- 
rande hängen fünf oder sechs kleine Kiemen herab. Der ganze Nucleus wird auf kurzem 
Stiele getragen, diesem gegenüber findet sich die grosse viereckige Flosse; die Vorderecke ist 
abgerundet, die hintere aber deutlich ausgeprägt. Der Unterrand richtet sich von vorn nach 
hinten stark nach oben und trägt in der Mitte einen deutlichen Saugnapf. Der Schwanz endlich 
ist sehr kurz und entbehrt vollkommen der Anhänge; er ist stark seitlich comprimirt und spitzt 


sich am Ende scharf zu. 


os 


7 

Nach dieser kurzen Beschreibung der allgemeinen Leibesform, kann noch das Folgende 
hinzugefügt werden. Zunächst ist bemerkenswert, dass die gallertige Cutis, welche oft bei 
Carinaria zu beträchtlicher Entwickelung kommt, hier sehr dünn bleibt. Die Haut liegt auf dem 
Rüssel fast unmittelbar der Musculatur auf. Höcker oder sonstige Unebenheiten kommen gar 
nicht vor, wohl aber finden sich, überall auf dem ganzen Körper zerstreut, die kleinen rundlichen 
oder länglichen Flecken, welche in dieser Gattung oft beobachtet werden (Fig. 49). Sie liegen auch 
hier unterhalb der Haut in der Bindegewebsmasse, und man kann in dem optischen COuerschnitt 
die zierlich verästelten Nervenzellen wahrnehmen, welche auch bei den vorigen Arten gesehen 
wurden. Die Flecken finden sich, wie gesagt, auf dem ganzen Körper; auch am Rüssel sind sie, 
wenn auch ganz schwach, sichtbar. Der geringen Dicke der Cutis wegen, bedingt diese nicht, wie 
bei C. /amarcki und C. cristata die Körpergestalt, sondern das ganze Tier sieht schmächtig und 
schlank aus, und scheint dadurch einer rascheren Wendung fähig als die plumperen Arten. Der 
mächtige Rüssel und die grossen Augen weisen deutlich auf die räuberische Lebensweise hin. 

Die Museulatur zeigt in so weit einen abweichenden Character, als hier keine Auflösung 
in einzelne, gesonderte Bänder stattfindet, sondern sämtliche Muskeln eine zusammenhängende 
Schicht bilden. Auf den Seiten des Rüssels ist schon der kreuzweise Verlauf der Muskeln 
sichtbar, und zwar unter Winkeln von fast 90°, während auf dem Rumpfe die Kreuzung der 
Muskeln (übrigens viel deutlicher sichtbar) unter scharfen Winkeln vor sich geht. Zu beiden Seiten 
der dorsalen Mittellinie verlaufen auf dem Rüssel starke longitudinale Muskeln: ein Mittelstreifen 
bleibt also frei, erweitert sich zwischen den Augen und hört dann bald auf. Erwähnenswert ist 
noch der Umstand, dass ich keine Spur des rechten Tentakels finden konnte, und ebenso wenig 
eine Verwundung, welche durch Zerreissung und Abtrennung des ÖOrganes entstanden wäre. 
Übrigens ist es mir mehrere Male, auch bei der folgenden Gattung, aufgefallen, dass der rechte 
Tentakel erheblich kürzer ist als der andere, ob dies immer nur auf stärkere Zusammenziehung 
zurückzuführen wäre, vermag ich nicht zu sagen. Auf der Höhe der Flosse geht die gekreuzte 
Musculatur in die Längsrichtung über und steigt einerseits am Nucleusstiele empor, andererseits 
zerfällt sie im Schwanze in einige sehr schwache Längsstreifen. Ringmuskeln habe ich nur am 
Rüssel beobachtet, und hier, abgesehen von der unmittelbaren Nähe der Mundöffnung, nur in 
isolirten, ganz kleinen Fibrillen, mit Ausnahme einer Stelle gerade vor den Augen, wo sie 
eine zusammenhängende Schicht darstellen. Die Muskeln der Flosse sind wie bei Carınaria 
überhaupt angeordnet, und auch hier treten sie in gesonderten Bändern auf. Die untere Schicht 
ist aber nur durch einige wenige, dafür wieder um so deutlichere, Streifen vertreten. Ein muskel- 
freier, membranöser Abschnitt am Unterrande kommt nicht vor. Die Flossenmuskeln durchsetzen 
die Körpermuseulatur und treten, von dieser scharf getrennt, in den Eingeweidesack ein. 

Das mir vorliegende Exemplar war ein Männchen, sodass ich auch den Penis untersuchen 
konnte. Dieser (Fig. 50) ist klein, und besteht aus den zwei üblichen Teilen: vorn ein kurzer, 
cylindrischer, hier stark zusammengezogener Abschnitt, der wohl als Haftapparat bei der 
Begattung aufzufassen wäre; und hinten der eigentliche Penis, auf welchem die rechts auf dem 
Nucleusstiele herabsteigende Samenfurche (sf) sich als tiefe Rinne fortsetzt. 

An der Buccalmasse fallen die zwei cylindrischen Speicheldrüsen auf. Innerhalb der geräu- 


migen Mundhöhle findet sich auch hier am Dache eine distal sich keilförmig zuspitzende Vertiefung. 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 10 


74 

Die Radula (Fig. 51) besteht aus 35 Querreihen und zeigt die gewöhnliche Ausbildung. 
Die nicht in der Mitte durchgebogene Mittelplatte besitzt drei Dornen, welche von ungleicher 
Länge sind. In allen Querreihen überragt nämlich der Mitteldorn die beiden seitlichen, von 
denen wieder der rechte um ein Geringes länger ist als der linke; die Spitzen dieser Dornen 
sind etwas nach aussen gerichtet. Der Kamm der Zwischenplatte ist sehr deutlich und schliesst 
nach der Spitze der langgestreckten Platte zu mit einem starken Dorne ab. Die beiden lateralen 
Platten endlich sind beide fast ebenso gross wie die Zwischenplatte; sie sind am Anfang gerade, 
dann aber stark gebogen. Im Unterschiede mit C. cristata ist die ganze Radula farblos. 

Mit Rücksicht auf die Angaben Warromont's (Taf. III, Fig. 74) ist die Möglichkeit 
dass wir hier nur eine Jugendform irgendeiner Carzzaria vor uns haben, nicht ausgeschlossen. 
Vorläufig aber muss die hier besprochene Form als neu betrachtet werden. 


Die Länge des Tieres ist rı mm. (Rüssel 4'/; 


> 


mm.), die Höhe der Schale 3'/, mm. 
Da nur ein einziges Exemplar gefunden wurde, scheint die Art im ost-indischen Gebiete 


selten zu sein. 
Cardiapoda d’Orbigny 1836. 


Solche Formen wie die letztbeschriebene C. macrorhynchus leiten allmählich zu dem 
Typus Cardiapoda hinüber. Die Gallertschicht hat hier bedeutend abgenommen, das ganze Tier 
sieht also schlanker aus; der Stiel des Nucleus hat sich verlängert, und die Ausbildung der bei 
Carinaria noch beträchtlichen Schale ist hier so weit zurückgeblieben, dass das kleine, spiralige 
Gehäuse nur einen sehr kleinen Teil des Eingeweidesackes bedeckt. Die Körpermusculatur ist 
nicht in Bänder aufgelöst, sondern stellt überall eine lückenlose Schicht dar. 

Wenn auch bezüglich der constanten Unterschiede, welche die hier besprochene Gattung 
Carinaria gegenüber besitzt, kein Zweifel bestehen, und somit eine Wiederholung der Diagnose 
unterbleiben kann, so sind wir doch, in Hinsicht auf die Anatomie von Cardiapoda, auf die 
älteren Angaben SourLEvEr’s und D’Orgısny’s beschränkt. Da von der Siboga-Expedition mehrere 
Exemplare von Cardiapoda erbeutet wurden und mir in trefflicher Erhaltung vorlagen, war aller- 
dings die Verführung gross, eine mehr ausführliche Beschreibung zu geben. Eine eingehende 
anatomische Darstellung von Cardiapoda und der Heteropoden überhaupt, mir an anderer Stelle 
vorbehaltend, ist es hier wohl am Platze, einige Angaben zu machen, welche ein ungefähres 
Bild der Gattung zu geben vermögen. 

Die Musculatur des Körpers tritt, wie gesagt, nicht in isolirten Streifen auf. Auf dem 
starken, cylindrischen, annähernd überall die gleiche Dicke beibehaltenden Rüssel verlaufen die 
Muskeln der Hauptsache nach in der Längsrichtung, um sich erst in der Höhe der Augen, 
und dann weiter auf dem Rumpfe, in der bekannten Weise, wie bei Carınarza, zu kreuzen. 
Eine Einschnürung vor den Augen habe ich nirgends beobachtet. Die Rückenlinie des Rüssels 
bleibt muskelfrei, verengt sich nur sehr wenig zwischen den Augen und ist noch eine gewisse 
Strecke distal sichtbar. Am Ende des Rumpfes, also der Flosse und dem Nucleusstiele gegen- 
über, und an der Stelle wo (selbstverständlich nur beim Männchen) der Penis liegt, teilen sich 
die sich kreuzenden Körpermuskeln. Ein Teil behält den gleichen Lauf bei und setzt sich auf 


den Nucleusstiel, der somit nur als eine Verlängerung des Rumpfes erscheint, fort; der andere 
I fo) fe} P $) ) 


2:3 


Teil aber wird ganz longitudinal und bildet die Schwanzmuskeln, welche sich nach hinten in 
die üblichen, hier wenig deutlichen Streifen auflösen. 

Die Musculatur der Flosse weicht in so weit von der bei Carinaria ab, dass einzelne 
Bänder nicht vorkommen '), sondern das Ganze einheitlich erscheint: nur am Unterrande zeigen 
sich einzelne Strecken muskelfrei. Die ganze Flosse besitzt übrigens die grösste Ähnlichkeit mit 
der von /’erofrachea, nicht nur in der Musculatur, sondern auch in der allgemeinen Gestalt. 
Kennzeichnend für Cardıapoda, wenigstens nach meinen jetzigen Erfahrungen, ist ihre sehr 
breite Basis. Ein kleiner, bisweilen kaum wahrnehmbarer Saugnapf findet sich am abgerundeten 
Unterrande, ein wenig nach hinten gerückt. 

Der Schwanz ist zwar ziemlich langgestreckt, tritt aber, dem Rumpfteil gegenüber, an 
Mächtigkeit sehr zurück. An der Spitze findet sich bei einigen Arten eine membranöse, oft 
schwarz pigmentirte Erweiterung mit eingekerbten Rändern. Im Bau des Schwanzes ergeben 
sich übrigens, ebenso wie bei Carznarra, wichtige systematische Merkmale, welche ausführlich bei 
den einzelnen Arten besprochen werden sollen. An das Ende eines mehr oder weniger langen 
Stieles setzt sich der Eingeweidenucleus an, der eine eiförmige, mit dem zugespitzten Pole nach 
unten gekehrte Gestalt zeigt und seitlich zusammengedrückt ist. Von der Mündung der Schale 
ausgehend, schlägt sich der Mantel über den Eingeweidesack hin, geht an den Seiten continuirlich 
in die allgemeine Körperbedeckung über und lässt nur vorn eine ziemlich weite Öffnung frei, 
welche .in die geräumige Mantelhöhle hineinführt. Im rechten Rande dieser Öffnung mündet der 
Anus, links liegt ein merkwürdiges, langgestrecktes, schwach S-förmig gekrümmtes Organ, in 
vertikaler Lage, das wohl als Hypobranchialdrüse aufzufassen wäre, da es bei näherer Betrach- 
tung sich als ein Complex grosser, einzelliger Drüsenzellen, mit ölartigem Inhalte, darstellt. In 
der Mantelhöhle liegt, links vom Nucleus, das Herz, dessen Atrium nach oben gerichtet ist. Die 
Kiemen sind Ausstülpungen des Mantels nach aussen; sie fangen an der Schalenmündung an, 
und sind hier sehr klein, um allmählich nach oben an Grösse zuzunehmen; an der Mantelöffnung 
werden sie wieder kleiner und steigen hier am linken Rande hinab. Es handelt sich um dreieckige 
Läppchen, welche alle median gelegen sind und wie die Meridionalreihen eines Ctenophors 
aufeinander folgen. Ohne auf den feineren Bau der Respirationsorgane hier näher einzugehen, 
bemerke ich nur, dass in jedem der Läppchen, an den Seiten ein zuführendes und ein abführendes 
Kiemengefäss bemerkbar ist. Das erste steht in directer Verbindung mit einem grossen Venen- 
sinus, der der Basis der Kiemen entlang zieht und das aus dem Körper zufliessende Blut 
aufnimmt. In der Kieme wird das Blut durch quere Anastomosen in die Kiemenvene hinüber- 
geführt, dann in einem grossen, langgestreckten Raum gesammelt, der dem Venensinus parallel 
liegt und allmählich in den Vorhof des Herzens übergeht. 

Die Niere fällt besonders durch den ausserordentlich stark verästelten Bau auf, den der 
Boden des Organes besitzt, und erinnert somit stark an das entsprechende Organ der Chitonen. 
Die Wände bilden überall kleine, sich oft noch teilende Aussackungen, deren dunkle Farbe 
an einzelnen Stellen wahrscheinlich durch Concretionen hervorgerufen wird. Das ganze Organ 


ist langgestreckt und liegt mit dem Ende hinter dem Herzen, also links vom Eingeweidenucleus, 


1) C. richardi besitzt aber in der Flosse, nach VAvsSIERE, eine deutliche Bänderung. 


76 


ganz nach hinten. Im weiteren Verlauf steigt die Niere in der Mantelhöhle empor, legt sich 
am dorsalen Rande des Nucleus über denselben hinüber, und kommt vorn an der rechten Seite 
zu liegen, wo sie mittels einer trichterförmigen Öffnung, am Mantelrande, dorsal vom Anus, 
nach aussen mündet; diese Stelle ist durch einen schwachen Sphincter angedeutet. Gleich dabei, 
aber etwas mehr zurück, liegt an der linken Nierenwandung, welche sich direct dem Pericard 
anschmiegt, die kleine, mit einem Ringmuskel versehene Renopericardialöffnung, mittels welcher 
also eine Verbindung von Excretionsorgan und Pericard hergestellt ist. Im Anschluss an die 
Niere möchte ich noch bemerken, dass das schon von DELLE CHIAJE und GEGENBAUR beschriebene 
Organ an der Flossenbasis, das später von FAHRINGER als „Speicherniere' eingehend besprochen 
wurde, fast in derselben Ausbildung wie bei Carznaria, auch hier zu finden ist. Man sieht 
zwischen den aus der Flosse in den Körper ausstrahlenden Muskellamellen, gleich an der 
Flossenwurzel, zwei längliche, der Längsachse des Körpers folgende Streifen, welche von der 
Aorta caudalis in ganzer Länge durchsetzt werden. Wenn ich auch die innere Structur dieser 
Speicherniere nicht untersuchte, so scheint sie mir doch die Entwickelung, welche das Organ bei 
Carinarıa besitzt, nicht zu erreichen; vielmehr ist hier nur ein dünner, wenn auch deutlicher 
Beleg von Drüsenzellen auf der Wandung des Blutgefässes nachweisbar. 

Die Haut (Taf. X, Fig. 52) bei Cardiapoda zeigt das nämliche wie bei der vorigen Gattung, 
nur hat die gallertige Bindesubstanzmasse beträchtlich an Bedeutung abgenommen. Es kommen 
übrigens auch hier die rundlichen Flecke, bald mehr bald weniger an Zahl, vor, besonders auf dem 
Rumpfe, aber auch, und dies ist bemerkenswerth, an der Flosse. Höcker treten bisweilen auf, für 
gewöhnlich scheinen die Arten eine ganz flache Oberflächenbeschaffenheit der Haut zu besitzen. 

Die Augen (Taf. XI, Fig. 53) haben den Carinaria-Typus, sind also an der Basis breit. 
Die Tentakeln, welche ihre Muskeln in ähnlicher Weise wie bei Carinaria beziehen, sah- ich 
immer nur stark zusammengeschrumpft und deshalb in viele Faltungen gelegt; ihre Wurzel 
ist breit und membranös. 

Der Penis ist, ebenso wie bei Carinarıa'), aus zwei Teilen zusammengesetzt; die am 
meisten nach vorn gelegene Partie (Taf. XI, Fig. 54, @) ist der Haftapparat, in dem man den 
grossen Drüsenschlauch ganz deutlich durch die dünne Wandung hindurchschimmern sieht; hinten, 
und etwas nach oben, liegt der eigentliche Penis (2), der an der Hinterfläche (in der Zeichnung 
nicht sichtbar) die bis zur Spitze sich erstreckende Samenrinne zeigt, welche sich als sehr flache 
Furche (s/), der latero-ventralen rechten Seite des Nucleusstieles entlang ziehend, bis zum 
Nucleus selbst verfolgen lässt. 

Am unteren Pole des Nucleus, der nicht vom Mantel bedeckt wird, findet sich die kleine 
gewundene Schale, welche leider in meinen Exemplaren entweder ganz verschwunden oder doch 
nur in Fragmenten vorhanden war. Ihre merkwürdigen dreieckigen Ausbreitungen am Mund- 
rande, wie sie SoULEvET beschreibt, habe ich also nicht auffinden können. Auch VavssıkrE hat 
die Schale nicht zu Gesicht bekommen können. 

Die Buccalmasse besitzt die beiden länglichen, cylindrischen Speicheldrüsen, welche wie 


bei Carinaria beschaffen sind. An der Oberseite fängt der Darmkanal an, der sich in der 


ı) Nur ist sie bei Cardiapoda verhältnissmassig viel kleiner. 


77 

Höhe der Augen oder gleich nach hinten, zu einem spindelförmigen Gebilde erweitert (ebenso 
wie bei Carınaria und bei den Pterotracheidae), das als Magen aufzufassen wäre, wenn 
die Abwesenheit der nach dem Nucleus zuruckgedrängten Leber sich dieser Meinung nicht 
widersetzte. Der Darm verläuft dann weiter nach hinten, tritt, am Nucleus angelangt, linkerseits 
hinein, und zwar in der Höhe der Herzkammer, um schliesslich nach einer abermaligen, von 
der Leber umfassten Erweiterung im Nucleus, am rechten Rande der Mantelöffnung nach aussen 
zu münden; der Enddarm liegt frei. 

In der Mundhöhle findet man die dorsale Rinne. Die Radula nimmt von vorn nach 
hinten ziemlich an Grösse zu. Es sind im Ganzen 37 Querreihen vorhanden (nach V avyssıkre 40), 
welche denen von Carznaria sehr ähnlich sind. | 

Die drei Arten, welche von der Siboga-Expedition erbeutet wurden, sind sämtlich neu; ich 


habe wenigstens keine derselben mit den früher beschriebenen genügend gleichstellen können. 


Cardiapoda trachydermon n. sp. (Taf. X, Fig. 52. Taf. XI, Fig. 53—56). 
Stat a1 oSkernates 2a Bu (a0): 


Es wurden zugleich zwei Exemplare gefangen, beide Männchen, welche nahezu dieselbe 
Grösse haben, (etwa 35 mm.). 

Der Körper ist langgestreckt, cylindrisch, der kurze Rüssel geht ohne deutlichen Über- 
gang in den Rumpf über, und dieser setzt sich wieder in den Nucleusstiel fort, während der 
dünne Schwanz unten angesetzt erscheint. 

Das wichtigste Merkmal dieser Art ist in den Tuberkeln gegeben, welche ebenso wie 
bei Carinaria zerstreut sind, besonders zahlreich aber nur dorsal zwischen Augen und Nucleus 
auftreten, und ventral unmittelbar vor der Flosse. Übrigens kommen auch hier die rundlichen 
Flecken vor (Fig. 52, 7f), welche aus Anhäufungen kleiner Zellen bestehen. Da wo die Gallert- 
substanz eine kleine Hervortreibung der Haut bedingt und einen Höcker bildet, finden sich 
rundliche Zellen, in verschiedener Weise zusammengedrängt, überdies kommen diese Agglomerate 
auch sonst häufig in den Körperbedeckungen vor (Fig. 52, a) als einzelne, zersprengte Zell- 
gruppen, meist nur aus 2—5 Zellen bestehend. Sie dienen als Knorpelgewebe. 

Was oben von den Augen, den Tentakeln und dem Penis von Cardiapoda gesagt wurde 
(Fig. 53—54) trifft ganz bei der hier behandelten Art zu. 

Die Flosse ist sehr gross, mit breiter Wurzel, mit Ausnahme des unteren Abschnittes 
ganz undurchsichtig (wenigstens im conservirten Zustande), und ist der von Perofrachea sehr 
ähnlich. Der kleine Saugnapf ist ein wenig nach hinten verschoben. 

Am Ende des Nucleusstieles liegt der Eingeweidesack (an dessen unterem Pole die kleine 
Schale nur noch an den Windungen der Leber zu erkennen ist), der an der Oberseite den End- 
darm hervortreten lässt, welcher am rechten Mantelrande nach aussen mündet. Die Respirations- 
organe sind stark entwickelt, und folgen einander in einer einzigen, medianen Reihe auf, welche 
aber an der Mantelöffnung ein wenig nach links ausweicht. Der Stiel des Nucleus, mitsammt 
diesem selbst, ist ein wenig kürzer als der Schwanz. Dieser ist klein und trägt am Anfang 


dorsal einen kleinen Kamm, der nach hinten zu allmählich verstreicht. Das Ende des Schwanzes 


78 


verbreitert sich in ein membranöses Gebilde von symmetrischer Gestalt, mit gezackten Rändern. 
Einiges Pigment ist hier abgelagert, weshalb sich die Ausbreitung durch dunklere Farbe 
unterscheidet. In einer tiefen Einbuchtung am Hinterende heftet sich ein kurzer Zapfen an, der 
vielleicht den vorderen Teil eines abgerissenen Schwanzfadens darstellt. 

Bezüglich der Radula (Fig. 56) kann erwähnt werden, dass die Mittelplatte nicht wie es 
bei Carinaria oft der Fall zu sein pflegt, nach unten eingebogen, sondern ganz gerade ist; der 
Vorderrand zeigt eine leichte Erhebung. Von den drei Dornen dieser Platte sind die beiden 
seitlichen ein wenig kürzer als der Mitteldorn und leicht nach aussen gebogen. Der Kamm an 
der convexen, medianen Seite der Zwischenplatte ist nur wenig entwickelt und trägt da wo er 
in die Hauptspitze, die ganz gerade ist, übergeht, nie einen Dorn, wie bei Carinaria. Die beiden 
Seitenplatten sind fast in derselben Weise wie bei der vorigen Gattung gestaltet. 


Die Art scheint nur selten im Archipel vorzukommen. 


Cardiapoda sublaevis n. sp. (Taf. XI, Fig. 57—59). 


Stats 54.102210 15, Tor Ole 
Stat. 165. Insel Daram. 2 Ex. (Z 
Stat. 2235 52494.718010.08277210 Bar 


)k 
UO): 


) 


Diese Art ist durch 4 Exemplare vertreten, deren Länge ı2—25 mm. beträgt. 

Es besteht die grösste Übereinstimmung mit der vorhergehenden Spezies; als entschei- 
dendes Merkmal möchte ich aber bemerken, dass Tuberkeln der Haut oder sonstige Erhebungen 
hier gar nicht vorkommen. Die Oberfläche des Tieres erscheint vielmehr volkommen glatt, nur 
die rundlichen oder länglichen Flecken kommen in derselben Weise vor wie bei C. fZrachydermon. 
Der Rüssel zeigt eine wechselnde Gestalt, bald lang ausgezogen (Fig. 58), wie bei dem Weibchen 
von Stat. 165, bald stark zusammengezogen (Fig. 57). Der Rumpf ist cylindrisch, auf der Höhe 
der Flosse aber ist der Umfang etwas grösser als nach vorn zu. Die stielartige Verlängerung, 
in welche der Rumpf sich fortsetzt, trägt am Ende den Nucleus, wo am unteren Pole die 
Windungen der Schale nur noch an der Leber zu erkennen sind. Kiemen sind hier in derselben 
Ausbildung und in gleicher Reihenfolge, wie bei der vorigen Art vorhanden. Der Schwanz hat 
ebenfalls eine kleine, dorsale Crista am Anfang, während er in eine membranöse Ausbreitung 
(Fig. 57@) endet, welche bei den Exemplaren von Stat. 54 und 223 tiefschwarz gefärbt ist, 
sonst aber kaum Pigment besitzt. Die sehr grosse, lappige Flosse mit ihrer breiten Basis und 
dem nach hinten verschobenen Saugnapfe zeigt nichts Besonderes. Bisweilen treten auf der 
Flosse auch die Hautflecken auf, welche sich sonst nur auf den Körper selbst beschränken. 

Die Mittelplatte der Radula zeigt drei genau gleich lange Dornen, deren Spitzen ziemlich 
weit aus einander stehen. Die Form dieser Mittelplatte, sowie der übrigen Teile (Fig. 59) ist 
fast ganz wie bei der vorhergehenden Art. 

Wenn auch die Unterschiede der beiden Arten nur unbeträchtlich erscheinen, so glaube 
ich doch zu der Aufstellung zweier gesonderter Formen berechtigt zu sein; denn nicht nur die 
glatte Beschaffenheit der Haut, sondern auch die Gleichheit der Dornen der Mittelplatte weisen, 
wie mir scheint, auf verschiedenartige Artmerkmale hin. 


Auch €. szblaevis ist selten und wurde nur in 4 Exemplaren gefangen. 


Cardiapoda acuta n. sp. (Taf. XI, Fig. 60—63). 


Sr u Ee, (OL 1855 (DE 
NSET202,1.22 01 C 

Die beiden zu dieser Art gehörigen Tiere waren Weibchen; das erste hatte eine Länge 
von 31 mm., das zweite von 17 mm. 

Die Art zeichnet sich besonders dadurch aus, dass der Schwanz hier jeglichen Anhang 
entbehrt und einfach in eine Spitze endet. Auch fehlt jede Andeutung eines Fadens. 

Der kurze Rüssel geht in der Höhe der Augen in den Rumpf über, der über der Flosse 
am höchsten ist, sich dann einerseits in den Stiel fortsetzt, der den Nucleus trägt, andererseits 
den stark comprimirten Schwanz aus sich hervortreten lässt. Hier kommen noch einige gering- 
fügige Unterschiede vor. Während bei dem Tiere von Stat. 35 (Fig. 60) der Schwanz auf eine 
gewisse Strecke hin die gleiche Höhe beibehält, sich dann aber zu einer Scheibe umgestaltet, 
um schliesslich in ein plattes Band zu enden, ist bei dem Exemplare von Stat. 103 (Fig. 61) 
das entsprechende Organ mehr gleichmässig gebaut, und die Höhe nimmt hier von vorn nach 
hinten allmählich ab, dorsal ist hier ein Kamm sichtbar mit grobgezacktem Rande. 

Die Form der Flosse kommt, wie aus den Abbildungen ersichtlich, mit der der anderen 
Arten überein; auch die Stelle des Saugnapfes ist die nämliche. Die Kiemen sind zahlreich, und 
in derselben Weise angeordnet, wie oben beschrieben. Dass das Längenverhältniss des Nucleus- 
stieles und des Schwanzes bei den beiden Tieren nicht gleich ist, darf wohl auf die verschiedene 
Zusammenziehung der entsprechenden Teile zurückgeführt werden. 

Nur beim kleinsten Tiere war der untere Pol des Nucleus vorhanden und zeigte hier 
zwei Umgänge; die nur in einzelnen Fragmenten sich hier anheftende Schale liess die Zahl 
ihrer Windungen nicht ermitteln. 

Die Haut ist nicht glatt, sondern, besonders am dorsalen Rumpfteile mit zahlreichen, 
kleinen Höckern besetzt. Dass sie sich wenig bemerkbar machen, stammt daher, dass ihre Spitze 
nicht eine dunklere Farbe aufweist; das ganze Organ enthält (Fig. 62) kleine Zellgruppen 
(aus 2—8 Zellen zusammengesetzt), welche auch sonst überall auf dem Körper zerstreut sind. 
Bei C. frachydermon, wo derartige Gruppen ebenfalls vorkommen, finden sich in den Höckern 
Anhäufungen von 60 oder mehr solcher Zellen, weshalb eine derartige Stelle sich schärfer von 
der Umgebung abhebt. Einige Muskelbündel strahlen bei C. acata in die Höcker aus. 

Die Radula hat 37 Querreihen. In der Mittelplatte (Fig. 63) sind die drei Dornen fast 
gleich gross, die beiden seitlichen sind ein wenig nach aussen gerichtet'). Der Kamm der 
Zwischenplatte ist nach oben zu nicht scharf abgeschieden, sondern geht ohne Grenze in die 
obere Kante der Platte über; die Hauptspitze ist in allen Reihen nach innen gekrümmt. Die 
beiden Seitenplatten besitzen keine Merkmale, welche systematisch verwendet werden können. 


Diese Art wurde nur an zwei, allerdings weit auseinander liegenden Fundorten gefangen. 


ı) In der Radula von Cardiapoda scheinen die Dornen der Mittelplatte oft verschiedene Verhältnisse aufzuweisen; wenigstens 
sind nach MACDONALD und VAYSSIERE die beiden seitlichen beträchtlich kürzer als der Mittelfortsatz. 


80 


Notizen über Verbreitung und Lebensweise der CARINARIIDAE. 


Die Familie der Carinariidae ist aus den Atlantiden abzuleiten, wenn man sich den 
Körper der Allanta stark vergrössert vorstellt, sodass das Tier nicht mehr ganz in die Schale 
zurückgezogen werden kann, sondern nur der Eingeweidesack durch die dünne Schale bedeckt 
wird, deren letzter Teil sich nicht spiralig aufrollt, sondern mehr oder weniger gerade gestreckt 
ist, und dem gewundenen Teil gegenüber, fast allein das ganze Gehäuse bildet. So ist es 
wenigstens bei Carinaria und auch bei Plerosoma;, Cardiapoda dagegen, hat noch einen Fort- 
schritt gemacht, insofern als die Schale, welche ganz gewunden, ohne geraden Endteil, nach 
dem unteren Pole des Eingeweidesackes hinabgedrängt ist und nur einen kleinen Teil der Leber 
bedeckt. Die letztgenannte Gattung leitet dann zu den Pterotracheiden hinüber. 

Bezüglich der Häufigkeit stehen die Carinariidae weit hinter den beiden anderen Familien 
zurück. Wenn auch, wie die übrigen Heteropoden in allen wärmeren Meeren verbreitet, gehören 
sie immer zu den Seltenheiten. Diese schon oft constatirte Tatsache wird auch durch die Befunde 
der Siboga-Expedition bestätigt; es wurden nur vereinzelte Exemplare gefangen, auch einige 
leere Schalen gefischt, von Schwärmen aber oder nur von kleineren Gruppen findet sich nie 
eine Spur. Pierosoma wurde gar nicht beobachtet. 

Im Mittelmeer kommt nur die Gattung Cerinaria vor, welche überhaupt noch am 
weitesten verbreitet ist. Pierosoma und Cardiapoda scheinen auf die subtropischen und äquato- 
rialen Meere beschränkt zu sein. 

Die Carinariidae erheischen unser besonderes Interesse, nicht nur durch ihre oft erheb- 
liche Grösse (es wurde schon eine Carinarıa von 53 cm. gefunden), sondern auch durch ihre 
Vielgestaltigkeit, welche sich sowohl in der Schale wie im Körper ausdrückt, und eine schärfere 
Umgrenzung der Arten ermöglicht als es sonst bei den ziemlich einförmigen, um bestimmte 
Typen herum gruppirten Heteropoden der Fall zu sein pflegt. 

Die beträchtliche Zunahme der gallertigen Bindesubstanz, welche bisweilen als eine dicke 
Schicht, namentlich den Rumpf einhüllt, hat schnelle Bewegungen und Biegungen des Körpers 
fast unmöglich gemacht. Die schwimmende Carinaria bewegt sich langsam, fast bedächtig, 
durch das Wasser, wobei die grosse Flosse regelmässig hin- und herschwingt. Diese ist 
immer nach oben gewendet beim lebenden Tiere; nur Costa behauptet, dass Carinaria beim 
Schwimmen die Schale nach oben kehrt. Nach einer Angabe Rang's heftet sich Carinarra 
gelegentlich an andere Gegenstände (Zzcxs) mittels des Saugnapfes fest. 

Die langsame Bewegung, und infolge dessen die Hilflosigkeit beim Angriffe irgend eines 
Feindes mag wohl die Ursache sein, dass Carznaria oft verstümmelt gefunden wird, und ganze 
Körperteile, wie der Schwanz, oder der Nucleus, der durch dunklere Farbe natürlich besonders 
die Aufmerksamkeit anderer Tiere erregt, fehlen können. Dass das so eingreifend verwundete 
Tier trotzdem eine grosse Lebenszähigkeit besitzt, dafür bieten die Funde der Siboga-Expedition 


o- 


einige Belege. 


sı 


Familie III. Pr&roTRACcHEIDAE. 


Die Pterotracheidae bilden die letzte und höchstentwickelte Familie innerhalb welcher 
die Anpassung an das pelagische Leben den Höhepunkt erreicht. Eine Schale fehlt dem 
ausgewachsenen Tiere ganz, und der ganze Körper ist so vollkommen durchsichtig, dass nur 
die Augen und der spindelförmige Eingeweidenucleus sichtbar sind, wenigstens wenn man von 
vereinzelten Pigmentflecken und Anflügen absieht. 


Es lassen sich die beiden Gattungen Pierotrachea und Ztroloida unterscheiden. 


Pterotrachea Forskäl 1775. 


Bezüglich der allgemeinen Characteristik verweise ich nach dem ersten Abschnitt; es seien 
hier nur einige kurze Bemerkungen gemacht, welche z.T. systematisch wichtig sein dürften. 

Die glashelle Körperbedeckung von Perotrachea setzt sich aus den nämlichen Binde- 
gewebszellen wie bei Carznarıa zusammen, nur hat sie die knorpelartige Beschaffenheit verloren, 
und liegt wie eine ausserordentlich weiche Substanz der Musculatur auf, nur am Rüssel ist sie 
derber und fester, zugleich aber auch viel dünner. An einigen Stellen erheben sich grössere 
oder kleinere Höcker (Taf. XI, Fig. 64), welche einen Haufen kugeliger Zellen, mit körnigem 
Inhalt, enthalten; diese Zellen verleihen dem Höcker die nötige Consistenz, kommen aber auch 
sonst in der Körperbedeckung zerstreut vor. Die Oberfläche bekleidet ein Plattenepithel, das sich 
fetzenweise ablösen kann, und das an einzelnen Stellen Pigment enthält. Die eben erwähnten 
Höcker kommen vereinzelt besonders auf dem vorderen Rumpfteile vor, häufig aber finden sich 
einzelne grössere Höcker vor den Augen. Dass sie den bei /erotrachea fehlenden ') Tentakeln 
morphologisch nicht gleichzustellen sind, wie man wohl vermutet hat, geht daraus hervor, dass sie 
erstens viel weiter nach vorn gelegen sind, dann aber auch einen ganz anderen Bau aufweisen, 
und ausserdem unregelmässig auftreten, weil sie nicht nur auf beiden Seiten in verschiedener Zahl 
auftreten, sondern sogar rechts oder links vollkommen fehlen können, während sie auf der 
anderen Seite erhalten geblieben sind. Weiter machen sich, besonders an der Bauchseite weiss- 
liche, ziemlich grosse Flecken bemerkbar, deren Bau schon von GEGENBAUR beschrieben wurde. 
Besonders fehlen sie nie in der Umgegend der Flossenbasis, weiter finden sie sich auch noch 
oft weiter nach vorn, bis an der Unterseite des Rüssels hinauf. Eine systematische Bedeutung 
ist ihnen, ihrer regellosen Zerstreuung zufolge, wohl schwerlich zuzumessen. 

Der am Ende des Rumpfes gelegene Nucleus ist in die bindegewebige Körperbedeckung 
eingekeilt, und zwar derartig, dass unterhalb des Nucleus ein Raum bestehen bleibt, der hinter 
ihm, sich nach oben richtend, mit der Aussenwelt in Verbindung steht. Die Ränder dieser 
Ausmündung werden von dem dorsal crista-artig hervorragenden Schwanz gebildet (Taf. XI, 
Fig. 65); der rechte Rand ist höher als der linke, der zugleich einige Höcker tragen kann. 

Ein Mantel kommt gar nicht vor; Niere’) und Herz sind in der gallertigen Bindesubstanz 


vor dem Nucleus eingebettet. Die Niere, deren Bau schon in Hauptzügen von GEGENBAUR 


ı) Doch wurde noch in der neuen Auflage von Lang’s Lehrbuch d. vergl. Anatomie der Wirbellosen Tiere (Mollusca von 
Dr. K. HESCHELER, S. 169) eine Pferotrackea mit Tentakeln abgebildet. 
2) Eine „Speicherniere” geht den Pterotracheiden ab. 


SIBOGA-EXPEDITIE LI, II 


82 


geschildert wurde, liegt oben und nach rechts gewendet; an ihrer rechten Seite liegt die mit 
einem Sphincter umgebene Öffnung, welche nach aussen mündet; die innere Öffnung nach dem 
Pericardialraum liegt weiter nach unten. Die Vorkammer des Herzens liegt oberhalb des Ven- 
trikels, mehr nach links gerichtet als die Niere, und weiter vom Nucleus entfernt. Die Kiemen, 
welche wie bei Cardiapoda beschaffen sind, sind Ausstülpungen der Leibeswand; gleich vor 
dem Nucleus, dorsal und median, steht ein kleines Bündel; an dem links vom Nucleus hinab- 
steigenden Kamm sind die Kiemen grösser und länger, unten aber werden sie wieder kleiner. 
Übrigens wechselt ihre Länge selbstverständlich nach dem Contractionszustande; bei den Indi- 
viduen derselben Art kann auch die Zahl der Respirationsorgane anders sein. Ein langgestrecktes 
Osphradium liegt vor dem Nucleus, median, oder ein wenig nach links. 

Die Musculatur von /ferotrachea wurde von LEUCKART, GEGENBAUR und besonders KaLıDE 
genügend beschrieben. Nur will ich bemerken, dass die drei Paare kurzer Muskelfortsätze, mit 
denen die Flosse in den Rumpf hineinragt, nicht nur in topographischer Beziehung, sondern 
auch in ihrem Bau von LEucKART ganz richtig beschrieben wurden, und KaLıpE in dieser 
Hinsicht sich irrt. Das erste Paar liegt nämlich ein wenig vor der Mitte der Flossenbasis, das 
zweite gleich dahinter, und das letzte am Ende. Das erste Paar divergirt nach oben, und heftet 
sich an die Körpermuskeln an, das zweite aber bildet nur eine nach oben geschlossene Schlinge, 
deren Seitenteile nahezu parallel gehen, während das dritte Paar bei Seitenbetrachtung zwar, 
wie LEUucKART hervorhebt, eine kleine, viereckige Lamelle darstellt, bei genauer Untersuchung 
aber aus zwei Blättern zusammengesetzt erscheint, welche nicht in ihrer ganzen Ausdehnung 
sich an einander legen (Leuckarr), sondern stark convergiren, und sich nur an ihren oberen 
Enden vereinigen. Die Höhe dieser Stümpfe nimmt von vorn nach hinten ab. Einzelne, lang- 
gestreckte Bindegewebsfibrillen setzen die Muskelfortsätze mit den Rumpfmuskeln in Verbindung. 

Von der Körpermusculatur sei hier nur erwähnt, dass überall die vier Paare von Längs- 
muskelbändern im Schwanze in grosser Einförmigkeit auftreten. Oben, dem dorsalen scharfen 
Rande des Schwanzes folgend, läuft ein sehr dünnes Paar (Taf. XI, Fig. 65, a), das vorn nicht 
mit der Rumpfmusculatur zusammenhängt, sondern frei endet. Die zwei Streifen, rechts und links, 
können in ihrem Verlaufe mit einander verschmelzen, nach hinten weichen sie aber wieder aus 
einander und vereinigen sich mit dem zweiten, stärkeren Paare (6), das (ebenso wie das dritte 
und vierte Paar) ganz dünn und schmal aus der unterhalb des Nucleus endenden Rumpf- 
musculatur seinen Ursprung nimmt, dann allmählich an Dicke zunimmt, sich mit dem ersten 
Paare vereinigt, und, nach der Vereinigung zu einem einzigen Strange zusammenfliessen, oder 
auch getrennt bleiben kann, um schliesslich in das dritte Paar (c) auszumünden, und zwar am 
Anfang der Horizontalflosse. Das dritte Paar ist überall das stärkste, bleibt in seinem ganzen 
Verlaufe getrennt, und vereinigt sich erst am Ende der Horizontalflosse, also dort wo sich der 
Schwanzfaden anheftet, mit dem vierten Paare (d), das meist überall gleichmässig dick bleibt 
und dem ventralen Rand des Schwanzes folgt. 

In der Horizontalflosse kommt eine Quermusculatur vor (Taf. XI, Fig. 65@); es stehen 
hier nämlich einzelne Müskelchen, welche das dritte und vierte Längsmuskelpaar durchsetzen, 
senkrecht auf ihre Richtung. Die dorsale Musculatur stammt vom dritten, die ventrale vom vierten 


der oben beschriebenen Längsbänderpaare ab; sie sind in ziemlich regelmässigen Abständen 


5 


3 

angeordnet. Wie aus der Figur ersichtlich, teilt sich noch an der Basis der Horizontalflosse 
das vierte Längsmuskelband, rechts und links; der innere Zweig behält den gleichen Verlauf, 
der äussere zieht in einen flachen, etwas nach oben gekehrten Bogen nach der Anheftungsstelle 
des Schwanzfadens hin, wo sich alle noch bis dahin getrennt verlaufenden Längsmuskeln ver- 
einigen, und als zwei seitliche Bänder in den Faden eintreten. 

In der hier gegebenen Beschreibung des Schwanzes habe ich mich nur auf eigene Beobach- 
tungen gestützt, welche allerdings nur in untergeordneten Punkten von den Angaben LEucKART's, 
GEGENBAUR'S und Karıpe's abweichen. Einige geringfügige Variationen können darin bestehen, dass 
bisweilen zwischen den Längsmuskelbändern verschiedenen Wertes Anastomosen auftreten können; 
solche Gebilde treten aber nur individuell auf und sind von keiner systematischen Bedeutung. 

Dass der Schwanz, und überhaupt der ganze Körper, bei Pierotrachea sehr einförmige 
Gestalt zeigt, ist schon öfter hervorgehoben worden. Nach Angaben anderer Autoren, wie SouULEYET 
(bei Pierotrachea keraudren?) und VAYSSIERE (bei Zrrola talismani) endet aber, wenigstens bei 
einzelnen Arten der Schwanz nicht in eine Horizontalflosse, sondern in eine einfache Spitze. 

Wenn auch die Auffindung der Artmerkmale bei den immer denselben Habitus wieder- 
holenden Pterotracheen, sich zu einer schwierigen Aufgabe gestaltet, so ist es immerhin möglich, 
zwei deutliche Gruppen innerhalb der Gattung anzuweisen, deren Unterschiede in einer Reihe 
constanter Merkmale angegeben werden kann. 

Der erste Typus (Taf. XI, Fig. 66) ist der von Perotrachea coronata Forskäl. Hier zeigt 
nämlich das Auge eine ganz characteristische Gestalt, wie besonders aus den Figuren GRENACHER’s 
und Hesse's hervorgeht. Von oben oder von unten betrachtet, zeigt sich, dass linke und rechte 
Seite des Auges nahezu parallel verlaufen, der hintere Teil, wo sich die Schicht der Stäbchen- 
zellen findet, ist nur wenig breiter als das Übrige; zudem kommen in der Pigmentbekleidung 
des Auges, namentlich dorsal, zahlreiche Lücken vor. 

Ein anderes, leicht kenntliches Merkmal bei diesem Typus ist darin gelegen, dass der 
Nucleus hier sehr lang und dünn ist, ja, bisweilen nur einen ganz schlanken, sich nach oben 
schwach zuspitzenden Stab darstellt. 

Der zweite Typus besitzt Augen, welche sich in ihrem Bau an die von Cardiapoda 
anschliessen. Die Stäbchenzellenschicht im Hintergrund des Auges ist viel grösser als der vordere 
Teil (Taf. XI, Fig. 67), und die Lücken in der Pigmentdecke sind weniger zahlreich. Der Nucleus 
ist kurz, breit, birnförmig. 

Um diese beiden, genügend verschiedenen Typen herum, gruppirt sich eine Anzahl Arten, 
welche nur sehr wenig unter einander abweichen; man möchte daher fast geneigt sein, überhaupt 
nur zwei Arten zu unterscheiden, statt der beiden Typen. Im Interesse einer gewissenhaften 
Systematik werde ich letztere aber vorläufig als Untergattungen betrachten. 

Da zu der ersten Gruppe gerade die schon längst bekannte //. coronata gehört, auf 
welcher Art die ganze Gattung aufgestellt wurde, so schlage ich für diese Gruppe den Namen 
Pterotrachea s.s. vor. 

Wenn auch in der Litteratur zahlreiche Arten, welche zu der zweiten Untergattung gehören, 
beschrieben sind, so ist doch ihre Unterscheidung (vergl. den ı°® Abschnitt) ausserordentlich 


schwierig. Ich nenne diese Untergattung, mit den nach hinten breiter werdenden Augen, Zuryops. 


34 

Die Merkmale sind also die Folgenden: 

Erstes Subgenus: Pferotrachea s. s. Augen schmal, d.h. linke und rechte Seite gehen 
parallel. Nucleus lang und dünn, spindelförmig. Das ziemlich scharf umschriebene Feld der 
Ouermuskeln, an der Ventralseite des Rüssels, reicht bis zu dessen Basis hinauf. 

Zweites Subgenus: Zuryops. Augen breit, d.h. linke und rechte Seite divergiren stark 
nach hinten. Nucleus kurz, geschwollen, birnförmig. Das Feld der Quermuskeln reicht nur etwa 
bis zur halben Länge des Rüssels, nicht nur an der Unterseite, sondern auch an den Flanken. 

Wie leicht nun auch irgendeine Perotrachea der einen oder der anderen Gruppe 
zugerechnet werden kann, so sehr schwierig ist die Unterscheidung der Arten selbst, auch 
unter Berücksichtigung aller Verhältnisse. Unter dem Materiale der Siboga-Expedition habe 
ich so gut wie möglich nach Artmerkmalen gesucht; in wie weit aber meine Versuche das 
Richtige getroffen haben, werden künftige Vergleichungen mit Pterotracheen aus anderen Meeren 
erst entscheiden können. 

Hier habe ich es für angezeigt gehalten, 6 Arten von Perotrachea zu unterscheiden, 
von denen 3 zu der Untergattung Pterotrachea s.s., , dem zweiten Subgenus Zuryops zuzu- 
rechnen sind. 

Es ist mir deutlich geworden, dass die spitzen Höcker, welche häufig vor den Augen 
wahrnehmbar sind weder an Zahl noch an Anordnung bestimmte systematische Merkmale 
abgeben. Bei Tieren, welche, meiner Meinung nach, ganz gewiss einer und derselben Art 
zugehören, kommen bald die betreffenden Höcker vor, bald ist die Stirne vollkommen glatt. 
Einerseits scheint dies vom Alter des Tieres abhängig zu sein, andererseits aber ist reiner Zufall 
mit im Spiele. Ein einzelner Höcker kann sich in verschiedene kleinere auflösen, und zwar 
geschieht dies oft nur an der einen, nicht an der anderen Seite. Diese Regellosigkeit ist, 
zusammen mit der ziemlich weit vor den Augen gelegenen Stellung der Stirndornen, der beste 
Beweis dafür, dass letztere mit den Tentakeln der übrigen Heteropoden nichts zu schaffen haben. 
Reste von Tentakeln sind übrigens bei keinem der Geschlechter nachzuweisen. 

Ebensowenig kann die Radula, wenigstens in ihrem feineren Bau, systematisch verwertet 
werden. Ich komme darauf gleich zurück. Auch die Zahl der Palatinzähne am Dache der Mund- 
höhle wechselt stark. 

Es erwies sich aber die relative Grösse des Saugnapfes und des Copulations-apparates 
(selbstverständlich nur bei den Männchen) von systematischem Werte. Ausserdem kann die 
Form und Grösse der Flosse und des Schwanzes mit Vorteil berücksichtigt werden. In einem 


einzigen Falle kam noch die eigentümliche Gestalt des Auges dazu. 


Subgenus Pierofrachea s. s. mihi. 


Pterotrachea challengeri n. sp. (Taf. XII, Fig.. 68—72). 
Stat. 35.820.385, 1102,92, O Bon (OD) 
Stat 143: 124% 9.,127252.9, OBze(en): 
Stat2 148. 0217.05, 129,42, O-1 Bel): 
Stat 2102522600. 57 121182 OH: 
Stat. 259. 52.209.215, 132252. OSSWE 3): 


35 


Der langgestreckte, cylindrische Körper trägt, etwa in der Mitte zwischen Augen und 
Nucleus, die rundliche Flosse, welche, bei den Männchen, mit einem sehr grossen Saugnapfe 
ausgestattet ist. Die gelblich-weissen Hautflecke sind, wie bei Pierotrachea überhaupt, ziemlich 
regellos zerstreut, immer aber in der Nähe der Flossenbasis vorhanden. Der Penis erreicht eine 
beträchtliche Grösse. Der Rüssel zeigt je nach dem Contractionszustande verschiedene Länge 
(vergl. Fig. 69 u. 70), ist aber immer gut ausgebildet, und einer beträchtlichen Verlängerung 
fähig; denn bei einigen Tieren von Stat. 259 (Fig. 70) betrug seine Länge fast den halben 
Abstand zwischen Augen und Nucleus. Stirnhöcker habe ich zwar nirgends vermisst: oft aber 
ist ihre Zahl rechts und links verschieden; mehr als drei jederseits fand ich nie. 

Die dorsale Medianlinie des Rumpfes erhebt sich vor dem Nucleus zu einem gezähnelten 
Kamm. Die Kiemen sind gewöhnlich an der linken Seite des Nucleus sehr lang, ihre Zahl sowie 
ihre Länge ist aber bei den einzelnen Tieren vielen Änderungen unterworfen. 

Characteristisch ist wieder die Form des kurzen Schwanzes, von gedrungener Gestalt, 
der natürlich in eine Horizontalflosse endet. 

Die Radula, welche sich aus 24 Querreihen zusammensetzt, hat eine breite Mittelplatte 
(Fig. 71 u. 72) von der üblichen Gestalt, deren Mitteldorn bald eine breite Basis besitzt, bald 
auch schmäler und fast dolchartig sein kann, und im Übrigen sogar in den verschiedenen 
Ouerreihen derselben Radula wechselnde Ausbildung zeigt. Jederseits stehen dann noch 6—8 
kleine Dörnchen. Die Zwischenplatte zeigt an ihrer convexen Innenseite einen deutlichen Kamm, 
der vorn durch den Gebrauch oft zerbröckelt, hinten aber am distalen Ende mittels eines Fort- 
satzes sich von der Spitze der Platte abtrennt. Die Seitenplatten sind insoweit verschieden, 
dass die äussere an der Basis viel niedriger ist als die andere. 

Die Palatinzähne stehen, jederseits 5 an der Zahl, am Rande der dorsalen Längsgrube 
in der Mundhöhle, welche den Weg zum Oesophagus andeutet. Die vorderen Zähne sind klein 
und kaum gebogen, die hinteren sind länger und distal gekrümmt. 

Die hier beschriebene Art ist, wie ich hervorheben will, gekennzeichnet durch die kurze, 
gedrungene Gestalt des Schwanzes, und weiter durch die beträchtliche Entwicklung des Saug- 
napfes und des Penis. 

Das grösste Exemplar hatte eine Länge von ı10 mm., ohne den Rüssel. Der Saugnapf 
war hier an der Basis 4 mm. breit. Die anderen Tiere sind meist nur wenig kleiner. 

Sehr wahrscheinlich ist diese Art dieselbe, welche von Smith (Taf. V, Fig. 115) von 
Banda angegeben wurde. Seine Beschreibung passt sehr gut zu der meinigen; er erwähnt zwei 
Höcker vor den Augen, einen ziemlich umfangreichen Saugnapf und einen kurzen Schwanz. 
Die deutlich abgegrenzte Ouermusculatur an der Unterseite des Rüssels und besonders der 
schlanke, spindelförmige Nucleus (der etwa ein Dutzend Kiemen tragen soll) macht die Zuge- 
hörigkeit zu Pferotrachea s. s. gewiss. Der Erhaltungszustand des Tieres, das ich jüngst im 
„British Museum’ zu untersuchen Gelegenheit hatte, war derart, das von einem allgemeinen 
Habitus wenig zu erkennen war. Der centrale Fortsatz der Mittelplatte in der Radula hatte eine 
breite Basis, wie in Fig. 72. Ich habe daher geglaubt, mit einigem Rechte der kurzgeschwänzten 


Art der Siboga-Expedition den Namen P£. challenger! geben zu können. 


86 


Pterotrachea intermedia n. sp. (Taf. XII, Fig. 73 


73). 
Statı 283, B248,2. 58, 132,02 2 O0, TaR 
Stat. 254. 5°40° S., 132°26 O0. 2 Ex. (9 u Q). 
Stat. 259, 5°.20,2 5.7132 52.50.21 0% 

lis hat diese Art die grösste Ähnlichkeit mit der vorhergehenden. Der allgemeine Körperbau 
ist der gleiche; der Rüssel hat etwa dieselbe Länge. Bei der Vergleichung der Figuren 73 u. 75 
muss man sich vergegenwärtigen, dass die erste Abbildung ein Tier, das in Formol aufbewahrt 
war, darstellt, während die zweite nach einem Alcoholexemplare angefertigt wurde, bei dem die 
ursprünglichen Verhältnisse durch Schrumpfung viel geändert sind, und zudem die ganze Körper- 
bedeckung auf dem Rumpfe fehlte. Daraus lässt sich der etwas abweichende Habitus erklären. 

Das Eixemplar von Stat. 259 (Fig. 73) wiederholt, von einigen wenigen Merkmalen abge- 
sehen, dasjenige, was oben von 7. challengeri gesagt wurde. Jederseits kommen 3 Stirnhöcker 
vor, die Tiere von Stat. 253 u. 254 (Fig. 76) zeigten aber im Ganzen nur zwei Stirnhöcker 
zwischen denen man deutlich die muskelfreie Rückenlinie hindurchziehen sieht. Die Verteilung 
der rundlichen Hautflecke ist auch hier überall unregelmässig (Fig. 73 u. 75), sie kommen 
bisweilen auch auf dem Rüssel vor, Kin gezähnelter Kamm erhebt sich vor dem Nucleus, an 
dessen Vorderseite ein kleines Büschel Kiemen steht, das isolirt von den langen Kiemen, links 
vom Nucleus, liegt. Die Zahl der Kiemen ist verschieden. 

Der Schwanz erreicht eine relativ grossere Länge als bei 2%. challengeri und ist lang- 
gestreckter, die Dorsalseite ist nach hinten zu nicht convex, sondern gerade. Die Horizontalllosse 
am linde trug bei einem Exemplare (Fig. 75) noch ein Stück des Schwanzfadens. 

Der Saupnapf am Unterrande der grossen Flosse steht hinter dem der vorhergehenden 
Art an Grösse zurück und zwar etwa um die Hälfte. In Zusammenhang damit ist auch der 
Penis kleiner. 

Die Radula bietet auch hier keine Anhaltspunkte zu spezifischen Unterschieden. Der 
Mitteldorn der Mittelplatte ist bald schlank (Fig. 74), bald viel breiter ausgebildet und sogar 
noch an den Seiten mit sehr kleinen Fortsätzen ausgestattet (Fig. 77). An der Zwischenplatte 
findet sich eine kleine Grube an der Stelle, wo der Kamm in die Spitze der Platte übergeht, 
aber die stark abgenutzten Platten in den proximalen Querreihen zeigen diese Stelle wenig 
scharf markirt (Fig. 74a, 77a). 

Am Rande der dorsalen Mundrinne stehen jederseits 4 oder 5 Chitinzähne, deren Bau 
nichts Bemerkenswertes zeigt (lg. 78). 

Die Länge des Körpers, ohne den Rüssel, betrug bei dem grössten Tiere 08 mm. 
(Stat. 259), bei den übrigen Exemplaren war die Körperlange 40—55 mm. 

Diese Art scheint mir erstens durch den längeren und niedrigeren Schwanz, dann auch 
durch den kleineren und schwächeren Saugnapf gekennzeichnet zu sein, der hier nur an der 
Basis 1"; mm. breit war, Wenn dies auch teils auf zufällige Contraction zurückzuführen ist, so 
bleibt immerhin in dieser Hinsicht ein erwähnenswerter Unterschied zwischen 4. challengert 
und 2%. intermedia bestehen. 

Dass die letztere Art eine Übergangsform darstellt, dürfte aus der Besprechung einer 


dritten Spezies hervorgehen, zu der wir jetzt übergehen. 


Pterotrachea nucroptera n. sp. (Taf, XII, Fig, 79. Taf, XII, Fig, 8o—8s), 


SL ION DES tadat VO, Lux, (DO) 
TA Ann ETaFSRaNO ET Lux, (ef), 
Stat 150,05 GEEINGE 120: ma OT Te (ef) 
Stalı 227, dr sonnS., 1992680: 0.2 Ex. (ON) 
Stat, ads Ar annalsn Taosan. O0, 1 Em (QM). 
Stat, 295. 10° 35.68, 124° 11,70, 2 Ex. (J u 9) 


Dieselbe zwischen gewissen Grenzen schwankende Variabilität bei den einzelnen Individuen 
derselben Art, wie sie vorher schon constatirt wurde, tritt auch hier auf, So ist die Zahl dei 
Stirnhöcker bei dem grössten Tiere von Stat. 295 (Nie, 79) drei zu beiden Seiten, wihrend 
die kleineren Tiere deren entweder nur zwei besitzen (lg. 83, Ex. von Stat, 143), odeı sog 
keine aufweisen (Fig. Sı, Ex. von Stat, 227), Der Abstand vom Nucleus zu der llosse wechselt 
bei den einzelnen Exemplaren (vergl. Fig. 709 u. 81); dies muss aber dem verschiedenen Con 
traetionszustande des hinteren Rumpfteiles, dessen dorsale Llervortreibung aus Dip, 8ı und 83 
ersichtlich ist, zugeschrieben werden, 

Die Kiemen variiren an Zahl; bald sind deren nur zwei vorhanden, bald auch kommen 
sechs oder sieben Kiemen vor, 

Der Schwanz ist wie bei /% intermedta gebildet, langrprestreckt und niedrig, 

Was diese Art vor allen anderen auszeichnet, das ist die relativ kleine l"losse, welche 
nie die Grösse wie bei den vorhergehenden lormen erreicht, Bei den Männchen kommt als 
ganz besonderes Merkmal noch der ausserordentlich winzige Saugnapf hinzu, der kaum siehtbai 
ist. Auch der Penis ist ganz unverhältnissmässig klein. Man möchte geneigt sein zu dei 
Annahme, dass die Art im Begriffe steht, den Saugnapf auch im männlichen Geschlechte ganz 
zu verlieren. line genaue Betrachtung zeigt aber das betrelfende Organ, wenn auch seht 
klein, ganz gut ausgebildet (Kig. 80); und die zwei paarigen, von der Kuppel des Saugnapfes 
ausgehenden und in die Flossenmuseulatur einstrahlenden Muskelbündel kommen, ebenso wie 
bei den anderen Pterotracheen, vor, Auch der Penis ist aus den zwei üblichen "Teilen zusam 
mengesetzt. Interessant scheint die Sache noch dadurch, dass ein gewisser Zusammenhang in 
der Ausbildung des Penis und des Saugnapfes unverkennbar ist, wie diese Art deutlich zeigt 

Ob es sich hier vielleicht, in letzter Instanz, um eine rucdimentäre Beschaffenheit deı 
männlichen Geschlechtsorgane handelt, hoffe ich später durch anatomische und histologische 
Untersuchung des Nucleus, zu welcher mir leider jetzt die Zeit fehlte, feststellen zu können, 

Bei der Beschreibung der Radula (lig, 85) hätte ich nur zu wiederholen, was schon 
oben von diesem Organe gesagt wurde, Bei der grossen Vartabilitit lässt sich nichts sagen, 
was von systematischem Interesse sein könnte, Auch die Zahl der Palatinzähne kann verschieden 
sein, wie aus Fig. 82 u. 84 hervorgeht. Es kann sich die Zahl bis auf 8 steigern, und zwaı 
war, wo ich darauf achtete, die linke Seite in dieser Flinsicht bevorzugt, 

Pt, gerenbauri Vayssiere (Taf. V, Fig. 117) besitzt ebenfalls eine kleine I'losse, sogaı 
verhältnissmässig noch kleiner als bei 4, mieroptera, Der Saugnapf ist dagegen umfangreicheı 
Ausserdem ist bei der Art Vayssıırn's die Haut überall mit kleinen Höckern besetzt, welche 


ich bei der hier behandelten Form nieht auffand. 


88 


Subgenus Zxryops mihı. 


Pterotrachea (Euryops) mutabilis n. sp. (Taf. XIII, Fig. 86—89). 


Sta 70241222217 S,3E118210r9/0. 11855 (SL 
Stat 1482 0217..019, 720,7 4= 510: 185% (of 
Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. ı Ex. (9). 
Stat. 215‘. Insel Kabia. BER >23(2, 5.04.3200) 
Stat-22762 6247..5 2,0128540.5.0: ı Ex. (9). 
Stat 282.0 812522,9.,21277:8r.44.0. 1 Bx. (9). 


Der Körper ist langgestreckt und geht vorn in einen gut ausgebildeten Rüssel über, 
der an der Basis keine Dornen aufweist, sodass die Stirne vollkommen glatt ist. Die Augen 
zeigen den breiten Typus (Fig. 67); in dieser Hinsicht sind bei Zryoßs noch ursprüngliche 
Verhältnisse bewahrt geblieben. Bei einem Tiere von Stat. 215? (Fig. 86) fanden sich auf dem 
Rumpfe noch Reste von Pigmentflecken, welche freilich etwas verwischt aussahen, bei den 
anderen Exemplaren fand ich keine Spur von Pigment. Die Flosse ist ziemlich gross, bei den 
Weibchen etwas kleiner. Ein Saugnapf am Unterrande der Flosse, sowie der Penis sind gut 
ausgebildet. Der Nucleus ist kurz, birnförmig, von gedrungener Gestalt, an der linken Seite 
finden sich 8S— 10 Kiemen, welche sämtlich klein und kurz bleiben (wenigstens bei den mir vor- 
liegenden Tieren). Der Schwanz ist klein und schwach, ziemlich langgestreckt, und, wie überall, 
mit einer Horizontalflosse abschliessend. 

Auch hier bietet die Radula nichts, was von systematischem Nutzen sein könnte. Meist 
hat der Mitteldorn der Mittelplatte (Fig. 38) eine schlanke Gestalt, jederseits stehen 5—6 
kleinere Zähnchen. Die Zwischenplatte (Fig. 88a) und die beiden Seitenplatten sind wie bei 
den vorhergehenden Arten gestaltet. 

Die Zahl der Palatinzähne wechselt bei den einzelnen Tieren. Einmal betrug sie links 4, 
rechts 5 (Fig. 89); bei einem anderen Exemplare war das Verhältniss gerade umgekehrt. 


Die Länge des Tieres betrug, ohne den Rüssel, 32 mm. oder darunter. 


Pterotrachea (Euryops) xenoptera n. sp. (Taf. XIII, Fig. 90—91, gLa). 


Stab203. 3% 


re Sn 22 150% 1 IB (OL: 

Der einzige Unterschied, der diese Art von der vorhergehenden auszeichnet, ist freilich 
sehr auffallend. Die kleine Flosse hat nämlich eine ganz eigentümliche Gestalt; denn, während 
sonst der Vorderrand convex, der Hinterrand aber nahe der Flossenbasis sich nach vorn richtet 
und dann sogar hohl werden kann, findet etwas derartiges hier nicht statt. Hinten fehlt die 
Einbuchtung, welche sonst bei /’erotrachea vorkommt, fast ganz, der Vorderrand dagegen ist 
scharf convex, mehr als gewöhnlich nach vorn reichend. In wie weit es sich hier um eine 
zufällige Anomalie handeln möchte, habe ich nicht entscheiden können, da ich nur ein einziges 
Tier sehen konnte, das hier als neue Art verzeichnet wird. 

Sonst kommen keine Abweichungen vor, nur ist der Rüssel um ein weniges kürzer. 
Stirnhöcker fehlen. Der kleine, gedrungene Nucleus trägt an der linken Seite eine kleine Zahl 


winziger, kaum sichtbarer Kiemen. Der Schwanz endet auch hier in eine Horizontalflosse. 


Sg 


Die Mittelplatte (Fig. gı) der Radula zeigt einen schlanken Mitteldorn, der in den 
vorderen Reihen kürzer ist als hinten. Jederseits stehen 5—6 kleinere Dörnchen. Die Seiten- 
platten (Fig. gıa) sind an der Spitze scharf gebogen. 

Die Zahl der Zähne am Dache der Mundhöhle habe ich nicht festgestellt. 


Die Körperlänge des Tieres beträgt 35 mm. 


Pterotrachea (Euryops) orthophthalmus n. sp. (Taf. XII, Fig. 92—94). 
Sta2718.58247775.,07182.44%3, 001. BE. (9). 


Das Tier, das mir zur Aufstellung dieser neuen Art diente, war zwar im Allgemeinen 
der vorletzten Form sehr ähnlich, der Rüssel war aber beträchtlich kürzer. Im Bau der Augen 
zeigte sich ein bemerkenswerter Unterschied. Während das Auge von Zuryops (Fig. 67) am 
Vorderrande eine concave Einbuchtung zeigt, ist dies bei der hier besprochenen Art nicht der 
Fall, sondern der Vorderrand ist ganz gerade (Fig. 93). Diese merkwürdige Abweichung würde 
allerdings die Existenzberechtigung einer neuen Art beweisen, wenn es sich bewähren sollte, 
dass hier von keinem Zufalle die Rede ist. 

Das Ende des Rumpfes ist dorsal, und zwar links, wo sich die kurzen Kiemen finden, 
stark aufgebläht, was .wohl mit zufälliger Diastole des Herzens zusammenhängen mag. Der 
Schwanz ist wie bei der vorhergehenden Art gestaltet; am Ende findet sich die übliche Horizontal- 
flosse. Da, wie bei ?’. xenoptera, das einzige Exemplar weiblich war, habe ich keinen Saugnapf 
untersuchen können. 

Die Radula (Fig. 94) wiederholt die Gestalt, welche das Organ bei Pi. xenoptera zeigt. 
Auch hier ist die Spitze der Seitenplatten scharf gekrümmt. 

Die Gaumenzähne sind links 4, rechts 5 an der Zahl. 


Das Tier, ohne Rüssel, misst 42 mm. 


Firoloida Lesueur 1817. 


Diese Gattung unterscheidet sich bekanntlich von //erofrachea dadurch, dass der Schwanz 
sehr verkümmert ist, sodass der Nucleus fast am Ende des langen, cylindrischen Körpers gelagert 
ist. Der Rüssel ist viel schwächer und kürzer; die Flosse zwar gross, aber mit breitem, mem- 
branösem Unterrande versehen und nicht dem Nucleus, sondern den Augen genähert. 

Trotz der zahlreichen Arbeiten, welche sich auf Z7roloida in anatomischer Hinsicht 
beziehen (LESUEUR, D’ÖRBIGNY, SOULEYET, GEGENBAUR, MACDONALD, Huxtev u.A.), blieb noch 
Manches zu untersuchen übrig. Wenn auch das Material der Siboga-Expedition mir eine schöne 
Gelegenheit bot zu eingehendem anatomischem Studium der Gattung, so habe ich mich hier 
doch nur auf einige allerdings fragmentarische Bemerkungen beschränkt, welche hauptsächlich 
nur dazu dienen sollen den späteren Forschern die Unterscheidung der Arten zu erleichtern. 
2 Den ganzen Körper bei /Zroloida überzieht dieselbe weiche, ganz durchsichtige Binde- 
substanz wie bei Pierotrachea. Höcker kommen aber niemals vor, auch auf der Stirne fehlen sie 
gänzlich. Nur hier und da finden sich kleine Zellenhäufchen, wie sie auch bei den Carinariiden 


beobachtet wurden (s. z.B. Taf. X, Fig. 32). 


SIBOGA-EXPEDITIE LI. 12 


90 

Die Musculatur von Zrroloida kommt in den Hauptzügen mit der von Pierotrachea, 
bei der die Verhältnisse am Genauesten von Karıpe klargelegt wurden, überein. Nur ist sie 
schwächer ausgebildet, auch bilden die Fasern kein Netz. 

Im Einzelnen lässt sich Folgendes sagen: 

Auf dem Rüssel läuft die Musculatur longitudinal, ist aber zu beiden Seiten eines muskel- 
freien, schmalen Rückenstreifens etwas stärker beschaffen als sonst (Taf. XIV, Fig. 95). Die 
dorsalen Muskeln ziehen sich an der Basis des Rüssels zusammen und gehen als zwei dickere 
Stränge zwischen den Augen hindurch, um dann auf dem Rumpfe, wo der Rückenstreifen 
etwas breiter wird, die Längsrichtung beizubehalten. Auch die lateral und ventral dem Rüssel 
entlang ziehenden Muskeln bleiben auf dem Rumpfe longitudinal, und von einer Kreuzung 
zweier Schichten wie bei Pferotrachea ist keine Rede. Ein muskelfreier Bauchstreifen kommt 
am Rumpfe, aber nicht am Rüssel vor (Taf. XIV, Fig. 96), bleibt bis zur Flosse ziemlich 
schmal, wird aber hinter ihr breiter und ist bis zum Schwanze zu verfolgen. Der oben erwähnte 
Rückenstreifen, der sich vorn auf dem Rumpfe deutlich erkennen lässt, wird allmählich breiter 
und weniger scharf auf der zweiten Hälfte. Am Ende des Rumpfes zieht sich der Hautmuskel- 
schlauch zu einer dünneren Röhre zusammen und endet am Nucleus, ohne in den Schwanz 
einzutreten. Diesem kommen also keine Muskeln zu. 

Die grosse, aber zarte Flosse besteht jederseits aus zwei übereinander gelagerten Muskel- 
schichten (Fig. 97, fr). Wie bei Pierotrachea verlaufen die Fasern der oberen Schicht 
von oben nach unten schräg nach vorn, und ziehen durchweg parallel, mit Ausnahme einer 
kleinen Stelle am Hinterrande, wo die Richtung fast senkrecht nach unten ist. Diese Schicht 
strahlt nach unten zu in einzelne, zarte Bündel aus, welche sich allmählich zuspitzen, und, am 
Rande der Flosse angelangt, sich dichotomisch spalten, um eine Verbindung mit den Bündeln 
der anderen Seite einzugehen. 

Die untere Schicht ist schwächer und dünner, und kreuzt die obere fast rechtwinkelig ; 
in den breiten, unteren Abschnitt der Flosse, der von den nach dem Rande ausstrahlenden, 
sich gabelnden Muskeln durchzogen wird, tritt diese zweite Schicht gar nicht ein. 

Die Aufhängebänder der Flosse sind etwas anders beschaffen als bei der vorigen Gattung. 
Es kommen bei /7rolorda nur zwei Muskelstümpfe vor (Taf. XIV, Fig. 97, a, 6). Der vordere 
liegt in der Mitte der Flossenbasis und besteht aus den beiden kreuzweise verlaufenden Muskel- 
systemen (a), welche, der Aussenseite der Rumpfmusculatur sich anschmiegend, in deren Fasern 
ausstrahlen, ohne aber irgendeine directe Verbindung mit ihnen einzugehen. Während das Ganze 
eine kleine, viereckige, nach aussen gebogene Lamelle darstellt, ist das zweite Band (6) anders- 
artiger Gestalt und inserirt sich am Hinterrande der vorderen Lamelle. Es setzt sich nur aus 
den Fasern der oberen Flossenmuskelschicht zusammen, ist lang und platt und ist von den 
Rumpfmuskeln völlig getrennt. Die beiderseitigen Fortsätze convergiren nach oben, sind an 
ihren Spitzen, wo der Darmkanal über sie hinwegzieht, untereinander durch Bindegewebsfibrillen 
verbunden und, mittels ebensolcher Fäden, auch mit den dorsalen Rumpfmuskeln. 

Wie schon im ersten Abschnitt dargetan wurde, kommt ein Saugnapf, mitten am 
Vorderrande der Flosse, nur dem Männchen zu. Wenn auch im Allgemeinen die drüsenartige 


Beschaffenheit des gleichnamigen Organes bei /ferofrachea wiederholend, so ist er hier aber 


91 


nicht nur viel kleiner, sondern entbehrt auch gänzlich der eigenen Musculatur, welche bei Prero- 
trachea in Gestalt zweier Paare von Muskelbündeln, die sich mit der Flossenmusculatur nicht 
vermischen, beobachtet werden kann. Bei /Zroloida konnte ich nichts Derartiges wahrnehmen. 

Querverlaufende Muskeln kommen nur am Rüssel vor, und zwar auf einem scharf 
umschriebenen Felde an der Unterseite. Es reicht von der Schlundmasse bis etwa zur halben 
Rüssellänge (Taf. XIV, Fig. 96, gm). 

Die Tentakeln (Taf. XIV, Fig. 95, 7) entspringen nicht an der Medianseite der Augen, 
wie bei Carinaria, sondern lateral, und ein wenig unterhalb des vorderen Abschnittes der 
Augen, welche in ihrem Bau der in Taf. XI, Fig. 66 angegebenen Gestalt bei P/erotrachea s. s. 
entsprechen. Bekanntlich kommen Tentakel nur beim männlichen Geschlechte vor und sind hier 
stattlich ausgebildet, während ich beim Weibchen keine Spur davon finden konnte, trotzdem 
dass sie hier nach VavssıErE, wenigstens bei /. desmaresti und F. kowalewskyi, wenn auch 
rudimentär, vorkommen sollen. 

An der Oberfläche der Tentakel findet sich ein Pflasterepithel, das nach der Spitze zu 
allmählich höher wird aber einschichtig bleibt, und dessen Zellen sehr deutliche grosse Kerne 
enthalten. Unterhalb dieser Schicht breitet sich ein weitmaschiges Muskelnetz aus. Die unter 
den Augen vorbeiziehenden Muskeln (also nicht die zwischen den Augen hindurchgehenden 
Stränge, wie bei Carinaria) schicken einzelne Fasern in die Tentakel hinein. Hier verlaufen 
dieselben, sich mehrfach kreuzend und anastomosirend, bis zur Spitze des Organes. Die Höhle 
des Tentakels wird von einer glashellen Bindesubstanz ausgefüllt, deren Formelemente stern- 
förmige Zellen darstellen, und welche in der Längsachse einen Blutsinus erkennen lässt. 

Dem Tentakel kommt ein eigener Nerv zu, der ihn in der Längsrichtung, ohne Veräste- 
lungen, gerade durchzieht, und an der Spitze in die cylindrischen Epithelzellen ausstrahlt. Zahl- 
reiche Nervenfasern gehen vom Hauptnerven rechtwinkelig ab. Untersucht man den Ursprung 
des letzteren genau, so ergiebt sich, dass der Nerv unterhalb der Augenkapsel verläuft, um 
sich an der Vorderseite am Cerebralganglion, lateral und dorsal von der Abgangsstelle des 
Buccalconnectivs, zu inseriren. 

Dieser Tentakelnerv wurde von Huxrey und LEUCKART erwähnt; letztgenannter Forscher 
und MirnE Epwarps schreiben ihn auch Carinaria zu. Hier aber konnte GEGENBAUR keine 
besondere Innervation nachweisen; mir selbst ist es ebensowenig gelungen. 

Vor dem Nucleus, an der gleichnamigen Stelle wie bei Pierotrachea liegen Niere und 
Herz, die schon wiederholt (Huxrey, MAacDoNALD, LEUCKART, GEGENBAUR) beschrieben wurden. 
Die Niere liegt auch hier (Taf. XIV, Fig. 98, z) dem Nucleus am nächsten als ein länglicher 
Sack, dessen dünne Wandung an verschiedenen Stellen kleine Zellenanhäufungen zeigt und an 
der rechten Seite eine mit deutlichem Sphincter versehene Öffnung nach aussen (zo) besitzt, 
während am Vorderrand eine Communication mit dem Pericardialraum besteht. Das Atrium des 
Herzens (a) ist nach oben gewendet, die Kammer!) (v) entsendet zwei starke Äste, von denen 
der eine sich in den Nucleus hineinsenkt, der andere gerade nach vorn verläuft und den 


Vorderteil des Rumpfes versorgt. 


1) VAYSSIERE bezeichnet in seiner Abbildung von Z#. kowalewskyi die Herzkammer als Anhang des Genitalapparates! 


92 


Dorsal, ganz an der Körperoberfläche findet sich ein hufeisenförmiges Organ, das mit 
dem länglichen Osphradium bei Pierotrachea übereinstimmt. Es wurde schon eingehend von 
Huxrev, LEUCKART und GEGENBAUR beschrieben. Der Aussenrand (Taf. XIV, Fig. 102, ar) 
wird von einem mehrschichtigen Epithel gebildet, das lange Cilien tragen soll, welche ich aber 
bei meinen conservirten Tieren nicht wahrnehmen konnte. Unterhalb dieses Epithels und auch 
am Innenrande des Organes verlaufen hier und da dunklere Streifen, welche ich für Nerven- 
polster halte, während das Innere sich aus grossen, rundlichen Zellen zusammensetzt von 
drüsenartiger Beschaffenheit. Der Aussen- und Innenrand sind wulstartig verdickt und heben 
sich deutlich hervor. Ein starker Nerv, der von dem, am unteren Pole der Herzkammer 
gelagerten Visceralganglion stammt, steigt links vom Herzen empor und inserirt sich mit einer 


o- 
ganglionären Anschwellung (gz) am Osphradium, und zwar am Innenrande desselben. Dieser Teil 


ist nach hinten gewendet und liegt unmittelbar an der Basis der sehr kleinen Kiemenblättchen, 
welche ich bei ZZrolorda auffand und deren Beschreibung unten gegeben werden soll. 

Der Nucleus selbst ist zum grössten Teile ganz frei, und wird an den Seiten und hinten 
unmittelbar vom Wasser umspült. Die Analöffnung (Fig. 98, an) liegt wie bei Pierotrachea am 
oberen Pol. An der Unterseite findet sich, wie bei der eben genannten Gattung, ein kleiner 
Raum, der oberhalb des Schwanzes nach aussen mündet; der untere Pol des Nucleus ist also 
frei und nicht mit dem Schwanze verwachsen. Die Form des Eingeweidesackes ist rundlich, 
seitlich leicht zusammengedrückt; der Hinterrand ist etwas mehr convex als die Vorderseite. 

Der Penis sitzt als kurzer, stumpfer Fortsatz der rechten Körperwandung auf, an der Stelle, 
wo die Rumpfmuskeln sich am Nucleus ansetzen (Taf. XIV, Fig. 98, 5). Er ist'sehr klein und hat 
an der medianen Seite eine tiefe Rinne, welche, als seichte Furche aus dem Nucleus heraus- 
kommend, sich allmählich vertieft und das Ende des Penis, welches knopfartig angeschwollen 
ist, einkerbt (Fig. 103, sf). An der Basis des Penis und zwar an der Vorderseite inserirt sich 
ein langer, sehr dünnwandiger Schlauch (Fig. 98, /7), der am Ende keulenförmig anschwillt und 
eine Menge fest verpackter Zellen einschliesst, deren Inhalt körnig beschaffen ist und welche 
noch einen Kern enthalten. Eine Öffnung nach aussen, welche von Huxrev beschrieben wurde 
und äusserlich durch einen spitzen Fortsatz angedeutet werden soll, habe ich, ebensowenig 
wie GEGENBAUR, auffinden können; vielmehr stellte das Ganze nur einen allseitig geschlossenen, 
kugligen Körper dar, ohne Ausführungsöffnung und ohne centralen Hohlraum. GEGENBAUR 
glaubte das Vorhandensein oder Fehlen einer Öffnung auf Altersdifferenzen zurückführen zu 
können und fasste das ganze Organ als Haftapparat auf, der bei der Copulation behülflich sei. 
Trotzdem dass kräftige Muskeln vollkommen fehlen und nur durch einzelne blasse Fasern auf 
dem dünnwandigen Schlauche ersetzt sind '), würde ich der Auffassung GEGENBAUR’'S gewiss 
beitreten, wenn nicht ein einziges Männchen an der Aussenseite des Penis einen langen, nach 
hinten gerichteten, am Ende hakenförmig gekrümmten Fortsatz (Fig. 103, 7) aufgewiesen hätte, 
der ein ganz opakes Aussehen hatte und unter dem dünnen Epithel ein dichtes Netz von Längs- 
und Quermuskeln zeigte. Drüsenfollikel gelang es mir nicht zu beobachten. Doch wäre, bei 


vergleichender Betrachtung der Verhältnisse bei den übrigen Heteropoden, dieser Fortsatz wohl 


ı) Zur Vervollständigung der Beschreibung sei noch erwähnt, dass in den Schlauch ein Nerv eintritt, der sich halbwegs gabelt, 
und sich an dem runden Knopfe verliert. 


93 


als Haftapparat aufzufassen, was seine Lage und Gestalt einigermaassen wahrscheinlich macht. 
Dann würde allerdings der keulenförmige Körper als characteristisch für Föroloida zu betrachten 
sein. Merkwürdig bleibt es, dass der eben erwähnte, cylindrische Fortsatz nur bei einem Exem- 
plare vorkam, während alle übrigen Männchen keine Spur davon zeigten. 

Die Buccalmasse am Ende des Rüssels ist nur wenig ausgebildet. Die Schlundkopfmuskeln, 
sowie der Zungenknorpel, bleiben klein und erreichen gar nicht die mächtige Grösse wie bei 
Pterotrachea. Am Rande der Gaumenrinne stehen keine Zähne; diese Schlundbewaffnung kommt 
also nur der vorigen Gattung zu. Die kurzen, cylindrischen, am Ende schwach angeschwollenen 
Speicheldrüsen münden vorn in die Mundhöhle, zu beiden Seiten der Radulatasche. Die Radula 
selbst ist relativ klein und nimmt von vorn nach hinten nur ganz langsam an Grösse zu, sodass 
der grösste Teil (etwa die letzten 20 Querreihen) sich nahezu gleich bleibt. 

Die Platten der Radula wiederholen in vieler Hinsicht denselben Bau, der bei Ptero- 
Zrachea beschrieben und abgebildet wurde; die Zahl der Transversalreihen ist etwas grösser, 
nämlich 27—.28. 

Die vorstehenden, allerdings kurzen und fragmentarischen Beschreibungen der Gattung 
Firoloida beziehen sich sämtlich nur auf eine Art, welche von der Siboga-Expedition in grosser 


Zahl gefangen wurde. Dies ist die: 


Firoloida kowalewskyi! Vayssiere. (Taf. XIV, Fig. 95— 110). 


Stat. 40. Paternoster-Inseln. it 185: ((of)k 

Stat. 70. A 22.15., 118210.90. 185% (OÖ): 

Stat. 98—99. Nord-UÜbian. A 102 (2 fefler, 2 80) 
So ch 9 ING, 1222 I Ex. (9). 

Stat 220123 5%5N5, 1725220508 2 Ex. (S\@.): 

Stat. 136. Ternate. SEE (Orca 5 DD): 
Stat2173 812 ,42.5,9,81272522.0,0. 1 185: ((O)E 

Stat. 144. Insel Damar. 48 Ex (34 ale, 14.99): 
Stat1482 02 17.05, 1292.14.5.0. ı 85% ((of)k 

Stat. 165. Insel Daram. Ts (Or o‘). 
Stat. 168. Insel Sabuda. it 192% ((6f)k 

Stat. 169. Atjatuning, Westküste Neu-Guinea. ISE RS (72 0161, 10,99) 
Stat. 172. Zwischen Gisser und Ceram-Laut. 20 15% (5 eich, 5 ©) 
Stat. 184. Insel Manipa. ı I (Mi 

Stat91852 3220 25: 127.2225.00: IaEx2 (©)! 

Sta#1892 22220255, 12624065.0: A 15 (ie ne 8) 
Stat. 194— 197. Zwischen Sula Besi und Obi Major. 2 Ex. (J'J). 

StmrE 20830 32.055, 1242 15.5.0: 5 15 (ee 1 S)E 
Stat. 215%. Insel Kabia. (18 (3, ren WO) 
Stat. 220. Pasir Pandjang, Westküste Binongka. ISeBx (TOr EC, 5 90) 
StatW>23- 05 498.775,51202274.3. 0: a 1955 (rel (ofen 163 00) 
StaE224.152344 8, 12724 ©: 37 Ex. (19 d’d,, 18 99) 
Stat. 225. Insel Lucipara. 7} 38 oo ZERO 
Stal8229942 272 585,11282390.3.0. OLE (3, NEO OD)! 


Wenn auch die verschiedenen Habitusbilder der Tiere (Fig. 104— 108) einige Differenzen 
aufweisen, so sind doch nur zufällige Zusammenziehungen oder Schrumpfungen in der Conser- 


virungsflüssigkeit daran schuld, und sämtliche Exemplare stimmen im Wesentlichen überein. 


94 


Der langgestreckte, drehrunde Rumpf geht vorn ohne Einschnürung in einen nur schwach 
ausgebildeten Rüssel über, während hinten, wo sich der Umfang des Rumpfes zwar gleich 
bleibt, der Hautmuskelschlauch aber beträchtlich enger wird, der Eingeweidenucleus den Körper 
abgrenzt, und nur ventral, unterhalb des Nucleus, der kurze Schwanz eine Fortsetzung des 
Leibes darstellt. Die Flosse ist nicht, wie bei P/erotrachea, dem Nucleus genähert, sondern im 
Gegenteil mehr nach vorn gerückt. Ihre Gestalt ist ziemlich symmetrisch und geht zur Genüge 
aus den Figuren 104— 108 hervor. 

Stirnhöcker oder sonstige Hartgebilde der Haut, sowie die grossen runden Flecken von 
Pterotrachea fehlen hier gänzlich. Die Oberfläche des Körpers überzieht ein niedriges Platten- 
epithel, dessen Zellen sich an einer Stelle übereinander schichten, und zwar zwischen der 
Analöffnung und dem Osphradium, wo die Kiemen gelegen sind (Fig. 98— 101, %). Es sind dies 
einfache Verdickungen der Haut, in denen ich Gefässe nicht wahrnehmen konnte. Erwähnenswert 
ist, dass sich auch hier!) ein Dimorphismus der Geschlechter bemerkbar macht; die Kiemen 
sind nämlich bei den Männchen (Fig. 98) nur wenig ausgebildet, oft kaum sichtbar, in den 
günstigsten Fällen sind nur zwei kleine Hervorragungen sichtbar, während beim weiblichen 
Geschlecht (Fig. 99101) nicht nur die Zahl meist etwas grösser ist (man kann deren oft vier 
zählen, von denen dann die beiden seitlichen die kleinsten sind), sondern die Kiemen sind auch 
stets etwas besser entwickelt. 

Wie im ersten Abschnitt erwähnt wurde, haben schon MacponAaLp, und neuerdings 
Vavssıkre diese sehr kleinen Kiemen gesehen, und letztgenannter Autor hat sie auch als solche 
gedeutet, ohne indessen mehr als eine flüchtige Bemerkung im Text dieser Tatsache zu widmen. 
Für das Nähere kann auf das im ersten Abschnitt Gesagte verwiesen werden. 

Die Musculatur des Leibes, sowie der Flosse wurde schon oben beschrieben und in 
Fig. 95—97 wenigstens teilweise wiedergegeben. Nur kann ich hinzufügen, dass sich vor dem 
Nucleus zuweilen eigentümliche Zusammenschnürungen des Rumpfes finden, von denen ein Fall 
in Fig. 104 abgebildet wurde. Die vordere dieser Einschnürungen war zudem mit einer starken 
Torsion der Rumpfmusculatur verbunden, während die zweite (Fig. 101) nebst dieser Torsion 
die hier gelegenen Organe derartig verunstaltet hat, dass ich hier nur eine Herzkammer, aber 
kein Atrium beobachten konnte. Zweifellos sind solche Missbildungen nur zufällig und vielleicht 
dadurch entstanden, dass energische Entringungsversuche des Tieres, das am hinteren Körper- 
ende festgegriffen wurde, durch Drehungen um die Längsachse, die betreffende Stelle stark 
gedreht haben. 

Nebst den Kiemen, von denen ich es dahingestellt sein lasse, ob sie auch bei anderen 
Firoloida-Arten vorkommen können, ist das hauptsächlichste Merkmal der Art in dem schon 
von VAYSSIERE ganz richtig beschriebenen Schwanz gegeben. Er erwähnt nämlich „un prolonge- 
ment charnu trilobe qui constitue l’extremite caudale. Cette portion du corps de Zzrolorda 
Kowalewskyi est assez caracteristigque pour distinguer cette espece de /. Desmaresti; sur le 
prolongement du corps nous avons d’abord un lobe median, sorte de pyramide comprimee dont 
l’ar&te superieure est seule distincte. Ce lobe median offre de chaque cöte, insere un peu dor- 


1) Weiter sind Geschlechtsunterschiede bekanntlich in Saugnapf und Tentakeln gelegen. 


95 


salement, un lobe lateral plus petit en forme de denticule crochu A concavite interne et dont 
le bord externe englobe la partie infero-anterieure du nucleus, puis va se perdre A la surface 
du corps’”. 

Mit dieser Beschreibung, zu deren besserem Verständniss die Figuren 99— 101 dienen 
können, bin ich ganz einverstanden, mit dieser einzigen Einschränkung, dass sie nur für das 
Weibchen Gültigkeit hat. Hier findet sich wirklich ein dreilappiger Schwanz, dessen seitliche 
Fortsätze, je nachdem das Tier in Formol oder Alcohol aufbewahrt wurde, eine verschiedene 
Länge aufwiesen (vergl. z.B. Fig. 99 mit Fig. 100 u. 101a). Beim Männchen ist der Schwanz 
ausnahmslos einfacher gestaltet und wird hier nur durch den medianen, seitlich comprimirten 
Lappen des Weibchens repräsentirt (Fig. 98), an dessen Ende sich ein Schwanzfaden von sehr 
wechselnder Länge inserirt. Dieser Faden kommt zuweilen auch dem Weibchen zu (Fig. 100), 
scheint hier aber immer kleiner zu bleiben. Sein Aussehen ist variabel; bald stellt er nur ein 
einfaches plattes Band dar, mit unregelmässigen Anschwellungen (Fig. 98), bald erscheint er 
wie segmentirt (Fig. 108), indem die Knotenpunkte durch einen tiefschwarzen Ring umgeben 
sind. Segmentirungen, wie die Gliedmassen eines Arthropoden, wie sie SoULEYET für F. Zesueuri 
und Vayssıere für / desmaresti abbilden, habe ich nie gesehen. Bei starker Vergrösserung 
(Fig. 109) zeigt der Faden übrigens nahezu überall das gleiche Aussehen; an der Oberfläche 
liegt ein Plattenepithel, das sich bei der Zusammenziehung des Fadens in zahlreiche Ouer- 
fältchen legt, darunter grobmaschiges Bindegewebe, während im Inneren sich Muskelfiden 
bemerkbar machen, die ich aber nie mit der Körpermuseulatur in Verbindung treten sah, wie 
bei Pferotrachea, da der Schwanz gänzlich der Muskeln entbehrte. An einzelnen Stellen ist der 
Faden knotig verdickt. Das Ganze ist meist farblos; zuweilen kommt Pigment im Epithel vor. 

Während beim Männchen, wie gesagt, der Faden immer vorhanden ist, fehlt er dem 
Schwanze bei den allermeisten Weibchen. Hier aber macht sich eine Eierschnur (Fig. 99— 101) 
bemerkbar, welche zuweilen die Länge des Tieres erreicht und im Inneren eine Menge Eier 
birgt. Die Anordnung dieser Eier ist derartig, dass sie meist in drei um einander gewundene 
Spiralreihen innerhalb der Schnur liegen, am Anfang aber kommt oft nur eine einzige Reihe 
vor. Diese Stelle ist übrigens häufig zu einer dünnen Röhre verengt, welche die Verbindung 
mit einem Hohlraum am Hinterrande des Nucleus darstellt, dessen Epithel die Geschlechts- 
drüse darstellt. 

Auffallend bleibt es, dass Schwanzfaden und Eierschnur einander zu vertreten scheinen. 
Kommt denn der Eierschnur die gleiche Function zu, wie dem Faden, dient sie also, wie dieser 
(wenigstens nach der Meinung verschiedener Forscher) zum Anlocken der Beute? Dies würde 
aber selbstverständlich die Fortpflanzung sehr beeinträchtigen; denn wenn die Schnur abgerissen 
wird, droht natürlich die Gefahr, dass die darin befindlichen Embryonen zu Grunde gehen. Die 
Schnur selbst, sowie die Eier, sind übrigens im Leben von glasheller Durchsichtigkeit, und 
das Ganze fällt also nicht durch Farbe auf. Eine feine, ziemlich regelmässige Querringelung 
lässt sich an der Oberfläche der Schnur wahrnehmen. 

Die aus 27 Querreihen zusammengesetzte Radula (Fig. 110) zeigte, besonders bezüglich 
der Mittelplatte, zahlreiche individuelle Abweichungen; so gross aber, wie VayssıkrE den Mittel- 
dorn darstellt, der, nach ihm, fast die Länge der stark entwickelten Seitenhörner der Platte 


96 


gleichkommt, fand ich diesen Fortsatz nie. Die am Vorderrande der Mittelplatte gelagerte 
„portion demi-membraneuse” (VavssıErE), welche ich allerdings auch bei Perotrachea nie ver- 
misste, ist kein integrirender Teil der Radula, sondern nur eine Differenzirung der unterhalb der 
letzteren gelagerten Basalmembran. Zwischenplatte und Seitenplatten gleichen in ihrer Gestalt 
denen von Pferotrachea;, die letztgenannten Platten aber sind etwas schlanker, habe eine flachere 
Krümmung, und zeigen an ihrer Basis einen zur besseren Befestigung dienenden, nach hinten 
und nach aussen gerichteten Fortsatz. 
Gaumenzähne kommen bei /zrolorda nicht vor. 


Die Länge der Tiere wechselt von 4 bis zu 35 mm., ohne den Rüssel einzurechnen. 


Notizen über Lebensweise und Verbreitung der PTEROTRACHEIDAE. 


Innerhalb dieser Familie erreicht die Anpassung an die pelagische Lebensweise bei den 
Heteropoden ihre höchste Stufe. Der gallertige, äusserst wasserreiche Körper besitzt eine solche 
Durchsichtigkeit, dass sogar eine grosse Perotrachea, im lebenden Zustande in ihrer natürlichen 
Umgebung, sich den Augen des Beobachters leicht entzieht. Nur bei den Bewegungen des 
Tieres wird man darauf aufmerksam gemacht. Das Schwimmen geschieht ziemlich rasch und in 
dieser Hinsicht besteht ein deutlicher Gegensatz zu den langsameren und plumperen Carinariidae. 
Bei starker Anstrengung werden die sonst energischen Schwingungen der Flosse fast ganz 
eingestellt und der ganze langgestreckte Körper bewegt sich schlängelnd im Wasser vorwärts. 
Dabei wird dann der lange Schwanzfaden, dessen Rolle im Leben des Tieres noch immer 
unsicher ist, nachgeschleppt. Beunruhigt man das Tier nicht, so sucht es mittels des sich 
ständig hin und her krümmenden Rüssels die Umgebung ab; freilich scheint das Benehmen mehr 
ein Tasten zu sein, und die grossen, complizirt gebauten Augen machen nicht den Eindruck, 
wesentlich mitzuhelfen, da, wie ich mich überzeugen konnte, das Tier, in gerader Linie fort- 
schwimmend, gegen alle im Wege stehenden Gegenstände anprallt. Wird irgend eine Beute 
mit der Radula erfasst, so wird sie lange herumgetragen und allmählich, unter Mitwirkung der 
Palatinzähne (bei P/erotrachea wenigstens) verspeist. Die eigenen Artgenossen werden, wenn 
sie sich nicht erwehren können, ohne Gnade angefallen und getötet. Andererseits droht den 
Tieren die Gefahr, von den zahlreichen Feinden angefressen zu werden, und Pierotrachea, in 
allen Graden der Verstümmelung, ist eine keineswegs seltene Erscheinung. Die energischen 
Bewegungen von Tieren, bei denen nur noch der Rumpf mit der Flosse übrig geblieben war, 
veranlassten D'ORBIGNY, und später RarrrAv, zu der Annahme einer Untergattung Anops. 

Bezüglich der Häufigkeit der Pterotracheidae scheint das Verhalten in verschiedenen 
Meeren nicht das Gleiche zu sein. Im Mittelmeer bilden sie unstreitig, wie schon PEron et LESUEUR 
hervorheben, und alle Forscher in Neapel zugeben können, die Hauptmasse der Heteropoden 
überhaupt und gehören zu den gewöhnlichsten pelagischen Tieren; ja, sie sind in dieser Hinsicht 
sogar den Atlantiden überlegen. Anders verhält es sich, wie es scheint, in den Tropen. Trotz 


der Angabe n’Orsıcny's, der Pierotrachea hier in grosser Menge erbeutete, stimmen Huxrev, 


97 
MACDONALD, SOULEYET und Rarrray in Anbetracht der relativen Seltenheit der schalenlosen 
Heteropoden ziemlich überein. 

Die Befunde der Siboga-Expedition zeigen nun, dass im ost-indischen Gebiete die Ptero- 
tracheidae häufig auftreten. Die Arten von Pierotrachea wurden aber immer einzeln und nie 
zu grösseren Schwärmen vereinigt angetroffen. Bei /Zroloida liegt allerdings die Sache anders; 
denn eine solche Menge, ein derartiges massenhaftes Auftreten dieser Gattung, und dazu noch 
einer einzigen Art, war noch nie verzeichnet worden. 

Über den Verbreitungsbezirk der Arten lassen sich, bei der grossen Unsicherheit in der 
Systematik der Familie, zur Zeit noch keine zuverlässigen Angaben machen; nur ist das Vor- 
kommen von Züroloida kowalewskyt, welche Art ursprünglich von den Canaren verzeichnet 


wurde, im ost-indischen Meere erwähnenswert. 


SIBOGA-EXPEDITIE LT. 13 


ABSCHNITT IE 


DIE MORPHOLOGISCHE BEDEUTUNG DER HETEROPODENFLOSSE. 


Die Frage, ob das den Heteropoden zukommende Bewegungsorgan das in den ver- 
schiedenen Familien sehr verschiedene Ausbildung zeigt, mit dem sohligen Fuss der Gastropoden 
homolog sei, hat schon verschiedene Forscher beschäftigt, ist aber seit langer Zeit nicht wieder 
aufgenommen worden. Wenn ich es jetzt wage die Morphologie der Flosse zu besprechen, 
so will ich ausdrücklich hervorheben, dass wesentlich Neues hier nicht gegeben werden kann, 
vielmehr nur eine Combinirung zweier Theorieen versucht wird, welche Verbindung, wie ich 
meine, das Richtige trifft. 

Die zwei wichtigsten Arbeiten, welche die morphologische Bedeutung der Heteropoden- 
flosse einer eingehenderen Besprechung unterzogen, sind die fast gleichzeitig (1888) erschienenen 
Schriften Kauıpe's und GRrOBBEN’s. Da besonders der Erstere sich auf eine ausführliche Darstel- 
lung der Ansichten seiner Vorgänger einlässt und in den ı8 Jahren, welche seitdem verflossen 
sind, soviel ich weiss, kein weiterer Versuch in dieser Richtung gemacht wurde, so kann ich 
mich darauf beschränken, hauptsächlich auf die Auseinandersetzungen KALIDE’s zu verweisen, 
wenigstens in historischer Hinsicht. Nur will ich ganz kurz angeben, welche Meinungen von 
den verschiedenen Autoren im Laufe der Zeit geäussert wurden. 

Der Erste, der eine Homologisirung versuchte, war LEUCKART, der die Flosse der Hetero- 
poden als den seitlich zusammengedrückten Gastropodenfuss auffasste, wobei der Saugnapf als 
Rudiment des Kriechfusses anzusehen wäre '). 

Auch Hvuxrey sprach sich in dieser Weise aus. Nach ihm wäre die Flosse als Propodium, 
der Saugnapf als Mesopodium zu betrachten, auch müsste der nach hinten hervorragende Schwanz 
ebenfalls als Teil des Fusses aufgefasst werden, der von ihm Metapodium genannt wurde. Alle 
drei Teile: Flosse, Saugnapf und Schwanz wären also Differenzirungen des Fusses, und zwar so, 
dass diese Dreiteilung den ursprünglichen Typus bei sämtlichen Weichtieren darstellte. 

Die Ansicht GEGENBAUR'S stimmt fast ganz mit der von LEuckArr und Hvxrev überein. 
Nur nennt er Flosse und Saugnapf zusammen das Propodium und fasst beide Gebilde somit 


als zusammengehörig auf. Der Schwanz wird auch hier als Metapodium bezeichnet. Später aber 


ı) Bezüglich der letzteren Meinung hat sich LEUCKART aber nicht deutlich ausgesprochen. 


99 


änderte GEGENBAUR (Grundriss vergl. Änat., 1878) seine ursprüngliche Meinung dahin ab, dass 
die Flosse allein mit dem Gastropodenfusse zu vergleichen wäre, der Schwanz dagegen eine 
einfache hintere Fortsetzung des Körpers, rückwärts vom Fusse, darstelle und also nichts mit 
dem eigentlichen Fusse zu schaffen habe. 

Die Stellung, welche Ray Lankester zu dieser Frage nahm '), wich in einigen Punkten 
ab. Er fasst die Flosse der Atlantiden als Propodium, aber teilweise auch als Mesopodium 
auf, während der Saugnapf als der andere Teil des Mesopodiums gedeutet wird. Bei den 
Carinariiden und Pterotracheiden wird Flosse mit Saugnapf als Mesopodium bezeichnet; das 
Propodium aber bilde einfach die ventrale Fläche der vorderen Rumpfhälfte. Das Metapodium 
sei im Schwanze erhalten. 

Kronn stützte sich vorwiegend auf seine an Heteropodenlarven gemachten Befunde. Er 
meint, dass der bei den Larven an der ventralen Seite, hinter dem Munde, auftretende Höcker, 
der hier ein Operculum trägt, den Gastropodenfuss darstelle; dieser Deckelträger bleibt nur bei 
den Atlantiden erhalten; bei den Familien aber, bei denen sich das Tier nicht in die Schale 
zurückziehen kann oder gar keine Schale vorhanden ist, sei später der Deckel, und damit auch 
der Träger verschwunden. 

For, der ebenfalls von entwicklungsgeschichtlichen Tatsachen ausgeht, sieht, ganz wie 
Kronn, den Deckelträger der Larve (und der ausgewachsenen Atlantiden) als Fuss an. Da die 
Flosse an einer scharf umschriebenen Stelle des Vorderrandes des Fusshöckers entsteht, kann 
sie, nach For, nicht als integrirender Teil des Gastropodenfusses, aufgefasst werden. 

Letzterer Auffassung huldigte auch GRENACHER, der in einer ausführlichen Erörterung 
zeigte, „dass der Kielfuss als ein durchaus neues Gebilde, auch wenn er teilweise auf Kosten 
des Protopodiums entsteht, nicht mit dem Fusse der Gastropoden verglichen werden kann. Er 
ist ein Organ sui generis, characteristisch für die Heteropoden, und wir wollen ihn, im Gegen- 
satz zum Protopodium, als Deutopodium bezeichnen”. Die Protuberanz an der ventralen Fläche 
der Larve, der Deckelträger, ist, nach GRENACHER, der eigentliche Gastropodenfuss, den er 
Protopodium nennt; dieses Protopodium ist bei den ausgebildeten Heteropoden nur bei den 
Atlantiden erhalten geblieben, bei den beiden anderen Familien aber nur im Larvenzustande 
erhalten und später ganz verschwunden. 

Die Ansicht Grenacher’s, dass die Flosse eine den Heteropoden eigentümliche Bildung 
darstelle, wurde nicht wenig verstärkt durch die anatomischen Befunde Karıpe's, nach welchen 
die Flosse (wenigstens bei den Carinariiden und Pterotracheiden) eine Ausstrahlung des Spindel- 
muskels sei, und zu der Körpermusculatur in gar keiner Beziehung stehe. Er sagt: „während 
wir in dem Schwanze eine Ausstülpung des Körpers, hervorgegangen durch lokales Wachstum 
der Körperwände erblicken, müssen wir die Flossenbildung, wie sie uns bei.... Heteropoden 
entgegentritt, als eine Hervorsprossung des Spindelmuskels, oder eines Teiles desselben, auffassen”. 
Die Flosse wird also als ein selbstständiges Organ betrachtet; und, in Übereinstimmung mit 
GRENACHER, hält Karıpe den Saugnapf für unwesentlich, dem keine besondere morphologische 


Bedeutung beizumessen wäre. 


1) Encyclopaedia britannica, 1883, vol. XVI, pag. 654. 


100 


Eine geringfügige Abänderung wurde dann noch von GROBBEN angebracht. Erstens ist 
nach ihm, die Heteropodenflosse zwar ein nur dieser Tiergruppe zukommendes Gebilde, nicht 
aber selbstständig entstanden, sondern eine Differenzirung des Protopodiums und deshalb nicht 
als Deutopodium, sondern als Pterygopodium anzusprechen, um damit eine gewisse Beziehung 
zum Fusse auszudrücken. GROBBEN hebt hervor, dass bei den Strombiden der Fuss sich in 
Deckelträger und in einen vom Körper scharf gesonderten, auf einem Stiele getragenen, Kriech- 
fusse geteilt hat. Der Vorderrand dieses Stieles wäre dann bei den Heteropoden allmählich zu 
der Flosse ausgewachsen. Die phylogenetische Reihe der Heteropoden zeigt, nach GROBBEN, das 
Hervorwachsen dieser Flosse und das allmähliche Abdrängen des Kriechfusses (i.e. des Saug- 
napfes) in allen Stufen der Ausbildung. Bei dieser Wanderung des Saugnapfes verliert er immer 
mehr an Grösse, rückt vom Hinterrande der Flosse allmählich an die Unterseite und schliesslich 
sogar ganz nach vorn (bei /7zrolo:da); bei den Pterotracheiden ist er ein secundäres Geschlechts- 
merkmal geworden. 

Aus dieser flüchtigen historischen Skizze geht hervor, dass die Meinungen der ver- 
schiedenen Forscher, wenn man zunächst nur die Flosse ins Auge fasst, in den folgenden zwei 


Sätzen zusammengefasst werden können: 


ı" Die Flosse der Heteropoden ist eine Differenzirung des ursprünglichen Gastropodenfusses, 
der seitlich zusammengedrückt ist, entweder in ganzer Ausdehnung, oder nur teilweise 
(LEUCKART, Huxtev, RAY LANKESTER, GEGENBAUR). 


° Die Flosse ist ein vollkommen selbstständiges Organ, eine Bildung sui generis, welche nur 


D 


den Heteropoden eigentümlich ist und hier als Deutopodium aufgefasst werden muss. Diese 
Meinung, auf die von Kronn und For gemachte Beobachtung sich stützend, nach welcher 
die Flosse bei der Larve an einer bestimmten Stelle vor dem Fusshöcker (Deckelträger) 
hervorwächst, wurde zuerst von (GRENACHER geäusserst, später von KALIpE noch dadurch 
bestätigt, dass der Nachweis einer vollkommenen Unabhängigkeit der Flossenmusculatur 
einerseits und der Körpermuskeln andrerseits geliefert zu sein schien, indem die Flosse die 


Ausstrahlung des Spindelmuskels darstelle. 


Wenn letztgenannter Autor zugibt: „es ist wohl möglich, dass bei dem Hervorwachsen 
des Spindelmuskels aus dem Leibesraum diejenigen Gewebe, welche an der Stelle liegen, wo 
das Protopodium in den Körper übergeht, mit in die Neubildung hineingezogen werden, so dass 
es vielleicht den Anschein gewinnt, als ginge(n) die Flosse(n) aus dem Protopodium hervor”, 
so nähert er sich damit der Ansicht GrossBEn’s, welche zwischen den beiden oben genannten 
Meinungen eine Mittelstellung einnimmt. Nach GRroBBEN wäre die Flosse am Vorderrande des 
Fussstammes entstanden, und stände somit in Beziehung zum Fusse, weshalb der Namen 
Pterygopodium vorzuziehen wäre. Einen Gegensatz zwischen Protopodium (= Kriechfuss der 
Gastropoden) und Deutopodium, wie GRENACHER es will, weist GROBBEN somit zurück. 


Bezüglich des Saugnapfes sind die Ansichten ebenfalls in zwei Gruppen zusammenzufassen: 


ı" Der Saugnapf ist ein zufälliges Gebilde, dem keine morphologische Bedeutung zukommt 


(GRENACHER, KALIDE). LEUCKART hat sich in dieser Hinsicht nicht bestimmt geäussert. 


IO1I 


2" Der Saugnapf gehört zum Gastropodenfusse und stellt entweder den ganzen Fuss dar (wobei 
seine Function noch fast ganz dieselbe bleibt) oder nur teilweise, indem ein Teil sich zudem 
noch in der Flosse, ein anderer Teil sich im Schwanze forterhält. Für diese Ansicht sprachen 


sich die meisten Forscher aus (Huxrev, Rav LANKESTER, GEGENBAUR, SOULEVET, GROBBEN). 


Was schliesslich den Schwanz betrifft, so muss von vornherein betont werden, dass es 
sich hier um ein Zusammenwerfen zweier verschiedener Beeriffe handelt. Der Schwanz der 
ausgebildeten Carinariiden und Pterotracheiden ist deshalb demjenigen der Atlantiden nicht 
gleichzustellen, weil den letzteren Tieren ein gesonderter Deckelträger zukommt, der den anderen 
Familien abgeht. Daher muss ich annehmen, dass dem Schwanze der Heteropoden nicht überall 
dieselbe Deutung zukommt, und werde diese Ansicht gleich näher begründen. 

Am besten werden zuerst Flosse und Saugnapf zusammen besprochen. 

Zunächst versuchen wir die Lösung der Frage: ist der Saugnapf ein accessorisches Gebilde, 
ohne besondere Bedeutung, oder aber haben wir in ihm den Gastropodenfuss zu erblicken? 

Die Antwort kann, meiner Meinung nach, nicht allzu schwierig gefunden werden. Schon 
GROBBEN wies nach, dass der Saugnapf, bei den Atlantiden sehr gross und muskelreich (besonders 
bei Oxygyrus), und hier ganz nahe am Körper gelegen, allmählich bei den anderen Familien 
an Grösse verliert und dabei durch die sich immer mehr ausbildende Flosse vom Rumpfe 
abgedrängt wird. Aus dem Vergleich der Lage des Saugnapfes bei den phylogenetisch ältesten 
Formen (Atlantiden) und den nächsten Verwandten (Strombiden) geht hervor, dass der Saug- 
napicbei.den bieteropoden den Kriechfuss der Gastropoden darstellt. Bei 
Oxygyrus und Atlanta ist die Function noch dieselbe geblieben, indem diese Tiere, nach den 
Angaben SouL£ver’s, sich mittels des Saugnapfes an fremde Gegenstände anheften können, ja, 
sogar zuweilen eine kurze Strecke kriechend zurücklegen, wie es die Gastropoden zu tun pflegen. 
Nach Rang saugt auch Carzinaria sich mit dem Saugnapfe an andere Körper fest. 

Bei Carinariiden und Pterotracheiden tritt der Kriechfuss ontogenetisch sehr spät) auf, 
kommt bei der letzten Familie nur den Männchen zu (in den allermeisten Fällen) und ist hier, 
wie ich mit GROBBEn annehme, als secundäres Geschlechtsmerkmal aufzufassen °); wenn er über- 
haupt noch zum Ansaugen benützt wird, wird dies wohl nur bei der Copulation stattfinden. 

Der Kürze halber verweise ich hier auf die Beweisführung GROBBEN’S. 

Jetzt fragt es sich aber: ist der Saugnapf allein der Kriechsohle der Gastropoden 
homolog? Mit anderen Worten: sind in anderen Teilen des Heteropodenkörpers vielleicht auch 
noch Reste des Fusses erhalten geblieben? 

Zur Beantwortung dieser Frage muss nun die Besprechung der Flosse herangezogen 
werden. Erstens haben wir dann zu entscheiden, ob die Flosse einfach einen Fussteil darstelle 
oder eine Bildung sui generis sei. 

Wäre das Erstere richtig, so müsste in der Flossenmusculatur, meiner Ansicht nach, 


nirgends eine Spur fremdartiger Muskeln gefunden werden; es müsste also die Hauptbedingung 


1) Wenigstens nach den Angaben Kronun’s. Die sehr jungen Larven, welche von PELSENEER abgebildet sind (s. weiter unten) 
weisen einen deutlichen Saugnapf auf. 
2) Ein anderer Fall von Sexualdimorphismus, bei Mollusken sonst keineswegs häufig, ist bei den Heteropoden noch in den 


Tentakeln der Zirol/oida-Männchen gegeben. 


102 


gestellt werden: es kommen nur Fussmuskeln in der Flosse vor, und die Musculatur dieses 
letztgenannten Organes ist dem des Saugnapfes ganz ähnlich. 

Dies ist nun aber keineswegs der Fall. Aus den Untersuchungen GEGENBAUR's und 
Karıpe's geht überzeugend hervor, dass die Flosse entweder ganz oder doch zum grössten 
Teile durch den Spindelmuskel gebildet wird; zudem wissen wir durch Kroun und For, dass 
die Flosse gleich nach dem ersten Auftreten des Fusshöckers (der Deckelträger) als gesonderter 
Fortsatz entsteht. 

Das Bewegungsorgan der Heteropoden ist somit eine Neubildung, aber es wird jetzt unsre 
Aufgabe sein, zu untersuchen, ob nicht etwa Reste von Fussmuskeln in der Flosse erhalten 
sein können. Dafür ist es nötig, den tatsächlichen Verhältnissen genau nachzugehen. 

Die Flosse der Atlantiden lässt drei verschiedene Muskelschichten erkennen. Die beiden 
äusseren Schichten gehören der Körpermusculatur an und sind also wie diese, genau genommen, 
doppelt, indem sich die kreuzweise verlaufenden Faserzüge der Körpermuskeln ohne Weiteres 
auf die Flosse fortsetzen. Nur am freien Unterrande kommen diese Schichten nicht vor. Zu 
innerst strahlt der aus der Schale herabsteigende Spindelmuskel in die Flosse aus und durch- 
setzt sie bis zum Ende. 

Die Körpermuskeln der Atlantiden setzen sich also continuirlich auf 
die Flosse fort. Diese Tatsache wurde schon ausdrücklich von GEGENBAUR betont. KALIiDE 
der für die vollkommene Selbstständigkeit der Flossenmusculatur ganz bestimmt eintritt, eitirt 
die diesbezügliche Stelle GEGENBAUR’s (er konnte selbst keine Atlantide untersuchen), und lässt 
darauf folgen: „man sieht ein, dass ich vollkommen geschlagen bin, sobald die von GEGENBAUR 
gegebene Schilderung zutrifft. ..... Ich glaube, dass bei genauerer Untersuchung die Flosse von 
Atlanta dieselbe Beschaffenheit der Musculatur aufweisen wird wie die von Carinaria und 
Pterotrachea..... Es wird sich auch herausstellen, dass die Musculatur der Flosse nicht im 
Zusammenhang steht mit der Körpermusculatur, sondern irgendwie ihren Ursprung aus dem 
Spindelmuskel nimmt’. | 

Da ich aus eigener Erfahrung die Angabe GEGENnBAUR’s nur bestätigen kann, so muss 
ich diese Vermutung KALiDE's zurückweisen. 

Weiter wäre noch hinzuzufügen, dass die Muskeln des Saugnapfes nirgends mit der 
Flossenmusculatur in directem Zusammenhang stehen. 

Bei Carinaria besteht die Flosse zu äusserst aus zwei Doppelschichten, welche deutlich 
vom Spindelmuskel herstammen. Sie gehen aus zwei Lamellen hervor, welche von der Basis 
der Flosse divergirend nach oben steigen und deren Fasern, zwischen welchen häufig Lücken 
zu sehen sind, fast gerade emporsteigen, um oben zwischen den zu ihnen senkrecht verlaufenden 
Körpermuskeln auszustrahlen und keine Verbindung mit den letztgenannten Mus- 
keln einzugehen. Nur am distalen Rande der oben erwähnten Muskellamellen gehen die 
Fasern, ohne sich zwischen den Körpermuskeln zu verlieren, in die hintere Wand des gerade der 
Flosse gegenüber gestellten Nucleusstieles und von dort in den Eingeweidesack selbst über '). 


Die beiden Muskelplatten sind offenbar aus dem Spindelmuskel entstanden zu denken, 


ı) Nach KALIDE gingen sämtliche Fasern der breiten Muskelbänder aus der Hinterwand des Eingeweidesackes hervor. 


103 


und zwar, wie ich annehme, derart, dass, im Interesse einer besseren Zurückziehung der Flosse 
in den Körper hinein, die Fasern des proximalen Teils der Muskelplatten sich secundär der 
Körpermusculatur angeschmiegt haben, ohne aber, um es noch einmal hervorzuheben, mit ihr 
in continuirliche Verbindung zu treten. 

In der Flosse teilt sich jede der mehrfach erwähnten Platten in eine Doppeltschicht 
kreuzweise ‚verlaufender Fasern, deren Anordnung schon ganz genau von Karnıpe geschildert 
wurde und, wie ich bestätigen kann, der der Körpermuseulatur gerade entgegengesetzt ist. Die 
beiden Aussenschichten der Flosse von Carinaria sind also aus dem Spindelmuskel hervor- 
gegangen und Körpermuskeln fehlen der Flosse ganz. 

Besonders wichtig scheint mir eine Angabe Karıpn's, welche auch ich bestätigt fand. 
Er erwähnt nämlich, unterhalb der Doppeltschicht welche zu oberst liegt, „ein Muskelsystem, 
dessen zarte Faserstränge parallel zu einander und in geringen Abständen in der Richtung der 
Längsachse des Körpers verlaufen, vorn und hinten den Flossenrand erreichen und sich hier 
meist gablig spalten. Nach unten zu erstreckt sich dieses Stratum nicht ganz bis an den Rand 
der Flosse, sondern hört eine Strecke vor demselben auf”. Die Fasern dieser Mittel. 
schicht nun halte ich ganz bestimmt für Reste von Fussmuskeln. Erstens 
spricht dafür ihre Anordnung in einer Richtung welche der Längsachse des Körpers parallel 
geht. Zweitens treten sie nicht mit den Aussenschichten in Verbindung, sondern bleiben durch 
eine Gallertschicht isolirt. Und endlich heften sie sich, wenigstens zum Teil, direct an den 
Saugnapf an. Dieser ist bekanntlich bei Carinaria unten am Hinterrande der Flosse gelegen. 

Die Flosse wird also auswendig von den Ausstrahlungen des Spindel- 
muskels gebildet; zu innerst aber liegen noch Rudimente von Fussmuskeln. 

Das Verhalten der Pterotracheiden ist bald besprochen. Die Flosse wird, wie schon 
wiederholt von anderen Forschern beschrieben worden, nach oben von drei Paar Muskelstümpfen 
(bei Plerotrachea) getragen (Reste des Rückziehmuskels), welche sich zwar zuweilen (das vordere 
Paar nämlich) der Körperwand anlegen, aber deren Fasern sich dann ganz ähnlich wie die des 
Vorderteils der Muskelplatten bei Carinaria verhalten und also zwischen den Körpermuskeln 
ausstrahlen. Das zweite und dritte Paar bildet eine Schlinge, deren Gipfel nur durch Binde- 
gewebsfibrillen mit den Körpermuskeln in Verbindung tritt. Von den Stümpfen wird weiter die 
ganze Musculatur der Flosse geliefert; an der Aussenseite liegen hier also, rechts und links, 
Doppeltschichten, welche aber keine Fussmuskeln zwischen sich fassen. Bei /Üroloida trifft das 
nämliche zu (s. 5. 90). Wo ein Saugnapf vorhanden (nur beim Männchen), sind dessen Muskeln 
wie besonders deutlich bei Pierotrachea ersichtlich ist, streng von der Flossenmusculatur geschieden. 
Der Saugnapf liegt hier entweder in der Mitte des Unterrandes (Plerotrachea) oder an der 
Vorderseite der Flosse (/Troloida). 

Fassen wir das über die Anatomie der Heteropodenflosse Gesagte kurz zusammen, so 
ergiebt sich das Folgende: 

Die Flosse ist eine den Heteropoden eigentümliche Neubildung, durch Ausstrahlung des 
Spindelmuskels entstanden. In dieser Hinsicht bin ich mit Karıne einig. Der Spindelmuskel stellt 
das active Element dar, und treibt die vor ihm liegenden Körperteile vor sich her. 


Ich stelle mir nun die phylogenetische Bildungsweise so vor: in Zusammenhang mit de 


104 


pelagischen Lebensweise entstand das Bedürfniss zu einem Fortbewegungsorgane. Dieses wurde 
dadurch geliefert, dass der Spindelmuskel, unabhängig vom Fusse, aber zwischen diesem 
und der Basis des Rüssels die Körperwand vor sich her trieb und zwar derartig, dass nicht 
nur die gallertige Rumpfbedeckung, sondern auch die Körpermusculatur mit ausgestülpt wurde. 

Die phylogenetisch älteste Familie (Atlantiden) zeigt noch jetzt dieses Verhalten. 

Karıpe war der Ansicht, dass bei der Bildung der Flosse sich „nur die Epidermis und 
die gallertige Cuticula” (es ist dabei wohl die Cutis gemeint) auf sie fortsetzen. Das tatsächliche 
Verhalten bei den Atlantiden zeigt nun aber, dass ursprünglich auch die Körpermuskeln mit in 
die Flosse hineinbezogen wurden. 

Bei den Carinariiden liegt die Sache anders. Erstens haben sich die Körpermuskeln von 
der Oberfläche der Flosse zurückgezogen, so dass jetzt die Aussenschicht durch den Spindel- 
muskel gebildet wird. Zugleich aber hat sich die Flosse hinten stark ausgebreitet und hat dabei 
den Fussstamm, der bei den Atlantiden noch unmittelbar mit dem Rumpfe zusammenhing, ganz 
in sich aufgenommen. Infolgedessen ist der Fuss (der Saugnapf) ziemlich weit vom Körper 
abgedrängt worden. 

Ein wichtiger Beweis für diese Ansicht, welche zuerst von GROBBEN ausgesprochen wurde 
scheint mir darin gegeben, dass die Fasern der Mittelschicht in der Flosse als Fussmuskeln 
gedeutet werden können, wie ich oben zu beweisen versuchte. Die Muskeln des Fussstammes 
sind also secundär in die Flosse hineinbezogen worden, und verhalten sich, in Gegensatz 
zum Spindelmuskel, ganz passiv. 

Das Hineindrängen der Flosse zwischen Körper und Fuss ist bei den Pterotracheiden 
noch weiter gegangen, bei /TZrolorda liegt der Fuss (der Saugnapf) sogar in der Mitte des 
Vorderrandes der Flosse. Bei diesem Prozesse sind die Fussmuskeln, welche bei Carinaria die 
Mittelschicht der Flosse bildeten, gänzlich verschwunden; nur diejenigen Teile, welche mit dem 
Saugnapfe (bei Pferotrachea) zusammenhingen, sind erhalten geblieben und zeigen sich hier als 
ein vorderes und hinteres Paar kurzer Muskelbändchen, welche divergirend von der Oberseite 
des Saugnapfes nach oben steigen. 

Das Letztere kurz zusammenfassend, können wir also sagen: 

Die Heteropodenflosse ist eine Neubildung, durch Ausstrahlung des 
Spindelmuskels entstanden und zwar an einer Stelle unmittelbar vor der 
Basis des Fusses. Ursprünglich ist die Flosse noch mit der Körpermuscu- 
latur bekleidet. So tritt uns die Flosse bei den Atlantiden entgegen. 

Später verschwindet die Körpermusculatur von der Flosse und diese 
drängt sich zugleich zwischen den hinter ihr gelegenen Fuss und den 
Körper hinein, wobei noch Reste von Fussmuskeln zwischen den beiden 
Platten des Spindelmuskels erhalten bleiben /(Carinaria), oder, bei weiterer 
Abdrängung des Fusses vom Körper, diese Fussmuskeln nahezu oder 
ganz verschwinden (Pterotracheiden). 

Die Flosse ist ursprünglich gänzlich unabhängig vom Fusse, tritt zu ihm später aber, 
secundär, in Beziehung. Sie ist somit ein Deutopodium, im Sinne GRENACHER's und 


Kauıe's, kein Pterygopodium, das, nach GROBBEN, aus dem Protopodium entsteht. Dem 


105 


letztgenannten Forscher stimme ich aber ganz bei in der Deutung des Saugnapfes als Fuss, 
und in dem Abwärtsdrängen dieses Organes seitens der sich herausbildenden und immer mehr 


sich rückwärts vergrössernden Flosse. 


Nach diesen Auseinandersetzungen fragen wir uns ab: was ist das Protopodium, der 
ursprüngliche Fuss der Gastropoden, bei den Heteropoden? Wird dieser nur durch den Saugnapf 
dargestellt, oder sind vielleicht noch andere Teile am Körper von ihm direct abzuleiten? 

Zur Lösung dieser Frage müssen wir die Entwicklungsgeschichte herbeiziehen. Dank den 
Untersuchungen KRroHn’s, GEGENBAUR's und For's, wissen wir, dass bei der Larve, hinter dem 
Munde, ventral ein Höcker entsteht, der an der aboralen Fläche ein Operculum trägt; dieser 
Höcker oder Deckelträger ist ohne Zweifel als Protopodium (GRENACHER, GROBBEN) zu deuten, 
Gleich vor ihm entsteht sehr bald, als beweglicher Fortsatz, die erste Anlage der Flosse. Es 
wächst dann der Körper des Tieres, als Schwanz, zwischen die Flosse und den Deckelträger 
hinein. Dabei stelle ich mich vor, dass das ursprünglich einheitliche Protopodium der Larve 
durch das erste Auftreten des Schwanzes in zwei Teile gespaltet wird: der vordere Teil wird 
der Saugnapf, der hintere, der noch lange das Operculum behält, bleibt bei den Atlantiden 
zeitlebens erhalten, verschwindet aber gänzlich bei den anderen Familien. Somit kommen 
Saugnapf und Deckelträger, welche zusammen das Protopodium bildeten, 
später durch das Hineindrängen des Schwanzes aus einander zu liegen. 

GRENACHER und KALıpe, welche dem Saugnapfe keine Bedeutung beilegten, meinten den 
ursprünglichen Gastropodenfuss nur im Deckelträger erblicken zu müssen, und deshalb waren sie 
der Ansicht, dass das Protopodium den ausgebildeten Carinariiden und Pterotracheiden fehlte. 

Eine wichtige Stütze für meine Auffassung, dass auch der Saugnapf zum Protopodium 
gehört, erblicke ich in einigen Figuren, welche PELSENEER in einer kürzlich erschienenen Abhand- 
lung gab. Er hat (Taf. II, Fig. 31, 36) zwei sehr junge, offenbar zu Pferotrachea') gehörige 
Larven abgebildet, bei welchen die Schale und das sechszipfelige Velum noch in voller Aus- 
bildung vorhanden sind. Der nach der Dorsalseite des hervorgewachsenen Schwanzes gedrängte 
Deckelträger besitzt ein grosses gewundenes Operculum. Bei diesen Larven ist an der 
Unterseite’) der beilförmigen Flosse schon der Saugnapf entwickelt. Ich 
nehme an, dass dieser Saugnapf an der Flosse nicht potentia, sondern ab origine tatsächlich 
vorhanden war, und, vor dem Auftreten des Schwanzes, mit dem Deckelträger zusammen, das 
Protopodium dargestellt hat. Diese Auffassung wäre aber nur durch genaue Beobachtung sehr 
junger Larven zu beweisen. 


Der Schwanz der Atlantiden ist also aus zwei Teilen zusammengesetzt: ı 
0 


0 


aus dem 
Deckelträger (ein Teil des Protopodiums) und 2° aus einer Fortsetzung des Körpers, dem eigent- 
lichen Schwanze, unterhalb dieses Deckelträgers. Bei den übrigen Heteropoden ist der Deckel- 
träger verschwunden und nur der Auswuchs des Rumpfes bildet hier den Schwanz. Dass, wie 
KALIDE vermutet, ein Rest des Deckelträgers, bei einigen ausgebildeten Carinariiden und Ptero- 


tracheiden, in den flossenförmigen Ausbreitungen am Schwanze, wie sie bei Carinaria-Larven 


2) Die phylogenetische Bildungsweise der Flosse wird offenbar ontogenetisch beträchtlich verkürzt. 


SIBOGA-EXTEDITIE LI. 14 


106 


(nach WarrLomont und PELSENEER) und bei Cardiapoda vorkommen, zu erblicken wäre, kann 
ich nicht annehmen. Erstens liegen diese dünnwandigen, oft stark pigmentirten Gebilde an der 
Spitze des Schwanzes (Pierotrachea, oft auch Cardiapoda), oder sogar an dessen Unterseite ') 
(Carinaria, Cardiapoda). Zweitens besitzen sie entweder gar keine Musculatur, oder, wenn eine 
solche vorkommt, ist sie direct aus den eigentlichen Schwanzmuskeln hervorgegangen. 
Allerdings dürfte das ziemlich constante Vorkommen einer herzförmigen Flosse am 
Schwanzende, bei den Larven von Carinaria (WARLOMONT, PELSENEER), bei Cardıapoda und 
Pterotrachea im erwachsenen Zustande, auf eine gewisse Homologie dieses Organes hinweisen. 


Eine nähere Beziehung zum Protopodium ist aber meines Erachtens nicht nachzuweisen. 


ı) Nachgewiesenermassen drängt der hervorwachsende Schwanz den Deckelträger nach oben. 
Zudem ist von PELSENEER (Fig. 31) eine junge Larve von P/erofrachea abgebildet worden, bei welcher der Deckelträger sich 
noch an der Rückenseite des Schwanzes findet, wo aber zugleich ventral am Schwanze zwei pigmentirte Läppchen zu sehen sind. 


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WOODWARD, Manuel de Conchyliologie, 1870. 


aanan 


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Atlanta 


affınis n. sp. 
cunicula Gould 
depressa Souleyet 
fusca Souleyet. 
gaudichaudi Souleyet 
gibbosa Souleyet . 
helicialis Sowerby 
helicinoides Souleyet 
inclinata Souleyet 
inclinata Vayssiere 
inflata Souleyet 
involuta Souleyet. 
lamanoni (Eschscholtz). 
lesueuri Souleyet . 
mediterranea Costa . 
oligogyra n. Sp. 
peroni Rang : 
planorboides (Forbes) 
primitia Gould. 
quoyana Souleyet 
quoyana Vayssiere 
rosea Souleyet. 
souleyeti Smith 


steindachneri Oberwimmer 


sp. (1) Gray. 

sp. (2) Gray. 
tessellata Gould 
turriculata d’Orbigny 
violacea Gould. 


ATLANTIDAE. 


Cardiapoda d’Orbigny . 


acuta n. Sp.. 

carinata d’ One 
caudina Rang 

caudina (Souleyet) 
pedunculata d’Orbigny . 


REGISTER. 


6, 


Seite 


eg) hey) Ten) 


T 


Sole aoere 


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placenta (Lesson) . 

placenta Smith. 

placenta (Souleyet) 

richardi Vayssiere. 

sp. Gray. 

sp. Macdonald . 

sublaevis n. sp. 

trachydermon n. sp. . 
Carinaria 

CARINARIIDAE 

atlantica Adams et Reeve. 
australis Quoy et Gaimard 
cithara Benson. 

cornucopia Gould. 

cristata Linne . Euer: 
cristata L. var. gracilis Reeve 
depressa Rang . 

elata Sowerby . : 

fragilis Bory de Saint- Vincent 
galea Benson 

gaudichaudi ee 
grimaldi V 


/ayssiere ’ 
lamarcki Peron et Lesueur 


12; 
03,207, 


lamarcki P. et L. var. oceanica Vayssicre. 


macrorhynchus n. sp. 
pseudo-rugosa Vayssiere 
punctata d’Orbigny 

sp. Smith. 

sp. Warlomont. 


Euryops (s. weiter unter Pterotrachea). 53, 


Firoloida 


. aculeata Lesueur . 


blainvilleana Lesueur 
demarestia Lesueur 


. desmarestia Souleyet 
. desmaresti Huxley 
. desmaresti Vayssiere. 


AO: 


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N N. 


80 


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RE. saimardin(d\Orbieny) Pt. fredericia Cantraine . 
BE sraeilisy((Riosch el] ur 5 Pt. gegenbauri (Vayssiere). 
RE. lesweuri (d.Onbıeny) Ws | Pt. gibbosa (Lesueur) 
En lesueurtsSouleyets ers Pt. hippocampus Philippi 
RB. kowalewskyi Vayssiere . 2 Er r703 Pt. hippocampus Vayssiere 
Bsvieilansz(dbcoSsch el) Er 6 Pt. hyalina Forskäl © 
122 sp.2 Macdonald Ps ee Pt. hyalina (cristallina) delle tere 
Be2Sp ORAttrayzr Pt. intermedia n. sp. 
. a 0 : Pt. keraudreni Souleyet. SEE 
ab eHeopesar Zu 2 1Orbieny, ned Pt. („Firoloides’) en Rattray. 
„Monophora cylindracea’” Quoy et Gaimard . 28 Pt. lesueuri Risso . 
Oxygyrus Benson . » 222.449 Pt. lesueuri Macdonald . 
Pt. microptera n. sp. > 
OsintlatuswBenson 5 125, (Euryops) mutabilis n. sp. 
©. keraudreni Rang aaa aaa. Se Ale) Pt. mutica (Lesueur) R 
(O); rangi Souleyet 2 aaa ar Bil) Pt. mutica Cantraine. 
On: SP. IMaedonaldes rer 5, 49 Pt. mutica (Vayssiere) 
Bier some Tesson. 2. ee Pt. (Euryops) Ghopkthalmact n. Sp. 
Pt. peronia (Lesueur). 
Ersplana@ilsesson . . we) Pt. („Anops”) peroni Born 
Beschallenseriun. Sp 22 Pt. pulmonata Forskäl . 
Pterotrachea Forskäl . . . . . .29, 8ı n Es a : 
x er t. rufa Quoy et Gaimard. 
a ee Pt. scutata Gegenbaur 
Biegacnleatas Borskales ro Pt. souleyeti Vayssiere . 
Pt. adamastor Lesson . . Zr Pf-sp. Euyier. NEE DIE TITAN 
Br: en Small 409 Pt. "sp: Smith, 20 ee 
Böschallengeriins spe 2.0.0. 2 ee pe („Anops”) sp. Rattray . 
Besco1onatan Kor ka  ei Pt. sp. Gray. RED 
Beseuviera@(lbesueng)ee 2 Pt. (Euryops) xenoptera n. sp. 
Pt. edwardsi (Deshayes). . . . 37 Pt. talismani (Vayssiere) 
Pt. (Hypterus) erythrogaster ee Sekeiln 409 Pt. umbilicata delle Chiaje. 
Bestorskaliau(lEesneur) er | i 
De elasten (este) u. 33 ENERODRACHETDARE Fe 3 
Birgfrederiein (Blainville)ssr se Er n „Limorienna firoloides” Quoy et Gaimard . 
Pt. friderici(ana) delle Chiaje . 33 


TAFELN 


TAFEL 1. 


Wo bezuglich der Grösse nichts erwähnt wird, sind die Figuren unverändert wiedergegeben worden. 


Fig. 1—2. Oxygyrus keraudreni (Rang). Nach OBERWIMMER. 


>- 
Fig. 3—4. Oxygyrus rangi (Souleyet). Nach SOULEYET. 
Bien. „Oxygyrus n. sp.” Macdonald. Nach MACDONALD. 
Fig. 6—7. Atlanta peroni Rang. Nach SOULEYET. 
Bier 78. Atlanta lamanoni (Eschscholtz). Nach ESCHSCHOLTZ. 


Fig. 9— 10. Atlanta sp. Gray. 
Fig. 9 stellt wahrscheinlich ©. keraudreni, Fig. 10 A. peroni vor. Nach GRAY.. 
Fig. 11— 12. Allanta turriculata d’Orbigny. Nach SOULEYET. 
13—16. Atlanta lesueuri Souleyet. Fig. 13—15 nach SOULEYET. Fig. 16 nach OBERWIMMER. 
17—18. Atlanta involuta Souleyet. Nach SOULEVYET. 
19—20. Atlanta inflata Souleyet. Nach SOULEYET. 
21—22. Atlanta gibbosa Souleyet. Nach SOULEYET. 
. 23—24. Atlanta helicinoides Souleyet. Nach SOULEYET. 
. 25—26. Atlanta inclinata Souleyet. Nach SOULEYET. 
. 27—27a. Atlanta inchnata Vayssiere. Nach VAVSSIERE. 
28—29. Atlanta gaudichaudi Souleyet. Nach SOULEYET. 
30—33. Atlanta fusca Souleyet. Nach SOULEYET. Fig. 32—33 Varietät (SOULEYET). 
34— 35. Atlanta depressa Souleyet. Nach SOULEYET. 
. 36—37. Atlanta rosea Souleyet. Nach SOULEYET. 
. 38— 39. Atlanta quoyana Souleyet. Nach SOULEYET. 


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va va va ua va 0a ua 


ee ee ee De Wo 
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40. Atlanta quoyana \ayssiere. Nach VAYSSIERE. 
Fig. AI. Atlanta mediterranea Costa. Nach COoSTA. 
Fig. 42—43. Atlanta violacea Gould. Nach DRAYTON. 
Fig. 44. Atlanta tessellata Gould. Nach GOULD. 


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Siboga-Expeditie. Er SIDESCH), 


Heteropoda. 


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TAFEL IL. 


45. Atlantia primitia Gould. Nach DANA. 
46. Atlanta cunicula Gould. Nach DANA. 


Fig. 62 
3 Carinaria 
055 Carinaria 


ig. 47—49. Atlanta souleyeti Smith. Nach SOULEYET. 
Fig. 49. 
. 50— 51. Atlanta steindachneri Oberwimmer. Nach OÖBERWIMMER. 
ig. 52—52a. Carinaria cristata (Linne). Nach SMITH. 

ig. 53—54. Carınaria 
ig. 55—58. Carinaria 
2250: Carinaria 
. 60—61. Carinaria 
ig. 62—63. Carinaria 


Operculum. 


cristata var. gracilis Reeve. Nach REEVE. 

lamarcki Peron et Lesueur. Fig. 55 nach REEVE, Fig. 56—58 nach COoSTAa. 
fragilis Bory de Saint-Vincent. Nach BORY DE SAINT-VINCENT. 

depressa Rang. Orig. 2 

australis Quoy et Gaimard. 

nach ()uUOY et GAIMARD, Fig. 63 nach VAYSSIERE. 

cithara Benson. Orig. 1'/, X 

galea Benson. Orig. 1',. 


Fa 


= 


wi 


TAFEL II. 


66—66a, b. Carinaria punctata d’Orbigny. Nach D’ORBIGNY. 


67. 


. 68—69. 


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ar 


NSS NSNNNNTNSNNSN N 
an 


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so. 


Carinaria atlantica Adams et Reeve. Nach ADAMS et REEVE. 
Carinaria gaudichaudi Souleyet. Fig. 68 nach SOULEYET, Fig. 69 nach MACDONALD\ 
Carinaria sp. Smith. Nach SMITH. 

Carinaria elata Sowerby. Nach SOWERBY. 

Carinaria grimaldi Nayssiere. Nach VAYSSIERE. 

Carinaria pseudo-rugosa Wayssiere. Nach VAVSSIERE. 
Carinaria sp. Warlomont. Nach WARLOMONT. 

Pterosoma challengeri n. sp. IO 

Cardiapoda placenta (Lesson). Nach LESSONn. 

Cardiapoda placenta (Souleyet). Nach SOULEYET. 

Cardiapoda placenta Smith. Nach SMITH. 

Cardiapoda pedunculata d’Orbigny. Nach D’ORBIGNY. 
Cardiapoda sp. Gray. Nach GRAY. 


81—Sıa. Cardiapoda carinata d’Orbieny. Fig. Sta. Ventralansicht. Nach D’ÖRBIGNY. 


32. 


Cardiapoda caudina (Rang). Nach Ranc. 

Cardiapoda caudina (Souleyet). Nach SOULEYET. 

Cardiapoda sp. Macdonald. Nach MACDONALD. 

Cardiapoda richardi Vayssiere. Nach VAYSSIERE. 
„Pterotrachea” Cuvier (verstümmelte Carinaria). Nach CUVIER. 


St oga-Exxpeditie. TEA]: Tesch, Heteropoda. I 


P.W.M.Trap, impr 


‚ 


TAFEL IV. 


Carinaria sp. Rattray. Nach RATTRAY. 
„Cardiapoda fedunculata” d’Orbigny. Nach RATTRAY. 
„Carinaroides” sp. Rattray. Nach RATTRAY. 


» Pterotrachea coronata Forskäl. Nach VAYSSIERE. 

. Pterotrachea cuviera (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea peronia (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea gibbosa (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea frederica (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea frederici Blainville. Nach DE BLAINVILLE. 
. Pterotrachea friderici[ana) Chiaje. Nach DELLE CHIAJE. 
. Pterotrachea forskalia (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea mutica (Lesueur). Nach LESUEUR. 

. Pterotrachea mutica Cantraine. Nach KEFERSTEIN. 

. Pterotrachea mutica (N ayssiere). Nach VAYSSIERE. 

. Pterotrachea rufa Quoy et Gaimard. Nach QUOY et GAIMARD. !|. 
. Pterotrachea lesueuri Risso. Nach RISSO. 


x 


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ä Siboga Expeditie. LI. 1. J. Tescn, Heteropoda. IV 


90. 


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103. 


P.W.M. Trap, impı 


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TAFEL V. 


104. Pterotrachea lesueuri Macdonald. Nach MACDONALD. 
105. Prerotrachea adamastor Lesson. Nach LESSoN. 
106. Pterotrachea hippocampus Philippi. Nach PHILIPPI. 
107. Pterotrachea hippocampus (Vayssiere). Nach VAYSSIERE. 
108— 109. Pterotrachea quoyana (d’Orbigny). 
Fig. 109. Ventralansicht. Nach D’ORBIGNY. 
110. Pterotrachea edwardsi Deshayes. Nach DESHAYES. 
ııı. Pierotrachea umbilicata Chiaje. Nach CHIAJE. '/, 
112. Pterotrachea keraudreni (Souleyet). Nach SOULEYET. 
113— 114. Plerotrachea scutata Gegenbaur. 
Fig. 114. Vorderteil, ventral. Nach GEGENBAUR. 
115—115a, b. Pterotrachea sp. Smith. : 
Fig. ıı5a. Rüssel, von oben. Fig. 1155. Hautfleck. Nach SMITH. 
116. Pterotrachea souleyeti (Vayssiere). Nach VAVSSIERE. 
117. Pterotrachea gegenbauri (Vayssiere). Nach VAYSSIERE. 
118. Pterotrachea hyalina Forskäl. Wahrscheinlich eine Zzroloida. Nach FORSKÄL. 
119. Pterotrachea hyalina (cristallina) Chiaje. Nach DELLE CHIAJE. 
120. Pterotrachea pulmonata Forskäl. Nach FORSKÄL. 


5 Der EN‘ 
J. J. Tesch, Heteropoda. V 


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TAFEL VI. 


121— 122. Pterotrachea (Ancps) peroni d’Orbigny. 
Fig. ı22. Ventralansicht. Nach D’ORBIGNY. 
123. Pterotrachea (Anops) sp. Rattray. Nach RATTRAY. 
124. „Firoloides Da, Rattray Nach RATTRAY. 
125. „Frrola sp. er Wahrscheinlich eine Fzroloida. Nach a 
126. „Firola sp. jun.” Quoy et Gaimard. Wie die Vorige. Nach QuUoY et GAIMARD. 
127. Firoloida demarestia Lesueur. Nach LESUEUR. 
128. Firoloida desmarestia Souleyet. Nach SOULEYET. 
129. Firoloida desmarestii Huxley. Nach HUxLE£y. 
130—130a. Firoloida desmaresti (S') Vayssiere. Nach VAVSSIERE. 
131. Frroloida blainvilleana Lesueur. Nach LESUEUR. 
132. Firoloida aculeata Lesueur. Nach LESUEUR. 
133—133a. Firoloida lesueuri (d’Orbigny). 
Fig. ı33a. Ventralansicht. Nach d’ORBIGNY. 
134—134a. Firoloida gaimardı d’Orbigny. 
Fig. ı34a. Ventralansicht. Nach D’ÖRBIGNY. 
135. Firoloida lesueuri Souleyet. Nach SOULEYET. 
136. Firoloida gracilis (Troschel). Nach TROSCHEL. 
137. Firoloida vigilans (Troschel). Nach TROSCHEL. 
138. Frroloida. sp. Macdonald. Nach MACDONALD. 
139—139a. Firoloida kowalewskyi VWayssiere. Nach VAYSSIERE. 
140. Frroloida sp. Rattray. Nach RATTRAY. 


P. W.M. Trap, impr. 


II. 


l2. 


13. 


TAFEL VI. 


Fig. 1. Adlanta peroni Lesueur. 


Zungenknorpel etc. von Allanta peroni Lesueur, 40 x; von unten. ve/r, Retractoren des Schlund- 
kopfes; 3%, Zungenknorpel; ”, Radula. 


Fig. 2—4. Oxrygyrus rangi Souleyet. 


Schale, 38 x; von oben. 

Radula, 290 x. 

Wellenlinien auf der Schale, 76 x. 

Radula von Oxygyrus keraudreni Lesueur, 220 %. 


Operculum von Oxrygyrus keraudreni Lesueur, 10 x. 


. Operculum von Oxrygyrus rangi Souleyet, 25 x. 


Augen und Tentakel von Atlanta peroni Lesueur, 25 X; /, Tentakel; ww, tentakelförmiger Fort- 
satz an der Innenseite der Augen. 

Rüssel von Adlanta peroni Lesueur 25 x, von oben. #, Zungenknorpel; es, vorderste Speichel- 
drüsen; v, Radula; », Muskeln des Schlundkopfes; /sf, zweites Paar Speicheldrüsen. 


Fig. 9— 10. Atlanta afınis n. Sp. 


Schale, 10xX; von oben. 
Radula, 220 % 


Fig. 11— 13. Allanta gaudichaudi Souleyet. 


Schale, 35 X; von oben. 
Dieselbe, 35 X; von der Mündungsseite. 
Radula, 390 


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P. W.M. Trap, impr. 


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14. 


I5. 
16. 


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I7. 
IS. 


19. 
. Dieselbe, 35 X; von der Mündungsseite. 
. Radula, 390 » 


TAFEL VI. 


Fig. 14—ı8. Atlanta oligogyra n. Sp. 
g. 14 808) P 


Schale, 35 x; von oben. 

Dieselbe Schale, 35 x; von der Mündungsseite. 
Radula, 390 X. 

Eine andere, kleinere Schale, 35 X; von oben. 
Dieselbe, 35 x; von der Mündungsseite. 


Fig. 19— 21. Atlanta inflata Souleyet. 


Schale, 35 X; von oben. 


Fig. 22—24. Atlanta rosea Souleyet. 


. Schale, 35 X; von oben. 


Dieselbe, 35 X; von der Mündungsseite. 
Radula, 390 X. 


Radula von Atlanta turriculata Souleyet, 650 x. 
Radula von Atlanta inclinata Souleyet, 390 X. 
Radula von Atlauta gibbosa Souleyet, 390 X. 


Fig. 283— 30. Atlanta fusca Souleyet. 


. Schale, 35 x; von oben. 


Dieselbe, 35 X; von der Mündungsseite. 


. Dieselbe, 35 X; von unten. 


P.W.M. Trap, imp 


Seren 


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Kar 


Fig. 


Fig. 


TAFEL IX. 


Fig. 31— 34. Carinaria lamarcki Peron et Lesueur. 


Höcker auf dem Körper, 52%; zu jedem geht ein zarter Nervenfaden, nf; /f, Hautfleck. 

Schwanzende, 2%; von rechts. Es sind hier Höcker und Hautflecken gut auseinander zu halten. 
An der Unterseite, nahe dem Ende findet sich eine flügelförmige Ausbreitung. 

Schwanzmuskeln, 52 X ; Zn, Längs-, gm, Quermuskeln; %f, Hautflecken. 

Begattungsorgane, IO x; sf, Samenfurche, die sich auf dem Penis, /, in eine tiefe Rinne fortsetzt. 
Ha, Haftapparat. 


Fig. 35—42. Carinaria cristata Linne. 


Exemplar von Stat. 227, '|,x; das Tier wurde an der Oberfläche treibend gefunden, ohne Nucleus 
und Schale, und mass 42 cm. Es wurde dann gleich eine farbige Skizze angefertigt, um die 
Farben, welche das lebende Tier besass, zu zeigen; da aber diese Zeichnung dem wirklichen 
Habitus des Tieres nicht ganz entsprach, habe ich eine neue Abbildung des Tieres gegeben, 
und darauf die ursprünglichen Farben, welche nach langer Conservierung fast ganz verschwunden 
waren, anbringen lassen. 

Exemplar von Stat. 266, 1x; stark verstümmelt und dennoch offenbar lebend aufgefunden. 
Weiteres s. im Text. 

Exemplar von Amboina, 1 X; es wurde mir von Prof. WEBER eine Abbildung geschickt, welche 
sich offenbar auf C. cristata bezieht, und in 1860 angefertigt wurde. Sie ist hier genau repro- 
duzirt worden, ohne dass ich für die Farben selbstverständlich verantwortlich sein kann. Wei- 
teres s. im Text. 

Schale, 1 X; nach einer Schale im Museum zu Leyden, welche mir von Dr. HORST freundlichst zu 
Verfügung gestellt wurde. Das obere Ende war abgebrochen. 

Schale der Siboga-Expedition, I 

Dieselbe Schale, Spitze, 5 

Höcker auf dem Körper, 220 x; #2, Knorpelzellen, welche das Innere ausfüllen; a, isolirte Knor- 
pelzellen. In der Nähe des Höckers ist das Flächenepithel, fe, verschwunden; unterhalb dieses 
Epithels liegen sternförmige Bindegewebszellen, #3, und die isolirten Knorpelzellen, az, weiter 
reich verästelte Nervenfäden, »f. 

Muskeln des Schwanzes, 52%; /m, Längs-, gm, Quermuskeln; die Letzteren treten an verschie- 
denen Stellen mit einander in Verbindung. 


Siboga Expeditie. 11. J. J. TEscH, Heteropoda. IX 


eu nne——un non er - - E = = Zaren = —_ m nn - 


J- J. Tesch. del, P.W M.Trap, impr. 


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Fig. 


ig. 43. 
8. 43a,b,c,d. Teile derselben Radula, 15 > 


8. 44. 
8. 45. 


TAFEL X. 


Fig. 43. Carinaria cristata Linne. 
Umriss der Radula des Exemplares von Stat. 227 (Fig. 35), I » 


Fig. 43a, Mittelplatte,; Fig. 436, Zwischenplatte; Fig. 43d, Seitenplatten; sämtlich aus der 
4en Querreihe. Fig. 43c, Zwischenplatte der gen Querreihe. In Fig. 4368 u. 43c beachte man 
den Unterschied in der Strecke zwischen den Stellen @ und 2. 


Fig. 44—45. Carınaria galea Benson. 


Schale 227 Stat. 217. 
Spitze dieser Schale, 38 X; von rechts. Die kleine Spira liegt nach links in Hinsicht zur Symmetrie- 
Ebene der Schale; a bezeichnet den Übergangspunkt zwischen Spira und Schale. 


Fig. 46—51. Carinaria macrorhynchus n. Sp. 


. Tier mitsamt Schale, 10 x. 

. Spitze der Schale, 38 X, von rechts. 

. Dieselbe, 35 x, von links. 

. Ein Teil der Haut, 220 x. 3, sternförmige Bindegewebszellen,; %f, Hautflecken; zz, Nervenfäden 


und -zellen. 


. Ein Teil der Leibeswand, in der Nähe des Penis; man sieht die gekreuzten Muskelbündel und 


die Hautflecken, 52 X. s/, Samenfurche; 9, Penis; /a, Haftapparat. 


. Teile der Radula, 290 X; 26° Querreihe. Im oberen Teile der Figur sieht man Zwischenplatte 


und Seitenplatten noch im Zusammenhang; zu unterst die Mittelplatte isolirt. 


Fig. 52. Cardiapoda trachydermon n. Sp. 


. Cardiapoda trachydermon n. sp. Ein Teil der Haut; stellenweise finden sich flache Erhebungen, 


in deren Innerem sich ein Haufen Zellen findet, a, von knorpeliger Consistenz. Buchstaben 
übrigens wie in Fig. 49. 


Siboga Expeditie. 11. J. J. Tesch, Heteropoda. 


ı 


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P.W.M. Trap, imj 


. del. 


Tesch 


II 


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ig. 64. 


Fig. 


Fig. 


ig. 65. 


66. 
67: 


TAFEL XI. 


Fig. 53—56. Cardiapoda trachydermon n. Sp. 


. Linkes Auge, innerhalb der Kapsel, und Tentakel, 7, 26x. 
54. 
58: 
. Teile der Radula, 52 X; 20. Querreihe. Links Mittelplatte, rechts Zwischenplatte u. Seitenplatten. 


Teil des Leibeswand, nahe dem Penis. 13 x; s/, Samenfurche; /, Penis; a, Haftapparat. 
Ganzes Tier, &, 3%. Stat. 1306. 


Fig. 57—59. Cardiapoda sublaevis n. Sp. 


. Ganzes Tier, d'. 7X. Stat. 165. Fig. 57a. Schwanzende dieses Tieres, 10 X. 
M@anzesilier, ©, 7x. Stat. 165. 
. Teile der Radula, 290 X; 19€ Querreihe. Links Mittelplatte, rechts Zwischenplatte u. Seitenplatten. 


Fig. 60—63. Cardiapoda acuta n. sp. 


Ganzes Lierı ©, 35x Stat.z 35: 
. Anderes Exemplar, 9, 3x. Stat. 103. 
. Höcker, 290%; durch Haufen von kleinen Knorpelzellen, #2, auf der Haut hervorgerufen; »z, 


Muskelstreifen; die Nervenfäden sind rot bezeichnet. 


. Teile der Radula, 52x; 28. Querreihe. Links Mittelplatte, rechts Zwischenplatte u. Seitenplatten. 


Fig. 64—67. Pterotrachea. 


Structur der Stirndornen von Pferotrachea, 290 X. fe, Plattenepithel, nur stellenweise erhalten; 
kz, Knorpelzellen; zz, verästelte Nervenzellen. 

Schwanz, 3%. a, b, c, d, die vier Muskelbündel. Die blauen Linien bezeichnen ein sich ganz 
nach hinten erstreckendes Blutgefäss, überall durch einen Nervenfaden (rot) begleitet, der auch 
in den Schwanzfaden hinübertritt. Fig. 65a, Flosse des Schwanzendes, 3X; von unten, mit 
der Endigungsweise des vierten Muskelbündels. 

Typus des Auges von Pferotrachea S. S., 22 X. 

Typus des Auges von Zuryops, 44. X. 


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Siboga-Expeditie. 11. J. J. Trsch, Heteropoda. N 


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TAFEL XI. 


Fig. 68—72. Pterotrachea challengeri n. Sp. 


„Ganzes Iier, ©, 1x. Stat. 35. 

FGanzes-lier. 1, 1x. Stat. T48. 

Ganzeswlier @, 1x. stat, 269. 

. Mittelplatte der Radula (Querreihe 16) des Tieres v. Fig. 69, 290 x. 
. Mittelplatte der Radula (Querreihe 12) des Tieres v. Fig. 70, 290 X. 


Fig. 73—78. Pterotrachea intermedia n. Sp. 


- Ganzes Tier, &, 1x. Stat, 259. 
. Mittelplatte der Radula (Querreihe ı2) dieses Exemplares. 290 x. Fig. 74a. Zwischenplatte der- 


selben Reihe. 290 X. 


 Ganzesulier, ou 7x 2Stat- 253: 
. Kopf und Rüssel eines Tieres von Stat. 254. 3 X; Dorsalansicht. 
. Mittelplatte der Radula (Querreihe 20) dieses Exemplares. 290 x. Fig. 77a. Zwischenplatte der- 


selben Reihe. 290 X. 


. Palatinzähne desselben Tieres. 56 x. 


Fig. 79. Pterotrachea microptera n. Sp. 


- Ganzes Tier, g, 2X: Stat. 205. 


DE u u 


74.290 X 


del. P.W.M. Trap, im 


Az 


L 


- 90. 
ig. 91. 


TAFEL XI. 


Fig. So—85. Pterotrachea microptera n. Sp. 


. Saugnapf des Exemplares von Taf. XII, Fig. 79. 44x. 
Al@anzes henreer, 4 X. Stat2227: 
. Linke Reihe der Palatinzähne desselben Tieres, 290 x. Die Linie an der linken Seite der Figur 


deutet den linken Rand der dorsalen Mundrinne an. 


SGanzesulier, o., 11, X Stat 143: 
. Palatinzähne des Weibchens v. Stat. 295. 56. x. 
. Mittelplatte, Zwischenplatte und Seitenplatten der Radula (Querreihe 10) dieses Tieres. 290% 


Fig. 86—89. Pterotrachea (Euryops) mutabilis n. Sp. 


Ganzes Tier, &, 2%. Stat. 2152: 
. Ganzes Tier. 9, 2x. Stat. 276. 
. Mittelplatte der Radula (Querreihe 15) eines Tieres v. Stat. 172. 290%. Fig. 88a. Zwischenplatte 


und Seitenplatten derselben Reihe. 290 x. 


2 
. Palatinzähne des Exemplares v. Stat. 282. 290 x. Der Abstand zwischen den beiden Reihen etwa 


um !/, verkleinert. 
Fig. 90—91. Pterotrachea (Euryops) xenoptera n. Sp. 
Ganzes Tier, 9, 2x. Stat. 203. 


Mittelplatte der Radula dieses Tieres (Querreihe 8), 290 x. Fig. gıa. Zwischenplatte und Seiten- 
platten derselben Reihe, 290 x. 


Fig. 92—94. Pterotrachea (Euryops) orthophthalmus n. SP. 


. Ganzes Tier, 9, 2x. Stat. 48. 
ig. 93. 
g- 94- 


Auge dieses Tieres, in Umriss, 56 x. 
Ein Teil der 7en Querreihe der Radula des Tieres, 290 x. Links die Mittelplatte, rechts Zwischen- 
platte und Seitenplatten. 


XII 


82.290 x 


85.2907 


l 
93. 56r 
94.290 X 
91 3.290 x 


91.290 x 


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pi . Tesch e P.W.M. Trap, imp 
Ban del. 


A 


- 


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TAFEL XIV. 


Fig. 95— 110. Firoloida kowalewskyi Vayssiere. 


95. Kopf und Rüssel des Männchens, von der Dorsalseite. 12 X. drz, Buccalmasse; ”s, Rückenlinie; 
t, Tentakel. 

96. Rüssel eines Männchens, von unten gesehen. 10 X. dm, Buccalmasse; gm, Quermusculatur; 
ds, Bauchlinie. 

97. Ein Teil des Rumpfes und die Basis der Flosse. 56 x. 72, Rumpfmusculatur; a, erster, 5, zweiter 
Fortsatz der Flossenmusculatur, frz. 

98. Hinterende des Rumpfes und Nucleus eines Männchens. 20 X. an, Anus; %#, Kiemen; x, Nucleus; 
p, Penis; s, Schwanz; sf, Schwanzfaden; /, keulenförmiger Anhang des männlichen Geschlechts- 
apparates von Firoloida; o, Osphradium; »z, Niere, no, Nierenöffnung; a, Atrium; v, Ventrikel 
des Herzens. 

99— 101. Derselbe Körperteil verschiedener Weibchen, wo der Schwanz, je nachdem das Tier in 
Alcohol oder Formol aufbewahrt war, eine etwas verschiedene Gestalt hat. Fig. 99 u. 101 nach 
Formol-Exemplaren, das Tier von Fig. 100—100a2 zeigt die Seitenlappen des Schwanzes, infolge 
Schrumpfung durch Alcohol kleiner als den Mittellappen. Fig. 99, 100, 20 X. Fig. ıoI, 10 X. 
Erklärung der Buchstaben wie in Fig. 98. Ausserdem: s/, Seitenlappen des Schwanzes, zvg, 
zweites Visceralganglion; evg, erstes Visceralganglion, von dem ein Nerv zum Ösphradium 
zieht; ez, Eier. 

102. Osphradium, von unten gesehen. 100 x. z, Nerv, der vom ersten Visceralganglion kommend, 
am concaven Hinterrande des Organes mit einer ganglionären Anschwellung gr, endet; ar, 
Vorderrand; »z, Muskeln, welche das Organ zu einer Änderung der Gestalt befähigen. 

103. Penis und langer Fortsatz der wahrscheinlich als Haftapparat bei der Begattung dient; von 
rechts. 38 X. , Penis; s/, Samenfurche; %, Haftapparat. 

104—106. Weibchen; das erste Exemplar (Fig. 104) hat am Ende des Rumpfes zwei deutliche Tor- 
sionen (der Nucleus dieses Tieres ist in Fig. 101 abgebildet); vom zweiten Tiere (Fig. 105) 
ist der vordere Teil der Eischnur abgebildet worden; in Fig. 106 fehlt diese gänzlich, ist 
wohl zufällig abgerissen. 3 X. 

107— 108. Männchen; beachtenswert ist namentlich das verschiedene Aussehen des Schwanzfadens. 
Bie. 107, 37x; Im 1osEs 

109. Schwanzfaden des Männchens, an einzelnen Stellen knotig verdickt. 120 x. 

ı1o. Mittelplatte und Zwischen- und Seitenplatten der Radula. 15€ Querreihe. 290 x. »z, Mittelplatte; 
z, Zwischenplatte; s, Seitenplatte. 


Mor 


XIV 


ns IR TescH, Heteropoda. 


100.20 x 


evg 


109. 720 x 


10.290 x 


P.W.M.Trap, in 


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Hy 


CONDITIONS GENERALES DE VENTE. 


ı?. L’ouvrage du „Siboga’” se composera d’une serie de monographies. 
2°. Ces monographies paraitront au fur et a mesure qu’elles seront pretes. 


3°. Le prix de chaque monographie sera different, mais nous avons adopte comme base generale du prix de 
vente: pour une feuille d’impression sans fig. flor. 0.15; pour une feuille avec fig. flor. 0.20 ä 0.25; 
pour une planche noire flor. 0.25; pour une planche coloriee flor. 0.40; pour une photogravure flor. 0.60. 


4°. Il y aura deux modes de souscription: 
a. La souscription a l’ouvrage complet. 


6. La souscription a des monographies separdes en nombre restreint. 
Dans ce dernier cas, le prix des monographies sera majore de 25 /,. 


5°. L’ouvrage sera reuni en volumes avec titres et index. Les souscripteurs A l’ouvrage complet recevront 
ces titres et index, au fur et a mesure que chaque volume sera complet. 


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